Wagenfeld ist eine im Süden des Landkreises Diepholz gelegene Einheitsgemeinde mit den Ortsteilen Wagenfeld im westlichen und Ströhen im östlichen Teil.

Geografie Geografische Lage Wagenfeld befindet sich ungefähr in der Mitte zwischen den Städten Bremen (70 km) im Norden und Osnabrück (50 km) im Südwesten. Nordwestlich liegt es am Ausläufer des Kellenbergs und hat dort die höchste Erhebung von ca. 69 m ü. NN (Bockeler Berg). Der Höhenunterschied beträgt zwischen 33 m ü. NN bis 69 m ü. NN.

Wagenfeld hat eine Gesamtfläche von 117,36 km² davon im Ortsteil Wagenfeld 76,35 km² und Ströhen 41,01 km². Moorfläche sind 13,90 km² = 8,5 %. Im bzw. am Rand des Gemeindegebiets befinden sich diese größeren Moorgebiete im Uhrzeigersinn: Neustädter Moor, Renzeler Moor, Großes Moor, Oppenweher Moor und Rehdener Geestmoor.

Flüsse und Bäche mini|Wagenfelder Aue Blickrichtung Süden mini|hochkant|Neustädter Moor; im Hintergrund der Kleine Aussichtsturm Die Gemeinde wird von mehreren kleinen Bächen durchflossen, die vorwiegend der Urbarmachung der Moore dienten. Größere Flüsse sind die Wagenfelder Aue, ein südöstlicher Zufluss der Hunte, und die Große Aue im südöstlichen Gebiet bei Ströhen, die ein Nebenfluss der Weser ist.

Geologie Bockeler Berg: Stauchmoränen, Podsol, Braunerde Am Fuße des Bockeler Berges, auf dem Pustel, Teile von Butzendorf: Flugsand und Podsol Förlinger Moor und Randflächen vom Bockeler Moor: Niedermoor Neustädter Moor, zentrales Bockeler Moor: Hochmoor Entlang der Großen Aue: Auesand, Niedermoor-Gley, Moor Andere Wagenfelder und Ströher Gebiete: Niederungssand-Gley-Podsol, Moor-Gley

Ausdehnung des Gemeindegebiets Die Entfernung zwischen den äußersten Grenzpunkten beträgt von Nord nach Süd 9,5 km und von West nach Ost 18 km.

Gemeindegliederung Die Einheitsgemeinde Wagenfeld besteht aus den ehemals selbstständigen Gemeinden Wagenfeld-Bockel, Wagenfeld-Förlingen, Wagenfeld-Haßlingen, Wagenfeld-Neustadt und Ströhen.

Nachbargemeinden Nachbargemeinden sind – von Norden aus im Uhrzeigersinn: Samtgemeinde Rehden, Samtgemeinde Kirchdorf, Samtgemeinde Uchte (Landkreis Nienburg), Rahden und Stemwede (beide Kreis Minden-Lübbecke, Nordrhein-Westfalen) und Samtgemeinde Altes Amt Lemförde.

Geschichte mini|Die Auburg 1654/1658 mini|St. Antoniuskirche 1850 oder 1860 mini|Auburg 1892 mini|Altes Amtshaus (in der Mitte); Links davon ist das ebenfalls nicht mehr existierende Alte Rathausgebäude Der Name Wagenfeld taucht zum ersten Mal um 1280 in einem Verzeichnis der gräflichen ravensbergischen Lehnsgüter auf. Der Name leitet sich von Wakenfeld ab. Waken sind Wassertümpel die in den Morast- und Sumpflandschaften der Moorgebiete vorkommen.

An der durch das Dorf fließenden Wagenfelder Aue ließen die Grafen von Diepholz Ende des 15. Jahrhunderts eine Schutzfeste mit dem Namen Auburg errichten. Diese Wasserburg, auf einer Insel zwischen einem abgezweigten Arm der Aue und der Wagenfelder Aue gelegen, sollte die benachbarten Mindener abschrecken, die damals regelmäßig in das Gebiet einfielen. Diese fühlten sich jedoch gerade durch den Bau der Auburg provoziert und zerstörten diese in der Folgezeit mehrere Male.

Als 1585 Graf Friedrich II. von Diepholz verstarb, brach ein Rechtsstreit über die territoriale Zugehörigkeit des Amtes Auburg, an dessen Ende es an die Landgrafschaft Hessen-Kassel fiel. 1592 erhielt der Sohn des Landgrafen, Philipp Wilhelm von Cornberg, das Amt. Nach seinem Tod wurden die Besitzungen unter seinen zahlreichen Nachkommen aufgeteilt und es bildeten sich außer der Auburger Linie noch eine Richelsdorfer, Kettenbacher, Hüffer und eine Lübbecker derer von Cornberg.richelsdorf.de

Sein ältester Sohn Bernd Philip stiftete die Auburger Linie und wurde nach seinem Ableben 1630 als erstes Oberhaupt der Auburger Linie in der Kirche von Wagenfeld beigesetzt. Als 1739 die Richelsdorfer Linie der Cornberger in der 4. Generation ausstarb, fiel Richelsdorf an die Auberger Linie, die 1762 wiederum nach Richelsdorf übersiedelte.

19. Jahrhundert Während der Napoleonischen Kriege gehörte Wagenfeld von 1810 bis 1813 zum Kanton Rahden des Arrondissement Minden im Departement Oberems des Französischen Kaiserreichs. Nach Napoleons missglücktem Russlandfeldzug flohen die französischen Truppen 1813 aus dem Gebiet.

Am 23. September 1815 – somit 230 Jahre nach der Abspaltung von Diepholz 1585 – kamen Preußen, Hannover und Kurhessen überein, das Amt Auburg an Hannover abzutreten. 1820 wurde die Amtsvogtei Auburg wieder dem Amt Diepholz angegliedert.

Die Verkoppelung Wagenfelds von 1853 bis 1861 bewirkte die Trennung zwischen den Besitzungen des Gutes Auburg und den Privatflächen. Die Landwirte wurden aus der Abhängigkeit zu einem Grundherren entlassen und konnten fortan Privatbesitz erlangen. Zudem wurde das Wege- und Gewässernetz umfassend neu strukturiert. Die vier Ortschaften Bockel, Neustadt, Förlingen und Haßlingen wurden erstmals der Verwaltung eines Bürgermeisters (damals noch Samtvorsteher genannt) übergeben. Aus dieser Zeit stammt wohl auch die regionale Überlieferung, dass Wagenfeld „das größte Dorf Deutschlands“ sei, denn die neue Gemeinde hatte im Verhältnis zu anderen damaligen Gemeinden eine unübliche Größe.

Wagenfeld fiel im Zuge der Annektierung des Königreichs Hannover, nach dem Deutschen Krieg 1866, an Preußen und wurde der Provinz Hannover sowie ab 1885 dem Kreis Diepholz zugeordnet.

1884 wurde der königlich hannoversche Kammerrat, Karl Ludwig Viktor von Cornberg zu Auburg, zum Freiherrn ernannt und ein Jahr später durch den König von Preußen zum letzten Mal mit der Auburg belehnt. Als er 1891 kinderlos starb, erbte sein entfernter Verwandter Theodor von Cornberg die Auburg. Bereits 1904 verkaufte er den ausgedehnten Grundbesitz zu Auburg und Wagenfeld und starb als letzter Auburger von Cornberg nervenkrank in dem badischen Städtchen Neckarelz.richelsdorf.de

20. Jahrhundert William Quassowski, der damalige Landrat des Kreises Diepholz, wandelte 1909 alle vier Ortsteile Wagenfelds in politische Gemeinden mit eigenen gewählten Gemeinderäten um, damit diese leichter Staatszuschüsse für die Schulunterhaltung erhalten konnten. Ganz Wagenfeld wurde zu einer Samtgemeinde mit vier Mitgliedsgemeinden.

1932 wurde Wagenfeld Teil des aus den Kreisen Diepholz und Sulingen neugeschaffenen Landkreises Grafschaft Diepholz.

1937 erwarb die Samtgemeinde Wagenfeld das Gebäude der Auburg sowie 26 Morgen Land (etwa 6,5 ha). Während der Zeit des Nationalsozialismus wurden zwölf ehemals in Wagenfeld ansässige jüdische Bürger und deren Ehegatten von ihren damaligen Wohnorten in sechs unterschiedliche Ghettos und Konzentrationslager (Auschwitz, Riga, Stutthof, Theresienstadt, Treblinka und Trostinez) deportiert und ermordet. Weitere 20 jüdische Wagenfelder konnten bis 1938 zum größten Teil in die USA, nach Großbritannien, Palästina oder Argentinien fliehen. Seit dem 14. September 2008 erinnert ein Gedenkbaum mit Gedenkplatte nahe dem Herrenhaus Auburg an die Wagenfelder Opfer der Shoa.

Von Mai 1946 bis Oktober 1948 wurde von der britischen Militärverwaltung nach dem Muster der britischen Kommunalverwaltung ein Gemeindedirektorenbezirk mit den Gemeinden Rehden, Hemsloh, Barver, Wagenfeld und Hannoversch Ströhen gebildet, dessen Verwaltungszentrum in der Auburg eingerichtet wurde. Im Oktober 1948 wurden in Niedersachsen alle Direktorenbezirke wieder aufgelöst und alle ehemaligen Gemeinden wieder mit Bürgermeistern besetzt.

Am 25. November 1966 beschloss der Niedersächsische Landtag das „Wagenfelder Gesetz“ zur Auflösung der Samtgemeinde und Schaffung der Einheitsgemeinde Wagenfeld aus den vier Gemeinden Wagenfeld-Bockel, Wagenfeld-Förlingen, Wagenfeld-Haßlingen und Wagenfeld-Neustadt. Das Gesetz trat am 1. Januar 1967 in Kraft. Am 1. März 1974 wurde die Gemeinde Ströhen eingegliedert. Grundlage dafür war das „Gesetz zur Neugliederung der Gemeinden im Raume Grafschaft Diepholz / Grafschaft Hoya / Delmenhorst“ vom 8. November 1973.

Heute befindet sich auf dem Gelände der Auburg nur noch das Herren- und Gesindehaus. Nach 1945 wohnten dort zunächst acht Jahre lang Flüchtlingsfamilien. Danach dienten die Gebäude bis 1967 als landwirtschaftliche Berufsschule. /Die Geschichte von Wagenfeld

1977 wurde Wagenfeld Teil des aus den Landkreisen Grafschaft Diepholz und Hoya neugeschaffenen Landkreises Diepholz.

21. Jahrhundert 1998/1999 wurde das historische Gebäude der Auburg restauriert. Seither bietet der „Kulturkreis Auburg“ in seinen Räumlichkeiten ein abwechslungsreiches Kulturprogramm an.

Von 1961 bis 2002 war Wagenfeld ein Bundeswehrstandort: Die Luftwaffe unterhielt dort die 3. Batterie des Flugabwehrraketenbataillons 25 (3./FlaRakBtl. 25), das der 4. Luftwaffendivision (Aurich) zugeordnet war. 1975 erhielt der Unterkunftsbereich der Einheit den Namen „Auburg Kaserne“. In Wagenfeld waren bis 1988 Soldaten der 42. US-Artillerie-Abteilung stationiert, die die kleine Zahl Atomsprengköpfe bewachten, die im Verteidigungsfall – nach Freigabe durch die Amerikaner – durch Bundeswehrsoldaten abgeschossen worden wären. Als Waffensystem wurden anfangs konventionelle Nike-Ajax-Raketen, danach über viele Jahre Nike-Hercules-Raketen (mit sowohl konventionellen als auch nuklearen Sprengköpfen) verwendet, die schließlich ab 1989 durch die MIM-104 Patriot (konventionell) abgelöst wurden. Die Umrüstung auf das Patriot-System machte die kleine US-Garnison überflüssig. Im Zuge ihrer Verkleinerung nach dem Ende des Ost-West-Konfliktes hat die Bundeswehr ihren Standort Wagenfeld schließlich aufgelöst. Zu sehen sind bis heute die Kaserne, die geräumte Raketen-Abschussstellung (Bunker) sowie der ehemalige Feuerleit-Bereich (frühere Radarstellung).

Die Gemeindeverwaltung bezog 2005 einen Flügel des neuen „Dienstleistungszentrums Wagenfeld“, während das Alte Rathaus an der Hauptstraße heute nicht mehr besteht.

Politik

Gemeinderat Der Gemeinderat der Gemeinde Wagenfeld besteht aus 20 Ratsfrauen und Ratsherren sowie kraft Amtes dem Bürgermeister. Dies ist die festgelegte Anzahl für eine Gemeinde mit einer Einwohnerzahl zwischen 7.001 und 8.000 Einwohnern.Niedersächsisches Kommunalverfassungsgesetz (NKomVG) in der Fassung vom 17. Dezember 2010; § 46 – Zahl der Abgeordneten, abgerufen am 6. Dezember 2014 Die 20 Ratsmitglieder und der Bürgermeister werden durch eine Kommunalwahl für jeweils fünf Jahre gewählt. Die aktuelle Amtszeit begann am 1. November 2021 und endet am 31. Oktober 2026.

Die folgende Tabelle zeigt die Kommunalwahlergebnisse seit 2001. + Rat der Gemeinde Wagenfeld: Wahlergebnisse und Gemeinderäte CDU SPD FDP UWG Gesamt Wahl- beteiligung Wahl- berechtigte Wähler Wahlperiode % rahmenlos|20px|Mandate % rahmenlos|20px|Mandate % rahmenlos|20px|Mandate % rahmenlos|20px|Mandate % rahmenlos|20px|Gesamtanzahl der Sitze im Rat %2001–200645,30 1022,10 414,80 317,80 31002051,205.8482.9972006–201142,29 920,23 416,55 320,90 41002051,615.9383.0652011–201644,24 821,02 412,52 220,20 41001848,565.8972.8642016–202142,07 916,93 314,92 326,08 51002053,545.9003.1592021–202637,46 816,56 313,66 332,32 61002057,225.8843.367 Quellen: Gemeinde Wagenfeld.

Bürgermeister mini|Das Rathaus der Gemeinde Wagenfeld Seit November 2014 ist der parteilose Matthias Kreye der hauptamtliche Bürgermeister der Gemeinde Wagenfeld. Bei der letzten Bürgermeisterwahl wurde er mit 63,78 % der Stimmen gegen drei Mitbewerber gewählt. Die Wahlbeteiligung lag bei 61,24 %.Einzelergebnisse der Direktwahlen am 25. Mai 2014 in Niedersachsen (PDF) abgerufen am 6. Dezember 2014. Kreye löste den bisherigen Amtsinhaber Wilhelm Falldorf (CDU) ab, der nicht mehr kandidiert hatte.