Joerg Zboralski (* 22. März 1967 in Wattenscheid; † 27. März 2014 in Hamburg) war ein deutscher Künstler (Konzeptkunst, Installationen, Fotografie, Theaterregie, Bühnenbild).
Leben Joerg Zboralski studierte von 1985 bis 1992 an der staatlichen Kunstakademie Düsseldorf Malerei bei Gerhard Richter. Er war dessen Meisterschüler seit 1992. 2002 erhielt er den Förderpreis der Stadt Düsseldorf. Gefördert wurde er zudem durch ein New-York-Stipendium sowie durch die Ernst-Poensgen-Stiftung., abgerufen am 28. Dezember 2011 2006 besaß Zboralski ein Atelier im Duisburger Künstlerhaus Goldstraße.
Der künstlerischen Arbeit Zboralskis liegt ein veränderter Begriff von Autorenschaft zugrunde. Mit der Intention, die Kunst vom Repräsentations- und Dekorationsbedürfnis der bürgerlichen Kultur zu befreien, eignet sich Zboralski anti-auratisches Material an, legt Dokumentensammlungen aus der Kunstwissenschaft (Konstruktivismus, Conceptual Art, Minimal, Earth Art) und esoterischen Grenz- und Pseudobereichen (Ufologie, Science Fiction) an. Er bezieht Devotionalienkult jugendkultureller Pop-Phänomene sowie außerkünstlerische Materialisationen ein, um aus scheinbar disparaten Welten ein neues geistigen System zu knüpfen. Dabei greift er natur-, wie auch geisteswissenschaftliche Methodologien auf, weil das Werk sich nicht als individualistische Selbstäußerung entwickelt, sondern sich als Modell von Referenzen, Bezügen, Verweisen und Konnotationen gewissermaßen selbst äußert. Die aus diesem Werkbegriff resultierende Distanz zum generellen Selbstverständnis künstlerischer Autorenschaft macht veränderte Präsentationsmechanismen für das Werk notwendig. Zboralski übernimmt dabei wissenschaftliche und museologische Dispositive, die als formale Systeme Stellvertreterfunktionen übernehmen. Um seine Sammlungen, Recherchen und Materialagglomerationen zu systematisieren, zu konzentrieren und auf einen zündenden Punkt zu bringen, übernimmt der Künstler in Personalunion die Rollen des Kurators, Auftraggebers, Kunstwissenschaftlers und seines eigenen Museumsdirektors. Das individuelle Werk relativiert sich als ein gesellschaftlicher Prozess, bei dem es viele Beteiligte gibt.
Ausstellungen (Auswahl) 1994: Integrale NGBK Berlin 1997: Area 51, Bochynek Galerie, Düsseldorf 1999: Projekt: Mangelhafter Fünfling/Ringausläufer, Landesgartenschau Oberhausen 1999: Basler Flugblätter 1, Murray Guy Gallery, New York 2000: unknown reality, OHIO Vitrine, Eintrachtstr.2, Köln 2000: Basler Flugblätter 2, Bochynek Galerie, Düsseldorf 2001: Tische der Kommunikation. Museum Folkwang Essen 2001: 2. Liga Nord, Galerie mini, Duisburg 2001: Das Gordon-Matta-Clark-Problem, Bochynek Galerie, Düsseldorf 2002: Wilfried 9. Theater der Welt, X-Wohnungen, Duisburg 2003: Sun Ra und Outer space, Kabinett der Agenten, Star Sun, Duisburg-Rheinhausen 2003: muss ja. Leute und Flugobjekte, Schauspielhaus Bochum (mit Sibylle Berg) 2005: „planet“, 2. Berliner Kunstsalon, Arena Berlin, Sondershow 2006: Capribatterie e.V. Kunsttransfer Düsseldorf – Neapel, Kunsthalle Düsseldorf (mit Jörg Paul Janka) und Fondazione Morra, Neapel (mit Jörg Paul Janka) 2006: Globus Dei. Der Ball und die Kunst, Quadrat Bottrop – Josef Albers Museum (mit Jörg Paul Janka) 2008: Wilfried 9. IMPAKT Filmfestival, Utrecht (NL)
Inszenierungen Seit 2008 feste Zusammenarbeit mit der Regisseurin Mirja Biel als Regieduo "Biel/Zboralski" auch in den Bereichen Bühne und Kostüm Die bitteren Tränen der Petra von Kant nach Rainer Werner Fassbinder, BHK, Theater Bremen, 2008 WERTHER! nach Johann Wolfgang Goethe, Co-Regie, Musik und Video, Deutsches Theater Göttingen, 2009 Das stille Kind nach Martin Crimp, Musik, Neues Schauspielhaus, Theater Bremen, 2009 LA DOLCE VITA (UA) nach Federico Fellini, Co-Regie, Musik, Video und Fassung, Neues Schauspielhaus, Theater Bremen, 2010 Herr Schuster kauft eine Strasse (UA) nach Ulrike Syha, Regie, Musik, Video und Kostüm, Nationaltheater Mannheim, 2010 Groß und Klein nach Botho Strauß, Regie, Bühne, Musik, Video und Kostüme, Neues Schauspielhaus, Theater Bremen, 2010 Ulrike Maria Stuart nach Elfriede Jelinek, Regie, Bühne und Kostüme, BHK, Theater Bremen, 2011 Leonce und Lena nach Georg Büchner, Regie und Bühnenbild, Neues Schauspielhaus, Theater Bremen, 2011 "Herr mit Sonnenbrille" von Gerhild Steinbuch, Regie, Video und Musik, Theater Chemnitz, 2021
Literatur Bücher Das Marxloh Dreieck. X-Wohnungen, Alexander Verlag.
Buchbeiträge Zwischen Anarchistischer Gummizelle und Professorenkasino. Die Düsseldorfer Kunstakademie in den mittleren und späten Achtzigerjahren. (Interview) In: Brigitte Kölle: Es geht voran! Kunst der 80er. Eine Düsseldorfer Perspektive. Prestel Verlag, S. 306–311. Alternative Öffentlichkeiten in einer Industriestadt in der Schwebe. In: Constructing the Truth – Kunst in öffentlichen Raum. Nürnberg, Verlag für moderne Kunst, S. 26 Von hier waren die nicht. In: kult Magazine. (Ch) Nr. 5712 / 2003, S. 83–95. Nach hause telefonieren. (Interview) In: Gerd Dembowski (Hrsg.): Die neuen Heiligen. Alibri Verlag, 2001, S. 114–118. Der Paranoia - Diskurs. In: Sven Drühl: Kunstforum international. Bd. 163 / 2003, S. 122–128. Tische der Kommunikation. Interview zusammen mit Czech, Kampe In: (Kat. / Interview), 2001, Städtische Galerie im Folkwang Museum Der ironische Umgang mit dem paranormalen in der Kunst der Gegenwart! Ufos, Medien und Poltergeister im Werk von Sigmar Polke, Anna und Bernhard Blume und Joerg Zboralski. Carolin Christina Artz: Magisterarbeit, Universität Osnabrück
Weblinks Klaus Torsy: Joerg Zboralski gestorben. Nachruf auf kultur-in-bonn.de vom 1. April 2014
Einzelnachweise
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