mini|Blick von St. Johann über die Alte Brücke nach Alt-Saarbrücken mit Schlossfelsen und Schlosskirche mini|rechts|Die damalige Stadt Saarbrücken, heute Stadtteil Alt-Saarbrücken, um 1770 mini|Ausschnitt aus dem Geometrischen Grundriss St. Johann 1776/1778 und dem Geometrischen Grundriss Saarbrücken 1780/1782 (Stadtarchiv Saarbrücken) Alt-Saarbrücken ist ein Stadtteil von Saarbrücken. Die Burg-Siedlung Saarbrücken wurde im Jahr 1322 zur Stadt erhoben. Am 1. April 1909 wurde die Stadtgemeinde Saarbrücken mit den bis dahin selbständigen Nachbarstädten St. Johann an der Saar und Malstatt-Burbach zu einer Stadt mit dem gemeinsamen Namen Saarbrücken vereinigt. Um das ursprüngliche Saarbrücker Stadtgebiet von der neu gegründeten Großstadt Saarbrücken zu unterscheiden, benennt man es heute Alt-Saarbrücken. Zentrum und Verwaltungssitz der heutigen Landeshauptstadt Saarbrücken befinden sich in St. Johann. In Alt-Saarbrücken befindet sich der Verwaltungssitz des Regionalverbandes Saarbrücken.

Geschichte Mittelalter Saarbrücken entstand ohne erkennbare Kontinuität zu gallo-römischen Siedlungen des Saartales. Die auf dem am linken Steilhang der Saar vermutlich schon um das Jahr 850 errichtete Burg wurde in einer Schenkungsurkunde Kaiser Ottos III. vom 14. April 999 erstmals als Königsburg „castellum Sarabrucca“ erwähnt, die dem Metzer Bischof Adalbero II. geschenkt wurde. König Heinrich IV. bestätigte in einer Urkunde vom 3. April 1065 die Vergabe der Burg Saarbrücken an den Bischof von Metz, Adalbero III. von Luxemburg. Nach zeitweiligem Besitz Herzog Friedrichs von Niederlothringen wurde die Saarbrücker Burg im Jahr 1065 dem Bischof von Metz restituiert. Gegen Ende des 11. Jahrhunderts, vermutlich im Zeitraum der Jahre 1085/1088, belehnte vermutlich der Metzer Bischof Bruno von Calw die Saargaugrafen mit der Saarbrücker Burg. Seit dem Jahr 1118 bzw. 1123 benannten sich die Saargaugrafen nach der Burg „Grafen von Saarbrücken“. Die älteste Siedlung lag südlich der der Saar abgewandten Seite der Burg im sogenannten „Tal“. Auf Befehl Kaiser Friedrich I. („Barbarossa“) wurde die Saarbrücker Burg im Jahr 1168 teilweise zerstört. Der Grund für diese Maßnahme ist bis heute unbekannt. Danach wurde die Burganlage neu aufgebaut und nach dem Jahr 1171 entstand eine kleine Siedlung mit leiterartigem Grundriss westlich der Burg auf gleichem Höhenniveau wie diese, in der sich Burgmannen, Händler und Schutzsuchende ansiedelten.

Saarbrücken wurde bald Hauptort der Grafschaft und entwickelte sich zur größten Territorialstadt zwischen Kaiserslautern, Trier, Metz und Saarburg in Lothringen. Begünstigt war Saarbrücken durch die Lage an der Kreuzung einer Straße von der Île-de-France über Verdun-Metz zum Oberrhein und weiter ins Rhein-Main-Dreieck mit dem seit Ende des 13. Jahrhunderts frequentierten Handelsweg von Oberitalien nach Flandern durch das Saartal (Flandrisch-Lampartische Straße).

Im Jahr 1227 wurde durch Simon III. die Deutschordenskommende St. Elisabeth gegründet, die karitative Aufgaben und beschränkte Gerichtsbarkeit erhielt und in den nachfolgenden Generationen zu beträchtlichem Ansehen und Einfluss gelangte. Die im 13. Jahrhundert als Krankenstation gebaute Kapelle gilt als das älteste noch bestehende mittelalterliche Gebäude Saarbrückens.

Um ca. 1250–1270 wurde der Saarübergang von St. Arnual ins heutige Stadtzentrum verlegt. Eine Fährverbindung zwischen Saarbrücken und der Nachbarsiedlung St. Johann gewährleistete den Transport von Ufer zu Ufer. Die Öffnung des Gotthardpasses nach 1220 führte zu einem Anwachsen des Süd-Nord-Handelsverkehrs, der eine wichtige Route über Saarbrücken nahm.Rolf Wittenbrock (Hrsg.): Geschichte der Stadt Saarbrücken, Bd. 2, Von der Zeit des stürmischen Wachstums bis zur Gegenwart, Saarbrücken 1999, S. 682.Hans-Walter Herrmann: Handel und Verkehr zwischen dem nördlichen Oberrhein und der Saar- und Moselgegend im Spätmittelalter, in: Jahrbuch für westdeutsche Landesgeschichte, Koblenz: Selbstverlag der Landesarchivverwaltung, Bd. 21 (1995), S. 333–365.Hans-Walter Herrmann: Die flandrisch-lampartische Straße zwischen Straßburg und Sierck : Geschichte einer mittelalterlichen Neuanlage, in: Auf den Römerstraßen ins Mittelalter, hrsg. von Friedhelm Burgard, Mainz 1997, S. 447–469.

Nach dem Jahr 1261 wurde an der Stelle der heutigen Schlosskirche mit dem Bau der St.-Nikolaus-Kapelle begonnen. mini|Rathaus St. Johann, Festsaal, Gemäldeausschnitt „Die Übergabe des Freiheitsbriefes im Jahr 1322“ mini|Freiheitsbrief des Grafen Johann I. von Saarbrücken-Commercy für Saarbrücken und St. Johann aus dem März 1322, Pergamentblatt, 57,5 cm × 68 cm (Stadtarchiv Saarbrücken) Graf Johann I. von Saarbrücken-Commercy verlieh im Jahr 1322 Saarbrücken (dem heutigen Stadtteil Alt-Saarbrücken) und St. Johann in einem Freiheitsbrief das Stadtrecht. Städtische Funktionen beweist die Erwähnung der Stadtbefestigung im Jahr 1227, für das Jahr 1271 am Orte als ansässig belegte lombardische Geldverleiher, die Organisation der Saarbrücker Handwerker in Zünften vor dem Jahr 1412 und die Abhaltung von zunächst einem, seit dem frühen 15. Jahrhundert von vier Jahrmärkten.

Während des ganzen Mittelalters war Saarbrücken keine eigene Pfarrei, sondern wurde seelsorglich durch das Stift St. Arnual betreut, das drei Kilometer saaraufwärts lag.

Im Jahr 1353 fiel Saarbrücken an das Haus Nassau (Walramische Linie), in dessen Besitz Stadt und Grafschaft bis zur Französischen Revolution und zum Wiener Kongress blieben. König Wenzel der Faule verlieh im Jahr 1398 das Münzrecht an den Saarbrücker Grafen Philipp I. von Nassau-Saarbrücken-Weilburg. Die Saarbrücker Handwerker organisierten sich vor 1412 in Zünften. Die Saarbrücker Gräfin Elisabeth von Lothringen wurde in der ersten Hälfte des 15. Jahrhunderts zur Wegbereiterin des Prosaromans in frühneuhochdeutscher Sprache. Sie veranlasste um 1437 die Übersetzung und Bearbeitung von vier französischen höfischen Romanen (Chanson de geste): „Herpin“, „Sibille“, „Loher und Maller“ und „Huge Scheppel“. mini|Saarbrücken, Fragment eines spätmittelalterlichen Kreuzweges, Beweinung Christi, heute in der Saarbrücker Schlosskirche Im Jahr 1459 wurde eine neue Befestigung der Burg durch den Grafen Johann III. begonnen und die Burgkapelle in den folgenden Jahren verlegt. Ab dem Jahr 1462 führte das Saarbrücker Stadtgericht ein eigenes Siegel. Dieses Siegel ist bis heute ein Bestandteil des Saarbrücker Stadtwappens. Ab ca. 1470–1480 wurde die alte Nikolauskapelle in Saarbrücken durch die heutige spätgotische Schlosskirche ersetzt. Vermutlich auf Veranlassung Kaiser Karls V. wurde der Bau der heutigen Alten Brücke über die Saar durch Graf Philipp II. in den Jahren 1546–1548 begonnen. Ab dieser Zeit begann in der Grafschaft Saarbrücken die Ausbreitung reformatorischen Gedankengutes ausgehend vom St. Arnualer Kollegiatstift, das im Jahr 1569 aufgelöst wurde.Rolf Wittenbrock (Hrsg.): Geschichte der Stadt Saarbrücken, Bd. 2, Von der Zeit des stürmischen Wachstums bis zur Gegenwart, Saarbrücken 1999, S. 683.Albert Ruppersberg: Geschichte der ehemaligen Grafschaft Saarbrücken. Nach Friedrich und Adolf Köllner neubearbeitet und erweitert. 3 Teile in 4 Bänden. III. Teil, 2. Band: Geschichte der Städte Saarbrücken und St. Johann von 1815 bis 1909, der Stadt Malstatt-Burbach und der vereinigten Stadt Saarbrücken bis zum Jahre 1914.Karl August Schleiden: Illustrierte Geschichte der Stadt Saarbrücken. Dillingen an der Saar 2009.Alfred Maurer: Die Baugeschichte des Saarbrücker Schlosses und deren Erforschung, in: Jürgen Karbach, Paul Thomes (Hrsg.): Beiträge zum Stengel-Symposion anläßlich des 300. Geburtstages von Friedrich Joachim Stengel am 29./30. September 1994 im Saarbrücker Schloß. (= Zeitschrift für die Geschichte der Saargegend. 43,1995), Historischer Verein für die Saargegend, Saarbrücken 1995, S. 177–217.Hermann Jungk: Regesten zur Geschichte der ehemaligen nassau-saarbrückischen Lande bis 1381, in: Mitteilungen des historischen Vereins für die Saargegend, 13, Saarbrücken 1914. Reg. 35, 37, 40, 10, 561/562.Kurt Hoppstädter: Die Grafschaft Saarbrücken, in: Kurt Hoppstädter, Hans-Walter Herrmann: Geschichtliche Landeskunde des Saarlandes, Band 2, Saarbrücken 1977, S. 279–315 mit Stammtafel- und Kartenbeilagen.Hartmut Klein: Saarbrücken, Deutscher Städteatlas, Lieferung II, Nr. 13, 1979.Hans-Walter Herrmann: Beiträge zur Überlieferung und Datierung des Saarbrücker Landrechts, in: Das Recht und seine historischen Grundlagen, hrsg. von Tiziana J. Chiusi, Thomas Gergen und Heike Jung, Berlin 2008, S. 355–385Hans-Walter Herrmann: Städte im Einzugsbereich der Saar bis 1400, in: Les petites villes en Lotharingie, Section Historique de l'Institut Grand-Ducal de Luxembourg, Luxemburg 1992, S. 225–317.

Reformation und frühe Neuzeit mini|Renaissanceschloss Saarbrücken Im Jahr 1574 fiel die Grafschaft Nassau-Saarbrücken durch Erbfall an Graf Philipp III., der die Reformation nach lutherischem Bekenntnis einführte. Im Jahr 1577 wurde im Burgbereich mit dem Bau des gräflichen Sommerhauses an der Schlossmauer über der Saar begonnen. Die mittelalterliche Burg wurde in den Jahren 1602–1617 durch den Baumeister Kempter von Vic zu einem Renaissanceschloss umgestaltet. Das heutige Ludwigsgymnasium wurde im Jahr 1604 gegründet. Das Stift Sankt Arnual hatte bereits im Jahr 1223 eine Stiftsschule unterhalten. Nach der Auflösung des Stiftes im Jahr 1569 und der Einführung der Reformation im Jahr 1575 bildete Philipp III. von Nassau-Saarbrücken daraus im 16. Jahrhundert eine Lateinschule. Im Jahr 1604 gründete Graf Ludwig II. von Nassau-Saarbrücken schließlich als Bildungszentrum für Nassau-Saarbrücken ein Gymnasium, welches durch die Einkünfte des Stifts St. Arnual finanziert wurde.

Dreißigjähriger Krieg Im Dreißigjährigen Krieg wurde Saarbrücken verwüstet. Im Jahr 1627 kam es zur ersten schweren Kriegsheimsuchung in der Grafschaft. Die gräfliche Familie flüchtete im Jahr 1635 nach Metz. Durch den Ausbruch der Pest noch zusätzlich dezimiert, lebten im Jahr 1637 nur noch 70 Menschen in der zerstörten Stadt.

Zerstörungen im Französisch-Niederländischen Krieg Der französische König Ludwig XIV. ließ im Jahr 1677 im Französisch-Niederländischen Krieg Saarbrücken niederbrennen; bis auf acht Häuser wurde die gesamte Stadt zerstört. Schon kurz nach Ende des Krieges wurde Saarbrücken im Jahr 1680 als sogenannte Reunion dem Königreich Frankreich angegliedert, im Frieden von Rijswijk im Jahr 1697 jedoch wieder an das Heilige Römische Reich zurückgegeben.

Prosperitätsphase im 18. Jahrhundert mini|rechts|Stadtplan von Saarbrücken um 1740 mini|links|Blick durch das Fenster in das Grüne Kabinett der Katharina Kest (* 1757, † 1829, Reichsgräfin von Ottweiler, Herzogin von Dillingen, Katharina Kest war die Mätresse und später die morganatische Gemahlin des Fürsten Ludwig von Nassau-Saarbrücken), Zwölfteilige Vertäfelung, 1780–1795, ehemals im Palais der Katharina Kest in der Wilhelm-Heinrich-Straße, Eiche, Linde, Kiefer, Glas, Messing, Eisen, Öl, Leinwand, 316 × 236 × 483 cm, Saarlandmuseum Nach dem Regierungsantritt Wilhelm Heinrichs im Jahr 1741 erlebte die Stadt einen bis dahin nicht gekannten wirtschaftlichen Aufschwung, Steinkohlegruben wurden verstaatlicht, Eisenschmelzen entstanden. Ferner entstanden das barocke Residenzschloss Saarbrücken, erbaut von Friedrich Joachim Stengel, und zahlreiche andere Bauten, die Saarbrücken in eine geschlossene Barockstadt mit zahlreichen Sichtachsen und barocken Straßenzügen verwandelten. Im Jahr 1775 wurde die Ludwigskirche vollendet, einer der bedeutendsten Barockbauten Deutschlands und Wahrzeichen der Stadt Saarbrücken. Die Errichtung des Saarkranen im Jahr 1762 dokumentierte den Aufschwung der Saarbrücker Kaufmannschaft. Unter der Herrschaft von Fürst Ludwig von Nassau-Saarbrücken wurde die fürstliche Residenz, das Saarbrücker Schloss, weiter ausgebaut.

Französische Revolution und die Herrschaft Napoleons