Der T-80 ist der letzte Kampfpanzer, der in der Sowjetunion entworfen und vor ihrem Zerfall noch in größerer Stückzahl gebaut wurde. Eine Folgeentwicklung ist der ukrainische T-84.

Geschichte Der T-80 ist eine Weiterentwicklung des T-64. Grundlage war ein Beschluss des Ministerrates der Sowjetunion und des Zentralkomitees der KPdSU vom 16. April 1968. Die Entwicklungsgeschichte war sehr komplex: Wegen der andauernden Probleme des T-64 bekamen sowohl Nischni Tagil als auch die Kirowwerke in Leningrad den Auftrag, Verbesserungen am T-64 durchzuführen. Die Kirowwerke wollten den unzuverlässigen 5-Zylinder-Gegenkolbenmotor des T-64 durch eine Gasturbine ersetzen. Es entstand das Objekt 219sp2, das praktisch ein T-64 mit Gasturbine war. Es zeigten sich bei der Erprobung erhebliche Mängel, insbesondere am Leichtbau-Fahrwerk, das der hohen Leistung der zum Einsatz kommenden GTD-1000 mit 1000 PS nicht gewachsen war. Es wurde ein neues Fahrwerk entwickelt und so entstand mit dem T-80 praktisch ein komplett neues Fahrzeug, das etwa 1976 zur Produktion genehmigt wurde. Etwa 1978 wurde der T-80 schließlich als dritter Standardpanzer bei den sowjetischen Panzertruppen eingeführt. Es entstand infolgedessen zwischen den drei Herstellern in Nischni Tagil (T-72), Charkiw (T-64) und Leningrad (T-80) ein starker Wettbewerb, so dass alle drei Typen ständig verbessert wurden. Mitte der 1990er-Jahre wurde die Produktion zugunsten des T-90 eingestellt.

Im September 2023 wurde die Wiederaufnahme der Produktion in Omsk angekündigt.

Technische Daten Antrieb mini|Gasturbine GTD 1000, ausgestellt in der Wehrtechnischen Studiensammlung Koblenz Der T-80 ist der weltweit erste serienmäßig produzierte Panzer mit einer Gasturbine als Haupttriebwerk. Zunächst kam eine GTD-1000-Gasturbine mit 735 kW (1000 PS) zum Einsatz. Im T-80B wurde die leistungsstärkere GTD-1000F-Gasturbine mit 809 kW (1100 PS) verbaut und schließlich zur 3-Wellen-Gasturbine vom Typ GTD-1250 mit 919 kW (1250 PS) im T-80U weiterentwickelt. Bei einem Gesamtgewicht von ursprünglich etwa 42 t hat der T-80 ein gewichtsbezogene Leistung von 27,2 PS/t, was ihn auch heute noch zu einem der mobilsten Panzer weltweit macht. Nachteilig sind der im Vergleich zum Dieselantrieb hohe Wartungsaufwand und spezifische Kraftstoffverbrauch von 225 g/PSh, da die Gasturbine keinen Wärmetauscher hat. Ohne Zusatztanks hat der T-80 eine Reichweite von 335 km, mit den – bei sowjetischen Panzern üblicherweise am Heck angebrachten – Zusatztanks von etwa 600 km. Die heißen Turbinenabgase können – wie beim M1 Abrams – mit Wärmebildgeräten bereits auf große Entfernung geortet werden.

Zum Betrieb bei abgeschaltetem Hauptantrieb ist eine Hilfs-Gasturbine vom Typ GTA-18 eingebaut.

Die Dieselmotor-Variante T-80UD wurde von KMDB in Charkiw gebaut. Sie ist mit dem Sechszylinder-Mehrstoff-Diesel Zweitakt-Gegenkolbenmotor 6TD mit 735 kW (1000 PS) Leistung ausgestattet.

Kraftübertragung Die Kraftübertragung des T-80 erfolgt von der Gasturbine auf die am Heck montierten Antriebsräder über Planetengetriebe. Die Schaltung ist servounterstützt.

Fahrwerk Das Fahrwerk ist ein drehstabgefedertes Stützrollenlaufwerk mit sechs Lauf- und fünf Stützrollen auf jeder Seite. Zwischen zweiter und dritter sowie vierter und fünfter Laufrolle wurde ein größerer Zwischenraum gelassen. Die zweiteiligen Laufrollen sind aus geschmiedeten Aluminium- und Stahlteilen zusammengesetzt und mit einer Gummibandage versehen. Das Laufwerk ist mit Hydraulikstoßdämpfern ausgestattet. Die Verbinderketten wurden für den T-80 neu entwickelt und können mit Gummiauflagen zur Geräuschdämmung auf asphaltierten Straßen ausgestattet werden.

Fahrleistungen Der T-80 erreicht eine Höchstgeschwindigkeit von 70 km/h auf Straßen und 42 km/h im Gelände. Er ist sehr geländegängig, kann Steigungen bis maximal 60 % überwinden, Hindernisse mit 0,9 m Höhe überklettern und Gräben bis 2,90 m Breite überschreiten. Die Wattiefe des Panzers liegt bei 1,80 m, Unterwasserfahrt ist mit aufgesetztem Schnorchel bis zu einer Tiefe von 5 m möglich.

Bewaffnung Der T-80 ist mit einer vollstabilisierten 125-mm-Glattrohrkanone vom Typ 2A46M (später auch 2A46M-1) bewaffnet. Die 125-mm-Kanone ist mit einer automatischen Ladeeinrichtung ausgestattet. Der hydromechanische 6ET-KORZINA-Ladeautomat dreht auf dem Turmboden. Darin sind 28 Geschosse mit der Spitze nach innen liegend angeordnet. Die Treibladungen stehen in einem Winkel von 90° dahinter. Der Automat hebt das Geschoss und die Treibladung hinter den Verschluss, worauf der Ansetzer beide in das Rohr schiebt. Mit diesem Mechanismus ist eine Feuerfolge von sieben bis neun Schuss pro Minute möglich. Bei Ausfall des Ladeautomaten ist ein manuelles Nachladen möglich, allerdings reduziert sich dadurch die Feuergeschwindigkeit auf etwa einen Schuss pro Minute.Bundesakademie für Wehrverwaltung und Wehrtechnik, Akademiethemen Heft 14, Lothar Mann

Wie bei allen sowjetischen Panzern ist die Munition im Kampfraum des Panzers untergebracht. Bei einer Penetration der Panzerung im Kampfraumbereich besteht dadurch die Gefahr, dass sich diese Munition entzündet und explodiert. Dies bedeutet den Tod der Besatzung sowie den Totalausfall des Panzers.

Die 125-mm-Kanone 2A46M kann folgende Munitionsarten verschießen:

Unterkalibergeschosse (APFSDS): KE-Pfeilgeschoss mit Treibspiegel, v0 = 1615–1800 m/s. Hohlladungsgranaten (HEAT). Splitter-Spreng-Granaten (FRAG-HE): Durch Veränderung am Zünder (Detonationszeit nach Aufschlag) kann Splitter- oder Sprengwirkung mit Verzögerung eingestellt werden.

Der Kampfsatz des T-80 besteht aus 39 Geschossen und 6 Rohrraketen, davon 28 im Ladeautomaten als Bereitschaftsmunition. Ein normaler Kampfsatz besteht aus:

15 Stück APFSDS-Geschossen vom Typ BM-42. Durchschlag 590–630 mm Panzerstahl-Äquivalent auf 2000 Meter. 6 Stück HEAT-Granaten vom Typ BK-29M. Durchschlag 650–750 mm Panzerstahl-Äquivalent. 18 Stück FRAG-HE-Granaten vom Typ OF-19 oder OF-26. 6 Stück 9K119-Refleks-Lenkwaffen. Durchschlag 650–700 mm Panzerstahl-Äquivalent.

Optional kann folgende Munition verschossen werden:

HEAT-Granate BK-21M mit Uraneinlage. Durchschlag 550–750 mm Panzerstahl-Äquivalent. HEAT-Granate BK-27 mit Dreifach-Hohlladung. Durchschlag 700–800 mm Panzerstahl-Äquivalent. APFSDS-Wuchtgeschoss vom Typ BM-29 und BM-32 mit Penetrator aus abgereichertem Uran (DU).

Neben der Hauptwaffe verfügt der T-80 über ein koaxiales 7,62-mm-MG PKT mit 1250 Schuss sowie ein 12,7-mm-Fla-MG NSWT mit 500 Schuss. Die Nebelmittelwurfanlage besteht aus acht Nebelwurfbechern, die seitlich in zwei Gruppen am Turm angebracht sind.

Feuerleitsysteme T-80 Der T-80 verwendet die primärstabilisierte Feuerleitanlage des T-64A mit dem Zielfernrohr-Entfernungsmesser TPD-2-49 bei unabhängig stabilisierter Visierlinie in der Vertikalen. Der Kommandant verfügt über das unstabilisierte Periskop TKN-3 mit aktivem/passivem Nachtkanal. Nachts ist der Feuerkampf mit dem IR-Zielfernrohr TPN-1 auf eine maximale Kampfentfernung von 800 bis 1000 m beschränkt.

T-80B Beim T-80B wurde das Feuerleitsystem gegenüber dem T-64A/T-80 stark verbessert. Das 1A33-Feuerleitsystem ist mit dem Stabilisierungssystem 2Eh26 sowie dem Ballistik-Computer 1W517 ausgerüstet. Der Richtschütze verfügt über ein in zwei Ebenen blickfeldstabilisiertes periskopisches Zielfernrohr 1G42 mit Laser-E-Messer sowie der 9K112-Lenkwaffenanlage. Als Nachtzielfernrohr dient das aktiv/passive Infrarotzielfernrohr TPN-3. Der Kommandant verfügt über das unstabilisierte Periskop TKN-3 mit aktiv/passivem Nachtkanal.

T-80U Das 1A45-Feuerleitsystem ist mit dem Stabilisierungssystem 2Eh42 sowie dem Ballistik-Computer 1W528 ausgerüstet. Der Richtschütze verfügt über ein in zwei Ebenen blickfeldstabilisiertes periskopisches Zielfernrohr 1G46 (Irtysch) mit Laser-E-Messer sowie der 9S515-Lenkeinheit für die Lenkwaffenanlage 9M119 REFLEKS (Rakete 9M119 INVAR). Ein stabilisiertes aktiv/passives Infrarotzielfernrohr vom Typ TPN-4 Buran-PA mit einer Verbindung zum Monitor des Kommandanten ist ebenfalls vorhanden. Nachts kann der Feuerkampf auf eine maximale Kampfentfernung von bis zu 1300 m geführt werden. Das Feuerleitsystem umfasst eine digitale ballistische Rechnereinheit sowie Umweltsensoren.

Der Kommandant verfügt über eine drehbare Kuppel und fünf Winkelspiegel sowie ein vertikal stabilisiertes Periskop TKN-4S mit Tag- und passivem Infrarotnachtkanal. Der Kommandant kann dem Richtschützen Ziele übergeben und selbständig die Führung der Bewaffnung übernehmen.

Panzerung Passiver Schutz T-80 Die Panzerung des T-80 besteht aus gegossenem Panzerstahl für den Turm und zusammengeschweißten Panzerstahlplatten für die Wanne. An der Turmfront sind im Gussstahl Hohlräume für die Verbundpanzerung eingelassen. Diese besteht aus zwei Schichten Panzerstahl sowie einer Mittelschicht aus Platten einer äußerst harten Aluminiumlegierung, die mit Glasfasergewebe verstärkt ist. Die gesamte Materialstärke an der Turmfront beträgt etwa 400 mm. An der Wannenfront besteht die Verbundpanzerung aus einer inneren 20 mm starken Schicht Stahl, einer 105 mm starken Mittelschicht aus Steltexolit-GFK sowie einer Außenschicht aus 100 mm hochfestem Stahl.

Die Ausführung T-80 verfügt über folgenden Panzerschutz gegen HEAT- und KE-Geschosse (in RHA):

Bauteil Turm obere Turmfront Wannenfront oben Wannenfront unten KE-Penetrator 280–450 mm 200 mm 335 mm 210 mm HEAT 330–490 mm 220 mm 420 mm 210 mm

T-80B & T-80BW mini|Turmfront eines T-80B mit doppelschichtigem Panzerstahl und einer Kompositpanzerung des Typs Kombination-K. mini|Turmfront eines T-80BW mit Reaktivpanzerung vom Typ Kontakt-1. Die weiterentwickelte Verbundpanzerung an der Turmfront des T-80B besteht aus ca. 600 mm starkem doppelschichtigem Panzerstahl und einem Hohlraum für die Kompositpanzerung des Typs Kombination-K, die in Steltexolit-GFK eingegossene Korundkugeln (Aluminiumoxidkeramik / Al2O3) enthält. Die Verbundpanzerung an der Wannenfront des T-80B und T-80BW besteht aus einer 40 mm starken Stahl-Innenschicht, einer 105 mm starken Steltexolit-Mittelschicht (einschließlich einer 60 mm starken Keramikplatte) und einer 40 mm starken Außenschicht aus hochfestem Stahl. Beim T-80BW wurde die Wannenfront durch eine zusätzliche aufgeschweißte 30 mm Panzerstahlplatte verstärkt und an Turm und Wanne wurden zudem Reaktivpanzerungselemente vom Typ Kontakt-1 angebracht. Diese Zusatzpanzerung erhöht den Panzerschutz gegen Hohlladungsgeschosse um 25–30 %.

Die Ausführung T-80B verfügt über folgenden Panzerschutz gegen HEAT- und KE-Geschosse:

Bauteil Turm obere Turmfront Wannenfront oben Wannenfront unten KE-Penetrator 280–500 mm 290–320 mm 415 mm 270–360 mm HEAT 450–640 mm 340–370 mm 490 mm 320 mm

Die Ausführung T-80BW (mit Reaktivpanzerung Kontakt-1) verfügt über folgenden Panzerschutz gegen HEAT- und KE-Geschosse:

Bauteil Turm obere Turmfront Wannenfront oben Wannenfront unten KE-Penetrator 280–530 mm 425–435 mm 500–600 mm 270–360 mm HEAT 950–1040 mm 670–910 mm 750 mm 380 mm

T-80A & T-80AW Der T-80A ist mit einer experimentellen Laminatpanzerung am Turm ausgerüstet. Diese besteht aus einer inneren 30 mm starken Schicht Stahl, einer Mittelschicht aus verschiedenen Hartmetallen, Keramik- und Platten aus glasfaserverstärktem Kunststoff sowie einer Außenschicht aus 60 mm Panzerstahl. Die Variante T-80AW ist zusätzlich mit Reaktivpanzerung vom Typ Kontakt-1 ausgerüstet.

T-80U mini|T-80U mit weiterentwickelter Reaktivpanzerung vom Typ Kontakt-5. Mit dem T-80U wurde im Turm eine neue Verbundpanzerung eingeführt. Im Turm aus Panzerstahlguss befindet sich zwischen der 100 mm starken Außen- und 190 mm starken Innenwand ein 340 mm breiter Hohlraum für die Sonderpanzerung. Der Hohlraum wird in Längsrichtung durch eine 20 mm starke Panzerplatte aus hochfestem Stahl in zwei Kammern unterteilt, in welchen sich die eigentlichen Sonderpanzerungselemente befinden.