mini|Denkmal an Else Eberhard-Schobacher Else Eberhard-Schobacher (* 1887 in Passau; † 9. März 1955 in Kempten (Allgäu)) war eine Heimatdichterin des Allgäus. Else Eberhard-Schobacher galt zu Lebenszeiten als wesentlicher Bestandteil der Kemptener Gesellschaft.
Leben Else Schobacher kam im Jahr 1887 in Passau auf die Welt. Ihre Jugend verbrachte sie im Allgäu. Während des Ersten Weltkriegs war sie im Sanitätswesen tätig und begann ihre schriftstellerische Tätigkeit mit ersten Veröffentlichungen unter anderem im Allgäuer Tagblatt. 1922 heiratete sie den Apotheker Ernst Eberhard und zog in das Haubenschloß. In einem der Türme des kleinen Schlosses hatte die Schriftstellerin ihr Dichterzimmer. In diesem Raum sind die Geschichten Mit Feder und Spaten und der Heimatroman Der Sang ist verschollen entstanden. Zu ihren Theaterstücken gehören der Einakter Badöfele. Das Gedicht Haubenschloßwinter bezog sich auf ihr Wohnhaus. Zu ihren weiteren Werken gehören die Geschichten Freund Igel und Wiesn meiner Kinderzeit, diese werden heute durch ein regionales Theaterprojekt aufgeführt.
Schon in den 1920er Jahren verfasste sie nationalistische Gedichte. Ihr Gedicht „Föhn“ wurde zum Namensgeber des völkischen Kampfblattes „Föhn“, das als erste nationalsozialistische Zeitung des Allgäus 1924 erstmals erschien und vom Kemptener NSDAP-Kreisleiter herausgegeben wurde. Ab 1930 war sie Mitarbeiterin beim Bayerischen Rundfunk.Bericht der Kommission für Erinnerungskultur für die Sitzung des Stadtrates Kempten (Allgäu) am 23.04.2026, S. 38 u. 39.
Die Autorin verbreitete auch Inhalte mit nationalsozialistischer Ideologie. Seit 1933 wurde sie von lokalen und regionalen Nationalsozialisten massiv gefördert und veröffentlichte in zahlreichen Zeitschriften und anderen Publikationen der NSDAP. Ihr Stück „Unter der Fahne schreiten wir. Großer dramatischer Sprechchor“ von 1935 verherrlicht die NS-Bewegung. 1936 verfasste sie das Allgäuer Mundartstück Funkensonntag, mit dem sie die Aufmerksamkeit nationalsozialistischer Rassen- und Kulturpolitiker erhielt. Dem überzeugten Rassenhygieniker und Kemptner Oberbürgermeister Otto Merkt erschien dieses Stück dafür prädestiniert, den „nationalsozialistischen Gedanken von der Vererbung beim Menschen, der im schwäbischen Volk noch nicht Fuß gefasst hat, zu predigen und zwar besser als gelehrte Vorträge.“ Ab 1937 war sie Mitglied der Reichsschrifttumskammer. Der Gaukulturwart Richard Knussert zeichnete Else Eberhard-Schobacher für ihre Arbeit aus.Martina Steber: Ethnische Gewissheiten: Die Ordnung des Regionalen im bayerischen Schwaben vom Kaiserreich bis zum NS-Regime. Vandenhoeck & Ruprecht, 2010, S. 426 f.
Else Eberhard-Schobacher überlebte den Luftangriff am 3. August 1944 auf dem Schloss, wobei das Bauwerk stark zerstört wurde. Die Schriftstellerin stellte daraufhin eine Gedenktafel mit einer Friedensbotschaft in dem Schlossgarten auf. Sie stellte sich nach 1945 als vom Nationalsozialismus Bedrängte und Verfolgte, wenn nicht als Widerstandskämpferin dar und verkehrte somit die tatsächlichen Realitäten völlig.
Die Heimatdichterin starb am 9. März 1955 an den Folgen eines Verkehrsunfalls in Kempten. Im Rotschlößle, der Stadtteilbibliothek in Sankt Mang, ist ein Eberhard-Schobacher-Zimmer mit einem Teil ihres Nachlasses eingerichtet. 1997 wurde westlich des Allgäu-Gymnasiums ein Denkmal aufgestellt. Ebenso erinnert der Eberhard-Schobacher-Weg an die Schriftstellerin, der direkt neben ihrem Denkmal entlangführt. 2026 empfahl die städtische Kommission für Erinnerungskultur eine Umbenennung des Weges.NS-Propaganda in Allgäuer Mundart: Kommission schlägt Umbenennung des Eberhard-Schobacher-Wegs in Kempten vor. kreisbote.de, abgerufen am 1. Juni 2026.
Weblinks Bestand „Else Eberhard-Schobacher“ im Katalog der Stadtbibliothek Kempten
Einzelnachweise
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