mini|hochkant=1.5|Textil mit Weißfuchs (Daniel Kohavi, 2016)
Das Polarfuchs- oder Weißfuchsfell ist das Fell des Polarfuchses (auch Eisfuchs, Arktischer Fuchs oder Steinfuchs genannt) und eine Pelz-Handelsware. Der Polarfuchs spaltet sich zoologisch in zwei Farbschläge auf, den Weißfuchs und den Blaufuchs, dessen Pelz als Blaufuchsfell ebenfalls eine Handelsware darstellt.
Der Weißfuchs, die Farbvarietät des Eis- oder Polarfuchses, lebt in der gesamten nördlichen Polarzone. Der Einzelhandel differenziert selten zwischen dem Polarfuchsfell und der Weißlingsform des Blaufuchses, meist werden die ungleichen Fellarten als Weißfuchs angeboten, selbst ein skandinavisches Auktionshaus bezeichnet reinweiße Blaufüchse als Weißfuchs. Tatsächliche Polarfuchsfelle sind jedoch verhältnismäßig nur noch wenig im Handel.
Der Pelzhandel zählt das Polarfuchsfell zu den sogenannten Edelfuchsfellen, wie das Silberfuchsfell, das Blaufuchsfell und das Kreuzfuchsfell.
Die wildlebenden europäischen Populationen des Polar- oder Eisfuchses sind nach der Bundesartenschutzverordnung streng geschützt.
mini|hochkant|Polarfuchsfell
Fell Das Fell des Polar- oder Weißfuchses ist etwa 46 bis 68 cm lang, der Schweif 30 bis 40 cm. Die Fellgröße ist in den verschiedenen Jahren oft unterschiedlich, selbst wenn die Felle aus dem gleichen Territorium kommen, vermutlich hängt das mit dem unterschiedlichen Nahrungsangebot, insbesondere dem Auftreten der Lemminge, zusammen. Die Felle aus dem östlichen Kanada sind etwas kleiner als die aus dem Westen. Frühe Fänge sind kleiner als späte. Den Trappern war das bewusst, jedoch ist das Vorkommen im Frühjahr größer, so dass sie es um der höheren Ausbeute wegen in Kauf nahmen. Farmtiere sind durchschnittlich bedeutend größer. Die Pfoten sind im Winter dicht behaart. Das Fell ist durchschnittlich kleiner und der Schweif kürzer als beim Blaufuchs; das sehr weiche Haar ist lang, feinseidig (seidiger als das des Rotfuchses und des Blaufuchses), teils langgrannig, die dichte Unterwolle hat die stärkste Verfilzung aller Fuchsarten. Kleinere Felle sind mitunter seidiger im Haar als große.Dr. Paul Schöps, Kurt Häse: Über das Sortiment der Weißfüchse. Unter Auswertung kanadischer Quellen (Terence Huttle). In: Das Pelzgewerbe, Neue Folge Jg. XXI Nr. 4, Hermelin-Verlag Dr. Paul Schöps, Berlin u. a., S. 3–7
Das Sommerfell des Weißfuchses ist steingrau bis graubräunlich, fast olivbraun, mitunter noch dunkler, mit fuchsroten Tönen; die Flanken sind entsprechend heller, der Bauch geht ins Weißliche, die Schenkel gleichen farblich den Flanken. Die Läufe und deren Sohlen sind bräunlichgrau. Bei den sich entwickelnden Jungfüchsen wird noch zwischen erheblich großen Unterschieden in den Härungsphasen differenziert. Vom dunklen Rückenstreifen läuft kreuzförmig ein dunkles Band zu den Läufen hinab, daher auch der Name „Kreuzfuchs“ für das Sommerfell. Der Schweif ist oben bräunlich, sonst heller mit blassrotfuchsigen Schattierungen, der Kopf ist bräunlichgrau, die Ohren sind hinten graubraun und innen weiß.
Das Winterfell ist reinweiß, mitunter zart cremefarbig bis gelblich. Die Unterwolle ist weiß bis blauweiß. Weitere Unterscheidungen der Entwicklungsstadien im Abschnitt Handel, Geschichte. Seinen vollen Winterpelz trägt der Polarfuchs von Dezember bis Januar. Auf Grönland bleibt das Fell wegen des kurzen Sommers ganzjährig weiß.
Die Winterhaargranne ist mit durchschnittlich 4,6 cm doppelt so lang wie im Sommer, das Unterhaar ist 3,8 cm lang. Die Winterhaare sind auch dicker. 97 Prozent der Haare sind Wollhaare, nur 3 Prozent Grannen.Prof. Dr. sc. nat. Dr. med vet. h. c. Heinrich Dathe, Berlin; Dr. rer. pol. Paul Schöps, Leipzig unter Mitarbeit von 11 Fachwissenschaftlern: Pelztieratlas. VEB Gustav Fischer Verlag Jena, 1986, S. 131–133
Im Allgemeinen ist die Unterwolle sehr kräftig, das Oberhaar deckt sie nicht immer gut ab. Beim Überstreichen mit der Hand bietet das dichte, stumpfe Unterhaar mehr Widerstand als bei einem gut grannigen Fell. Wollige Felle haben beriebene Pümpfe (Fellhinterteile).
Der Haltbarkeitskoeffizient für Edelfuchsfelle wird mit 50 bis 60 Prozent angegeben.Die angegebenen vergleichenden Werte (Koeffizienten) sind das Ergebnis vergleichender Prüfung durch Kürschner und Rauchwarenhändler in Bezug auf den Grad der offenbaren Abnutzung. Die Zahlen sind nicht eindeutig, zu den subjektiven Beobachtungen der Haltbarkeit in der Praxis kommen in jedem Einzelfall Beeinflussungen durch Gerbung und Veredlung sowie zahlreiche weitere Faktoren hinzu. Eine genauere Angabe könnte nur auf wissenschaftlicher Grundlage ermittelt werden. Die Einteilung erfolgte in Stufen von jeweils 10 Prozent. Die nach praktischer Erfahrung haltbarsten Fellarten wurden auf 100 Prozent gesetzt.Dr. Paul Schöps; Dr. H. Brauckhoff, Stuttgart; K. Häse, Leipzig, Richard König, Frankfurt/Main; W. Straube-Daiber, Stuttgart: Die Haltbarkeitskoeffizienten der Pelzfelle in Das Pelzgewerbe, Jahrgang XV, Neue Folge, 1964, Nr. 2, Hermelin Verlag Dr. Paul Schöps, Berlin, Frankfurt/Main, Leipzig, Wien, S. 56–58 Bei einer Einteilung der Pelztiere in die Haar-Feinheitsklassen seidig, fein, mittelfein, gröber und hart wird das Weißfuchshaar als fein eingestuft.Paul Schöps, Kurt Häse: Die Feinheit der Behaarung - Die Feinheits-Klassen. In: Das Pelzgewerbe Jg. VI / Neue Folge, 1955 Nr. 2, Hermelin-Verlag Dr. Paul Schöps, Leipzig, Berlin, Frankfurt am Main, S. 39–40
Handel, Geschichte mini|Weißfuchsfelle auf dem Verkaufstisch des Kürschners Nicolaus Remshardt aus Göppingen. Sein Schild am Messestand (um 1800) mini|Hélène of Orléans – Prinzessin von Orléans, Prinzessin von Frankreich, Herzogin von Aosta, 1903, zur Zeit des Beginns der Weißfuchsmode
Von jeher galt das Blaufuchsfell wertvoller als das des Weißfuchses. In manchen Gegenden führte es dazu, dass sich durch die gezielte Bejagung der Blaufüchse das ehemalige Gleichgewicht zugunsten der Weißfüchse verschob, auf der Beringinsel wurden die Blaufüchse „bis auf einen kümmerlichen Rest“ vernichtet.Fritz Schmidt: Das Buch von den Pelztieren und Pelzen. F. C. Mayer Verlag, München 1970, S. 203–213 1858 verfügte ein russischer Erlass sogar die Tötung aller Weißfüchse bei gleichzeitiger Einschränkung der Jagd auf den Blaufuchs.Arthur Samet: Pictorial Encyclopedia of Furs. Arthur Samet (Book Division), New York 1950, S. 226–229 (englisch)
1762 wird der Import der weißen Füchse aus „Russland, Norden und Polen“ genannt. Man futtert die ungarischen Pelze mit diesen Fuchsbälgen.Der Kirschner. In: J. S. Halle: Werkstätten der heutigen Künste, Berlin 1762, siehe S. 309 1883 wird die häufige Verwendung von Weißfuchsfell auch für Polen und Russland selbst und in der Türkei erwähnt: „Pelze mit weißem Fuchsfutter sind besonders ein von türkischen Frauen vielbegehrter Gegenstand.“Simon Greger: Die Kürschnerkunst. 4. Auflage, Bernhard Friedrich Voigt; Weimar 1883, S. 20. (130. Band der Reihe Neuer Schauplatz der Künste und Handwerke).
1821 fand der Engländer John Dundas Cochrane „im entlegensten Zipfel Sibiriens“ einen bereits gut organisierten Pelzmarkt der Tschuktschen vor, auf dem Eis des Anjui-Flusses hinter Nischni Kolymsk. Die wertvollen Schwarzfuchsfelle wurden dort für 35 bis 210 Taler angeboten, die Silberfüchse für 70 Taler, Rot- und Graufüchse für 14 bis 21 Taler, Brandfüchse mit 5 Talern, Blaufüchse für 2 bis 3 Taler und Weißfuchsfelle mit ⅔ bis 2 Taler.Bruno Schier: Wege und Formen des ältesten Pelzhandels in Europa. Archiv für Pelzkunde Band 1, Verlag Dr. Paul Schöps, Frankfurt am Main 1951, S. 54. Inhaltsverzeichnis. mini|links|Kapatak, Kapuzenjacke der Inuit aus Bären- und Polarfuchsfell (Qaanaaq, Grönland 1973) Angeblich mit einer Diva, die mit einem weißen Fuchspelz Furore machte, begann dann doch um die Wende zum 20. Jahrhundert die große Zeit der Weißfuchsmode. 1931 erregte eine weitere Diva, die Schauspielerin Marlene Dietrich, einiges Aufsehen, als sie mit„einem märchenhaften Abendmantel aus weißem Crêpe Suéde mit sechs Weißfüchsen als Besatz aus dem Modellhaus Max Becker“ auf dem Berliner Presseball erschien.„F.F.S.“: Marlene Dietrich propagiert den Fuchs. In: Der Rauchwarenmarkt Nr. 20, Leipzig, 17. Februar 1931, S. 3.
Bis zum Sommer 1915 hatte sich kaum ein Trapper die Mühe gemacht, den Fuchs mit dem geringwertigeren Pelz zu fangen, lediglich die Eskimos fütterten damit ihre Hosen.A. R. Harding: Fur Buyer's Guide. Selbstverlag, Columbus, Ohio 1915, S. 163–164 (englisch) Auch lieferten die Eskimos die Felle später ohne die Vorderpfoten ab, diese behielten sie als Andenken, vermutlich aus einer religiösen Tradition heraus. In dem bisherigen Fanggebiet der Hudson’s Bay Company gab es kaum Weißfüchse, damit verlagerte sich ein Teil der Jagd mit Hilfe der einheimischen Inuit auf die bisher nur von einzelnen Expeditionen besuchte kanadische Antarktis. Die Handelsposten waren bald so weit nördlich, dass der Polarforscher Knud Rasmussen (* 1879 † 1933) bereits schrieb: „Längs Kanadas arktischer Küste liegt wie eine einzige Stahlschere Falle neben Falle, die unbarmherzig über jedem unvorsichtigen Weißfuchs zusammenschlägt, welcher sich von der einladenden Lockspeise verführen lässt“. Mit der Jagd auf den Polarfuchs nahm Kanada auch die arktische Inselwelt praktisch in Besitz, die ganze Organisation dort war nur dazu entstanden. Nach Angabe des kanadischen Dominion Bureau of Statistics betrug die jährliche Ausbeute vor 1970 jährlich etwa 45 bis 55 Tausend Felle, dagegen von den dort seltenen Blaufüchsen nur einige Hundert.
Für die von der Jagd lebenden russischen Bevölkerungsteile bildete der Weißfuchs eine mit ausschlaggebende Existenzgrundlage. Als die starke Bejagung zu einem extremen Rückgang der Populationen führte und gleichzeitig die Marktpreise einbrachen, wirkte sich dies anfangs der 1930er Jahre katastrophal auf die ökonomischen Verhältnisse der Ureinwohner Nordkanadas und Alaskas aus. In den 1960er Jahren kamen wieder jährlich etwa 65 Tausend Felle von dort in den Handel. In Nordamerika waren Blau- und Weißfuchsfelle geradezu eine Art Pelzgeld im Tauschverkehr mit den Eskimos.
Das Sommerfell des Polarfuchses wird nicht gehandelt. Jedoch bis noch zum Ersten Weltkrieg waren diese daunenweichen Felle ein gesuchter Artikel für leichte, dabei aber warme und haltbare Futter, doch sind Jagd und Fang von Polarfüchsen in diesem Alter jetzt verboten. Felle kurz vor (flach, bläulich) oder nach der Hauptzeit („ragged shedding“) erlegt, gelten als praktisch wertlos.Helen Burgess: Arctic Furs Prime or Worthless?. In The Beaver, Outfit 297, Herbst 1966, Hudson’s Bay Company, Winnipeg, S. 27 (englisch)
Die einzelnen Entwicklungsstadien für Weißfüchse bezeichnet der russische Handel wie folgt: mini|hochkant|Matthew Henson (* 1866; † 1955) direkt nach einer Polarexpedition, mit polarfuchsverbrämter Rentierfelljacke mini|hochkant|Schauspielerin Mildred Davis mit Mantel aus Hermelin- und Polarfuchsfell (1925) Kopanez (Gräber) Bis zum 10. Lebenstag. Slepuschonka 1 bis 2 Monate alt; Fell dunkelbraun, fast schwarz; mit spärlichen Grannenhaaren. Nornik (Höhlenbewohner) 2 bis 4 Monate alt; Fell brauner; Grannenhaare etwas reichlicher. Krestowatik, Krestowatiki (Kreuzfuchs) Sommerbehaarung. Haar an Wamme und Seiten aufgehellt. Ein brauner Streifen entlang des Rückens und der Schultern bilden eine Art Kreuz. Sinjak (blau) oder Tschajatschnik 6 bis 8 Monate alt; graumeliert, bläulich (bleifarben). September bis Mitte Oktober. Nedopesok (pios = der Hund) Mitte bis Ende Oktober: Gräulichweiß; spärliche braune Grannenhaare, Unterwolle bläulichblau. Polny, Rosly, Doschly (Weißfuchs) Ab November: Weißer Winterpelz mit dichtem üppigem Haar; teilweise leicht bläulicher Schimmer am Haargrund, vereinzelt bläulich-dunkelbraune Grannen. Weschnjak Ende des Winters: Schwächere Behaarung. Gagara Ab April: Während des Haarwechsels, das Fell hat kaum Grannen.