Das Seegefecht bei den Falklandinseln vom 8. Dezember 1914 fand im Ersten Weltkrieg zwischen dem Deutschen Reich und Großbritannien statt. Das deutsche Ostasiengeschwader unter der Führung von Vizeadmiral Maximilian von Spee hatte zuvor eine britische Flotte vor der Küste Chiles in der Seeschlacht von Coronel besiegt. Nach diesem Erfolg plante von Spee, die britische Marinebasis auf den Falklandinseln anzugreifen. Allerdings war von Spee nicht bewusst, dass die britische Admiralität entschieden hatte, zwei moderne Schlachtkreuzer unter der Führung von Admiral Sir Doveton Sturdee in die Region zu entsenden. Zunächst überrascht von dem schnellen Auftauchen der Deutschen konnten die Briten ihre überlegene Feuerkraft und Geschwindigkeit zu Geltung bringen. In einem intensiven Gefecht wurden die deutschen Schiffe Scharnhorst, Gneisenau, Leipzig und Nürnberg versenkt. Nur die Dresden konnte entkommen. Auf britischer Seite wurde die Invincible schwer getroffen, konnte aber später repariert werden. Der Sieg der Briten hatte große strategische Auswirkungen, da er die deutsche Präsenz im Südatlantik schwächte und den britischen Einfluss in der Region wiederherstellte.
Vorgeschichte Beim Ausbruch des Krieges am 4. August 1914 war mit Ausnahme einiger leichter Kreuzer das einzige deutsche Geschwader, das sich nicht in europäischen Gewässern befand, im westlichen Pazifik stationiert, mit seinem Hauptstützpunkt in Tsingtau. Das Geschwader unter dem Kommando von Vizeadmiral Graf von Spee hatte die Aufgabe, im Falle eines Krieges mit Großbritannien den britischen Handel so weit wie möglich zu schädigen.Spencer-Cooper: The Battle of the Falkland Islands. Cassell, London 1919, S. 4. Die Niederlage bei Coronel am 1. November löste in Großbritannien heftige Kritik an der Leistung der Royal Navy aus. Schließlich trat der Erste Seelord Prinz Louis von Battenberg zurück und John Fisher übernahm das Amt erneut.Bennett: Naval battles of the First World War. Batsford, London 1968, S. 101ff.
Um der weiteren Gefahr durch die Deutschen zu begegnen, beorderte Fisher den Schlachtkreuzer Princess Royal in die Karibik, um den Eingang zum Panamakanal zu sichern. Darüber hinaus entsandte er die beiden Schlachtkreuzer Invincible und Inflexible unter Admiral Frederik Doveton Sturdee in den Südatlantik, um das deutsche Kreuzergeschwader zu vernichten. Für Fisher war dies die Bewährungsprobe für die Daseinsberechtigung der Schlachtkreuzer. Am Mittag des 11. November erreichte Sturdee Saint Vincent auf den Kapverdischen Inseln. Von St. Vincent aus sollte er den Atlantik überqueren, um sich bei den Abrolhos-Inseln mit Konteradmiral Stoddart zu treffen und die neuesten Informationen über den Verbleib von Spees sowie neue Anweisungen von der Admiralität zu erhalten. Bei seiner Ankunft bei den Abrolhos am 26. November erhielt er den Befehl, sich nach Süden zu den Falklandinseln zu begeben, die er als Stützpunkt nutzen sollte. Von dort sollte er sich dann zur chilenischen Küste begeben, um in den Kanälen und Buchten Feuerlands nach von Spee zu suchen. Auf seinem Weg nach Süden spürte er deutschen Handelsschiffen nach und stoppte für Schießübungen, was seine Ankunft in Port Stanley verzögerte.Corbett: Naval Operations. (= History of the Great War. Band I), Band I. Longmans, Green & Co, London 1920, S. 408.Bennett: 1968, S. 108. Am 3. Dezember befand sich Sturdee vor dem Rio de la Plata, und da sein Kurs zu den Falkland-Inseln nun immer weiter von der Küste abwich, wuchs die Gefahr, dass die Deutschen ihm entgingen. Am nächsten Tag erhielt er die Nachricht, dass sich von Spee noch immer vor Valparaiso befand. Diese Information war jedoch falsch, denn von Spee hatte Kap Hoorn am 1. Dezember bereits passiert. Anstatt weiterzufahren, kaperte er jedoch den britischen Frachter Drummuir mit 3000 Tonnen Kohle und brachte ihn an einen Ankerplatz vor Picton Island, wo seine Schiffe bis zum 6. Dezember blieben. Da von Spee entweder nichts von Sturdee und seinen Schlachtkreuzern wusste oder dies für eine Täuschung hielt, beschloss er, das britische Geschwader bei den Falkland-Inseln anzugreifen und die dortige Funkstation zu zerstören, bevor er nach Hause zurückkehrte. Am 7. Dezember erreichte Sturdee Port Stanley sehr zur Erleichterung von William Allardyce, dem Gouverneur der Insel, und Heathcoat Grant, Kapitän der Canopus. Letzterer hatte in Erwartung eines Angriffs durch die Admiralität Befehl erhalten, sein Schiff im Eingang des Hafens auf Grund zu setzen. Darüber hinaus hatte er den Eingang von Port William verminen lassen und drei Batterien mit 12-Pfünder-Kanonen aufstellen lassen. Während von Spee auf dem Weg zu den Falklandinseln war, gab er am 7. Dezember folgende Befehle: Die Gneisenau und die Nürnberg werden mit 14 Knoten (25 km/h) zu einem Punkt östlich von Cape Pembroke fahren, von dem aus Stanley Harbour überblickt werden kann. Wenn die Sicht frei ist, wird die Nürnberg bis zum Berkeley Sound aufklären, während die Gneisenau Boote vor Port William absetzt, um die Einfahrt von Minen zu säubern. Die Nürnberg wird dann in Port Stanley einlaufen, Vorräte an Bord nehmen und die Funkstation zerstören. Die Gneisenau folgt ihr bis zum Kanal, der Port William mit Port Stanley verbindet, ankert und schickt eine Abteilung zum Gouverneur mit einem Ultimatum zur Kapitulation.Corbett: 1920, S. 411f.Bennett: 1968, S. 107f.
Die Geschwader
Deutschland Oberbefehlshaber Maximilian von Spee Schiff Kommandant Verluste Anmerkungen getötet verwundet gesamtScharnhorst Kapitän zur See Felix SchultzGneisenau Kapitän zur See Julius MaerkerNürnberg Kapitän zur See Karl von SchönbergLeipzig Fregattenkapitän Johannes Siegfried HaunDresden Kapitän zur See Fritz Emil Lüdecke
Großbritannien Oberbefehlshaber Doveton Sturdee Schiff Kommandant Verluste Anmerkungen getötet verwundet gesamtInvincible Kapitän Tufton H. P. BeamishAdmiral Sturdees FlaggschiffInflexible Kapitän Richard F. PhillimoreCarnarvon Kapitän Harry L. d'E. SkipwithFlaggschiff von Konteradmiral StoddartCornwall Kapitän Walter M. Ellerton Canopus Kapitän Heathcoat GrantKent Kapitän John D. AllenBristol Kapitän Lewis Clinton-BakerGlasgow Kapitän John LuceMacedonia Kapitän Bertram S. EvansSpencer-Cooper: 1919 S. 212.
Die Schlacht mini|Der Kampf der Panzerkreuzer und die Verfolgung der Troßdampfer mini|Die sinkende Scharnhorst, dahinter die Gneisenau, Gemälde von William Lionel Wyllie, 1918 Das deutsche Geschwader hatte die Falklandinseln um etwa 02:30 Uhr gesichtet, bevor es selbst um 07:50 Uhr von einer Signalstation entdeckt wurde. Tatsächlich waren es die Gneisenau und die Nürnberg auf ihrer Aufklärungsmission. Die Sichtungen wurden sofort an die Canopus weitergeleitet. Da keine direkte Verbindung zur Invincible möglich war, gab er das Signal „Feind in Sicht“ an die Glasgow weiter, die ein Geschütz abfeuerte, bevor die wichtige Nachricht endlich eintraf. Da das britische Geschwader auf fatale Weise zwischen den beiden Ankerplätzen zerstreut und fast keines der Schiffe einsatzbereit war, wurden die Briten völlig überrumpelt. Nachdem er das Signal von der Glasgow erhalten hatte, befahl Sturdee der Kent, den Hafen zu verlassen und eine Position zur Deckung der Macedonia am Ende des Hafens einzunehmen. Beide Schlachtkreuzer sollten das Beladen mit Kohle einstellen und sich gefechtsbereit machen. Der Panzerkreuzer Carnarvon sollte sich so schnell wie möglich der Kent anschließen, um in der Lage zu sein, die feindlichen Schiffe anzugreifen, wenn sie Kap Pembroke umrundeten. Die Canopus wurde angewiesen, das Feuer zu eröffnen, sobald sich ein geeignetes Ziel bot, während alle anderen Schiffe den Befehl erhielten, die Kessel zu befeuern, bis sie in der Lage wären, mindestens 12 Knoten (22 km/h) zu erreichen. Weitere Meldungen erreichten Sturdee, in denen von weiteren Rauchsäulen auf See die Rede war, die bald darauf vom Kanonenoffizier der Canopus bestätigt wurden. Als sich die beiden deutschen Kreuzer näherten, wurden immer mehr Schiffe entdeckt, die Kapitän Maerker an von Spee weitergab. Als jedoch sein Geschützoffizier, Korvettenkapitän Johann Busche, meldete, dass er Dreibeinmasten gesehen habe, das charakteristische Merkmal britischer Großkampfschiffe, entschied sich Maerker, den Bericht seines Untergebenen zu ignorieren und die Information nicht an von Spee weiterzuleiten. Während die Gneisenau und die Nürnberg sich rasch auf die Funkstation in der Nähe des Hooker-Punktes zubewegten, eröffnete die Canopus aus einer Entfernung von 10.000 Metern mit ihren 305-mm-Geschützen das Feuer, ohne jedoch zu treffen. Nachdem er von Spee über Funk mitgeteilt hatte, dass er unter Beschuss geraten war, erhielt Maerker den Befehl, sich zurückzuziehen und sich dem Rest des Geschwaders anzuschließen. Um 09:45 Uhr hatte sich die Glasgow mit der Kent vor der Hafeneinfahrt vereinigt und bildete so einen äußeren Schutzschild, hinter dem der Rest des Geschwaders seine Vorbereitungen für die Schlacht abschließen konnte.
Allgemeine Verfolgung Mit seinen sechs Schiffen, die sich nun auf offener See befanden, verschob sich der Vorteil eindeutig zu Sturdees Gunsten. Bei wolkenlosem Himmel, ruhiger See und maximaler Sicht konnte von Spee die Schlachtkreuzer am südöstlichen Horizont deutlich erkennen. Sturdees Plan war es, seine Hauptbewaffnung so schnell wie möglich in effektive Reichweite zu bringen und dann den Feind mit seinen 304-mm-Geschützen aus einer Entfernung zu beschießen, in der dessen eigene schwere Batterien unwirksam sein würden. Nach seinen eigenen Berechnungen würden die Schlachtkreuzer kurz nach 13:00 Uhr in optimaler Reichweite sein, worauf er Signal zur allgemeinen Verfolgung gab. Das deutsche Geschwader hatte bis dahin einen Vorsprung von etwa 9 km erreicht. Um 10:48 Uhr meldete die Glasgow Feind in Sicht. Sturdee, der sich dem Feind mit voller Geschwindigkeit näherte, erkannte, dass seine Panzerkreuzer zunehmend den Anschluss verloren, und befahl sowohl der Invincible als auch der Inflexible, ihre Geschwindigkeit auf 20 Knoten (37 km/h) zu reduzieren, wobei letztere an der Steuerbordseite des Flaggschiffs Stellung bezog. Die Glasgow hatte den Befehl, 5 Kilometer vor der Invincible zu bleiben, während die Carnarvon und die Cornwall angewiesen wurden, sich dem Flaggschiff mit der bestmöglichen Geschwindigkeit anzunähern. Trotz ihrer reduzierten Geschwindigkeit verringerte sich der Abstand, und die deutschen Schiffe waren nun in Sichtweite. Nachdem Sturdee beschlossen hatte, die Deutschen nicht sofort anzugreifen, gab er um 11:30 Uhr die Anweisung, dass die Schiffsbesatzungen zum Mittagessen unter Deck geschickt werden konnten. Sturdee hielt seine Geschwindigkeit von 20 Knoten, bis er um 12:20 Uhr sah, wie die Deutschen nach Steuerbord abdrehten und ihre Formation auflösten, als ob sie sich neuformieren wollten.