Olecko [] ( bis 1928 Marggrabowa (umgangssprachlich auch Oletzko), 1928–1945 Treuburg) ist eine Stadt in der polnischen Woiwodschaft Ermland-Masuren. Sie ist Sitz der gleichnamigen Stadt-und-Land-Gemeinde mit Einwohnern (Stand ).

Geographische Lage Die Stadt liegt im nordöstlichen Masuren an der Mündung des Flusses Lega (früher Oleg) in den Jezioro Oleckie Wielkie (Großer Oletzkoer See, 1928–1945 Großer Treuburger See) an dessen westlichem Ufer, etwa 25 Kilometer nordnordöstlich der Stadt Ełk (Lyck) und 30 Kilometer südwestlich der Stadt Suwałki (Suwalken). mini|Stadtbild aus der Vogelperspektive

Stadtgliederung Bis 1945 Bis 1945 gehörten vier Ortschaften zur Stadtgemeinde bzw. Stadt Marggrabowa (Oletzko)/Treuburg: Birkenort (Skowronki) Elisenhöhe (Siejnik) Grüneberg (Zielonówek) Legahof (Lesk)

Nach 1945 Heute gliedert sich die Stadt (Miasto) Olecko in sechs Stadtteile und Siedlungen (): Lesk Osiedle Nad Lęga Osiedle Zielone Siejnik Śródmieście XXX-leciaumgangssprachlich auch: Hamburg

Geschichte mini|Ehemaliges Kreishaus des Landkreises Treuburg (Aufnahme 2008) Herzog Albrecht von Preußen, der vor dem Erlangen der Herzogswürde als nichterbender Sohn Markgraf von Brandenburg-Ansbach war, gründete am 1. Januar 1560 die Stadt Marggrabowa (auch Oletzko genannt) und verlieh ihr das Kulmer Recht. Die Gründung der Stadt war zum Andenken an eine in dieser Gegend stattgefundene freundschaftliche Unterredung mit seinem Cousin und Lehnsherrn König Sigismund II. August von Polen-Litauen erfolgt, der seinerseits zeitgleich in seinem eigenen Land – ebenfalls zum Andenken an diese Zusammenkunft – die etwa vierzig Kilometer weiter südostwärts gelegene Stadt Augustowa gründete.Johann Friedrich Goldbeck: Volständige Topographie des Königreichs Preussen. Teil I: Topographie von Ost-Preussen. Königsberg / Leipzig 1785, S. 38–39; .August Eduard Preuß: Preußische Landes- und Volkskunde oder Beschreibung von Preußen. Ein Handbuch für die Volksschullehrer der Provinz Preußen, so wie für alle Freunde des Vaterlandes. Gebrüder Bornträger, Königsberg 1835, S. 454, Nr. 64; . Der Ortsname leitet sich vom polnischen Margrabia her, das als Lehnwort aufs deutsche Wort Markgraf zurückgeht. Bereits 1544 hatte an dieser Stelle eine 1599 erstmals erwähnte Jagdhütte namens Oletzko bestanden. Auf einer der Stadt vorgelagerten Halbinsel zwischen Lega und See wurde 1619 das Schloss Oletzko errichtet. Als Ortsname für die Stadt war seither auch Oletzko in Gebrauch. 1709 erlag der größte Teil der Einwohner einer Pestepidemie (1100 Tote, 98 Überlebende). Um 1900 hatte Marggrabowa eine katholische Kirche und eine Synagoge.

Die Stadt war von 1818 bis 1945 Sitz des preußischen Kreises Oletzko (1933 umbenannt in Kreis Treuburg, ab 1939 Landkreis Treuburg). Als Gerichte dienten bis 1828 das Stadtgericht Marggrabowa und das Kreisjustizamt Oletzko, dann bis 1849 das Land- und Stadtgericht Marggrabowa und von 1849 bis 1879 das Kreisgericht Marggrabowa. Von 1879 bis 1945 befand sich hier das Amtsgericht Marggrabowa.

Nach Ende des Ersten Weltkriegs fand 1920 im Abstimmungsgebiet Allenstein / Masuren eine Volksabstimmung statt, in der sich die Bevölkerung für eine Zugehörigkeit zu Ostpreußen oder aber zu Polen entscheiden sollte. In der Stadt Oletzko wurden 3.903 Stimmen für Ostpreußen, jedoch keine für Polen abgegeben.Herbert Marzian, Csaba Kenez: Selbstbestimmung für Ostdeutschland. Eine Dokumentation zum 50. Jahrestag der ost- und westpreußischen Volksabstimmung am 11. Juli 1920. Hrsg.: Göttinger Arbeitskreis. 1970, S. 63. Im Kreis Oletzko wurden nur zwei von 28.627 Stimmen für Polen abgegeben. Ein Ministerialerlass vom 21. Dezember 1928 genehmigte die von der zum Ausdruck gebrachten Treue zu Deutschland abgeleiteteDarstellung der Kreisgemeinschaft Treuburg Umänderung des Stadtnamens Marggrabowa in Treuburg.Otto Hupp: Deutsche Ortswappen. Kaffee-Handels-Aktiengesellschaft, Bremen 1925. Am 27. Juni 1933 wurde dann auch der Kreis in „Kreis Treuburg“ umbenannt; diese Umbenennung beendete die jahrzehntelange Verwirrung um die unterschiedlichen Namen von Stadt (Marggrabowa) und Kreis (Oletzko). Sie wurde von der Bevölkerung begrüßt – im Gegensatz zu den späteren Umbenennungen durch die Nationalsozialisten, die ab 1938 die traditionellen masurischen und altpreußischen Namen vieler Orte der Umgebung durch historisch nicht gerechtfertigte, „rein deutsche“ Bezeichnungen ersetzten.

Bis 1945 war Treuburg Kreisstadt des Kreises Treuburg im Regierungsbezirk Gumbinnen der preußischen Provinz Ostpreußen im Deutschen Reich.

Gegen Ende des Zweiten Weltkriegs wurde die Stadt im Oktober 1944 geräumt und im Januar 1945 nach Kämpfen von der Roten Armee besetzt. Während der Kriegshandlungen wurde sie zu 80 Prozent zerstört. Bald darauf wurde Treuburg zusammen mit der südlichen Hälfte Ostpreußens von der Sowjetunion der Volksrepublik Polen zur Verwaltung überlassen. Soweit die Einwohner nicht geflohen waren, wurden sie in der darauffolgenden Zeit von der polnischen Verwaltungsbehörde aus Treuburg vertrieben und durch zuwandernde Polen ersetzt. Die deutsche Stadt Treuburg wurde in Olecko umbenannt.

1946 bis 1975 war Olecko Sitz eines Powiats. Durch eine Verwaltungsreform kam der Ort 1975 zur neu gebildeten Woiwodschaft Suwałki, 1999 dann zu der Woiwodschaft Ermland-Masuren und wurde wieder Powiatsitz.

Wappen Blasonierung: „In Silber auf grünem Boden eine blaue dreitürmige Burg mit höherem Mittelturm, belegt mit einem Schild: gespalten, rechts am Spalt ein halber, roter Adler (Brandenburg), links von Silber und Schwarz geviertet (Zollern).“Erich Keyser: Deutsches Städtebuch. Handbuch städtischer Geschichte, Bd. I: Nordostdeutschland. W. Kohlhammer Verlag, Stuttgart 1939, S. 113.

Die Stadt Marggrabowa erhielt am 1. Januar 1560 ein „gewöhnlich Insiegel“ vom Herzog Albrecht von Preußen mit obigem Wappen, das auch auf dem SIGILLVM CIVITATIS MARGGRABOVIENSIS ANNO 1575 steht.

Demographie + Bevölkerungsentwicklung bis 1945 Jahr Einwohner Anmerkungen 1782 1620 ohne die Garnison (eine Schwadron Bosniaken) 1818 1908 Kreisstadt und WassermühleAlexander August Mützell und Leopold Krug: Neues topographisch-statistisch-geographisches Wörterbuch des preussischen Staats. Band 3: Kr–O, Halle 1822, S. 114, Ziffer 455 (Google Books) 1831 2490 zur Hälfte Deutsche, zur anderen Hälfte Polen; Kreisstadt, mit einer evangelischen Kirche und einem alten Schloss 1867 4225 am 3. DezemberKönigliches Statistisches Bureau: Die Gemeinden und Gutsbezirke der Provinz Preussen und ihre Bevölkerung. Nach den Urmaterialien der allgemeinen Volkszählung vom 1. December 1871 bearbeitet und zusammengestellt. Berlin 1874, S. 298–299, Ziffer 1 (Google Books). 1871 3921 am 1. Dezember, davon 3743 Evangelische, 69 Katholiken und 109 Juden 1875 4212 1880 4347 1885 4500 am 1. Dezember, davon 4305 Evangelische, 87 Katholiken, ein sonstiger Christ und 107 JudenKönigliches statistisches Bureau: Gemeindelexikon für das Königreich Preussen – Auf Grund der Materialien der Volkszählung vom 1. Dezember 1885 und anderer amtlicher Quellen, Band I: Provinz Ostpreußen, Berlin 1888, S. 340–341, Ziffer 1 (Google Books). 1890 4887 davon 108 Katholiken und 86 Juden (100 Polen) 1895 5048 am 2. Dezember, davon 4882 Evangelische, 86 Katholiken, drei sonstige Christen und 77 JudenKönigliches statistisches Bureau: Gemeindelexikon für das Königreich Preussen – Auf Grund der Materialien der Volkszählung vom 2. Dezember 1895, Band I: Provinz Ostpreußen, Berlin 1898, S. 334–335, Ziffer 1 (Google Books). 1900 4878 meist Evangelische 1905 5021 1910 5391 am 1. Dezember, Stadt mit einer evangelischen Pfarrkirche, einer katholischen Pfarrkirche, einer Synagoge, einer Realschule, einer Höheren Mädchenschule und einer LandwirtschaftsschuleMarggrabowa, Stadt, am Ausfluss der Lega an dem Oletzkoer See, Kreis Oletzko, Regierungsbezirk Gumbinnen, Provinz Ostpreußen. In: Meyers Gazetteer, mit Eintrag aus Meyers Orts- und Verkehrslexikon, Ausgabe 1912, sowie einer historischen Landkarte der Umgebung von Marggrabowa (meyersgaz.org). 1933 6629 1939 7118

+ Bevölkerungsentwicklung seit 1945 Jahr 2000 2024 Einwohner 16.128 15.721

Religionen Evangelisch Kirchengebäude

Eine evangelische Kirche gibt es in Olecko nicht mehr. Das einstige lutherische Gotteshaus, das auf dem früheren Marktplatz stand, wurde im Zweiten Weltkrieg zerstört und danach abgeräumt.Kirchen in Treuburg Bei diesem Bauwerk hatte es sich um einen verputzten Backsteinbau aus dem 17. Jahrhundert mit dreiseitigem Schluss und vorgelegtem Westturm gehandelt.Walther Hubatsch: Geschichte der evangelischen Kirche Ostpreußens, Band 2: Bilder ostpreußischer Kirchen. Göttingen 1968, S. 116, Abb. 526, 527. Im Jahre 1901 war das Gebäude grundlegend renoviert worden.

Der Altaraufsatz im Inneren der Kirche war eine reiche Schnitzarbeit aus der Werkstatt des Johann Chr. Döbel von 1702, die Kanzel entstand bereits 1692. Die Orgel aus dem 17. Jahrhundert wurde 1857 umgebaut.

Bereits in der Mitte des 16. Jahrhunderts wurden in Marggrabowa zwei amtierende Geistliche genannt,Friedwald Moeller: Altpreußisches evangelisches Pfarrerbuch von der Reformation bis zur Vertreibung im Jahre 1945. Hamburg 1968, S. 91. woraus erschlossen wird, dass damals bereits ein Gotteshaus bestand. Beim Tatareneinfall brannte die Kirche im Jahre 1656 nieder, wurde aber wieder aufgebaut.

Auf dem Platz der kriegszerstörten evangelischen Pfarrkirche entstand zwischen 1984 und 1987 ein neues Kirchengebäude als Gotteshaus für die Katholiken.

Kirchengemeinde Im Jahre 1560 wurde in Marggrabowa eine evangelische Kirchengemeinde gegründet,Walther Hubatsch: Geschichte der evangelischen Kirche Ostpreußens, Band 3: Dokumente. Göttingen 1968, S. 484. wenige Jahre also nach Einführung der Reformation in Ostpreußen. Im Jahre 1925 zählte sie in der Stadt und näheren Umgebung insgesamt 10.000 Gemeindeglieder in 16 Kirchspielorten. Sie wurden von zwei Geistlichen betreut und seit 1862 durch einen Hilfsprediger verstärkt. Die Pfarrei gehörte bis 1945 zum Kirchenkreis Oletzko/Treuburg in der Kirchenprovinz Ostpreußen der Kirche der Altpreußischen Union.

Aufgrund von Flucht und Vertreibung der einheimischen Bevölkerung brach das kirchliche Leben ein. Eine neue evangelische Gemeinde konnte sich in der Zeit nach 1945 in Olecko nicht bilden. Evangelische Kirchenmitglieder besuchen die Kirchen in Gołdap (Goldap) bzw. Ełk (Lyck), die zur Diözese Masuren der Evangelisch-Augsburgischen Kirche in Polen gehören.

Friedhof mini|150px|Evangelischer Friedhof in Olecko In Olecko hat sich ein früherer evangelischer Friedhof () erhalten. Er wurde um die Jahrtausendwende neu hergerichtet und am 25. Oktober 2003 wieder eingeweiht.

Kirchenkreis Oletzko/Treuburg Marggrabowa resp. Treuburg war bis 1945 Sitz der Superintendentur für den Kirchenkreis Oletzko/Treuburg, der in etwa dem Umfang des Kreises Oletzko mit einigen dazugehörigen Ortschaften aus dem Kreis Lyck entsprach. Ihm waren neun Kirchengemeinden mit acht Pfarreien zugeordnet:

Deutscher Ortsname Änderungsname 1938 bis 1945 Gründungs- jahr Polnischer Name Czychen Bolken (Reformationszeit) Cichy Gonsken Herzogskirchen 1741 Gąski Groß Czymochen (ab 1928:) Reuß 1906 Cimochy Marggrabowa (Oletzko) (ab 1928:) Treuburg 1560 Olecko Mierunsken/Eichhorn: ** Mierunsken Merunen 1545 Mieruniszki ** Szceczinken (ab 1916:) Eichhorn 1913 Szczecinki Schareyken Schareiken 1581 Szarejki Schwentainen 1577 Świętajno Wielitzken Wallenrode (vorreformatorisch) Wieliczki

Katholisch Kirchengebäude In der Stadt Olecko gibt es heute vier katholische Kirchengebäude: mini|150px|Kreuzerhöhungskirche, erbaut 1862