In der kanadischen Provinz Québec bestehen 72 Naturschutzgebiete, die als Réserves écologiquesLes réserves écologiques : Des habitats protégés au naturel - ministère du développement durable, de l'environnement et des parcs du Québec bezeichnet werden. Sie sind mit dem Begriff Naturschutzgebiet allerdings nur unzureichend bezeichnet, denn sie dienen der Erhaltung, der Forschung und in begrenztem Maß der Lehre und der Pädagogik. Sie sind aber vor allem bis auf vier Ausnahmen für die Öffentlichkeit gesperrt. Diese Ausnahmen sind Serpentine-de-Coleraine, Forêt-la-Blanche, Tourbières-de-Lanoraie und die Île-Brion.
Schutzstatus Sie unterstehen allesamt dem Ministère du Développement durable, de l'Environnement et des Parcs du Québec, also dem Ministerium für dauerhafte Entwicklung, Umwelt und die Parks von Québec. Entsprechend dem Klassifikationssystem der Internationalen Union für die Bewahrung der Natur und natürlicher Ressourcen gehören alle Réserves écologiques der Provinz der Kategorie la an, und damit dem höchsten denkbaren Schutz. Das bedeutet, dass weder Rohstoffabbau noch -suche, Straßenbau, Energiegewinnung, aber auch keine Jagd, Fischfang oder Fallenstellerei erlaubt sind.
Fläche Das erste Schutzgebiet dieser Art entstand im Jahr 1975, seither sind weitere 71 hinzugekommen. Das jüngste ist das erst 2011 unter Schutz gestellte Shannonmoor, 30 km von der Provinzhauptstadt entfernt. Der ganz überwiegende Teil dieser Gebiete ist relativ klein. 20 Réserves sind sogar kleiner als einen Quadratkilometer, 22 weitere liegen unter 5 km², weitere 17 sind bis zu 10 km² groß, neun weitere Gebiete liegen zwischen 10 und etwa 30 km². Die mit Abstand größten sind die drei Schutzgebiete Grande-Rivière mit 173, Matamec mit 186 und Louis-Babel mit 235 km² Fläche. Insgesamt umfassen die Réserves eine Fläche von nur 950,85 km² bei einer Fläche der Provinz von 1.542.056 km². Weit unter 1 ‰ der Fläche der Provinz steht also unter strengem Schutz, allerdings kommen Gebiete mit begrenztem Schutz hinzu, wie sie die 43 Parc national genannten Gebiete darstellen, von denen allerdings nur drei als echte Nationalparks anzusprechen sind. Andere, wesentlich größere Urwälder, wie der 1300 km² große Broadback Valley Forest stehen hingegen nicht unter Schutz.
Aufgaben und Ziele Mit der Einrichtung der Réserves wurden verschiedene Ziele verfolgt, vor allem aber der des Schutzes und der Repräsentation bestimmter Ökoregionen und bestimmter Tier- und vor allem Pflanzengesellschaften. Auch sollten die Naturräume, wenn auch in einer etwas diffusen Auffassung, geschützt werden, wie sie etwa Moore, Dünen, Wälder und Urwälder, Inseln, Kliffs oder Seen darstellen. Dies schien besonders vordringlich zu sein, da die Holz- und die Agrarwirtschaft die natürliche Flora und Fauna weitgehend zerstört haben. Einige Arten, wie der seit 1938 ausgerottete Puma, kehren neuerdings zurück oder regenerieren sich aus bisher unerkannten Restbeständen, auch Elche, Kojoten und Weißwedelhirsch leben zumindest in den größeren Gebieten. In einem Falle, der Réserve écologique Marcel-Léger, wird eine seit Jahrzehnten ungenutzte, künstliche Insel deshalb geschützt und untersucht, weil sich an ihr besonders gut die Rückeroberung durch die Fauna und Flora beobachten lässt. Drei Réserves sind zugleich Teil von Biosphärenreservaten, nämlich die Réserve écologique Thomas-Fortin, Louis-Babel und Grands-Ormes.
Die Forschung entwickelt sich dabei nur langsam. Vielfach sind Gebiete seit Jahrzehnten als Réserves écologiques ausgewiesen, und dennoch wird nur wenig an der Artenerfassung und der Inangriffnahme der notwendigen Schutzmaßnahmen auch im Umland der kleinen Schutzgebiete gearbeitet. Vielfach sind zwar diejenigen Tier- oder Pflanzenarten erfasst, die den Anlass für die Unterschutzstellung darstellten, wie etwa Karibus oder Fledermäuse, nicht aber Insekten oder Amphibien. Auch sind die Habitate, zu denen die kleinen Schutzgebiete gehören, vielfach zerschnitten. Immerhin wurde ein Register der gefährdeten und bedrohten Arten in der Provinz aufgestellt.
Räumliche Verteilung Die meisten Schutzgebiete liegen im weiteren Umkreis der städtischen Ballungsräume im Süden der Provinz oder auf der Gaspésie, im Norden Labradors gibt es bisher kein einziges. Die Inseln Anticosti und Brion sind partiell bzw. ganz geschützt.
Benennungen Vielfach sind die Schutzgebiete nach Örtlichkeiten in der Nähe benannt, sei es nach Gemeinden, Moränen, Seen oder Mooren, vielfach tragen sie aber auch die Namen bedeutender Québecer Naturwissenschaftler, im Falle der grenzübergreifenden Réserve écologique internationale Thomas-Sterry-Hunt auch die eines amerikanischen, der allerdings in Québec lehrte.
Provisorische Réserves Seit 2002 stehen vier weitere Gebiete unter provisorischem Schutz, nämlich die Réserve écologique projetée de la Grande Rivière, dann de la Matamec (partie Nord), schließlich Paul-Provencher und du Ruisseau-Clinchamp. Der Schutz dieser Gebiete lief am 19. Dezember 2012 ab. Hinzu kam die Réserve écologique projetée du Mont-Gosford, deren Schutzstatus am 15. April 2013 ablief, die jedoch mittlerweile dauerhaft unter Schutz steht. 2018 waren nur noch drei Gebiete eingeplant, nämlich Matamec (partie nord), Paul-Provencher und Ruisseau-Clinchamp, deren Schutzstatus am 19. Dezember 2024 abläuft.Liste der geplanten Réserves
Liste der Réserves écologiques Réserve écologiqueFläche in km²GründungsjahrRegionale GrafschaftsgemeindeAigle-à-Tête-Blanche 2,67 1993 PontiacAndré-Linteau 0,91 1993 PontiacAndré-Michaux 4,50 1993 La Vallée-de-la-GatineauBog-à-Lanières 4,30 1992 La TuqueBoisé-des-Muir 0,12 1995 Le Haut-Saint-LaurentCaribous-de-Jourdan 7,12 1994 La Vallée-de-l’OrCharles-B.-Banville 10,00 1994 Rimouski-NeigetteChicobi 21,23 1994 AbitibiChênaie-des-Îles-Finlay 0,94 2007 PontiacClaude-Mélançon 5,35 1988 BellechasseCouchepaganiche 0,39 1983 Lac-Saint-Jean-EstDunes-de-Berry 2,59 1996 AbitibiDunes-de-la-Moraine-d'Harricana 5,40 1994 Rouyn-NorandaÉrablière-du-Trente-et-Un-Milles 6,06 1994 La Vallée-de-la-GatineauErnest-Lepage 8,10 1983 BonaventureFernald 7,35 1995 La MatanieForêt-la-Blanche 20,52 2003 PapineauG.-Oscar-Villeneuve 5,67 1989 Le Fjord-du-SaguenayGrand-Lac-Salé 23,39 1996 MinganieGrande-Rivière 173,00 2001 Le Rocher-PercéGrands-Ormes 9,20 1994 Charlevoix-EstÎle-Brion 6,50 1988 Les Îles-de-la-MadeleineÎle-Garth 0,17 2003 Thérèse-De BlainvilleÎles-Avelle-Wight-et-Hiam 0,90 1994 Vaudreuil-SoulangesIrénée-Marie 1,89 1985 MékinacIrène-Fournier 4,40 1991 La MatanieJackrabbit 7,50 1981 Les LaurentidesJames-Little 2,04 1981 PontiacJ.-Clovis-Laflamme 10,15 1991 Le Domaine-du-RoyJudith-De Brésoles 10,90 1992 La TuqueJules-Carpentier 0,05 2000 PortneufKettles-de-Berry 2,67 1996 AbitibiLac-à-la-Tortue 5,66 1992 ShawiniganLac-Malakisis 30,27 1978 TémiscamingueLéon-Provancher 4,84 1999 BécancourLionel-Cinq-Mars 4,40 1988 LotbinièreLouis-Babel 235,40 1991 ManicouaganLouis-Ovide-Brunet 6,69 1989 Le Domaine-du-RoyLouis-Zéphirin-Rousseau 0,05 1988 Antoine-LabelleManche-d'Épée 5,73 1984 La Haute-GaspésieMarcel-Léger 0,36 1981 Trois-RivièresMarcelle-Gauvreau 1,14 1990 Le Fjord-du-SaguenayMarcel-Raymond 0,64 1987 Le Haut-RichelieuMarie-Jean-Eudes 8,45 1992 MaskinongéMatamec 186,00 1995 Sept-RivièresMicocoulier 0,29 1981 Vaudreuil-SoulangesMine-aux-Pipistrelles 0,03 2002 MemphrémagogMont-Saint-Pierre 6,43 2001 La Haute-GaspésieMont-Gosford 3,07 2009 Le GranitPère-Louis-Marie 3,15 1993 La Vallée-de-la-GatineauPin-Rigide 0,66 1977 Le Haut-Saint-LaurentPointe-Heath 18,69 1978 MinganiePointe-Platon 0,59 1995 LotbinièrePresqu'île-Robillard 0,84 2000 ArgenteuilRistigouche 4,68 1983 AvignonRivière-aux-Brochets 1,26 1999 Brome-MissisquoiRivière-du-Moulin 0,11 1975 LotbinièreRivière-Rouge 3,13 1997 ArgenteuilRolland-Germain 13,70 1991 La Vallée-de-la-GatineauRuisseau-de-l'Indien 3,24 1991 PontiacSamuel-Brisson 7,90 1982 Le Haut-Saint-FrançoisSerpentine-de-Coleraine 3,97 2003 Les AppalachesTantaré 14,50 1978 La Jacques-CartierTapani 0,17 1988 Antoine-LabelleThomas-Fortin 1,18 1990 CharlevoixThomas-Sterry-Hunt 0,56 1988 MontmagnyTourbière-de-Shannon 1,69 2011 La Jacques-CartierTourbières-de-Lanoraie 4,15 1994 D’AutrayVallée-du-Ruiter 1,17 1993 MemphrémagogVictor-A.-Huard 0,20 1990 Le Fjord-du-SaguenayVieux-Arbres 0,04 1992 Abitibi-OuestWilliam-Baldwin 2,91 1992 Abitibi
Literatur Gildo Lavoie: Les réserves écologiques du Québec. Écrins d'un patrimoine méconnu, Éditions MultiMondes, Montreal 2023.
Weblinks Lagekarte der Réserves écologiques in Québec, archive.org, 16. Januar 2013
Anmerkungen
Kategorie:Schutzgebiet (Umwelt- und Naturschutz) in Nordamerika