mini|300px|Luftansicht des Hauptorts Jemgum aus SO Jemgum (Ortsneckname: „Jip Jap“ oder „Jipp Japp“) ist eine Gemeinde in Ostfriesland und gehört zum Landkreis Leer in Niedersachsen. Sie liegt im Rheiderland, einem der vier historischen Landstriche des Landkreises Leer. Mit Einwohnern ist Jemgum nach der Bevölkerungszahl die kleinste Einheitsgemeinde des Landkreises Leer und auch die kleinste Einheitsgemeinde auf dem ostfriesischen Festland.
In Jemgum befindet sich mit dem Fundplatz Bentumersiel eine der wenigen größeren Fundstellen römischer Militaria im norddeutschen Raum. Am Unterlauf der Ems in deren Flussmarschen gelegen, sind einzelne Orte der Gemeinde bereits für das Hochmittelalter als dauerhafte Siedlungen nachgewiesen. Im 16. Jahrhundert war der heutige Hauptort Jemgum Schauplatz zweier Schlachten: derjenigen von 1533 im Zuge der für Ostfriesland bedeutenden Geldrischen Fehde und derjenigen von 1568 im Rahmen des niederländischen Freiheitskampfes.
Wirtschaftlich ist das Gebiet der heutigen Gemeinde seit Jahrhunderten von der Landwirtschaft, aber auch von der Fischerei geprägt. Seit der frühen Neuzeit war das nördliche Rheiderland zudem eines der Zentren der ostfriesischen Ziegeleiproduktion, was besonders für das 19. und 20. Jahrhundert gilt. Seit dem ausgehenden 20. Jahrhundert wuchs die Bedeutung des Tourismus.
Zum herausragenden kulturellen Erbe der Gemeinde zählen elf Kirchen, wobei selbst die beiden kleinsten Ortschaften mit einer nur zweistelligen Einwohnerzahl über eigene Kirchen verfügen. Die Liudgeri-Kirche in Holtgaste aus dem 13. Jahrhundert gilt als die älteste Kirche des Rheiderlands.
Geografie Lage und Ausdehnung mini|Jemgum im Rheiderland Die Gemeinde Jemgum liegt in dem ostfriesischen Landstrich Rheiderland, der vom Dollart im Westen und von der Ems im Norden und Osten umgeben ist. Die Gemeinde Jemgum umfasst das nördliche Gebiet des Rheiderlands. Die nächstgelegenen Städte sind Weener, Leer und Emden. Während die Gemeinde an die Stadt Weener und an den einzigen linksemsischen Stadtteil Leers, Bingum, direkt angrenzt, liegt Emden jenseits der Ems. Der Hauptort Jemgum ist etwa 6,2 Kilometer vom südöstlich gelegenen Zentrum Leers entferntJemgum–Leer. luftlinie.org; abgerufen am 23. Juli 2013. und 16,3 Kilometer vom Emder Stadtzentrum im Nordwesten.Jemgum–Emden. luftlinie.org; abgerufen am 23. Juli 2013. Die am nächsten gelegenen Großstädte sind Oldenburg in Deutschland und Groningen in den Niederlanden. Das Regionale Raumordnungsprogramm des Landkreises Leer teilt dem Hauptort Jemgum die Funktion eines Grundzentrums für das Gemeindegebiet zu. (PDF; 587 kB) landkreis-leer.de, S. 13 nach ursprünglicher Paginierung; abgerufen am 8. August 2025.
Das Rheiderland liegt innerhalb Ostfrieslands recht isoliert, weil es durch die Ems vom deutlich größeren, einwohnerstärkeren und wirtschaftlich potenteren Rest der Region abgegrenzt ist. In der Vergangenheit wurde diese Randlage innerhalb der Region durch Fährverbindungen zumindest abgemildert. Von ehemals drei Fährverbindungen von Jemgumer Dörfern aus ist lediglich die zwischen Ditzum und dem Emder Stadtteil Petkum übriggeblieben. Auf dem Straßenwege hingegen blieb besonders das nördliche Rheiderland, also die Gemeinde Jemgum, lange Zeit eher abgeschieden. Aus diesem Grund wurde der nordwestlichste Ort der heutigen Gemeinde, Pogum, im ohnehin schon innerhalb Deutschlands peripher gelegenen Ostfriesland als dat Endje van de Welt (das Ende der Welt, mit dem für das Ostfriesische Platt typischen Diminutiv -je) bezeichnet.Arend Remmers: Von Aaltukerei bis Zwischenmooren. Die Siedlungsnamen zwischen Dollart und Jade, Verlag Schuster, Leer 2004, ISBN 3-7963-0359-5, S. 180 Verstärkt wurde diese „doppelte“ Randlage innerhalb Ostfrieslands und Deutschlands noch durch die Grenzlage zu den Niederlanden, die erst durch die Grenzöffnungen im Zuge der europäischen Einigung an Bedeutung verloren hat. Der Bau der Bundesautobahn 31, auf dem Gebiet des Rheiderlands Ende der 1980er/Anfang der 1990er Jahre abgeschlossen, hat die Randlage im Verkehr etwas abgemildert.
Die Ausdehnung der Gemeinde Jemgum beträgt sowohl in Nord-Süd- als auch in Ost-West-Richtung ca. acht Kilometer. Auf dieser Fläche gibt es 18 Kilometer Küstenlinie und mehr als 80 Kilometer Wasserläufe.
Gemeindegliederung mini|Die Gemeinde Jemgum und die zugehörigen elf Ortschaften Die Gemeinde Jemgum besteht aus elf Dörfern mit umliegenden Höfen. Die Größe der Ortschaften unterscheidet sich teils deutlich. So leben im namensgebenden Hauptort Jemgum 1514 Einwohner, was knapp 42 Prozent der Bevölkerung der Gemeinde entspricht. Im Gegensatz dazu wohnen in den Dörfern Böhmerwold und Marienchor nur 56 und 44 Einwohner. Zweitgrößte Ortschaft ist Ditzum mit knapp 700 Einwohnern, die anderen Orte haben alle eine kleine dreistellige Einwohnerzahl.
Nachstehend sind die einzelnen Ortschaften, geordnet nach ihrer Einwohnerzahl (Stichdatum: 30. Juni 2015) sowie die zugehörigen Wohnplätze aufgeführt: jemgum.de; abgerufen am 2. Oktober 2024.
Ortschaft Einwohner Fläche (km²) zugehörige Ortsteile Jemgum 1531 11,89 Eppingawehr, Jemgumgaste, Klimpe, Neu-Sappenborg (früher Timpe genannt), Sappenborg Ditzum 657 10,39 Aaltukerei (teilweise), Ditzumerhammrich (teilweise), Großwarpen, Kleinwarpen Midlum 295 7,42 Eppingawehr Holtgaste 235 8,46 Soltborg, Groß-Soltborg, Bentumersiel, Jemgumkloster, Deddeborg, Ukeborg, Geise Pogum 205 4,75 Dyksterhusen Hatzum 160 9,79 Boomborg, Eilingwehr, Hatzumerfehn Critzum 158 6,97 Coldeborg, Coldeborger Burgplatz, Coldeborgersiel, Marienchorer Balkhaus Nendorp 126 4,22 Wischenborg Oldendorp 87 5,29 Arche, Entennest, Ledige Platz, Leegeplatz, Oldendorper Hammrich, Oosting, Wischenborg Böhmerwold 51 4,73 Bovenhusen Marienchor 38 4,57 Marienchorer Bülthäuser Gesamt 3540 78,48 –
Die etwa 3500 Einwohner verteilen sich auf rund 78,5 Quadratkilometer Fläche, was einer Einwohnerdichte von 45 pro Quadratkilometer entspricht, einer der fünf niedrigsten Werte für ostfriesische Kommunen. Ostfriesland ist mit rund 148 Einwohnern pro Quadratkilometer bereits dünner besiedelt als Niedersachsen (etwa 168) und die Bundesrepublik Deutschland (zirka 230).
Nachbargemeinden Im Süden grenzen die ebenfalls zum Rheiderland gehörenden Gemeinden Bunde und Weener sowie der Leeraner Ortsteil Bingum an, jenseits der Ems liegen im Osten die Gemeinde Moormerland und die Stadt Leer, im Norden die Ortsteile Petkum und Widdelswehr der Stadt Emden.
Oberflächengewässer, Moore und andere Feuchtgebiete
Das Gemeindegebiet von Jemgum liegt hydrologisch im Flusssystem der Ems. und liegt am Unterlauf der Ems. Die Ems bildet die nordöstliche Gemeindegrenze und mündet nordwestlich der Gemeinde über den Dollart in die Nordsee. Die Landschaft wird überwiegend von Marschgebieten geprägt.
Das Gemeindegebiet wird von einem dichten Netz aus Gräben, Sieltiefen und Kanälen durchzogen, die für Entwässerung und Hochwasserschutz von zentraler Bedeutung sind. Zu den wichtigsten Gewässern zählen das Ditzumer Sieltief und das etwa 20 km lange Wymeerer Sieltief, das in den 1920er-Jahren zur verbesserten Entwässerung der Moorgebiete angelegt wurde. Die Schöpfwerke Pogum, Ditzum, Coldeborgersiel und Großsoltborg regulieren gemeinsam mit den Sielen den Wasserabfluss zur Ems.
Neben ihrer wasserwirtschaftlichen Funktion besitzen die Oberflächengewässer und Feuchtgebiete eine hohe ökologische Bedeutung. Röhrichte, Gräben, Niederungsflächen und tidebeeinflusste Uferzonen bieten Lebensräume für Wiesenvögel, Amphibien und wassergebundene Pflanzenarten. Kleinere Moor- und Feuchtgebietsbereiche befinden sich vor allem in Übergangszonen zwischen Marsch und Geest, wurden jedoch vielerorts entwässert und landwirtschaftlich genutzt. Besonders die Außendeichsflächen entlang der Ems stehen im Zusammenhang mit Schutzgebieten des niedersächsischen Wattenmeerraumes und dienen zahlreichen Zugvögeln als Rast- und Nahrungsgebiet.
Zu den wichtigsten hydrologischen und ökologischen Herausforderungen zählen die Sicherung der Entwässerung bei Starkregenereignissen, Sedimentablagerungen in den Gewässern sowie die Verringerung von Nährstoffeinträgen aus der Landwirtschaft. Schutz- und Entwicklungsmaßnahmen umfassen die Erhaltung hoher Wasserstände, die Pflege von Graben- und Röhrichtsystemen sowie die Extensivierung landwirtschaftlicher Nutzung.
Geologie, Böden Der geologische Untergrund der Gemeinde wird von Sedimenten aus dem Holozän bestimmt. Jemgum ist aufgrund seiner Lage an Ems und Dollart eine der wenigen Gemeinden Ostfrieslands, die keinerlei Anteil an der Geest haben und daher oberflächennah auch keine pleistozänen Schichten aufweisen. Die vorherrschende Landschaftsform ist die Marsch. Das Gemeindegebiet ist von den Flussmarschen der Ems, einem kleinen Anteil Seemarsch am Dollart sowie einem Moorgebiet im südlich-zentralen Teil der Gemeindefläche geprägt.Angaben in diesem und den folgenden Absätzen stammen, sofern nicht anders referenziert, aus Heinz Voigt, Günter Roeschmann: Die Böden Ostfrieslands. In: Karl-Heinz Sindowski, Heinz Voigt, Günter Roeschmann, Peter Schmid, Waldemar Reinhardt, Harm Wiemann: Geologie, Böden und Besiedlung Ostfrieslands. (Ostfriesland im Schutze des Deiches, Band 1), Verlag Deichacht Krummhörn, Pewsum 1969, S. 51–106, hier S. 96 sowie kartografische Beilage. mini|In Jemgum findet sich fast ausschließlich Grünland. Außendeichs an der Ems befinden sich noch unentwickelte Flussmarschböden, denen unmittelbar binnendeichs Übergangs-Brackmarschböden folgen, weiter im Binnenland abgelöst von schweren Knickmarschböden und im südlichen Gemeindegebiet, zwischen Ditzumerhammrich und Holtgaste, von überschlickten Randmooren (Überflutungsmoore). Die beiden letztgenannten weisen eine hohe Dichte auf, weil bei Überflutungen vergangener Jahrhunderte die feinsten Schwebstoffe am weitesten landeinwärts drangen und sich ablagerten, die Körnigkeit des Bodens daher sehr fein ist. Dementsprechend sind die Knick- und Moormarschböden ackerbaulich auch schwerer zu bearbeiten als die Brackmarschböden. Der südliche Teil der Dollartküste der Gemeinde Jemgum gehört zum 1795 erstmals eingedeichten Heinitzpolder und zum 1877 eingedeichten Kanalpolder. Die beiden Polder bestehen aus Seemarschböden, Kalkmarsch- und Kleimarschböden aus Ton und Schluff von hoher Ertragsfähigkeit. Flächennutzung
+ Flächennutzung 2011 Nutzung Hektar Gebäude- und Freifläche 291 davon Wohnfläche 142 davon Gewerbe- und Industriefläche 22 Betriebsfläche 3 Erholungsfläche 23 davon Grünanlage 17 Verkehrsfläche 253 davon Straße, Weg, Platz 252 Landwirtschaftsfläche 6334 Wasserfläche 709 Waldfläche 12 Flächen anderer Nutzung 224 davon Friedhöfe 2 davon Unland 34 Gesamtfläche 7848
Die FlächennutzungstabelleQuelle: Landesbetrieb für Statistik und Kommunikationstechnologie Niedersachsen abgerufen am 26. November 2024. zeigt den überragenden Anteil an Landwirtschaftsflächen in der Gemeinde, der bei 80,7 Prozent liegt und damit einer der höchsten unter den ostfriesischen Städten und Gemeinden ist. Ostfriesland in seiner Gesamtheit weist einen Anteil an Landwirtschaftsflächen von rund 75 ProzentEberhard Rack: Kleine Landeskunde Ostfriesland. Isensee Verlag, Oldenburg 1998, ISBN 3-89598-534-1, S. 115. auf und liegt damit schon klar über dem Bundesdurchschnitt von 52 Prozent.
Im ohnehin schon waldarmen Ostfriesland (Waldanteil: 2,6 Prozent, Bundesdurchschnitt: etwa 29,5 Prozent) liegt die Gemeinde Jemgum mit einem Waldanteil von nur etwa 0,15 Prozent weit unter dem Durchschnitt: Die Kommune besteht fast ausschließlich aus Marschland, Bäume sind lediglich als Einfriedungen, Straßengrün und bei Gehöften zu finden und dienen vor allem als Windschutz.
Mit rund 9 Prozent Wasserflächenanteil liegt Jemgum hingegen klar über dem Bundesdurchschnitt von etwa zwei Prozent, was auf die Lage des Marschlandes an Ems und Dollart sowie die damit einhergehenden unzähligen Entwässerungsgräben und -kanäle zurückzuführen ist.
Schutzgebiete