Verkehrsunternehmen: DB Regio Bundesland (D): Nordrhein-Westfalen

Die Euregiobahn (Eigenschreibweise: die euregiobahn) ist eine Regionalbahnlinie (RB 20) im Bereich des Aachener Verkehrsverbundes, betrieben durch DB Regio auf Strecken von DB InfraGO und EVS Euregio Verkehrsschienennetz im Auftrag des Zweckverband Nahverkehr Rheinland (NVR).

Geschichte mini|Stadt-Express der Nederlandse Spoorwegen (NS) im Hauptbahnhof Aachen 1996 mini|Ursprünglich geplantes Netz der Euregiobahn mini|Euregiobahn in Landgraaf (2006)

Historischer Vorläufer der Euregiobahn waren die zunächst zweistündlich verkehrenden StadtExpress-Züge Aachen – Heerlen, die seit dem 31. Mai 1992 die Verbindungen auf der Bahnstrecke Sittard–Herzogenrath ersetzten. Als erste eigentliche Ausbaustufe des Regionalbahnsystems Euregiobahn wurde im Juni 2001 die Relation von Heerlen über Herzogenrath, Kohlscheid und Aachen nach Stolberg Altstadt in Betrieb genommen. Dabei wurde der Streckenabschnitt Stolberg Hauptbahnhof–Stolberg Altstadt für den Personenverkehr reaktiviert. Der Bahnhof Stolberg-Altstadt (zuvor Stolberg (Rheinl) Hammer) wurde auf Wunsch des Stadtrates umbenannt; die Haltepunkte Stolberg Rathaus, Stolberg Mühlener Bf und Stolberg Schneidmühle wurden neu gebaut, wobei gleichzeitig am Haltepunkt Stolberg Mühlener Bf ein Busbahnhof mit Kombibahnsteig auf dem Gelände des abgerissenen Mühlener Bahnhofs entstand.

Am 13. Juni 2004 wurde der neugebaute Haltepunkt Aachen Schanz an der Bahnstrecke Aachen–Mönchengladbach eröffnet, der seitdem u. a. von der Euregiobahn bedient wird. Als zweite Ausbaustufe gingen im September und Dezember 2004 die Eschweiler Talbahn von Stolberg Hauptbahnhof über Eschweiler-West, Eschweiler Talbahnhof/Raiffeisen-Platz, Eschweiler-Nothberg nach Eschweiler-Weisweiler sowie der Abschnitt von Herzogenrath über Herzogenrath Alt-Merkstein bis Herzogenrath August-Schmidt-Platz in Betrieb. Im Dezember 2005 wurde auch die Strecke über Alsdorf-Busch bis Alsdorf-Annapark befahren. Schließlich bediente die Euregiobahn seit Dezember 2007 die beiden neuen Haltepunkte Heerlen-De Kissel und Eygelshoven-Markt zwischen Herzogenrath und Heerlen.

Aufgrund der drastisch gekürzten Landesmittel durch das Kabinett Rüttgers und dem NRW-Verkehrsminister Oliver Wittke konnten die Strecken zunächst nur beschränkt ausgebaut werden. Mit der Neubaustrecke Eschweiler-Weisweiler–Langerwehe wurde im Sommer 2007 begonnen, sie wurde am 14. Juni 2009 eröffnet. Die Züge fahren nunmehr von Eschweiler-Weisweiler nach Langerwehe und seit Dezember 2009 stündlich bis Düren weiter. Da Eschweiler-Nothberg und Langerwehe nun auch Anschluss über die Strecke der Euregiobahn haben, ist der Haltepunkt Nothberg an der Hauptstrecke Köln–Aachen im Dezember 2009 geschlossen worden.

Am 11. November 2011 fand die erste Testfahrt auf dem nächsten Ausbauabschnitt des Ringschlusses, dem Streckenabschnitt Alsdorf-Annapark – Kellersberg – Poststraße, statt. Die offizielle Inbetriebnahme erfolgte am 9. Dezember 2011, an dem um 18:02 Uhr eine Sonderfahrt der Euregiobahn nur für geladene Gäste ab Alsdorf-Annapark die Strecke eröffnete. Am 11. Dezember 2011 begann der planmäßige Fahrgastbetrieb. Im Juni 2014 wurde der Haltepunkt Eschweiler-St. Jöris eröffnet. Zum Fahrplanwechsel am 13. Dezember 2015 wurde der Abschnitt zwischen Herzogenrath und Heerlen nicht mehr durch die Euregiobahn bedient und durch einen Pendelbetrieb des RE 18 als Übergangslösung zum LIMAX ersetzt, der mittlerweile durchgehend halbstündlich und weiter bis Lüttich verkehrt. Gleichzeitig wurde der Takt zwischen Herzogenrath und Alsdorf Annapark von 60 auf 30 Minuten verdichtet.

Am 12. Juni 2016 wurde der letzte fehlende Abschnitt des Ringschlusses von Eschweiler-St. Jöris bis Stolberg Hauptbahnhof reaktiviert, der siebeneinhalb Jahre später noch durch den Halt Würselen-Merzbrück in direkter Nähe zum Forschungsflugplatz ergänzt wurde.

Auf dem Gelände des ehemaligen Güterbahnhofs Merkstein zwischen dem heutigen Haltepunkt Alsdorf-Busch und Herzogenrath-Merkstein wurde Mitte 2017 ein Begegnungsgleis errichtet, so dass dort im Verspätungsfall Zugkreuzungen durchgeführt werden können, die sonst planmäßig in Alsdorf-Annapark stattfinden.

Bis Dezember 2016 fuhr die Euregiobahn in der morgendlichen Hauptverkehrszeit zweimal zwischen dem Bahnhof Geilenkirchen und Aachen Hauptbahnhof.

Bei dem Hochwasser 2021 wurde auch die Euregiobahn nicht verschont. Am 15. Juli 2021 wurden die Abschnitte zwischen Stolberg (Rheinl) Hbf und Stolberg Altstadt sowie die Eschweiler Talbahn zwischen Stolberg Hbf und Langerwehe zerstört. So wurde die Indebrücke bei Eschweiler-Aue so stark beschädigt, dass sie abgerissen und neu gebaut werden musste, man rechnete deshalb zunächst mit einer erneuten Betriebsaufnahme auf diesem Streckenabschnitt für 2024. Auch die Signaleinrichtungen und zahlreiche Bahnübergänge mussten nahezu komplett erneuert werden. Gleichzeitig wurde zum Fahrplanwechsel am 11. Dezember 2022 der Abschnitt zwischen Stolberg Hbf und Stolberg Rathaus wieder in Betrieb genommen. Die Reparatur der Stützwand an der Inde bei Eschweiler Aue war auch drei Jahre nach der Flutkatastrophe noch nicht in Angriff genommen worden, denn laut EVS konnte eine Reparatur nicht vor Ende 2025 durchgeführt werden. Auf einer Bürgerinformation wurde am 26. Juni 2024 über den Wiederaufbau der Euregiobahn informiert. Seit dem Fahrplanwechsel am 14. Dezember 2025 fährt die Euregiobahn wieder zwischen Stolberg und Eschweiler. Zum 25-jährigen Bestehen verkehrte die Euregiobahn ab dem 14. Juni 2026 wieder vom Haltepunkt Stolberg-Rathaus zum komplett neu errichteten Bahnhof Stolberg-Altstadt.

Von November 2020 bis August 2023 wurde durch Planungsfehler eine Bahnbrücke der Bundesstraße 264 mit zu eng liegenden Brückenpfeilern bei Gürzenich/Derichsweiler über die Schnellfahrstrecke Köln–Aachen neugebaut.Verkehr soll bis 15. August über neue Bahnbrücke rollen Für die überlaste Bahnstrecke, das seit Jahrzehnten ein drittes Gleis benötigt, u. a. auch für die Euregiobahn, blockieren die Pfeiler das dritte Gleis.

Streckenneubauten mini|Weisweiler – Langerwehe 14. Juni 2009: Bahnstrecke Eschweiler-Weisweiler–Langerwehe

Reaktivierte Strecken mini|Gleis 27 in Stolberg (Rheinl) Hbf Richtung Altstadt

Folgende Strecken wurden für den Betrieb der Euregiobahn durch den Infrastrukturbetreiber EVS Euregio Verkehrsschienennetz modernisiert oder reaktiviert: 10. Juni 2001: Stolberg Hbf – Stolberg-Hammer (Teil der Bahnstrecke Stolberg–Walheim) 11. September 2004: Stolberg Hbf – Eschweiler-Weisweiler (Eschweiler Talbahn) 11. Dezember 2004: Herzogenrath – Herzogenrath August-Schmidt-Platz (Merkstein) (Teil der Bahnstrecke Stolberg–Herzogenrath) 11. Dezember 2005: Herzogenrath August-Schmidt-Platz – Alsdorf-Annapark (Teil der Bahnstrecke Stolberg–Herzogenrath) 9. Dezember 2011: Alsdorf-Annapark – Alsdorf Poststraße (Teil der Bahnstrecke Stolberg–Herzogenrath) 15. Juni 2014: Alsdorf Poststraße – Eschweiler-St. Jöris (Teil der Bahnstrecke Stolberg–Herzogenrath) 12. Juni 2016: Eschweiler-St. Jöris – Stolberg Hbf (Teil der Bahnstrecke Stolberg–Herzogenrath)

Flügelzugkonzept Eine betriebliche Besonderheit ist die Flügelung der mit einer automatischen Scharfenbergkupplung ausgestatteten Züge. Die aus Aachen kommenden Züge werden im Stolberger Hauptbahnhof getrennt; der vordere Zugteil fährt über Eschweiler-Weisweiler weiter nach Langerwehe, der hintere Zugteil wendet und fährt nach Stolberg-Altstadt. In Gegenrichtung werden die Züge auf einem entsprechend ausgerüsteten Gleis (Beifahranlage) im Stolberger Güterbahnhof vereinigt und fahren gemeinsam über Aachen Hauptbahnhof und Aachen Schanz nach Herzogenrath. Ab dort wurde zwischen Dezember 2004 und Dezember 2015 ohne Flügelung abwechselnd nach Heerlen/NL oder zur jeweils aktuellen Endstation auf der Bahnstrecke Stolberg–Herzogenrath gefahren. Seit dem Fahrplanwechsel am 13. Dezember 2015 verkehren die Triebwagen halbstündlich bis Alsdorf Annapark, seit dem Ringschluss 2016 stündlich weiter bis Stolberg Hauptbahnhof.

mini|Euregiobahn RB21 in Heimbach (2014)

Von 2004 bis 2015 an gab es in den Sommermonaten sonntags einen direkten Zug zwischen Heerlen bzw. Alsdorf und Heimbach (Eifel), der sich speziell unter touristischen Gesichtspunkten eignete. Dafür musste in Düren gewendet werden.

Fahrzeuge und Betreiber der Euregiobahn DB Regio setzt 22 zweiteilige Dieseltriebzüge der Bauart Bombardier Talent ein. Sie wurden in Aachen gebaut (die Buchstaben „Ta“ im Namen „Talent“ verweisen auf die Aachener Firma Talbot, die den Triebwagen vor der Übernahme durch Bombardier entwickelt hatte). Ursprünglich wurden 26 Fahrzeuge für die Euregiobahn gebaut. Zwei Fahrzeuge sind jedoch durch einen technischen Defekt abgebrannt. Zwei weitere Fahrzeuge wurden durch DB Regio abgestellt und zur Verschrottung freigegeben.

In der Anfangszeit der Euregiobahn rollten jedoch auch Einheiten der dreiteiligen Version als Baureihe 644. Die später eingesetzten Züge der Baureihe 643.2 sind sowohl mit Punktförmiger Zugbeeinflussung (PZB 90) für deutsche Strecken als auch mit dem niederländischen Zugbeeinflussungssystem ATB ausgerüstet.

Für Kritik sorgte das Fehlen von Zugtoiletten in den Triebzügen, weshalb zwischenzeitlich mit Hinweisen an den Fahrzeugtüren auf diesen Umstand aufmerksam gemacht wurde.

Für die erwogene künftige Weiterführung der Euregiobahn im Straßenraum bis in die Aachener Innenstadt sind einige der Triebwagen für den Betrieb nach der Verordnung über den Bau und Betrieb der Straßenbahnen (BOStrab) mit Blinkern, Rückspiegeln und besonders leistungsfähigen Bremsen ausgerüstet worden.

Die Verträge zwischen dem Zweckverband Nahverkehr Rheinland (NVR) und DB Regio liefen bis Ende 2016. DB Regio gewann 2015 auch die Ausschreibung für den Zeitraum Dezember 2016 bis Dezember 2020. Da Verzögerungen bei der Elektrifizierung der befahrenen Strecken abzusehen waren, nutzte der NVR 2017 eine Option zur Verlängerung des Verkehrsvertrags um ein Jahr. Da die Elektrifizierung sich erneut verzögert, wurde am 5. Februar 2020 die Strecke vom NVR für die Zeit von Dezember 2021 bis Dezember 2025 weiter an DB Regio vergeben. Es besteht allerdings eine Option zur Laufzeitverlängerung oder -verkürzung um ein Jahr. DB Regio betreibt die Euregiobahn weiterhin mit den 22 Fahrzeugen der Baureihe 643.2, die bis zum Beginn des neuen Vertrags modernisiert werden sollen.

Zukunft Aktuelle Planungen mini|In roter Schrift die Ausbaumaßnahmen, die aktuell (2026) fortschreiten Elektrifizierung Zukünftig soll die Euregiobahn wie der restliche Schienenpersonennahverkehr in der Region ausschließlich unter Oberleitung betrieben werden. Dazu müssen die restlichen 40 % der Strecke elektrifiziert werden. Dies betrifft die Abschnitte, die nicht im Besitz der DB sind und allein durch die Euregiobahn bedient werden: Die Ringbahn Herzogenrath – Alsdorf – Stolberg, die Strecken von Stolberg Hauptbahnhof über Eschweiler-Weisweiler nach Langerwehe sowie jene zwischen Stolberg Hauptbahnhof und Stolberg Altstadt. Von der Elektrifizierung soll sich eine Kostenersparnis bei Beschaffung und Betrieb der Fahrzeuge, eine Reduzierung der Schadstoff- und Lärmemissionen sowie eine Verbesserung der Fahrdynamik ergeben. Dies würde auch die Einführung weiterer Halte ermöglichen, insbesondere eine Verlängerung in Stolberg bis Breinig. Später allerdings wurde festgestellt, dass eine Elektrifizierung der Strecke, die sich in der Einflugschneise des Flugplatzes Merzbrück befindet, gar nicht zulässig ist. Eine Elektrifizierung war daher von der Verschwenkung und damit einhergehenden Verlängerung der Landebahn abhängig. Die Arbeiten an der neuen Start- und Landebahn begannen Ende Oktober 2019, am 5. September 2020 wurde sie eröffnet.