Penkun im Landkreis Vorpommern-Greifswald ist eine zum Amt Löcknitz-Penkun gehörende Landstadt in Mecklenburg-Vorpommern. Sie ist im äußersten Südosten Vorpommerns nahe der Grenze zu Polen und der Metropole Stettin gelegen.
Geografie mini|Schlosssee Penkun Lage Penkun liegt etwa in der Mitte des Dreiecks Prenzlau – Stettin (Szczecin) – Schwedt/Oder. Die Stadt wird von mehreren Seen umgeben, die in einer Senke zwischen zwei Endmoränenzügen liegend zur Randow und zum Landgraben hin abfallen. Die größten Gewässer sind der Schlosssee, der aus sieben zusammenhängenden Seen besteht, und der vier Teile aufweisende Bürgersee. Das Hügelland setzt sich nach Norden bis vor Stettin fort. Das Gebiet um Penkun wird intensiv landwirtschaftlich genutzt.
Stadtgliederung Neben dem Hauptort gibt es neun OrtsteileHauptsatzung der Stadt Penkun, § 2 (PDF; 1,6 MB) und zwei Weiler:
Weiler: Ausbau Blockshof
Nachbargemeinden Nachbargemeinden der Stadt sind von Norden beginnend im Uhrzeigersinn:
Krackow, Nadrensee, Mescherin, Tantow, Casekow, Randowtal und Brüssow.
Geschichte Ältere Geschichte Pencun wurde 1240 erstmals als in vicus Pinkun – also als Dorf – bei einem Tauschgeschäft zwischen Herzog Barnim I. von Pommern und Bischof Conrad III. von Cammin urkundlich erwähnt. Vorher existierte dort eine slawische Siedlungsstätte, umgeben von Burgwällen. Nachdem dort 1186 zur Sicherung der Handelsstraße zwischen Stettin und der Mark Brandenburg eine pommersche Grenzfeste errichtet worden war, entwickelte sich Penkun als regelmäßig angelegte und ummauerte Stadt im Schutze dieser Burg. Die Stadtbefestigung bestand aus einer Stadtmauer, drei Stadttoren (Wolliner, Stettiner und Gartzer Tor), zwei Rundtürmen und einigen Wieckhäusern. 1261 ging das Patronat der Pfarrkirche Penkun auf das neugegründete Domkapitel St. Marien zu Stettin über. 1269 wurde Pinkun erstmals urkundlich als oppidum – also als Stadt – bezeichnet und 1284 als civitas Pencun erwähnt. Es gebrauchte das magdeburgische Stadtrecht. Wann genau Penkun das Stadtrecht erhielt, ist unbekannt.Gustav Kratz: Die Städte der Provinz Pommern. Abriss ihrer Geschichte, zumeist nach Urkunden. Verlag A. Bath, Berlin 1865, S. 293–294; .Herbert Ewe: Das Bild der vorpommerschen Städte, Verlag Hermanns Böhlau Nachfolger, Weimar 1996, S. 92–94.
1285 wird erstmals ein Prefectus Rudolf (1296: Rodolfus de Penkun) als Schultheiß von Penkun erwähnt. 1295 war die Stadt an das Herzogtum Pommern-Stettin gefallen und erhielt 1320 die Zollfreiheit. Zum Schutz der Bürger wurde 1433 die Penkuner Schützengilde gegründet. 1468 konnten die Bürger Penkuns und die Schützengilde die Stadt erfolgreich über vier Monate gegen den brandenburgischen Kurfürsten Friedrich II. verteidigen. Von den Kriegseinwirkungen auf die Stadt blieben die Stadtkirche, das Rathaus und das Schloss verschont. Herzog Bogislaw X. von Pommern belehnte 1478/80 seinen Rat und Hauptmann Werner von der Schulenburg mit dem Penkuner Schloss, der Stadt Penkun und zwei Dörfern. 1614 verpfändeten und im Jahr darauf verkauften die Schulenburgs Schloss und Stadt Penkun sowie sechs Dörfer an Henning von der Osten. Die Burg wurde um 1600 zu einem Renaissanceschloss ausgebaut.
Während des Dreißigjährigen Krieges wurde Penkun 1630 durch kaiserliche Truppen niedergebrannt, wobei die Befestigungswerke erhalten blieben. Bis 1648 gehörte Penkun zum Herzogtum Pommern. Durch den Westfälischen Frieden kam Penkun zunächst zu Schwedisch-Vorpommern und ab 1720 zum preußischen Teil von Pommern.
Neuere Geschichte mini|Schloss Penkun um 1860 (von Nordosten), Sammlung Alexander Duncker
Durch einen Tausch kam Schloss Penkun mit seinen Ländereien 1756 an die Familie der Grafen von Hacke, wurde 1817 aber von der Familie von der Osten zurückerworben. In seiner Entwicklung wurde Penkun oft von Bränden heimgesucht, nach 1630 so auch in den Jahren 1701, 1733, 1800, 1826 und 1854, bei denen die Kirche im Laufe der Jahrhunderte siebenmal beschädigt und schließlich bei dem Großbrand im Jahr 1854 zusammen mit etwa 62 % der Wohnhäuser komplett zerstört wurde. 144 von ursprünglich 189 Wohnhäusern und Gebäuden von Penkun lagen teilweise oder ganz in Trümmern, auch das Rathaus sowie die Pfarr- und Schulgebäude. Die Stadtmauer und die drei Stadttore wurden nach dem Brand endgültig abgebrochen. Dieser Großbrand ist auch der Grund dafür, dass zirka 70 % der Penkuner Gebäude aus dem 19. Jahrhundert stammen. Nach dem Großbrand von 1854 war die Stadt und die Bürgerschaft völlig verarmt. Aus der Zeit stammt auch das plattdeutsche Sprichwort In Penkun, in Penkun, da hängt de Hunger upp’n Tun („In Penkun, in Penkun, da hängt der Hunger auf dem Zaun“).
Auch zwei Brauereien und eine Baumwoll- und Leinenmanufaktur, die 1862 von 14 Meistern und sechs Gesellen betrieben wurden, änderten an der wirtschaftlich schlechten Situation der Stadt nur wenig. Davon zeugt auch, dass sich die meisten Bürger und Einwohner von der Landwirtschaft ernährten und 1865 lediglich vier von damals ca. 2000 Einwohnern der Stadt einkommensteuerpflichtig waren. Im 19. Jahrhundert hatte Penkun eine jüdische Gemeinde und einen jüdischen Friedhof. Letzterer wurde um 1940 verwüstet, bis nach 1952 waren noch Reste vorhanden. Sie wurden dann abgeräumt und der Friedhof mit einem Sportplatz überbaut.
mini|Schloss Penkun um 2011 (von Osten) Der zentrale Markt spielte bis 1906 als Pferdemarkt eine regionale Rolle. Danach wurden die heute noch stehenden Linden gepflanzt. 1993 wurde der Markt nach historischem Vorbild umgestaltet. Am Ende des Zweiten Weltkrieges wurden 1945 das Rathaus und das Schützenhaus durch ein Feuer zerstört. Nach dem Zweiten Weltkrieg waren in Penkun größtenteils landwirtschaftliche Betriebe ansässig.
Ab 1991 wurde der historische Stadtkern im Rahmen der Städtebauförderung saniert. Das Straßennetz wurde ausgebaut, eine Kanalisation geschaffen und ein Klärwerk gebaut, eine neue Grundschule und das zentral gelegene neue Amtsgebäude und Rathaus wurden errichtet.
Penkun gehörte zwischen 1818 und 1939 zum Landkreis Randow im Regierungsbezirk Stettin der preußischen Provinz Pommern. 1939, bei Auflösung des Landkreises Randow, wurde Penkun dem Landkreis Greifenhagen zugeordnet, der bis 1945 bestand. Dann kam die Stadt zum wiedererrichteten Landkreis Randow im Land Mecklenburg und am 1. Juli 1950 zum neuerrichteten Kreis Pasewalk (ab 1952 im DDR-Bezirk Neubrandenburg, ab 1990 im Land Mecklenburg-Vorpommern). 1994 wurde Penkun Teil des neugebildeten Landkreis Uecker-Randow, der 2011 im Landkreis Vorpommern-Greifswald aufging.
Zwischen 1992 und 2004 war Penkun Sitz des Amtes Penkun. Seit dem 1. Juli 2004 gehört die Stadt zum Amt Löcknitz-Penkun.
Geschichte der Ortsteile Grünz wurde erstmals 1289 als Grönitz in einer Urkunde genannt. Die Grünzer Kirche entstand ab 1229.
Radewitz wurde erstmals 1289 genannt. Seit 1836 war das Gut im Besitz der Familie von Ziethen. Die älteren Gebäude des Gutshauses entstanden nach 1836, das um 1900 zu einem Herrenhaus erweitert wurde.
Storkow wurde 1240 als Stochhausen erwähnt. Die Feldsteinkirche mit dem Fachwerkturm stammt aus dem 14. Jahrhundert. Die Bockwindmühle wurde vor 1718 erbaut und nach einem Brand 1902 wieder aufgebaut sowie von 1999 bis 2006 saniert.
Wollin wurde erstmals 1240 erwähnt. Die Kirche entstand 1261.
Friedefeld wurde 1714 als Vorwerk Penkuns von Heinrich von der Osten angelegt.
Eingemeindungen Grünz mit Radewitz, Sommersdorf mit Neuhof, Storkow und Wollin b. Penkun mit Friedefeld wurden am 1. Januar 1999 jeweils als Ortsteile nach Penkun eingemeindet. Sie waren bis zum 31. Dezember 1998 selbstständige Gemeinden.StBA: Änderungen bei den Gemeinden Deutschlands, siehe 1999
Bevölkerung Penkun gehört zu den nach ihrer Einwohnerzahl sowohl kleinsten Städten Vorpommerns als auch kleinsten Städten Deutschlands. Jahr Stadt Penkun Büssow Kirchenfeld Grünz Radewitz Sommersdorf Storkow Wollin Friedefeld Quelle 1740 830 Gustav Kratz: Die Städte der Provinz Pommern. Abriss ihrer Geschichte, zumeist nach Urkunden. Verlag A. Bath, Berlin 1865, S. 294; . 1782 896 1812 1037 1852 1828 1875 2014 1900 1913 257 151 296 334 286 114 1925 1925 232 295 303 239 1939 1892 372 373 268 478 1990 1371 296 264 216 313 1995 1252 296 246 216 290 2000 2253 – – – – – – – – 2005 2104 – – – – – – – – 2010 1953 – – – – – – – – 2015 1899 – – – – – – – – 2020 1765 – – – – – – – – 2021 1773 – – – – – – – – 2022 1819 – – – – – – – – 2023 1761 – – – – – – – – 2024 1707 – – – – – – – –
ab 1990: Stand: 31. Dezember des jeweiligen JahresStatistisches Amt Mecklenburg-Vorpommern: Statistischer Bericht. Bevölkerungsstand. Bevölkerungsentwicklung der Kreise und Gemeinden, ab 2022 auf Basis des Zensus 2022
Der starke Anstieg der Einwohnerzahl 2000 ist auf die Eingemeindung von vier Orten im Jahr 1999 zurückzuführen.
Politik Stadtvertretung Die Stadtvertretung von Penkun besteht aus 12 Mitgliedern. Die Kommunalwahl am 9. Juni 2024 führte bei einer Wahlbeteiligung von 61,2 % zu folgendem Ergebnis:Ergebnis der Kommunalwahl am 9. Juni 2024
Partei / Wählergruppe Stimmenanteil2019Ergebnis der Kommunalwahl am 26. Mai 2019. S. 148/49 Sitze2019 Stimmenanteil2024 Sitze2024 Aktive Vorpommern – – 43,6 % 5 CDU 43,2 % 5 31,9 % 4 Bürger für Penkun (BfP) 14,1 % 2 12,7 % 2 Einzelbewerber Götz Grünberg – – 9,1 % 1 Einzelbewerber Torsten Redepenning – – 2,8 % – Bürgerbündnis mit Kompetenz für Vorpommern (BB) 21,0 % 2 – – Wir für Penkun (WfP) 14,7 % 2 – – Einzelbewerber Ulrich Nikolaus 7,1 % 1 – – Insgesamt 100 % 12 100 % 12
Bürgermeister Vom 13. Jahrhundert bis 1808 sind die genauen Amtszeiten der Bürgermeister nicht bekannt. Die Jahreszahlen hinter den Namen aus dieser Zeit geben deshalb lediglich die Erwähnung des Namens und der Person als Bürgermeister der Stadt Penkun in einer Urkunde aus dem angegebenen Jahr an oder bei einem Kreuz vor der Jahreszahl das Sterbejahr.Gustav Kratz: Die Städte der Provinz Pommern. Abriss ihrer Geschichte, zumeist nach Urkunden. Verlag A. Bath, Berlin 1865, S. 293, 295; .
Prefectus (Schultheiß) Rudolf, 1285 Rodolfus de Penkun, 1296 Jasper Pinno, urkundlich erwähnt 1506 Hermann Pinno, 1506 Henninck Pinno, 1506 Christoff Brünningk, 1698, 1699 Michel Krumbek, 1710 Daniel Ludwig Mahlendorff, 1740 ? Lesemeister (Legemeister), 1752; † 1754 Johann Friedrich Bohs (Boß), 1767, 1775 Heinrich Millard, 1767, 1775 1809? Suckow 1809–1814: Otto Joachim Friedrich Höpner († 1814) 1814–1815: Joachim Ulrich Holce 1815–1821: Carl Wilhelm Henning 1823–1824: G. Geschwind 1827–1831: H. L. Lenius 1831–1859: M. Fr. Radant 1859–1864: August Sebastian Ferdinand Schulß 1864–?: Franz Ludwig Warmburg 1924–?: Kurt Bauer
1990–2019: Bernd-Rudolf Netzel (FDP) seit 2019: Antje Zibell (CDU)
Zibell wurde in der Bürgermeisterwahl am 26. Mai 2019 mit 58,8 % der gültigen Stimmen zur neuen Bürgermeisterin gewählt.Antje Zibell wird Penkuns Bürgermeisterin. In: Nordkurier, 27. Mai 2019 Sie wurde am 9. Juni 2024 ohne Gegenkandidat mit 83,8 % der gültigen Stimmen in ihrem Amt bestätigt.Ergebnis der Bürgermeisterwahl am 9. Juni 2024 Ihre Amtsdauer beträgt fünf Jahre.Kommunalverfassung für das Land Mecklenburg-Vorpommern § 37 (3)
Wappen
Flagge Die Stadt verfügt über keine amtlich genehmigte Flagge.Hauptsatzung § 1 (PDF; 1,6 MB).
Dienstsiegel Das Dienstsiegel zeigt die Figuren des Stadtwappens (ohne Wappenschild) mit der Umschrift „STADT PENKUN * LANDKREIS VORPOMMERN-GREIFSWALD“.
Städtepartnerschaften Fors in Frankreich (Region Nouvelle-Aquitaine) Widuchowa (dt.: Fiddichow) in Polen (Woiwodschaft Westpommern) Lubień in Polen (Woiwodschaft Kleinpolen) Es findet ein regelmäßiger Kulturaustausch zwischen den Partnerstädten in Form von gegenseitigen Treffen statt.
Sehenswürdigkeiten und Kultur Bauwerke