Schmidmühlen ist ein Markt im Oberpfälzer Landkreis Amberg-Sulzbach und zählt zur Metropolregion Nürnberg.

Geografie Schmidmühlen liegt in der Region Oberpfalz-Mitte am Zusammenfluss von Vils und Lauterach.

Gemeindegliederung Es gibt 24 Gemeindeteile (in Klammern ist der Siedlungstyp angegeben):

Es gibt die Gemarkungen Emhof, Schmidmühlen und Winbuch.

Geschichte Der Ort wurde erstmals 1010 erwähnt. 1270 erschien Schmidmühlen in einem Salbuch Herzog Ludwigs des Strengen als Markt.Franz Xaver Eichenseer: Der Markt Schmidmühlen in der Oberpfalz. Schmidmühlen 1990, S. 18. Wirtschaftlich war der Ort im Mittelalter als Hafen am Zusammenfluss von Lauterach und Vils sowie als Standort eines der größten Hammerwerke der damaligen Zeit von Bedeutung. Der Markt Schmidmühlen war Amtssitz und gehörte ursprünglich zur Münchner Linie der Wittelsbacher. 1505 wurde Schmidmühlen mit den anderen Gebieten des bayerischen Nordgaus in das neu geschaffene Herzogtum Pfalz-Neuburg eingegliedert.Franz Xaver Eichenseer: Der Markt Schmidmühlen in der Oberpfalz. Schmidmühlen 1990, S. 54–56. Die Grenze zur Oberpfalz lag drei Kilometer nördlich, was immer wieder zu Auseinandersetzungen vor allem mit dem mächtigen Amberg führte. Im Spanischen Erbfolgekrieg fand 1703 die Schlacht bei Schmidmühlen statt.Franz Xaver Eichenseer: Der Markt Schmidmühlen in der Oberpfalz. Schmidmühlen 1990, S. 29–31. Bei der Schlacht wurde der Markgraf Georg Friedrich von Brandenburg-Ansbach tödlich verwundet.

Mit der Regierungsübernahme Karl Theodors von Pfalz-Sulzbach 1778 in München wurde das Gebiet wieder zu einem Teil des Kurfürstentums Bayern, doch wurden die Gebiete erst nach den napoleonischen Kriegen in die Oberpfalz eingegliedert. Schmidmühlen besaß ein Marktgericht mit magistratischen Eigenrechten. Im Zuge der Verwaltungsreformen in Bayern entstand mit dem Gemeindeedikt von 1818 die heutige Gemeinde, die bis zur Gebietsreform eng mit dem Gerichtsort und späteren Landkreissitz Burglengenfeld verbunden war. Heute ist Schmidmühlen die südlichste Gemeinde des Landkreises Amberg-Sulzbach. Damit kam eine Umorientierung in Richtung Norden zum Abschluss, die vor 100 Jahren mit dem Bau der Bahnstrecke Amberg–Schmidmühlen (1910–1985, heute Teil des Fünf-Flüsse-Radwegs) begonnen hatte.Franz Xaver Eichenseer: Der Markt Schmidmühlen in der Oberpfalz. Schmidmühlen 1990, S. 108–112.

Eingemeindungen Am 1. Januar 1946: die Gemeinde Emhof Am 1. Juli 1972: die Gemeinde Winbuch, von der Gemeinde Lanzenried die Orte Eglsee, Pettenhof und Vilshof sowie von der Gemeinde Höchensee die Orte Archenleiten, Baumhof, Harschhof, Markhof, Oberadlhof, Sinzenhof und Unteradlhof Am 1. Januar 1974: der Ort Galching von der Gemeinde Egelsheim

Montangeschichte mini|Wappen der Familie von Vischbach am ehemaligen Hammerwerk Schmidmühlen verdankt seinen Ortsnamen nicht geografischen, geologischen oder besiedelungsspezifischen Merkmalen, sondern zwei wichtigen Industriezweigen, die beide auf Wasserkraft angewiesen sind, Schmieden und Mühlen. Am linken Lauteracharm befanden sich die Obere und die Untere Mühle, am rechten Arm des Flussdeltas mehrere Schmieden, die sich zu bedeutenden Hammerwerken entwickelten. In einem Eisenhammer wurde das Eisen durch einen mit einem Wasserrad angetriebenen Hammer ausgeschmolzen. Die Eisenhämmer verhütteten Eisenerz mit Holzkohle in den so genannten Rennherden, in denen das Eisen zerrann. In diesen Schmelzöfen wurde das Erz zu einem glühenden Klumpen aus rohem Eisen, Schlacke und Kohleresten verschmolzen. Dieser Klumpen wurde dann auf den Hämmern so lange ausgeschmiedet, bis Schlacke und Kohlenreste entfernt waren. Das Eisen wurde in Schienen- oder Blechform für die weitere Verarbeitung vorbereitet. Neben einem Fluss für die Wasserkraft waren für Standorte von Eisenhämmern auch Wälder zur Gewinnung großer Mengen von Holzkohle sowie Eisenerzvorkommen in der näheren Umgebung wichtig. Diese Voraussetzungen, Holz im Hirschwald und Gruben im Blaugrund, bei Pilsheim und die Wasserstraße beliefert mit Sulzbacher Erz, ließen Schmidmühlen zum größten Eisenhammer des Mittelalters im damaligen Bayern aufsteigen. Anno 1326 zinste der Hammer Schmidmühlen mit dem dreifachen Betrag anderer Hämmer. Das Schmidmühlner Schieneisen wurde mit Schiffen nach Regensburg transportiert und von dort im ganzen Donauraum gehandelt. Als ab dem 18. Jahrhundert mit Beginn der industriellen Revolution die Stahlproduktion in anderen Gebieten ihren Aufschwung nahm, wurde der Hammer zerschlagen. Neben den beachtlichen baulichen Relikten, dem prächtigen Hammerschloss, dem ehemaligen Hammerwerk und einem Wasserrad, erinnert noch das Schmidmühlner Wappen mit Hammer und Mühlrad an die große industrielle Vergangenheit des damals nicht so idyllischen Ortes.Zur Montangeschichte Schmidmühlens siehe: Klaus Altenbuchner, Michael A. Schmid: Das Hammerschloss in Schmidmühlen. Zur Wiederentdeckung eines italienisch geprägten Schlosses und seiner bedeutenden Dekoration. In: Verhandlungen des Historischen Vereins für Oberpfalz und Regensburg. 143, 2003, S. 397–418.

Hopfenanbau mini|Gasthof Zum Goldenen Lamm, Giebel mit Hopfentor und Belüftungsfenster des Hopfenbodens Über Jahrhunderte war der Anbau von Hopfen der Haupterwerbszweig des Marktes. In den Acta des Kastenamtes Burglengenfeld befindet bereits aus dem Jahre 1568 eine Aufzeichnung über Hopfenanbau in Schmidmühlen: Sebastian Perre hatte einen Hopfengarten angelegt. Auch eine Abbildung Schmidmühlens aus dem Jahr 1623 zeigt die charakteristischen Hopfenstangen – es ist die früheste Abbildung des Hopfenanbaus in Bayern. Als „Siegelhopfen“ wurde der Schmidmühlner Hopfen wegen seiner besonderen geografischen Herkunft ausgezeichnet und war bei Bierbrauern sehr begehrt. 1867 wurde zum ersten Mal die Hälfte des Hopfens vom Kupferbrand, einer neu auftretenden Hopfenkrankheit, befallen. Da es damals noch kein Mittel dagegen gab, wurde der Hopfenanbau immer unrentabler. Um 1900 gab es in Schmidmühlen nur noch drei Hopfenbauern, der letzte gab vor dem Zweiten Weltkrieg auf. An den mächtigen Giebeln der Hauptstraße sind noch die ehemaligen Hopfentore und Lüftungsfenster zu sehen, hinter denen sich Hopfentrockenböden befanden. Auch die bis zu einem Meter hohen aufgeschichteten Steinmauern, welche die Hopfengärten vor Wind und Hochwasser schützten, sind oberhalb des Sportplatzes noch gut zu erkennen. Dort zeugen nur vereinzelte wilde Hopfenpflanzen von der besonderen Ackerbaugeschichte Schmidmühlens.Klaus Altenbuchner, Josef Popp: Entdecken Sie Schmidmühlen. Sehenswürdigkeiten in und um den Markt Schmidmühlen. Flyer zum Skulpturenweg. Schmidmühlen 2010.

Einwohnerentwicklung Zwischen 1988 und 2018 wuchs der Markt von 2202 auf 2358 um 156 Einwohner bzw. um 7,1 %.

Die Einwohnerangaben beziehen sich auf die Gemeinde in der heutigen Ausdehnung.Einwohnerangaben vom Statistischen Landesamt Bayern, 1961 bis 1987: Volkszählungsergebnisse Jahr 1961 1970 1987 1991 1995 2000 2005 2010 2015 Einwohner 2175 2270 2217 2360 2352 2425 2459 2371 2330

Politik

Marktgemeinderat Der Marktgemeinderat hat 14 Mitglieder. Weiteres Mitglied und Vorsitzender des Marktgemeinderates ist der Bürgermeister. Bei der Kommunalwahl vom 15. März 2020 haben von den 1963 stimmberechtigten Einwohnern im Markt Schmidmühlen 1377 von ihrem Wahlrecht Gebrauch gemacht, womit die Wahlbeteiligung bei 70,15 % lag.

Bürgermeister Erster Bürgermeister ist Peter Braun (CSU). Dieser wurde im Jahr 2002 Nachfolger von Manfred Puchta (SPD/Unabhängige Wähler). Bei der Kommunalwahl vom 15. März 2020 wurde Peter Braun mit 57,77 % der Stimmen wiedergewählt.

Steuereinnahmen 2017 betrugen die Gemeindesteuereinnahmen 2.522.000 Euro, davon waren 1.025.000 Euro Gewerbesteuereinnahmen (netto) und 1.278.000 Euro Gemeindeanteil an der Einkommensteuer.

Wappen

Sehenswürdigkeiten Mittelpunkte des Ortes sind die Pfarrkirche St. Ägidius sowie das Obere Schloss und das Hammerschloss, die beide mit kunsthistorischen Sehenswürdigkeiten aufwarten.

Kirchen Pfarrkirche St. Ägidius

Friedhofskirche St. Georg mini|Friedhofskirche St Georg Die Kirche wurde um 1600 errichtet und hatte eine Art Portalfunktion zum Friedhof. Dies belegen Reste von Fresken (heute übermalt), die mit Scheinarchitekturen die ehemaligen Eingänge an den beiden Langseiten umrahmen. Um 1700 wurde der Chor angebaut und das Langhaus erhöht. Obwohl die Ausstattungsstücke aus unterschiedlichen Jahrhunderten stammen (Barock, Rokoko und Historismus), vermittelt die Kirche durch die seit der letzten Restaurierung 2009 wiederhergestellte Farbfassung des späten Historismus (um 1890) ein Bild von seltener Einheitlichkeit.

Wallfahrtskirche zur Heiligen Dreifaltigkeit auf dem Kreuzberg mini|Kreuzbergkirche im Frühjahr

Der vorgeschichtliche Ringwall auf dem Kreuzberg bei Schmidmühlen zeugt von der langen Besiedelungstradition des Vils- und Lauterachtals. Inmitten dieser keltischen Wohn- und Kultstätte beschwört eine Wallfahrtskirche mit christlicher Geduld die alten heidnischen Geister. Ihre Entstehung verdankt das Kirchlein vermutlich einem Gelübde der Marktbürger und Bauern der Umgebung, als 1697 eine Viehseuche wütete. Wie das große Vorbild der Mariahilfkirche in Amberg sollte die Dreifaltigkeitskirche mit einer mächtigen Freitreppe majestätisch auf dem Kreuzberg thronen und weit hinauf in das Vilstal grüßen. Durch die Wirren des Spanischen Erbfolgekrieges in dieser Gegend (Schlacht bei Schmidmühlen) konnte jedoch nur der Chor verwirklicht werden. Seit ihrer Entstehung ist die Kreuzbergkirche eine vielbesuchte Wallfahrtsstätte, wovon noch zahlreiche Votivbilder zeugen. Seit 1953 im Truppenübungsplatz Hohenfels gelegen, drohte dem Kirchlein wie allen Gebäuden in diesem Gebiet Verfall und Zerstörung. Dieses Schicksal konnte 1969 durch einen Rückkauf von Bergkuppe und Ringwall durch die Pfarrei verhindert werden. Als einzige Enklave im Truppenübungsplatz Hohenfels ist die Kreuzbergkirche das Wahrzeichen des Marktes Schmidmühlen und setzt durch ihre Existenz ein Zeichen christlicher Werte inmitten eines intensiv militärisch genutzten Gebiets. Franz Xaver Eichenseer: Der Markt Schmidmühlen in der Oberpfalz. Schmidmühlen 1990, S. 88–89.

Schlösser Hammerschloss mini|Hammerschloss

Das Hammerschloss zeugt von der großen Vergangenheit Schmidmühlens als Zentrum der Oberpfälzer Eisenindustrie, eine Bedeutung, die sich am Ortsnamen ablesen lässt. Im Kern noch spätgotisch, sind die Architektur des Schlosses und seine Ausstattung vom italienischen Barock geprägt. Der Bauherr Johann Hector von Vischbach, durch seinen Aufenthalt während der Türkenkriege am Wiener Hof mit den neuesten Strömungen der Baukunst diese Zeit in Berührung gekommen, ließ sich ein Schloss nach Vorbild italienischer Adelspaläste erbauen. mini|Bellona – Göttin des Krieges, Fresko von Hans Georg Asam Berühmtestes Beispiel für diesen Schlosstypus ist der Mittelbau von Schloss Nymphenburg in München. Phantasievolle Stuckdecken von Giovanni Niccolò Perti und Fresken von Hans Georg Asam, dem Vater der Gebrüder Asam, erheben das Schmidmühlner Hammerschloss zu einem der wichtigsten Bauwerke des Landkreises. Das Schloss dient heute als Kultur-, Pfarr- und Gemeindezentrum und war Kulisse für das Festspiel Erasmus Grasser anlässlich der 1000-Jahr-Feier des Marktes im Jahre 2010.

Oberes Schloss (Rathaus) mini|Oberes Schloss