mini|hochkant=2|Solln mit seinen Grenzen als Gemarkung (in etwa die alte Gemeindegrenze), Stadtbezirk (bis 1992) und Bezirksteil (ab 1992) Solln ist der südlichste Stadtteil von München. Die bis 1938 eigenständige Gemeinde ist heute ein Bezirksteil im Stadtbezirk 19 Thalkirchen-Obersendling-Forstenried-Fürstenried-Solln. Das Ortsbild ist geprägt von einem historischen Dorfkern, zwei ursprünglich abgesetzten Villenkolonien, der teilweise in Solln liegenden Prinz-Ludwigs-Höhe von der Wende zum 20. Jahrhundert und der Villenkolonie Solln aus dem frühen 20. Jahrhundert, sowie der Parkstadt Solln, einer Großwohnsiedlung aus den 1960/70er Jahren.
Wegen der hohen Grundstückspreise im Stadtteil verliert Solln zunehmend seinen Villencharakter. Im Zuge der Nachverdichtung entstehen vermehrt an Stelle der alten Herrschaftshäuser dicht bebaute Eigentumswohnanlagen im oberen Preissegment. In Solln wohnt vor allem „die gehobene Mittelschicht mit einem überdurchschnittlich hohen Akademikeranteil.“Demographie Solln. In: muenchen.de, das offizielle Stadtportal. Abgerufen am 24. Januar 2012.
Geographie Geographische Lage Solln liegt in der Münchner Schotterebene am südlichen Stadtrand von München, etwa zwei bis drei Kilometer westlich des Isartals. Es hat eine Ausdehnung von circa 550 Hektar. Im Südwesten grenzt Solln an die Waldfläche des Forstenrieder Parks. Die Landschaft ist zum Süden hin leicht hügelig. Dort befindet sich mit dem Warnberg der höchste Punkt Münchens ().
Stadtteilgliederung
Der ehemalige Dorfkern von Solln liegt um eine Nord-Süd-Linie, die durch die alte Sollner Kirche und den Wilhelm-Leibl-Platz gebildet wird. Südlich davon liegt der Ortsteil Warnberg mit dem Waldfriedhof Solln und einem ehemaligen Schlossgut. Im Nordosten des Dorfkerns liegt die Villenkolonie Solln. Zwischen Dorfkern und Villenkolonie befindet sich im Bereich zwischen der Schule an der Herterichstraße und der katholischen Pfarrkirche ein Subzentrum.
Nach Westen und Nordwesten hin erfolgt ein Übergang zur Parkstadt Solln, die ein Subzentrum an der Drygalski-Allee zwischen der Gulbranssonstraße und der Stockmannstraße gegenüber dem DEBA-Hochhaus besitzt. Im Osten liegt ein Teil der Villenkolonie Prinz-Ludwigs-Höhe auf Sollner Gebiet.
Benachbarte Stadtteile und Gemeinden An der Münchner Stadtgrenze grenzt Solln im Südosten an den Ortsteil Großhesselohe der Gemeinde Pullach, im Süden an den Kern von Pullach und im Südwesten an das gemeindefreie Gebiet des Forstenrieder Parks. Innerhalb der Stadt grenzt Solln an die Stadtteile Forstenried im Westen, Obersendling im Norden und Thalkirchen im Osten.
Die Grenze des heutigen Bezirksteils Solln zu Forstenried verläuft über die Drygalski-Allee, die Herterichstraße nach Westen, nördlich der Bezirkssportanlage zur Waterloostraße an deren Ostseite entlang zur Stadtgrenze. Die Grenze zu Obersendling bildet der Straßenzug Stäblistraße, Lochhamer Straße, Hauschildstraße, Wilbrechtstraße, Becker-Gundahl-Straße, und die zu Thalkirchen zunächst die Bahnstrecke München–Lenggries und dann der Straßenzug Ascholdinger Straße, Josephinenstraße, Großhesseloher Straße, Heilmannstraße. Die Grenze zum Forstenrieder Park und zu Pullach entspricht der Stadtgrenze Münchens und verläuft etwa am Waldrand entlang, trifft südlich des Klosters St. Gabriel auf die Wolfratshauser Straße, weiter quer durch das Wäldchen, westlich der Pullacher Wetterstein- und Rosenstraße unter der Bahnabzweigung durch und östlich der Knotestraße.Landeshauptstadt München - Kommunalreferat - Vermessungsamt: Stadtbezirksviertel München. Karte im Maßstab 1 : 40 000, Stand: November 2007
Das entspricht jedoch nur ungefähr den ursprünglichen Gemeindegrenzen und wurde durch Arrondierung geglättet. Die alten Gemeindegrenzen entsprechen eher denjenigen der Gemarkung Solln oder des ehemaligen Stadtbezirks Solln. Danach gehörte zum Beispiel die Bebauung westlich des südlichen Abschnitts der Drygalski-Allee (z. B. das DEBA-Hochhaus) ebenfalls noch zu Solln.
Geschichte mini|hochkant=1.4|Historische Karte von Solln, 1809
Auf dem Gebiet des heutigen Solln wurde in der frühen Bronzezeit im 17. oder 16. Jahrhundert v. Chr. eine Gruppe von Gräbern angelegt, von denen 1972 das einer Frau und im folgenden Jahr das eines Mannes gefunden wurden. Die Leichname wurden in Hockstellung beigesetzt; die Frau war mit bronzenen Schmuckstücken, einer Nadel und zwei Armreifen als Grabbeigaben geschmückt.Heinrich Loy-Birzer: Die Urmutter von Solln. In: Hermann und Ingrid Sand (Hrsg.): Solln – Das Stadtviertelbuch. Inma Verlag, 1999, ISBN 3-923395-12-4, Seite 24. Noch frühere Funde liegen nur aus dem Umfeld von Solln vor, so zwei Steinbeile aus der Jungsteinzeit am anderen Isarufer und ein Grabfeld aus der Glockenbecherzeit in Sendling.Theodor Körner: Vorgeschichte und Frühgeschichte Sollns, Sollner Hefte 19, inma Verlag, München 1999, Seite 3 ff.
Aus der Hallstattzeit um 750 bis 500 v. Chr. ist in Solln ein Grabhügel erhalten. Er liegt auf einem Privatgrundstück östlich der Bahnlinie zwischen Bahnhof Solln und der Beuerberger Straße. Drei unmittelbar benachbarte Hügel wurden eingeebnet. Die Latène-, Römer- und Bajuwarenzeit sind in Solln nicht nachweisbar. Aus dem 8. Jahrhundert wird Graf Warin indirekt mit Solln in Verbindung gebracht, weil durch seine Vermählung in die Familie des Bayerischen Herzogs Odilo eine Mitgift an ihn gefallen sein wird und sich so eine von mehreren Erklärungen für den Namen des Warnbergs herleitet.
Solln wurde erstmals 1005 in einer Urkunde des Klosters Benediktbeuern unter dem Namen Solon erwähnt,Sand: Solln. Das Stadtviertelbuch. 1999, S. 27 was Suhle bedeutet und wohl auf Wasserlachen in der Umgebung hindeutet, in denen sich Wildschweine suhlten. miniatur|hochkant|links|Alte Sollner Kirche Im Dreißigjährigen Krieg wurde Solln 1632 nach dem Einmarsch Gustav Adolphs in München von den schwedischen Truppen verwüstet. Die Kirche blieb verschont, da sie von den Soldaten als Pferdestall benutzt wurde. Bei der Sendlinger Mordweihnacht 1705 machten die Aufständischen in Solln halt und dort erreichte sie die Nachricht, dass ihr Vorhaben verraten worden war. 1715 legte der bayerische Kurfürst Max Emanuel den großflächigen Hirschjagdpark an, zu dem auch ein westlicher Teil Sollns gehörte und der bis 1745 bestand. 1818 wurde im Zuge des Zweiten Gemeindeedikts aus dem Dorf Solln und der Einöde Warnberg die Gemeinde Solln gegründet.
Bis zum letzten Viertel des 19. Jahrhunderts nahm die Bevölkerung nur langsam zu. Seit 1691 gab es in Solln eine private Landschule, die bis 1835 durchgehend betrieben wurde. Seit 1802/3 bestand Schulpflicht. Wo die Schule vor 1802 stattfand, ist unbekannt, ab dem Datum wurde der Tanzsaal des Wirtshauses Schützenlust an der heutigen Herterichstr. genutzt. 1835 wurde die Sollner Schule geschlossen, die Gründe sind unbekannt. Die Kinder mussten zunächst in die seit 1686 bestehende Thalkirchner Schule laufen, was einen Schulweg von annähernd zwei Stunden pro Richtung bedeutete. Seit 1839 konnten die Sollner Kinder ins etwas näher gelegene Fürstenried zur Schule gehen. Eigener Unterricht in einer erstmals öffentlichen Schule unter Verantwortung der Gemeindeverwaltung begann wieder 1871 in einem ehemaligen Bauernhof an der heutigen Herterichstr., bis 1872 im Kleinbauernhaus an der Kurzbauerstraße 17 eine Schule eingerichtet wurde.Sand: Solln. Das Stadtviertelbuch. 1999, S. 30 f., 97
Mit dem Bau der Isartalbahn 1890 begann der Aufschwung, weil sie einen Haltepunkt Prinz-Ludwigshöhe hatte, wodurch neben dem Isartal auch das Dorf Solln zu einem beliebten Ausflugsziel der städtischen Bevölkerung wurde. 1896 kam mit der Haltestelle Solln an der heutigen Bahnstrecke München–Lenggries ein zweiter Haltepunkt hinzu. Nachdem bereits zuvor am zu Thalkirchen gehörenden Isarhochufer die Villenkolonie Prinz-Ludwigs-Höhe entstanden war, entstand nun westlich der Bahnstrecke die Villenkolonie Solln (ursprünglich Wilhelmshöhe genannt). Sie war anfangs noch durch Äcker vom Dorf getrennt, wuchs dann aber nach Südwesten Richtung Dorfkern. Die Lebensweise der städtisch geprägten Bewohner der Villenkolonie unterschied sich aber deutlich vom immer noch dörflich geprägten Dorfkern. Insbesondere wohnten Anfang des 20. Jahrhunderts zahlreiche bekannte Künstler in der „Künstlerkolonie“. Mit der Herterichschule von 1911 bekam die Gemeinde erstmals ein speziell für diesen Zweck errichtetes Schulhaus. Das Feuerwehrhaus hinter der Schule stammt von 1921, die Freiwillige Feuerwehr gibt es aber bereits seit 1873, ihr erstes kleines Feuerwehrhaus stand an der Ecke Kurzbauer-/Bertelestraße.Sand: Solln. Das Stadtviertelbuch. 1999, S. 120
Am 1. Dezember 1938 wurde Solln zusammen mit Allach, Ludwigsfeld, Ober- und Untermenzing nach München eingemeindet. Während des Dritten Reichs wohnten in Solln sowohl bekannte überzeugte Anhänger als auch Gegner des Nationalsozialismus. Adolf Hitler war hier regelmäßig zu Geburtstagsbesuch bei Hermine Hoffmann, einer älteren Frau, zu der er seit dem Ersten Weltkrieg eine freundschaftliche Verbindung pflegte, und die im Volk deswegen auch „Hitlermutter“ genannt wurde. Der Schriftsteller Werner Bergengruen, ein Vertreter der inneren Emigration, wohnte zu dieser Zeit in Solln, aber auch der Schriftsteller Erwin Guido Kolbenheyer und der Bildhauer Karl Lösche, die den Nationalsozialismus aktiv unterstützten. Der damalige Stadtpfarrer Josef Hahner war ein Gegner der Nationalsozialisten und versteckte 1945 mehrere Monate im Pfarrhaus eine Einwohnerin Sollns jüdischer Herkunft. Während des Zweiten Weltkriegs wurden Teile Sollns schwer beschädigt.
miniatur|Parkstadt Solln Nach dem Zweiten Weltkrieg wurden Lücken in der Villenkolonie mit modernen Mehrfamilienhäusern geschlossen, wobei der Charakter einer Gartenstadt aber weitgehend erhalten blieb. Aufgrund der Wohnungsnot in den 1960er Jahren entstand dann ab 1965 auf ehemaligen landwirtschaftlichen Flächen zwischen Solln und Forstenried die Parkstadt Solln, eine dem damaligen Zeitgeist entsprechende Trabantensiedlung mit vielstöckigen Wohnblöcken und Hochhäusern. Sie wird von der breiten, autogerechten Drygalski-Allee durchzogen, die ursprünglich in einem Bogen nach Warnberg fortgeführt und an die Bundesstraße nach Wolfratshausen angeschlossen werden sollte, was aber nie verwirklicht wurde.
1992 wurde Solln, das bis dahin ein eigener Stadtbezirk mit der Nr. 36 war, zu einem Teil des neu gebildeten Stadtbezirks 19 Thalkirchen-Obersendling-Forstenried-Fürstenried-Solln. Wie bereits bei der Eingemeindung nach München 1938 gab es auch gegen die Zusammenlegung zum neuen Stadtbezirk Widerstand. Von der Aktion Solln soll Solln bleiben wurden mehrere tausend Unterschriften gesammelt und danach sogar die Ausgemeindung angestrebt.
Einwohnerentwicklung 1808 hatte Solln 237 Einwohner und 43 Häuser. 1875 gab es 468 Einwohner. Durch den Bau der Villenkolonie stieg die Bevölkerung bis 1919 auf das fast Fünffache (2177 Einwohner). Im Jahr der Eingemeindung nach München 1938 hatte Solln gut 4600 Einwohner. Durch den Bau der Parkstadt Solln stieg die Bevölkerung zwischen 1963 und 1968 von circa 10.000 auf knapp 17.000. Von 1970 bis in die späten 1990er Jahre blieb die Bevölkerung stabil bei circa 20.000 Einwohnern.Sand: Solln. Das Stadtviertelbuch. 1999, S. 30, 117
Religion miniatur|Katholische Pfarrkirche St. Johann Baptist
Wie in vielen bayerischen Gemeinden war die Religionszugehörigkeit der Sollner Bevölkerung bis Ende des 19. Jahrhunderts fast ausschließlich katholisch (1875: 95,3 %). Durch den Zuzug wuchs der Anteil der evangelischen Bevölkerung bis 1925 auf 28,7 %.Sand: Solln. Das Stadtviertelbuch. 1999, S. 118
Römisch-katholisch