Kastl ist ein Markt im Oberpfälzer Landkreis Amberg-Sulzbach und zählt zur Metropolregion Nürnberg in Bayern.

Geographie mini|300x300px|Kastl mit dem Klosterberg (rechts)

Geographische Lage Die Marktgemeinde befindet sich etwa 50 Kilometer östlich von Nürnberg und rund 70 Kilometer nordwestlich von Regensburg. Sie liegt im östlichen Teil der Frankenalb an der Lauterach, einem Nebenfluss der Vils in der Mitte zwischen Amberg und Neumarkt in der Oberpfalz, jeweils ziemlich genau 20 Kilometer entfernt. Im Ortsgebiet liegt der 587 Meter hohe Brennersberg. Der bewegte Landschaftsraum der Gemeinde liegt in der Nördlichen Kuppenalb. Die strukturreiche Waldlandschaft wurde als schutzwürdige Landschaft Deutschlands eingestuft (Kennziffer: 8101). Das Lauterachtal wird wegen seiner landschaftlichen Schönheit auch als Toskana der Oberpfalz bezeichnet.

Naturräumliche Zuordnung Naturräumlich gehört die Gemeinde zur Haupteinheit Mittlere Frankenalb, die nach der naturräumlichen Gliederung Deutschlands (gemäß Meynen/Schmithüsen et al.) Teil der Haupteinheitengruppe Fränkische Alb ist.

Gemeindegliederung

Es gibt 39 Gemeindeteile (in Klammern ist der Siedlungstyp angegeben):

Nachbargemeinden Zu den Nachbargemeinden zählen Lauterhofen, Velburg, Hohenburg, Ursensollen und Birgland.

Geologie und Boden Geologie mini|200px|Jurafels im Lauterachtal unterhalb von Kastl vor der Einmündung des Mühlhausener Bachs

Das Gemeindegebiet liegt geologisch im Südwestdeutschen Schichtstufenland. Der Weiße Jura (Malm) ist die bestimmende geologische Gruppe. In der Kreidezeit bildeten sich tief eingeschnittene Talsysteme wie das Lauterachtal und Tal des Mühlhauser Bachs aus und durch Verkarstungsprozesse entwickelte sich eine abwechslungsreiche und profilierte Karstlandschaft mit einigen Höhlen. Schichten aus der Frankenalb-Formation der Weißjura-Gruppe dominieren den Landschaftsraum der Gemeinde. Riffdolomit ist die prägende geologische Einheit. Der massige Dolomitstein führt teilweise Fossilien. So ist südlich von Wolfsfeld die Nordwand des Brennersberges als Geotop (Nr. 371R033) ausgewiesen. Der Brennersberg weist an dieser Stelle eine Höhe von auf. Der tafelbankige Dolomit befindet sich im Übergang zum Riffdolomit. Der dunkle Riffdolomitfelsen des Malm Delta bildet einen 10 bis 15 m breiten Sockel aus, auf denen Verebnungen mit hellem Dolomitfelsen aus Schichten des Kimmeridgiums, dem so genannten Malm Epsilon, emporragen. In dem Riffdolomit sind viele Fossilien in Form von hellen Kieselknollen angeordnet. Das Opal-artige Material geht auf Ablagerungen von Kieselalgen zurück. In den Karstspalten haben sich zudem Schutzfels-Formationen aus der Danubische Kreide-Gruppe entwickelt. Dabei wurden Sande und Tone im Paläozoikum bis Mesozoikum in den Karsthohlformen abgelagert und bilden lokal ein Deckgebirge aus. Im Lauterachtal und entlang des Mühlhauser Bachs befinden sich quartäre Talfüllungen. Kolluviale Füllungen bedecken die Trockentäler der Karstlandschaft. Im Jungholozän wurden Kolluvien aus der Umgebung der Täler eingetragen.

Boden Auf den Kuppen und Anhöhen haben sich die für Karstgebiete charakteristischen Bodentypen Rendzina und Braunerde-Rendzina entwickelt. In den flacheren Tallagen kommen Braunerde-Böden vor. Im Tal der Lauterach dominieren fruchtbare Vega-Böden aus den Bodenarten Schluff und Lehm (Auensediment).

Klima Kastl liegt in der kühl-gemäßigten Klimazone und weist ein humides Klima auf. Der Landschaftsraum der Gemeinde befindet sich im Übergangsbereich zwischen dem feuchten atlantischen und dem trockenen Kontinentalklima. Nach der Klimaklassifikation von Köppen/Geiger zählt Kastl zum gemäßigten Ozeanklima (Cfb-Klima). Dabei bleibt die mittlere Lufttemperatur des wärmsten Monats unter 22 °C und die des kältesten Monats über −3 °C. Die Karstlandschaft erwärmt sich im Frühjahr und Herbst schneller als die wiesengeprägten Aueflächen des Lauterachtales.

Flächennutzung + Flächennutzung Kastl 2016 Nutzung Hektar Wohnbaufläche 57 Industrie- und Gewerbefläche 11 Verkehrsfläche 249 Waldfläche 3159 Landwirtschaftliche Fläche 2674 Fläche der Gewässer 19 Gesamtfläche 6488

Markt Kastl ist aufgrund seiner Lage und Struktur eine ländlich geprägte Gemeinde. Dies spiegelt sich in der Flächennutzung wider. Die Vegetationsflächen bilden 93,3 Prozent der Gemeindefläche, wie die Flächennutzungstabelle zeigt. Die Kommune weist einen sehr hohen Anteil an Waldflächen auf, der bei 48,7 Prozent liegt und damit die Hälfte der Gemeindefläche von Kastl ausmacht. Die landwirtschaftlich genutzten Flächen nehmen mit 41,2 Prozent einen ebenfalls großen Flächenanteil ein. Der Anteil der Wohnbauflächen umfasst hingegen lediglich 0,9 Prozent. Industrie- und Gewerbeflächen nehmen einen vergleichsweise geringen Anteil in Höhe von 0,2 Prozent der Gemeindefläche ein. Der Verkehrsflächenanteil liegt bei 3,8 Prozent.

Schutzgebiete Natura-2000-Gebiet Die strukturreichen Buchen- und Buchenmischwälder auf den Dolomitkuppen und Kalkstandorten des Gemeindegebiets, die teilweise mit Kalkmagerrasen verzahnt sind (Ökotone), wurden als Teilflächen des europäischen Schutzgebiets Wälder im Oberpfälzer Jura (FFH-Gebiet, Nr. 6535-371) an die Europäische Kommission gemeldet. Die geschützten Waldlebensräume mit dem umgebenden basenreichen Offenland übernehmen eine wichtige Trittsteinfunktion im Netz Natura 2000 der nördlichen Frankenalb. Das 801 Hektar große FFH-Gebiet (Fauna-Flora-Habitat) umfasst mehrere Teilflächen und weist einige der größten Orchideen-Vorkommen des Gelben Frauenschuhs (Cypripedium calceolus) im Naturraum der Frankenalb auf. Die Waldmeister-Buchenwälder (Asperulo-Fagetum) und Mitteleuropäischen Orchideen-Kalk-Buchenwälder (Cephalanthero-Fagion) mit hohen Alt- und Totholzanteil stehen unter besonderem Schutz und sollen aufgrund ihrer naturschutzfachlichen Bedeutung weiter entwickelt werden. Die sehr stark gefährdete Fledermausart Große Hufeisennase (Rhinolophus ferrumequinum) nutzt die Waldflächen im Gemeindegebiet zur Jagd und als Flugkorridor zwischen den Tagesquartieren und Nahrungshabitaten. Die Wald- und Gehölzflächen stehen in enger funktionaler Wechselbeziehungen zu dem Vorkommen in Hohenburg, Deutschlands letzter Fledermaus-Kolonie der Großen Hufeisennase. Daneben kommen im FFH-Gebiet Wälder im Oberpfälzer Jura weitere geschützte Fledermausarten wie Mopsfledermaus (Barbastella barbastellus) und Großes Mausohr (Myotis myotis) vor. Das Natura-2000-Gebiet weist ferner unzerschnittene Habitatkomplexe aus Laich- und Landlebensräumen des Nördlichen Kammmolchs (Triturus cristatus), einer gefährdeten Amphibienart, auf.

Landschaftsschutzgebiet mini|200px|Kalkmagerrasen mit Wacholder-Gebüsch (Juniperus) auf einem Trockenhang beim Hochholz nahe Kastl im Naturpark Hirschwald

Weite Teile des Gemeindegebiets sind als Landschaftsschutzgebiet unter Schutz gestellt. Die Ausweisung des Landschaftsschutzgebietes Lauterachtal mit den Tälern des Hausener- und Utzenhofener Baches und das Juragebiet zwischen Kastl und Utzenhofen erfolgte im Jahre 1965. Das 4682 Hektar große Schutzgebiet befindet sich schwerpunktmäßig im Süden des Marktes Kastl (LSG00121.09).

Naturpark Der großräumige Naturpark Hirschwald umfasst einen Großteil der Gemeinde (Kennung: NP-00017). Lediglich die nördlichen Gemeindeteile – wie Dettnach und Wolfsfeld – sind nicht Bestandteil des 27.760 Hektar großen Naturparks. Der geschützte Landschaftsraum erstreckt sich weit über die Gemeindegrenzen hinweg.

Naturwaldreservat Der Hainsimsen-Buchenwald (Luzulo-Fagetum) im Bereich des Herrenberges nördlich von Pattershofen wurde vom Bayerischen Staatsministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten als Naturwaldreservat im Jahre 2017 ausgewiesen und somit aus der forstlichen Bewirtschaftung genommen. Das Reservat befindet sich auf einem länglichen von West nach Ost verlaufenden Jurabergrücken auf einer Höhe von 510 bis . Das Naturwaldreservat Herrnberg umfasst 48,2 Hektar und gehört zum Forstbetrieb Burglengenfeld. Es ist Teil des bayerischen Waldbiotopverbundes und dient der Sicherung der Biodiversität der bayerischen Wälder. Das Reservat liegt innerhalb des FFH-Gebietes Wälder im Oberpfälzer Jura. Lückige Buchenalthölzer mit dichter Naturverjüngung aus Rotbuche (Fagus sylvatica) prägen die naturschutzfachlich wertvollen Waldbestände des Herrenberges. Aus dem Wald wurden naturferne Fichtenbestände (Picea abies) entfernt, die durch den Borkenkäfer (Scolytinae) bereits gefährdet waren. Lediglich Kiefern (Pinus sylvestris), Tannen (Abies) und Lärchen (Larix decidua) wurden in dem Mischwald als Nadelhölzer stehengelassen und der Sukzession überlassen. Auf feuchteren Standorten im Nordosten des Reservates befinden sich jüngere Gruppen bestehend aus Berg-Ahorn (Acer pseudoplatanus) mit zahlreichen Linden (Tilia) und einzelnen Schwarz-Erlen (Alnus glutinosa) sowie Sal-Weiden (Salix caprea).

Hochwasserkatastrophe im Frühjahr 2024 Am Abend des 21. Mai 2024 ereignete sich in Kastl während eines Starkregens eine massive Überschwemmung. Dabei wurde der Marktplatz überflutet, Fahrzeuge wurden weggeschwemmt. Einige Bewohner konnten wegen des schnellen Anstiegs des Wasserpegels ihre Häuser nicht mehr verlassen. Personenschäden waren aber nicht zu beklagen. Es gab zu diesem Zeitpunkt auch andernorts Überschwemmungen, Kastl war jedoch besonders betroffen. Die Flut war aus einem Seitental der Lauterach gekommen.

Geschichte Mittelalter mini|Kupferstich des Klosters Kastl von Johann Ulrich Kraus aus dem Kurbayerischen Atlas von Anton Wilhelm Ertl (1687)

Über die Jahrhunderte gab es verschiedene Schreibweisen für den Ortsnamen, wie beispielsweise Castel oder Kastel. Die erste urkundliche Erwähnung des Ortes stammt aus dem Jahre 1102, und der Ortsname lautete seinerzeit Castellum. Der lateinische Begriff castellum steht für Kastell, Festung oder Schanze. 1109 wurde der Ort als Castellense monasterium bezeichnet und weist auf ein Kloster mit Burg (Klosterburg) hin. Der Ortsname bezieht sich auf eine frühmittelalterliche Burg, die zwischen 1098 und 1103 durch die Edelfreien Otto und Hermann von Kastl, Graf Berengar I. von Sulzbach und die diepoldingerische Markgräfin Luitgart in ein Benediktinerkloster umgewandelt wurde.

Das Kloster Kastl ist das älteste Benediktinerkloster des Nordgaus und war bis 1188 Hauskloster der einflussreichen Grafen von Sulzbach. Es galt als eines der wichtigen Reformklöster der Hirsauer Reformbewegung in Süddeutschland während des 12. Jahrhunderts. Die kunsthistorisch und architekturgeschichtlich bedeutende Kirche ist dem hl. Petrus geweiht. Im Hochmittelalter kann das Kloster als eines der kulturellen Zentren der heutigen Oberpfalz gelten. Der Ort erhielt 1323 das Marktrecht mit wichtigen Eigenrechten von Ludwig dem Bayern, dessen Tochter Anna in Kastl im Kleinkindalter verstarb und – als Mumie erhalten – in der Klosterkirche besichtigt werden kann (2013 wurde der Leichnam gereinigt sowie ein halbes Jahr in einen stickstoffgefüllten Schrein umgebettet, um die Feuchtigkeit zu reduzieren). mini|Hammermühlkapelle in Kastl