Bockhorn ist eine Gemeinde im Landkreis Friesland im nordwestlichen Niedersachsen. Historisch gehört die Gemeinde zum Oldenburger Land.

Geografie Geografische Lage Bockhorn liegt südlich von Wilhelmshaven in der Nähe der Bundesautobahn 29.

Nachbargemeinden Die Gemeinde Bockhorn grenzt im Westen und im Norden an die Gemeinde Zetel, im Osten an die Stadt Varel (beide Landkreis Friesland) und im Süden an die Stadt Westerstede und an die Gemeinde Wiefelstede (beide Landkreis Ammerland). Im Nordosten grenzt Bockhorn auf rund vier Kilometern Länge an den Jadebusen, eine große Meeresbucht an der Nordsee.

Gemeindegliederung Zur Gemeinde Bockhorn gehören neben dem Hauptort Bockhorn die Ortschaften: Adelheidsgroden, Blauhand, Bockhornerfeld, Bredehorn, Ellenserdammersiel, Goehlriehenfeld, Grabstede, Grabstederfeld, Jührdenerfeld, Kranenkamp, Kreyenbrok, Moorwinkelsdamm, Osterforde, Petersgroden und Steinhausen.

Flächennutzung miniatur|Der Windpark bei Bockhorn wird erweitert (Luftbild 2012). Rund 85 % der Bockhorner Gemeindefläche bestehen aus Forst- und Landwirtschaftsflächen. Die Bauflächen nehmen dagegen nur einen Anteil von rund 9 % ein. Die gesamte weitere Flächennutzung kann der folgenden Tabelle entnommen werden:Landesbetrieb für Statistik und Kommunikationstechnologie Niedersachsen – Tabelle Z0010001 Flächennutzungsarten, abgerufen am 15. November 2011

Flächennutzung im Jahre 2005 Fläche in ha Bauflächen 705 Gemeinbedarf 10 Verkehrsflächen 237 Flächen für die Ver- und Entsorgung 2 Grünflächen 33 Landwirtschaftsflächen 5916 Forstwirtschaftsflächen 603 Wasserflächen 110 Sonstige Flächen 83 Gesamtfläche 7699

Geschichte mini|Ostfriesische Halbinsel um 1600 Bockhorn (Bokeren) ist bereits auf der Karte verzeichnet Funde aus der Jungsteinzeit (3000–2000 v. Chr.), der Bronzezeit (2000–750 v. Chr.) und aus der Eisenzeit (750 bis Christi Geburt) bezeugen, dass die Region schon lange vor Beginn unserer Zeitrechnung besiedelt wurde.

Die Siedlung Bockhorn wurde vermutlich gegründet, als die Friesen in die Geest vordrangen. Der Ortsname findet sich als Bochorne zum ersten Male in einer Urkunde aus dem Jahr 1220. Bochorne ist ein zusammengesetzter Name. Das Grundwort ist horna (gebogene Flur). Das heutige Bock leitet sich ursprünglich vom boc, boca, buoca ab und bedeutet Buche. Die alte Siedlung Bockhorn muss dem Namen nach also auf einer im Grundriss gebogenen, damals mit Buchen bestandenen Flur, angelegt worden sein. Somit ist das heute verwendete Ortswappen mit dem Hirsch und dem Jagdhorn eigentlich irreführend. Aus der Zeit um 80 v. Chr. datiert die Münze von Bockhorn.

Im Mittelalter gehörte die Friesische Wehde und damit Bockhorn zum Vareler Viertel in Rüstringen. Bockhorn war im 14. Jahrhundert ein wichtiger Marktort am Friesischen Heerweg, was Geleitbriefe zum an Mariae Himmelfahrt stattfindenden Bockhorner Markt aus den Jahren 1310, 1312 und 1314 dokumentieren. Die Geleitbriefe dienten dem Schutz auswärtiger Kaufleute, die so den Markt sicher erreichen und verlassen konnten.Werner Brune (Hrsg.): Wilhelmshavener Heimatlexikon, 3 Bde. Brune, Wilhelmshaven 1986–1987, Band 1 Seite 106 f.

Zwei Sturmfluten – die Clemensflut im Jahr 1334 und die Marcellusflut von 1362 – brachten starke Landverluste und große Not über die Bevölkerung an der Nordseeküste.

1428 überließ der Häuptling von Rüstringen Siebet dem Grafen Dietrich von Oldenburg und dessen Gemahlin Heilwig alle Ansprüche und Gerechtsamkeit an dem Kirchspiel Frijade und seine Güter den Kirchspielen Varel, Bockhorn, Zetel und Horsten. Bald nach der Überlassung kam es zu Streitigkeiten. 1486 wurde die Westwehde nochmals an Ostfriesland verpfändet, bis durch den Frieden von Zetel 1517 die Friesische Wehde endgültig zu Oldenburg kam.

Während des Dreißigjährigen Krieges zog Graf Anton Günther dänische Hilfstruppen heran, doch obwohl das Land von Brandschatzung und Plünderung verschont blieb, trat erst nach dem Friedensschluss 1648 allmählich eine Besserung ein. Die dänischen Könige waren gleichzeitig Grafen von Oldenburg und Delmenhorst. Als 1667 Graf Anton Günther starb, gingen die Grafschaften an den König von Dänemark und Herzog von Holstein-Gottorp über, der bis 1773 über das Land herrschte. Das 19. Jahrhundert muss für die Friesische Wehde eine glückliche Zeit gewesen sein. Die Spinnerei und Weberei standen in voller Blüte. Die neuerstandene Ziegelindustrie trug zu dem wirtschaftlichen Aufschwung bei. Durch die Kriegszüge Napoleons begannen schwere Zeiten für das Land. Herzog Peter Friedrich Ludwig von Oldenburg – Oldenburg war inzwischen Herzogtum geworden – versuchte, dem 1806 gegründeten Rheinbund nicht beizutreten. Es gelang ihm nicht, und so kam das Herzogtum Oldenburg 1810 unter die französische Verwaltung, unter der sowohl der Handel als auch die Bevölkerung zu leiden hatten. Die Franzosen zogen sich erst zurück, nachdem Napoleon I. in der Völkerschlacht bei Leipzig geschlagen worden war.

Im Laufe des 19. Jahrhunderts vollzog sich in Bockhorn bei Industrie und Gewerbe ein bemerkenswerter Umschwung. Während in den 1850er Jahren noch die Baumwoll- und Leinenweberei in voller Blüte stand, ging sie immer weiter zurück, bis sie gegen Ende des Jahrhunderts völlig aufhörte. Dagegen nahm die Ziegelindustrie einen bedeutenden Aufschwung. So stieg die Nachfrage nach Klinkern von Jahr zu Jahr und der Name Bockhorns wurde durch die Klinkerindustrie in ganz Europa bekannt, so beispielsweise durch das in den 1920er Jahren errichtete Chilehaus in Hamburg. 1908 schließen sich 14 Ziegeleien zu den Vereinigte Oldenburger Klinkerwerken zusammen. Aus dem Verbund ist heute die Bockhorner Klinker GmbH geworden. Von den Gründungsmitgliedern sind noch vier Ziegeleien dabei, zwei davon produzieren in der Gemeinde Bockhorn. Der Verbund betreibt in Bockhorn das Bockhorner Klinkerzentrum, das die Verwaltungs- und die Vertriebsaktivitäten der Firma zentralisiert.EWE (Hrsg.): DreiStromLand Ems·Weser·Elbe. Europa Verlag, Hamburg 2005, ISBN 3-203-85999-8, Band 1 Seite 196

Die 1888–1893 gebaute Eisenbahn Neuenburg, Zetel, Bockhorn, Ellenserdammersiel ließ die Friesische Wehde zu einem beliebten Ausflugsziel werden, bis die Bahn nach dem Zweiten Weltkrieg an Bedeutung verlor. Der Bahnverkehr wurde nach und nach eingestellt: 1953 auf dem Abschnitt zwischen Bockhorn und Westerstede, 1954 auf dem Ringbahnabschnitt nach Ellenserdamm; der letzte Personenzug (Sonderzug „Musikexpress“) verkehrte 1967 auf der Hauptstrecke. Anfang der 1990er Jahre wurde die Strecke endgültig stillgelegt und im Jahr 2002 abgebaut.

Bis 1867 bestand die Friesische Wehde aus den Gemeinden Bockhorn und Zetel. Als die Gemeinde Neuenburg gebildet wurde, musste Bockhorn dazu die Ortschaft Astede und große Waldgebiete abtreten. Im Jahr 1933 wurden die Gemeinden Bockhorn, Zetel und Neuenburg zur Großgemeinde Friesische Wehde zusammengefasst. Sitz der neuen Gemeinde wurde Bockhorn. 1948 wurde diese Großgemeinde jedoch wieder aufgelöst und die drei Gemeinden erhielten ihre Selbstständigkeit zurück.

Einwohnerentwicklung Jahr Einwohner 2004 9.119 2005 8.780 2007 8.693 2015 8.594 2019 8.8922023 9.070

Politik Gemeinderat Der Gemeinderat der Gemeinde Bockhorn besteht aus 22 Ratsfrauen und Ratsherren. Dies ist die festgelegte Anzahl für eine Gemeinde mit einer Einwohnerzahl zwischen 8001 und 9000. Der Gemeinderat wird durch eine Kommunalwahl für jeweils fünf Jahre gewählt. Die nächste Amtszeit beginnt am 1. November 2021 und endet am 31. Oktober 2026.

Stimmberechtigt im Rat der Stadt ist außerdem der hauptamtliche Bürgermeister Thorsten Krettek.

Die letzte Kommunalwahl vom 12. September 2021 ergab das folgende Ergebnis:Wahl des Gemeinderates 12.09.2021 – Gemeinde Bockhorn, abgerufen am 18. September 2021 Partei Anteilige Stimmen Anzahl Sitze Veränderung Stimmen Veränderung Sitze CDU 36,51 % 8 −0,74 % 0 SPD 24,79 % 5 +2,85 % 0 UWG 10,64 % 2 −3,72 % −1 Bündnis 90/Die Grünen 9,23 % 2 +0,51 % 0 PFF 8,41 % 2 +8,41 % +2 FDP 8,03 % 2 −2,40 % 0 Die Linke 2,39 % 1 −0,37 % 0 Die Wahlbeteiligung bei der Kommunalwahl 2021 entsprach mit 57,55 % ungefähr dem niedersächsischen Durchschnitt von 57,1 %.

Bürgermeister Hauptamtlicher Bürgermeister der Gemeinde Bockhorn ist seit dem 1. November 2019 Thorsten Krettek. Bei der Bürgermeisterwahl am 26. Mai 2019 konnte er sich mit 54,3 Prozent gegen die parteilosen Mitbewerbern Katja Lorenz (35,2 %) und Maik Radig (10,3 %) durchsetzen. Der neue Bürgermeister war zuvor über 34 Jahre Polizeibeamter. Er tritt die Nachfolge von Andreas Meinen an, der 2011 zum hauptamtlichen Bürgermeister in Bockhorn gewählt wurde und nicht wieder antrat.

Vertreter in Land- und Bundestag Bei den Wahlen zum Niedersächsischen Landtag gehört Bockhorn zum Landtagswahlkreis 070 Friesland, der den gesamten Landkreis Friesland umfasst. Das Direktmandat wurde im Januar 2013 durch Olaf Lies von der SPD gewonnen. Bei der Wahl vom 15. Oktober 2017 konnte er den Erfolg wiederholen. Bei der letzten Landtagswahl vom 9. Oktober 2022 konnte Lies das Direktmandat mit 48,96 % der Stimmen bei einer Wahlbeteiligung von 59,54 % erneut verteidigen. Weiterhin werden Katharina Jensen (CDU) und Sina Beckmann (Grüne) den Landkreis im Landtag vertreten. Sie zogen über die jeweiligen Landeslisten ihrer Parteien in das Parlament. Die konstituierende Sitzung des neu gewählten Parlaments fand am 8. November 2022 statt. Die Wahlperiode endet im Herbst 2027.

Die Gemeinde Bockhorn gehört zum Bundestagswahlkreis Friesland – Wilhelmshaven – Wittmund. Er umfasst die Stadt Wilhelmshaven sowie die Landkreise Friesland und Wittmund.Anlage 2 Bundeswahlgesetz – Wahlkreise für die Wahl zum 21. Deutschen Bundestag, (PDF 185,4 kB), abgerufen am 25. Februar 2025. Bei der Bundestagswahl 2025 gewann die Sozialdemokratin Siemtje Möller das Direktmandat zum dritten Mal in Folge. Über Listenplätze ihrer Parteien zogen Anne Janssen (CDU) und Martin Sichert (AfD) aus dem Wahlkreis in den Bundestag ein.Bundestagswahl: Die Gewinner und Verlierer aus dem Nordwesten, In: Wilhelmshavener Zeitung vom 25. Februar 2025, Seite 1

Wappen, Flagge und Dienstsiegel rechts|80px|Gemeindewappen Der Niedersächsische Minister des Innern erteilte der Gemeinde Bockhorn 1950 die Erlaubnis, das nachstehend beschriebene Wappen zu führen. Dabei handelt es sich mit dem Hirschbock und dem Horn um ein redendes Wappen.

Wappenbeschreibung „In Gold ein aufspringer roter Hirschbock, unten ein blaues Horn mit goldenen Beschlägen und schwarzer Fessel.“

Flagge „Die Farben der Gemeinde sind gelb-rot-blau.“

Dienstsiegel Das Dienstsiegel enthält das Wappen und die Umschrift „Gemeinde Bockhorn“.

Städtepartnerschaften Seit dem 4. Oktober 2002 besteht eine Partnerschaft mit der ungarischen Gemeinde Vértessomló (dt. Schemling).

Kultur und Sehenswürdigkeiten miniatur|Hemkensches Kaufmannshaus mit Rokokotür von 1754 mini|Ziegeleiarbeiter von Heinz-Jürgen Gerdes Sehenswürdigkeiten und Bauwerke

St. Cosmas und Damian

Hemkensches Kaufmannshaus Am Bockhorner Marktplatz befindet sich das aus der Mitte des 18. Jahrhunderts stammende “Hemkensche Kaufmannshaus”. An der Südseite besitzt das Klinkergebäude eine reich verzierte Eingangstür aus dem Jahre 1754, die zu den eindrucksvollsten Werken der Barockzeit im Oldenburger Land zählt. Der die Tür einfassende steinerne Rahmen zeigt das Wappen der Bockhorner Kaufmannsfamilie Hemken, deren Familienmitglieder neben der kaufmännischen Tätigkeit auch alle künstlerische Tätigkeiten verfolgten. Nach der Familie Hemken wechselte es 1878 in den Besitz der Familie Becker, ab 1919 gehörte der Familie Jürgens. Heute befindet sich in dem Gebäude eine Bankfiliale der OLB. Die Inneneinrichtung des alten Kaufmannsladen aus der Mitte des 18. Jahrhunderts konnte erhalten werden und befindet sich heute im Landesmuseum für Kunst und Kulturgeschichte Oldenburg., abgerufen am 7. März 2019.

Skulpturen