mini|hochkant|Carl Dimpker nach der Wahl zum Wortführer der Bürgerschaft (1909) Carl Friedrich Robert Dimpker (* 20. November 1856 in Lübeck; † 12. Oktober 1923 ebenda) war ein deutscher Kaufmann und Politiker.

Leben Herkunft Carl war ein Sohn des Kaufmanns Heinrich Friedrich Constant Dimpker († 23. Juli 1899), Inhaber einer Viktualienhandlung mit Commissions- und Speditionsgeschäft in Fünfhausen 12 und Wohnung im Tischler Gang.

Laufbahn Nachdem Dimpker die v. Großheim’sche Realschule besucht hatte, trat er als Lehrling bei dem Lübecker Finnland-Handelsunternehmen Buck & Willmann Buck & Willmann ein. Im Anschluss daran leistete er beim Kaiser Alexander Garde-Grenadier-Regiment Nr. 1 in Berlin als Einjährig-Freiwilliger seinen Militärdienst ab.

Danach war Dimpker in Großhandelsunternehmen in Hamburg und Helsingfors (Helsinki) tätig. Als er erkannt hatte, dass der Handel mit Finnland für deutsche Kaufleute ein enormes Potential zur Expansion bot, eröffnete er dort 1879 ein eigenes Handelsunternehmen unter der Firma Carl Dimpker. Wie sein Vater betrieb er Kommission und Spedition. Darüber hinaus war er später im Im- und Export sowie dem Handel mit landwirtschaftlichen Maschinen tätig.

mini|hochkant|Breite Straße 12 Zehn Jahre später kehrte Dimpker nach Deutschland zurück und etablierte zusammen mit seinem Freund Joh. Christian Sommer, ebenfalls ein Lübecker, das Finnland-Handelsunternehmen Dimpker & Sommer. Im Todesjahr seines Vaters wurde das Handelsunternehmen – unter Beibehaltung des Hamburger Hauses als Zweiggeschäft – nach Lübeck in das große Stiehl’sche Haus (Breite Straße 12) verlegt. Bald dehnten sich hier die Geschäftsverbindungen aus, und man erkannte in weiten Kreisen Lübecks die Führungsqualitäten Dimpkers.

Als Freimaurer gehörte Dimpker der Loge „Zum Füllhorn“ an. Mehrmals berief sie ihn zu ihrem vorsitzenden Meister. Als solcher war er sechs Jahre lang mit der Leitung der Geschäfte betraut.

Außerhalb Lübecks war Dimpker Vorstandsmitglied des Deutschen Industrie- und Handelstages, des Königlichen Instituts für Seeverkehr und Weltwirtschaft an der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel, des Kolonialwirtschaftlichen Komitees, des Hansabunds für Gewerbe, Handel und Industrie in Berlin und des Deutschen Nautischen Vereins in Hamburg.

An der Spitze des Nautischen Vereins leitete er noch am 11. Oktober 1923 den Deutschen Seefahrtstag. Nach vierjährigem Wirken in der Präsidialstelle veranlasste er zwar die Wahl eines Nachfolgers, wurde aber entgegen seines ausgesprochenen Wunschs wieder in den Vorstand gewählt. Beim anschließenden Beisammensein im Woermannhaus war er auch anwesend.

Lubeca Die Tabakindustrie hatte sich schon vor der Industrialisierung in der Stadt angesiedelt, weil sie in Anlehnung an den Handel die Standortvorteile der Seehafenwirtschaft für sich nutzte oder für den gehobenen Bedarf wohlhabender Konsumenten produzierte. Die Zukunft des Tabakhandels erschien also vielversprechend. Das Handelshaus Dimpker & Sommer wurde somit Anfang 1903 um den Zweig „Lubeca“ erweitert. Die erste Zigarettenfabrik der Stadt erhielt jedoch kein neues, großzügiges Fabrikgebäude, sondern wurde in leerstehenden Hinterhausräumen des Hauses sowie einem Anbau an der Breiten Straße eingerichtet. Kaum ein Jahr später führte Dimpker die die Lübeckische Gewerbegesellschaft durch die Fabrik. Zu diesem Zeitpunkt lieferte sie nicht nur in alle Teile Deutschlands, sondern exportierte bereits.

In dem um einen Anbau erweiterten langgestreckten Flügel, in dessen älteren Teilen einst die Repräsentations- und Wohnräume der Kaufmannsfamilie lagen, befand sich die Fabrik. Im Erdgeschoss waren der Raum zum Sortieren, was in saubere weiße Mäntel gehüllte Mädchen oder junge Frauen machten, und Anfeuchten der Blätter des türkischen Tabaks sowie die Tabakschneidemaschinen. Im Saal mit den Schneidemaschinen war auch das Lager, unterteilt in die Sorten der geschnittenen Tabake. Über eine steinerne Wendeltreppe gelangte man zu den an der Fischergrube gelegenen Lagerböden. Auf drei verschiedenen Geschossen lagerte der Tabak – der unverzollte Tabak unter Zollverschluss.

Hinten führte ein Weg in den Saal, in dem die Zigarettenmaschine Calberla BB aufgestellt war. Diese konnte in einer Stunde bis zu 23.000 Zigaretten herstellen. Sie wurde elektrisch durch einen im Untergeschoss befindlichen großen Motor angetrieben.

Von diesem Raum gelangte man über eine Wendeltreppe in den „Packraum“. An langen Tischen legten hier ebenfalls in weiß gekleidete Frauen die Zigaretten in Packungen zusammen. Diese Packungen wurden zu Paketen zusammengefügt und in das Lager gebracht, wo sie getrocknet wurden.

Im Lager und Versandraum lag die fertige Ware in großen Mengen. Die Packungen trugen Namen wie „Wullenwever“, „Pleskow“, „Attendorn“, „Warendorp“, „Brömbse“ oder „Roeck“. Das Signet der Zigarettenfabrik, eine feurige spanische Schleiertänzerin, zierte jedes Päckchen.Die Gewerbe-Gesellschaft in der Cigarettenfabrik „Lubeca“. In: Vaterstädtische Blätter, Nr. 7 vom 14. Februar 1904, S. 25–27.

Doch die Zigarettenmaschine Calberla BB arbeitete nicht gleichmäßig genug. Fehlerhafte Ware musste aussortiert und in der Enthülsungsmaschine wieder aufbereitet werden. Die Produktionsverfahren basierten eher auf handwerklichen Kenntnissen als auf moderner technischer Maschinenarbeit und hatte keinen dauerhaften Erfolg in Lübeck.

Die meisten traditionsreichen Lübeckischen Fabrikationszweige wurden bis zum Ersten Weltkrieg nach und nach bedeutungslos, da ihnen die Kraft zur Fortentwicklung fehlte. Trotz der anfänglich beachtlichen Erfolge verlangte die Zigarettenproduktion mehr als die nebengewerbliche Nutzung eines Kaufmannshauses. Die Lubeca wurde schon nach wenigen Jahren wieder geschlossen.Lübecks erste Zigarettenfabrik Lubeca. In: Rüdiger Segenbusch: Lübecker Industriekultur, Zeitenwende. Fabriken in Lübeck. Verlag Schmidt-Römhild, Lübeck 1993, ISBN 3-7950-0114-5, S. 196–199. (Kapitel Vom Niedergang der Tabakindustrie)

Kaufmannschaft Bereits 1893 wurde Dimpker zum Mitglied der Kaufmannschaft zu Lübeck gewählt. Auf der Versammlung der den Vorstand der Kaufmannschaft bildenden Handelskammer am 19. Juni 1894 wurden für die Wahl der Nachfolger der drei ausscheidenden Mitglieder mögliche Kandidaten aufgestellt. Er wurde mit anderen als Ersatz für Hermann Wilhelm Fehling aufgestellt.Auszug aus dem Protokoll der Versammlung der Handelskammer. In: Lübeckische Blätter, 36. Jahrgang, Nr. 54 vom 8. Juli 1894, S. 376–377. Als er am 2. Juni 1896 mit anderen als Ersatz für den ordnungsgemäß abgegangenen H. A. Rose zur Wahl als Mitglied der Handelskammer aufgestellt wurde, wählte man ihn am 17. Juni 1896.Auszug aus dem Protokoll der Versammlung der Handelskammer. In: Lübeckische Blätter, 38. Jahrgang, Nr. 38 vom 28. Juni 1896, S. 284–285.

Auf ihrer Versammlung am 30. Dezember 1902 wurde zur Förderung der Reform des Güteschreibwesens beschlossen eine Kommission einzusetzen. Sie sollte aus sechs Mitgliedern, je drei von der Handelskammer und drei von der Kaufmannschaft bestehen. Dimpker war als einer der drei Herren der Handelskammer gewählt worden.Versammlung der Kaufmannschaft. In: Lübeckische Blätter, 45. Jahrgang, Nr. 1 vom 4. Januar 1903, S. 11.

Die Handelskammer schlug für die neuen Bauten am Kai die Gründung einer gemeinsamen Kommission von Kaufmannschaft und Handelskammer vor. Sie sollte zu gleichen Teilen aus Mitgliedern der Kammer und der Kaufmannschaft besetzt sein. Auf der Versammlung der Kaufmannschaft am 23. Juni 1904 wurde der Vorschlag angenommen und unter anderen Mitgliedern August Pape, James Bertling jr., Carl Samuel Wilhelm Lüth, Konsul John Suckau, Bankdirektor Ernst Stiller und Dimpker in die Kommission gewählt.Lokale Notizen. In: Lübeckische Blätter, 46. Jahrgang, Nr. 26 vom 26. Juni 1904, S. 395.

In seiner ersten Sitzung der Handelskammer im Jahr 1907 wurde Dimpker zum ersten Stellvertreter des Präses erwählt. Lokale Notizen. In: Lübeckische Blätter, 49. Jahrgang, Nr. 2 vom 13. Januar 1907, S. 22. An Stelle des verstorbenen Präses der Kammer, Hermann Wilhelm Fehling, wählte die Versammlung der Kaufmannschaft auf ihrer Versammlung am 3. Januar mit 122 von 141 Stimmen Dimpker. Lokale Notizen. In: Lübeckische Blätter, 50. Jahrgang, Nr. 1 vom 5. Januar 1908, S. 13. Im Zusammenhang mit dieser Arbeit stand seine Tätigkeit im Bezirksbahnrat der königlich preußischen Eisenbahndirektion Altona und dem Aufsichtsrat und Ausschuss der Lübeckischen Eisenbahn-Direktionen, sowie in verschiedenen Aktiengesellschaften auf gewerblichen, kaufmännischen, industriellen und banktechnischem Gebiet.

An Stelle des turnusmäßig zum Jahresende aus seinem Amt als Präses der Handelskammer ausscheidenden Amtsinhaber wurde am 12. Dezember 1910 Hermann Eschenburg zu dessen Nachfolger gewählt.Lokale Notizen. In: Lübeckische Blätter, 52. Jahrgang, Nr. 69 vom 12. Dezember 1910, S. 802. Auf der Versammlung am 3. Januar 1911 wählte die Handelskammer Dimpker zu ihrem ersten stellvertretenden Präses.Lokale Notizen. In: Lübeckische Blätter, 53. Jahrgang, Nr. 2 vom 8. Januar 1911, S. 27.

In seiner Eigenschaft als Präses fuhr Dimpker 1912 mit dem Schnelldampfer Kaiserin Auguste Victoria, dem bei seiner Indienststellung größten Schiff der Welt, in die Vereinigten Staaten von Amerika, um dort in Boston am Fifth International Congress of Chambers of Commerce teilzunehmen.

mini|Ehrendenkmünze der Handelskammer zu Lübeck Am 13. Dezember 1912 wurde Dimpker von der Handelskammer für die Jahre 1913 und 1914 abermals zu ihrem Präses gewählt.Lokale Notizen. In: Lübeckische Blätter, 54. Jahrgang, Nr. 52 vom 22. Dezember 1912, S. 810. Als er 1919 zum dritten Mal aus dem Amt des Präses schied, verlieh ihm die Handelskammer „zur Anerkennung des Verdienstes um Handel und Verkehr“ ihre goldene Ehrendenkmünze in Eisen.Kleine Nachrichten. In: Lübeckische Blätter, 61. Jahrgang, Nr. 2 vom 12. Januar 1919, S. 26.

Auf Grund des die Ausführung des Gerichtsverfassungsgesetzes betreffenden § 29 der Verordnung vom 3. Februar 1879 ernannte der Senat unter anderen Dimpker zum Handelsrichter bei der Kammer für Handelssachen am Landgericht Lübeck für die Geschäftsjahre 1898, 1899 und 1900.Local- und vermischte Notizen. In: Lübeckische Blätter, 40. Jahrgang, Nr. 2 vom 9. Januar 1898, S. 2. Im Dezember 1900 wurden er und die Kaufleute Johannes Boye jun., Paul Nicol. Hinckeldeyn, Richard Piehl, Friedrich Carl Sauermann und Ad. Georg Paul Scheteling vom Senat zu Handelsrichtern für die Geschäftsjahre 1901, 1902 und 1903 ernannt.Lokale Notizen. In: Lübeckische Blätter, 42. Jahrgang, Nr. 52 vom 23. Dezember 1900, S. 704.

Politik mini|Bei den Sitzungen saßen auf den erhöhten Sitzen die Kommissare des Senats und die Wortführer Bei der Ergänzungswahl im IV. Wahlbezirk (Johannis Quartier und der Vorstadt St. Jürgen) am 27. Juni 1899 wurde Dimpker mit 588 Stimmen als einer der Kandidaten des Vaterstädtischen Vereins in die Bürgerschaft gewählt.Die diesjährigen Wahlen zur Bürgerschaft. In: Lübeckische Blätter, 41. Jahrgang, Nr. 27 vom 2. Juli 1899, S. 330–332. Auf Grund des neuen, am 9. August 1905 beschlossenen Wahlgesetzes mit der entsprechenden VerfassungsänderungVerfassungen der Freien und Hansestadt Lübeck wurde am 14. November auf dem Land und am 17. in der Stadt die Erneuerung von einem Drittel der Bürgerschaft, bei der 40 Mitglieder neu zu wählen waren, vollzogen. Um die Zahl der Bürgerschaftsmitglieder nach dem Ausscheiden der seit 1899 Gewählten auf 80 zu erhalten, war die Auslosung von fünf Mitgliedern erforderlich. Bei den nun vollzogenen Neuwahlen wurde Dimpker wiedergewählt.Bürgerschaftsersatzwahl. In: Vaterstädtische Blätter, 47. Jahrgang, Nr. 47 vom 19. November 1905, S. 193–194. Ab 1909 war er bis zu seiner Berufung in den Senat in regelmäßiger Folge Wortführer dieser Gesetzgebenden Körperschaft und des Bürgerausschusses.