Der Jungnationale Bund (Junabu) war während der Weimarer Republik ein Verband innerhalb der Bündischen Jugend. Der Bund wurde 1921 als Abspaltung vom rechtskonservativen und monarchistischen Deutschnationalen Jugendbund (DNJ) gegründet. Der Junabu verstand sich als „Erziehungsbund“ zur politischen Erneuerung und lehnte die parlamentarische Demokratie ab. Nachdem sich bereits 1924 ein kleiner Flügel des Junabu als Jungnationaler Bund – Deutsche Jungenschaft abgespalten hatte, vereinigte sich der verbliebene Junabu – Bund deutscher Jugend mit dem Großdeutschen Jugendbund zur Freischar junger Nation, während der Junabu – Deutsche Jungenschaft seit 1933 wieder als Junabu firmierte. Angehörige dieses Bundes leisteten Widerstand gegen den Nationalsozialismus und wurden 1937 in einem aufsehenerregenden Prozess in Essen vor Gericht gestellt.
Abspaltung des Jungnationalen Bundes vom Deutschnationalen Jugendbund 1921 Der DNJ war seinerzeit absichtlich nicht nach dem Vorbild der Bünde der Jugendbewegung organisiert worden, sondern sollte vornehmlich der Wehrertüchtigung dienen. Der Bund hatte zu Beginn der 1920er Jahre ca. 35.000 Mitglieder und wurde von bürgerlichen Honoratioren und ehemaligen Offizieren hierarchisch geführt.Wolfgang R. Krabbe: Kritische Anhänger - unbequeme Störer. Studien zur Politisierung deutscher Jugendlicher im 20. Jahrhundert. Berlin 2010, S. 20f. Einige Mitglieder des DNJ orientierten sich anders. Teils waren sie bereits vom Wandervogel beeinflusst worden, teils gehörten sie dem Jungdeutschen Bund an bzw. standen dem Deutschnationalen Handlungsgehilfen-Verband (DHV) nahe. Wirkmächtig war auch der völkisch-nationale Neufichteanismus der Fichte-Gesellschaft von 1914 um Wilhelm Stapel und Hans Gerber. Anfang Oktober 1920 legten Alfred Diller (DHV) und Heinz Rocholl auf dem 2. Bundestag des DNJ ein entsprechendes neues Programm vor. Unter der Maßgabe, dass Jugend „konservativ und revolutionär zugleich“ sei, prägten sie dafür den Begriff „jungnational“.
Die Spannungen kulminierten auf dem 3. Bundestag des DNJ in Nürnberg am 8. August 1921. Vor allem die nordwestdeutschen Landesverbände betrieben eine Neuausrichtung. Dem Aufruf des Hamburgers Heinz Dähnhardt folgend, gründete sich der Jungnationale Bund. Zugleich lösten sich auch die Jungdeutschen Landfahrer unter Edmund Neuendorff aus dem DNJ, von denen sich Teile später dem Junabu anschließen sollten. Zunächst unter der Führung von Admiral Reinhard Scheer schlossen sich dem Junabu bis 1923 250 Gruppen an. Die Zahl der Mitglieder im Alter von 12 bis 25 Jahren wird auf 7.000 geschätzt. Auf dem ersten Bundeskapitel im Juni 1922 wurde Heinz Dähnhardt zum Bundesführer bestimmt.
Im Bund waren Jungen und Mädchen organisiert. Das Frauenbild des Junabu war im Hinblick auf die politische Ausrichtung ambivalent. Ziel der Mädchen sollte „die künftige Frau und Mutter“ sein. Während die Politik den Männern vorbehalten bleiben sollte, wurde als Aufgabe der Frau die „nationale Bildung“ ausgegeben, unter der „das Ergreifen und Begreifen unseres nationalen Schicksals“ verstanden wurde.de Ras, Körper, S. 228.
Als Zeichen des Bundes wählte man die Wolfsangel, als Farben der „Schnur“, die als Erkennungszeichen zum blaugrauen Fahrtenhemd getragen werden sollte, blau und silber. Die Bundeszeitschrift war Der Bannerträger.
Die Spaltung des Jungnationalen Bundes 1923 Auf der an Ostern 1923 in Marburg abgehaltenen Führertagung übergab Dähnhardt die Bundesführung an den nationalrevolutionären Hans Ebeling, der eine neue Bundesleitung berief. Der aus Krefeld stammende Ebeling nahm die Ruhrbesetzung zum Anlass, die Beteiligung des Junabu am aktiven Widerstand gegen die französische Besatzung zu forcieren, mit dem Ziel, den als „Knechtschaft“ empfundenen Friedensvertrag von Versailles zu revidieren. Er arbeitete darauf hin, den Junabu zu einem „Jungenbund“ umzuformen, der als Vorstufe zur wehrfähigen „Mannschaft“ fungieren würde. Ebeling erhielt für sein Vorhaben Unterstützung aus allen Teilen des Junabu; es formierte sich aber auch eine starke Opposition vor allem Hamburger Bündler im Junabu. Diese Opposition setzte auf „innere Erneuerung“ statt auf gewaltsamen Widerstand und Sabotage.
Die bereits auf dem Marburger Bundestag im Mai 1923 deutlich zu Tage tretende Entfremdung manifestierte sich im August 1923, als Ebeling auf der Führertagung in Plauen die Bundesleitung erneut umbesetzen wollte. Eine Minderheit unter Kurt Niemann (1901–?) verweigerte dieser neuen Leitung die Anerkennung. Ebeling legte daraufhin am 21. Dezember 1923 die Bundesführung nieder und wandelte den von ihm geleiteten Gau Westmark in einen reinen Jungenbund um. Die Opposition erklärte dagegen am 7. April 1924, dass sie an dem Charakter des Gemeinschaftsbundes von Jungen und Mädchen festhalten wolle. Dähnhardt wurde als interimistischer Bundesführer gewählt und ein neuer Bundestag für Pfingsten 1924 nach Goslar einberufen. Die alte Bundesleitung um Ebeling setzte für diesen Zeitpunkt ein Zeltlager an. Auf diese Weise wurde die Spaltung des Junabu in einen Junabu – Bund deutscher Jugend und einen JuNaBu – Deutsche Jungenschaft offiziell.Die Darstellung folgt Heinz Rautenberg u. Willi Walter Puls: Der Jungnationale Bund. Kurzchronik. In: Werner Kindt (Hrsg.): Die Deutsche Jugendbewegung 1920 bis 1933. Die bündische Zeit. Quellenschriften. Düsseldorf 1974, S. 489–496. Ebeling übernahm auch die Bundeszeitschrift Der Bannerträger als Blatt der Jungenschaft, während der Junabu die Zeitschriften Das Banner, Wehrwolf, Mädel im Bunde und Jungnationale Stimmen herausgab.
Der Jungnationale Bund – Bund deutscher Jugend (1924–1930) Dähnhardt übergab die Bundesleitung des Junabu – Bund deutscher Jugend Anfang 1925 an den schlesischen Ingenieurstudenten Fritz Zühl. Unter seiner Führung wurden die ersten überbündischen Fahrten organisiert wie gemeinsam mit dem Nachfolgebund des DNJ, dem Großdeutschen Jugendbund (GDJ), und dem Deutschen Pfadfinderbund eine Fahrt nach Hohenstein in Ostpreußen. Diese Fahrten dienten nicht nur der Durchsetzung bündischer Lebensform und der Anbahnung eines möglichen Großbundes, sondern setzten auch ein politisches Zeichen für einen deutschen Anspruch auf das sogenannte Ostland und gegen die Regelungen des Friedensvertrages von Versailles, insbesondere gegen den polnischen Korridor. Zudem legte der Junabu – Bund deutscher Jugend besonderen Wert auf Nachwuchsarbeit und gründete neben Pimpfen- und Wölflings- auch Küken- und Jungmädelgruppen.
Der Junabu förderte Auslandsfahrten, insbesondere in Grenzgebiete und Gebiete mit Siedlungen sogenannter „Volksdeutscher“, und bildete dazu ein „Grenz- und Auslandsamt“. Besonders enge Kontakte bestanden in das Sudetengebiet. 1926 schloss sich der sudetendeutsche Jungvölkische Bund, dem etwa Josef Mühlberger und Wilhelm Pleyer angehörten, als eigenständiger Gau dem Junabu an.
Im März 1926 übergab Zühl krankheitsbedingt die Bundesleitung an den Geologen Karl Rode. Dieser berief den Theologie- und Geschichtsstudenten Paul Hövel zum Bundeskanzler und Berthaluise von Müller zur Bundesmädelführerin. Bereits ein Jahr später wurde Hermann Schwemer Bundesführer. Schwemer begann Verhandlungen über die Bildung eines Großbundes vor allem mit dem GDJ. Aber erst unter dem 1928 ernannten Bundesführer Walther Kayser, der sich dem GDJ besonders verbunden fühlte, kamen die Verhandlungen entscheidend voran. Bereits 1929 hatte sich der Deutschwandervogel dem JuNaBu – Bund deutscher Jugend angeschlossen.Werner Kindt (Hrsg.): Die Deutsche Jugendbewegung 1920 bis 1933. Die bündische Zeit. Quellenschriften. Düsseldorf 1974, S. 239.
Der GDJ hatte sich inzwischen am 4. Mai 1930 mit der Deutschen Freischar unter dem Namen Deutsche Freischar und unter der Führung Admiral Adolf von Trothas vereinigt. Auch der Junabu – Bund deutscher Jugend unter Hövel, seit 1929 neuer Bundesführer, schloss sich am 18. Juni der neuen Deutschen Freischar an. Aber auf Grund vielfältiger inhaltlicher, nicht zuletzt politischer Differenzen löste die alte Deutsche Freischar diese Verbindung schon nach wenigen Monaten. GDJ und JuNaBu – Bund deutscher Jugend bildeten daraufhin am 2. Oktober 1930 die Freischar junger Nation. Trotha übernahm die Bundesführung, Hövel die Kanzlerschaft und von Müller die gemeinsame Mädchenorganisation. Das 1926 begründete Verbandsorgan des Junabu – Bund deutscher Jugend für die Älteren, die Jungnationalen Stimmen, wurde unter gleichem Namen fortgeführt.
Der Jungnationale Bund – Deutsche Jungenschaft Hans Ebeling führte in der Zwischenzeit seinen Junabu – Deutsche Jungenschaft weiter. Dieser Bund beschränkte sich fast ausschließlich auf den früheren Gau Westmark und hatte ca. 300 Mitglieder.Michael Jovy: Jugendbewegung und Nationalsozialismus. Münster 1984, S. 24. Ebeling arbeitete vor allem publizistisch und gab von Dezember 1929 bis Januar 1933 die Zeitschrift Der Vorkämpfer mit strikt sozial- bzw. nationalrevolutionärer Haltung heraus. Er wandte sich vor allem gegen den Westen und das, was er als „Eingliederung Deutschlands in den Westen“ empfand. Im Herbst 1928 gab er gemeinsam mit der Freischar Schill unter Werner Lass eine entsprechende jungnationale Erklärung als „Kampfansage“ ab. Der Jugendbewegung warf Ebeling vor, Reaktion geworden zu sein, während die deutsche Jugend sich nur für die deutsche Revolution entscheiden könne.Kindt (Hrsg.): Die deutsche Jugendbewegung 1920 bis 1933, S. 993–1001, zit. 993.
Während die Freischar junger Nation 1933 noch in den am 17. Juni 1933 aufgelösten Großdeutschen Bund überführt wurde, nahm Ebeling für seinen in Krefeld ansässigen Bund Pfingsten 1932 wieder den einfachen Namen Jungnationaler Bund in Anspruch. Anfang 1934 löste sich dieser Bund selbst auf.Kindt, Jugendbewegung, S. 994. Ebeling ging im August 1934 ins Exil und organisierte gemeinsam mit dem aus der kirchlichen Jugendbewegung stammenden Theo Hespers in den Niederlanden den Widerstand einiger inzwischen illegalen bündischen Gruppen.
Bereits im Herbst 1935 verhaftete die Geheime Staatspolizei 30 bis 40 Angehörige des Junabu. Im Juni 1937 wurde zwölf Führern des Bundes vor dem Volksgerichtshof Essen der Prozess gemacht.Arno Klönne: Jugend im Dritten Reich. Die Hitler-Jugend und ihre Gegner. Düsseldorf 1982, S. 217–224. Dieser sogenannte „Junabu-Prozeß“ hatte allerdings nicht die gewünschte abschreckende Wirkung auf die illegalen bündischen Gruppen, weil die Angeklagten die Gelegenheit nutzten, um offensiv den Staat zu attackieren. Einer der Angeklagten, Karl Wegerhoff, starb unter ungeklärten Umständen, angeblich durch Selbstmord in Untersuchungshaft. Der Prozess endete mit der Verhängung hoher Zuchthausstrafen. Ebeling organisierte unterdessen eine Protestkampagne im Ausland und versuchte, einen Zusammenschluss aller Emigranten der Jugendbewegung, auch der kirchlichen und politischen Jugendbewegung zu erreichen. Für die Geheime Staatspolizei wurde Ebeling dadurch zu einem „der größten Feinde des Nationalsozialismus“.Hellfeld: Bündische Jugend, S. 184. Hans-Christian Brandenburg: Die Geschichte der HJ, S. 215–217.
Politische Ausrichtung des Jungnationalen Bundes