Als Singularität im geographischen Sinne wird ein geographisches Objekt bezeichnet, das sich deutlich von seiner Umgebung absetzt und für das Grundgefüge seiner umgebenden Landschaft nicht wesentlich ist. Dieses kann z. B. ein freistehender Vulkan oder ein Zeugenberg in einer ansonsten flachwelligen Landschaft sein, in selteneren Fällen z. B. auch ein Grabenbruch, ein inselartiges Vorkommen landschaftsfremder Gesteine oder eine Tagebaugrube.

Deutschland In Deutschland findet der Begriff Singularität vor allem in der naturräumlichen Gliederung des Handbuchs der naturräumlichen Gliederung Deutschlands, insbesondere der verfeinernden Einzelblätter 1:200.000 Verwendung. In diesen heißt es einheitlich im Erläuterungstext zur jeweiligen Karte:

Der Geograph Heinrich Müller-Miny hatte 1958 die Bedeutung der Singularitäten für das natürliche Gefüge eines Raumes herausgearbeitet und vorgeschlagen, diese im Rahmen der naturräumlichen Gliederung durch ein Kartensymbol besonders zu kennzeichnen.Heinrich Müller-Miny: Grundfragen zur naturräumlichen Gliederung am Mittelrhein. Eine baustilkritische Betrachtung als Beitrag zu einer naturgeographischen Gefügelehre. In: Bundesanstalt für Landeskunde (Hrsg.): Berichte zur Deutschen Landeskunde. 21. Band, 2. Heft (September 1958), Selbstverlag der Bundesanstalt für Landeskunde, Remagen 1958, S. 247–266 (hier: S. 249–251).

Sie werden noch einmal geordnet in Singularitäten 4. bis 7. Ordnung. Eine Singularität 4. Ordnung ist singulär für ihre gesamte Haupteinheit (dreistellig), eine 5. bis 7. Grades für die jeweilige Untereinheit (1 bis 3 Nachkommastellen). Diese Feinuntergliederung wurde jedoch nur auf wenigen Einzelblättern explizit ausgeführt.

Beispielsweise sind innerhalb des Blattes Coburg in je flachwelligen Landschaften die 641 und 679 m hohen Gleichberge als Singularität 4. Ordnung, d. h. als Singularität der Haupteinheit Grabfeld (1381), ausgewiesen, der 516 m hohe Muppberg als Singularität 5. Ordnung des Neustadt-Sonneberger Beckens (071.5), während die 449 m hohe Straufhain und die 405 m hohe Veste Heldburg (keine explizite Einordnung in 6. oder 7. Ordnung, jedoch dem Fließtext nach offenbar in der angeführten Reihenfolge auf die beiden Ordnungen fallend) nur Singularitäten innerhalb des Heldburg-Callenberger Forstes (117.32) darstellen, die Heldburg dabei auch nur nach Westen scharf heraus präpariert.Heinz Späth: Geographische Landesaufnahme: Die naturräumlichen Einheiten auf Blatt 141 Coburg. Bundesanstalt für Landeskunde, Bad Godesberg 1987. → Online-Karte

Diese Einordnungen sind jedoch stark von den Maßstäben des jeweiligen Bearbeiters abhängig. So wird der allgemein als singulär geltende Hohe Meißner (754 m) in Nordhessen nicht als Singularität geführt, da er nicht als Berg, sondern als eigenes (Teil-)Mittelgebirge eingestuft wird. Andere singuläre Objekte, z. B. der Dolmar (739 m) im Westen Thüringens, befinden sich in Gebieten, für die keine Einzelblätter erstellt worden sind, was fast den gesamten Osten Deutschlands betrifft.

Exemplarische Liste für Hessen Exemplarisch für mögliche Kriterien sind nachfolgend die innerhalb Hessens ausgewiesenen Singularitäten komplett aufgeführt.

Alheimer (Zeugenberg)Hans-Jürgen Klink: Geographische Landesaufnahme: Die naturräumlichen Einheiten auf Blatt 112 Kassel. Bundesanstalt für Landeskunde, Bad Godesberg 1969. → Online-Karte Amöneburg (Vulkan)Gerhard Sandner: Geographische Landesaufnahme: Die naturräumlichen Einheiten auf Blatt 125 Marburg. Bundesanstalt für Landeskunde, Bad Godesberg 1960. → Online-Karte Atzelstein (Doppelvulkan/Felsklippe, in der Höhe nicht herausragend)Werner Röll: Geographische Landesaufnahme: Die naturräumlichen Einheiten auf Blatt 126 Fulda. Bundesanstalt für Landeskunde, Bad Godesberg 1969. → Online-Karte Blaue Kuppe südsüdwestlich Eschweges (Vulkan) Dünsberg (Kieselschieferhärtling) Gleiberg (Vulkan) Haukuppe nördlich von Hersfeld-Heenes (Vulkan) Heiligenberg (Zeugenberg)Martin Bürgener: Geographische Landesaufnahme: Die naturräumlichen Einheiten auf Blatt 111 Arolsen. Bundesanstalt für Landeskunde, Bad Godesberg 1963. → Online-Karte Isthaberg (Vulkan) Leuchtberge bei Eschwege (Zeugenberge) Grube Messel (Tagebaugrube)Otto Klausing: Geographische Landesaufnahme: Die naturräumlichen Einheiten auf Blatt 151 Darmstadt. Bundesanstalt für Landeskunde, Bad Godesberg 1967. → Online-Karte Mühlbacher Aufbruch bei Mühlbach (Zechsteininsel) Stoppelsberg (Vulkan) Vetzberg (Vulkan) Weidelsberg (Vulkan)

Einzelnachweise

Kategorie:Geomorphologie Kategorie:Kartografie