Die Arras-Kultur ist eine archäologische Kultur der mittleren und jüngeren Eisenzeit, also dem 5.–1. Jahrhundert v. Chr.Mandy Jay, Colin Haselgrove, Derek Hamilton, Jeremy D. Hill, John Dent: Chariots and Context: New Radiocarbon Dates from Wetwang and the Chronology of Iron Age Burials and Brooches in East Yorkshire. In: Oxford Journal of Archaeology. Band 31, Nummer 2, 2012, S. 161–189, . Sie ist mehrheitlich auf das East Riding of Yorkshire in Nordost-England beschränkt, von Holderness im Südosten bis in das zentrale Vale of York im Norden vom Vale of Pickering bis zum südlichen Rand der North York Moors. Wagengräber wie Newbridge in SchottlandStephen Carter, Fraser Hunter, Andrea Smith, Mhairi Hastie, Steven Lancaster, Magnar Dalland, Robert Hurford, Edward Bailey, Gerry McDonnell, Tony Swissh: A 5th Century BC Iron Age Chariot Burial from Newbridge, Edinburgh. In: Proceedings of the Prehistoric Society. Band 76, 2010, S. 31–74, ., oder Ferry Fryston im West RidingMandy Jay, Janet Montgomery, Olaf Nehlich, Jacqueline Towers, Jane Evans: British Iron Age chariot Burials of the Arras Culture: a multi-isotope Approach to investigating mobility Levels and subsistence Practices. In: World Archaeology. Band 45, Nummer 3, 2013, S. 473–491, . sind Merkmale außerhalb der Kultur. Die Kultur ist nach einem Anfang des 19. Jahrhunderts entdeckten Gräberfeld von der Arras Farm, sechs Kilometer östlich von Market Weighton benannt, welches etwa 100 Gräber umfasste. mini|hochkant=1.5|Pferdeknebel der Arras-Kultur aus dem King's Barrow, Arras Farm

Bestattung Die Kultur wird durch ihre Bestattungspraktiken definiert, die außerhalb East Yorkshires ungewöhnlich, aber in Kontinentaleuropa zu finden sind und Ähnlichkeiten mit denen der Latènekultur aufweisen. Die Körperbestattungen umfassen Wagenbestattungen oder Bestattungen in quadratischen Gehegen. Im Gegensatz zu kontinentalen Bestattungen waren die Gräberfelder überfüllt, nicht erweitert. Die Bestattungen wurden von der zweiten Hälfte des 1. Jahrtausends v. Chr. bis zur römischen Eroberung (etwa 70 n. Chr.) datiert. Die Grabbeigaben und Wagendesigns waren hauptsächlich im britischen, nicht im kontinentalen Stil. Square Barrows sind runde Erdhügel mit Durchmessern zwischen 6,0 und 15,0 m die eine zentrale Grabstätte bedecken die von einem quadratischen oder rechteckigen Graben umgeben ist. Die zentrale Bestattung ist in der Regel eine Erwachsenenbestattung und liegt auf der alten Bodenoberfläche oder in einer Grube. Die meisten Square Barrows stammen aus dem 6. und 5. Jahrhundert v. Chr. und sind hauptsächlich in Humberside und East Riding of Yorkshire zu finden. Eine zunehmende Zahl wird jedoch in anderen Teilen Englands anerkannt. Die Square-Barrow-Tradition wurde als Schlüsselelement der Arras-Kultur charakterisiert, die möglicherweise von Siedlern aus Frankreich nach Ostengland eingeführt wurde.

Die früheste Beschreibung des Gräberfeldes von Arras erfolgte in einem Brief von 1699 den Abraham de la Pryme, Pfarrer in Kingston upon Hull, an seinen Freund Gale Dean aus York, in dem er schrieb: „Ich sah auf meinem Reise nach York, viele Hundert Grabhügel, die ich für römisch halte, an einem Ort namens Arras, auf dieser Seite von Wighton, der von keinem Autor erwähnt wird und die ich im nächsten Sommer zu erforschen gedenke.“ Es scheint, dass er seine Absicht nicht weiterverfolgte.

Erste Gräber wurden 1721 ergraben. Von GreenwellWilliam Greenwell: British Barrows. A Record of the Examination of sepulchral Mounds in various parts of England. Together with description of figures of Skulls general remarks on prehistoric Crania and an Appendix by George Rolleston. Clarendon, Oxford 1877, (Digitalisat). (1820–1918) und John Robert Mortimer (1825–1911) wurden 1897/98 die Dane’s Graves untersucht. Das größte Gräberfeld, in Wetwang Slack, enthält über 450 Gräber und datiert in die Zeit zwischen 300 und 150 v. Chr. Es erstreckt sich bis auf das Gemeindegebiet des angrenzenden Garton Slack. Es wurde zwischen den späten 1960er bis in die 1980er Jahre durch T. C. M. Brewster und John Dent ausgegraben, da es vom Kiesabbau bedroht warJohn S. Dent: A summary of the excavations carried out in Garton Slack and Wetwang Slack, 1964–80. In: East Riding Archaeologist. Band 7, 1983, , S. 1–14.. Zahlreiche der typischen Bestattungen mit Vierecksgräben sind auf Luftbildern identifiziert wordenHerman G. Ramm: Aerial reconnaissance and interpretation. In: Yorkshire Archaeological Journal. Band 45, 1973, S. 208–210.. Gräberfelder sind so deutlich besser bekannt als Siedlungen. Sie liegen vor allem in der Nähe von Wasserläufen und oft auch von GrenzwällenMike Parker Pearson: Food sex and Death: Cosmologies in the British Iron Age with particular Reference to East Yorkshire. In: Cambridge Archaeological Journal. Band 9, Nummer 1, 1991, S. 43–69, hier S. 51f., .. Die Zahl der Gräber liegt zwischen einigen Dutzend (Burton Fleming) und 400. Die Toten wurden meist als Hocker bestattet, mit dem Kopf im Norden oder Nordwesten. Lediglich in Burton Fleming und Rudston finden sich gestreckte BestattungenDennis W. Harding: The Iron Age in Northern Britain. Britons and Romans, Natives and Settlers. 2nd edition. Routledge, London u. a. 2017, ISBN 978-1-138-12631-2, S. 34.. In den Gräbern finden sich oft Schaf- oder Schweineknochen als BeigabenMike Parker Pearson: Food sex and Death: Cosmologies in the British Iron Age with particular Reference to East Yorkshire. In: Cambridge Archaeological Journal. Band 9, Nummer 1, 1991, S. 43–69, hier S. 54, .. Männergräber enthalten bisweilen Waffen, darunter Schwerter, Schwertscheidenbeschläge, Lanzenspitzen und Schildbuckel. Stead identifizierte sie als „Kriegergräber“. Einige der Bestatteten wurden scheinbar mit Speeren beworfen und so beigesetzt (Garton Station 10, Pocklington)Dennis W. Harding: The Iron Age in Northern Britain. Britons and Romans, Natives and Settlers. 2nd edition. Routledge, London u. a. 2017, ISBN 978-1-138-12631-2, S. 39. Die Bestattungssitten unterscheiden sich teilweise von anderen Regionen Englands. Es gibt große Körpergräberfelder, während die sonstige Praxis in England Grubenbestattungen, Exkarnation oder Verbrennung war.Mike Parker Pearson: Food sex and Death: Cosmologies in the British Iron Age with particular Reference to East Yorkshire. In: Cambridge Archaeological Journal. Band 9, Nummer 1, 1991, S. 43–69, hier S. 51, . Die meist rechteckigen Gräben eingefassten und mit einem Hügel bedeckten Gräber der frühen Arras-Kultur erinnern an Befunde im Pariser Becken. Die frühesten Befunde stammen aus dem späten 5. Jahrhundert, als diese Sitte auch im Bereich der La-Tène Kultur aufkam. Spätere Gräber weisen eine tiefere Grube auf, aber sind meist wesentlich kleinerJohn S. Dent: Cemeteries and settlement Patterns of the Iron Age on the Yorkshire Wolds. In: Proceedings of the Prehistoric Society. Band 48, Nummer 1, 1982, S. 437–457, hier S. 446.. Über 20 Wagengräber, z. B. aus Garton Slack, Ferrybridge, Garton Station und Kirkburn sowie zwei aus und Pocklington und drei aus Wetwang Slack sind in England ungewöhnlich. Die Wagen wurden für die Bestattung meist auseinandergenommen, lediglich die Wagen von Ferry Fryston und Pocklington waren komplett beigegebenDennis W. Harding: The Iron Age in Northern Britain. Britons and Romans, Natives and Settlers. 2nd edition. Routledge, London u. a. 2017, ISBN 978-1-138-12631-2, S. 36.. Sowohl Männer als auch Frauen wurden in oder unter Wagen bestattet, oft auf den Rädern. Meist wurden relativ junge Menschen so bestattet. Ein Joch oder Pferdegeschirr zeigt die Position der Pferde an, die jedoch nicht oft mitbestattet wurden, außer im Kings’ Barrow im Gräberfeld von Arras und in Pocklington. Die Achsen der Wagen zeigen gewöhnlich nach NordenMike Parker Pearson: Food sex and Death: Cosmologies in the British Iron Age with particular Reference to East Yorkshire. In: Cambridge Archaeological Journal. Band 9, Nummer 1, 1991, S. 43–69, hier S. 56, .. Einer war vielleicht verkehrt herum begrabenIan M. Stead: Iron Age Cemeteries in East Yorkshire. London 1991, Abb. 48b.. Einige der Wagengräber haben eine runde Einhegung, deren Eingang nach Westen zeigtMike Parker Pearson: Food sex and Death: Cosmologies in the British Iron Age with particular Reference to East Yorkshire. In: Cambridge Archaeological Journal. Band 9, Nummer 1, 1991, S. 43–69, hier S. 56, .. Die Bestattungssitten haben starke Ähnlichkeit mit denen in der Champagne. Die Keramik ist jedoch handgemacht und unverziert, wie im übrigen Britannien. Die Ähnlichkeit wurde durch eine etwa 300 v. Chr. erfolgte Migration von Gallien nach Ost-England erklärtChristopher Hawkes: The ABC of the British Iron Age. In: Antiquity. Band 33, Nummer 131, 1959, S. 170–182, .. Sie entspricht dem „Eastern Second B“ in Hawkes’ detaillierten SchemaChristopher Hawkes: The ABC of the British Iron Age. In: Antiquity. Band 33, Nummer 131, 1959, S. 170–182, hier S. 181, ..

Gräberfelder Die Arras-Kultur ist vor allem für ihre Bestattungen in Grabhügeln, die durch quadratische Gräben begrenzt waren darunter auch Wagengräber bekannt. Es werden zwei Bestattungsarten unterschieden: die geduckte, Nord-Süd-orientierte und die gestreckte, Ost-West-orientierte. Auch die Grabbeigaben variieren bei den Bestattungsarten: Fibeln und Schafsknochen waren bei Hockbestattungen üblich, während Schweineknochen, Schwerter, Speerspitzen und Werkzeuge die gestreckten prägten. Mehrere Leichen waren im Rahmen des Bestattungsrituals aufgespießt worden.

Die Wagengräber umfassten eine vielfältigere Auswahl an Artefakten, darunter verzierte Metallarbeiten und das vollständigste Beispiel einer Kettentunika aus der keltischen Welt. Sie lieferten auch Informationen über die Karren der Eisenzeit und verursachten ein erneutes Nachdenken über ihre Rekonstruktion.

Arras Farm Burton Fleming Cowlam Dane’s Graves Garton Station Kirkburn Pocklington Rudstone Wetwang Slack/Garton Slack

Siedlungsweise