Neubiberg ist eine Gemeinde im Landkreis München, Regierungsbezirk Oberbayern, mit den Gemeindeteilen Neubiberg und Unterbiberg.

Geographie Neubiberg grenzt an die Bezirksteile Waldperlach, Neuperlach, und Altperlach des Münchner Stadtbezirks 16 Ramersdorf-Perlach sowie an den Bezirksteil Südgiesing des Stadtbezirks 17 Obergiesing (Obergiesing-Fasangarten) sowie an die Gemeinden Ottobrunn, Unterhaching und an den Gemeindeteil Waldkolonie der Gemeinde Putzbrunn. Das Gebiet der unmittelbar an München angrenzenden Gemeinde ist ungewöhnlich langgestreckt, bei einer West-Ost-Ausdehnung von etwa 6 km ist es nur zwischen 0,5 und 1,5 km breit. Das flache Gemeindegebiet ist im Westen 547 m hoch und steigt nach Osten auf rund 555 m Seehöhe an, was freilich für den Besucher kaum wahrnehmbar ist. Einziges bedeutendes Fließgewässer ist der Hachinger Bach, der durch Unterbiberg fließt, das Gemeindegebiet also ganz im Westen kreuzt. Den Besiedlungskern bildet der östliche Teil, der sich heute als typische Wohnbausiedlung darstellt, die hier fast das gesamte Gebiet einnimmt und übergangslos in die städtische Bebauung der Nachbargemeinden bzw. von München-Perlach übergeht. Mitunter erfährt man so nur durch ein Ortsschild, dass man sich in einer anderen Gebietskörperschaft befindet.

Die ursprüngliche, um 1900 noch fast geschlossene Waldfläche ist bis auf den zentralen Bahnhofswald von rund 23,9 ha Fläche, den sich Neubiberg mit Ottobrunn teilt, und von dem 9,3 ha zu Neubiberg gehören, den Schopenhauer Wald an der Grenze zu München-Waldperlach mit 7,6 ha, den Abloner Garten mit 1,5 ha, den Cramer-Klett-Wald am Gymnasium mit 2,4 ha, und einen 6,7 ha großen Anteil am allerdings insgesamt sehr viel größeren Putzbrunner Forst, sowie wenigen naturbelassenen Relikt-Flächen in Privatbesitz, nahezu verschwunden.Unterlage zur Bürgerversammlung am 5.2.1996: Neubiberg - Weiterentwicklung mit Augenmaß

Der mittlere Teil der Gemeinde wird durch das Gelände der Universität der Bundeswehr München eingenommen. Im Westen der Gemeinde liegt die Ortschaft Unterbiberg, quasi der historische Kern der Gemeinde, der in gewisser Weise einen typisch oberbayerisch-dörflichen Charme erhalten hat, obschon in den letzten Jahren unmittelbar an dieses Dorf die Neubausiedlung Vivamus errichtet wurde. Heute steht Unterbiberg hinsichtlich Größe und Einwohnerzahl im Schatten des östlichen Siedlungsgebietes.

mini|Unterbiberg mit Hachinger Bach, ehemaligem Finck'schen Mustergut und Kirche St. Georg

In Unterbiberg gibt es noch eine alte Dorfkirche mit Zwiebelturm und historische Bauernhöfe. Das westliche Gebietsfünftel Neubibergs, westlich der Unterhachinger Straße, noch in den 1990er Jahren wenigstens hier noch rein ackerlandwirtschaftlich genutzt, wurde mittlerweile mit dem Campeon-Park ein Bürokomplex erbaut, der den größten Teil dieser ehemals letzten offenen Flur einnimmt. Die Gemeinde ist damit dicht besiedelt. Einzel- und Reihenhäuser mit Garten, nicht Hochhaussiedlungen wie z. B. typisch für Neuperlach, sind das bestimmende Element. Zwar nicht innerhalb des eigentlichen Gemeindegebietes, aber in unmittelbarer Nähe, zum Teil an die Gemeinde direkt angrenzend, befinden sich ausgedehnte Wälder. Außerdem teilt sich Neubiberg mit seinen Nachbargemeinden Unterhaching und Ottobrunn den 126 ha großen Landschaftspark Hachinger Tal.

Das Landschaftsschutzgebiet LSG Bahnhofswald im Gebiet der Gemeinden Neubiberg und Ottobrunn (LSG-00280.01) berührt das Gemeindegebiet.

Geschichte Wie im gesamten Tal entlang des Hachinger Bachs reichen auch auf Neubiberger Gemeindeboden (Ortsteil Unterbiberg) die frühesten archäologischen Zeugnisse bis in die vor- und frühgeschichtliche Zeit zurück. Eine durch Luftbildarchäologie nachgewiesene spätkeltische Viereckschanze (260–50 v. Chr.) war namensgebend für das spätere Dorf „Pipurk“. Villa piburc wurde erstmals zwischen 1034 und 1041 als Schenkung an das Kloster Tegernsee erwähnt. Unterbiberg wurde im Zuge der Verwaltungsreformen in Bayern 1818 eine selbständige politische Gemeinde.

Neubiberg im frühen 19. Jahrhundert Vor 1900 war das Gelände östlich der Alten Rosenheimer Landstraße - 1903 erstmals „Neubiberg“ genannt - noch geschlossener Wald. Erst die 1904 fertiggestellte Bahnlinie von Giesing nach Aying mit einer Haltestelle nahe den ersten Häusern machte eine größere bauliche Entwicklung möglich. Unterbibergs Bürgermeister Josef Kyrein, dem der Wald zu großen Teilen gehörte, begann 1912 mit dem Verkauf großzügig bemessener Parzellen an Münchner Bürger. Diese Siedler und „Kolonisten“ bauten sich zunächst Wochenendhäuser mit großzügig angelegten Obst- und Gemüsegärten - aus dieser Zeit rührt der „Gartenstadt“-Charakter, der der Gemeinde erhalten blieb, auch als sich in den 1920er und 1930er Jahren eine permanente Bebauung mit entsprechender Infrastruktur – Schule, Kirche, Geschäfte – entwickelte. Die erste Apotheke öffnete 1950.

Nutzung der US Air Force Während der Zeit des Nationalsozialismus wurde östlich des historischen Ortskerns von Unterbiberg der Fliegerhorst Neubiberg errichtet, der nach Ende des Zweiten Weltkrieges von der US Air Force genutzt wurde, die dort unter anderem Jagdflugzeuge des Typs F-84 stationierte.Bill Taylor: Royal Air Force Germany. Midland Publishing, Hinckley/England 2003, ISBN 1-85780-034-6, S. 58. Ab 1958 von wurde er von der Luftwaffe der Bundeswehr mit einem Transportgeschwader genutzt. Die auf dem Fliegerhorst bereits seit 1958 bestehende Ausbildungsstätte (Offizierschule) der Luftwaffe wurde 1973 nach Fürstenfeldbruck verlegt, die ebenfalls bestehende Technische Akademie der Luftwaffe (TAkLw, ab 1971 Fachhochschule der Luftwaffe) und die übrige Infrastruktur wurde für den Aufbau der Universität der Bundeswehr genutzt. Die Start- und Landebahn diente in den 1960er Jahren als Rennstrecke für Tourenwagen, aber auch Sportwagen, Formel-2- und Formel-3-Rennwagen. Das „Flugplatzrennen Neubiberg“ fand in den 1970er Jahren gegen Saisonende statt. Reste der Flugbahn und damit der Rennstrecke sind noch im Satellitenbild im Landschaftspark Hachinger Tal zu sehen. mini |Die ehemalige Landebahn heute, von Unterhaching aus gesehen

Neubiberg ab den 70er Jahren Am 1. Januar 1975 wurde der Name der Gemeinde Unterbiberg amtlich nach dem Namen des größeren Gemeindeteils in Neubiberg geändert. 1982 wurde ein Sportzentrum an der Zwergerstraße gegründet. 1988 entstand zudem der Umweltgarten, ein großer Anziehungspunkt für alle Ausflügler und Erholungssuchenden. Besucher können auf dem 3,2 Hektar großen Areal Ponys, Schafe, Ziegen, Kaninchen, Hühner, Gänse, Enten und sogar ein Bienenhaus sehen. Wie in einer großen bäuerlichen Gemeinschaft leben die derzeit etwa 80 Haustiere im Neubiberger Umweltgarten. Das Gelände ist jederzeit frei zugänglich. mini | rechts | Brillenschafe im Umweltgarten Auch die Akademie Tierschutz ist seit 1986 in Neubiberg beheimatet und gilt als Ideenfabrik des Deutschen Tierschutzbundes.

Im Zuge des stetigen Ausbaus wurde Ende der 1990er Jahre der Bau der neuen Wohnsiedlung Vivamus nordöstlich des historischen Ortskerns Unterbibergs vorangetrieben. In dieser Zeit entstand auch das Neubaugebiet Auf der Heid, das auf dem östlichen Teil des 1997 aufgelassenen Flugplatzes entwickelt wurde. Der größte Teil des einstigen Flugplatz-Areals wird als Landschaftspark genutzt und bleibt auch künftig frei von Bebauung.

2001 bis 2005 errichtete die MoTo Projektmanagement GmbH auf dem Kapellenfeld im Gemeindeteil Unterbiberg den öffentlichen Landschaftspark Campeon mit dem Unternehmenssitz von Infineon und Intel. 2004 erhielt Neubiberg schließlich eine eigene Anschlussstelle an der Bundesautobahn 8 München-Salzburg, die in der Nähe des Orts durch den Tunnel Neubiberg geführt wird.

Die Gemeinde bezeichnet sich als Universitätsgemeinde Neubiberg, nach der Universität der Bundeswehr, damit ist Neubiberg sogar „die einzige Universitätsgemeinde in Deutschland“.Hochschulkurier April 2011 (Zeitschrift der Universität der Bundeswehr), Vorwort und "Im Focus" Seit 2006 findet sich dieser nichtamtliche Name auch auf den Ortseingangsschildern.

mini|Ortsschild von Neubiberg

Einwohnerentwicklung Zwischen 1988 und 2018 wuchs die Gemeinde von 9.388 auf 14.538 um 5.150 Einwohner bzw. um 54,9 %. In den Folgejahren ging die Einwohnerzahl kontinuierlich geringfügig zurück.

Politik mini|Rathaus

Gemeinderat Der Gemeinderat setzt sich aus 24 ehrenamtlichen Gemeinderatsmitgliedern und dem Ersten Bürgermeister oder der Ersten Bürgermeisterin zusammen. Alle sechs Jahre wählen stimmberechtigte Bürgerinnen und Bürger einen neuen Gemeinderat mit Gemeindeoberhaupt.

Die letzte Kommunalwahl fand am 8. März 2026 statt. Die Wahlbeteiligung lag bei 62,1 %. Seit 1. Mai 2026 ist ein neuer Gemeinderat im Amt, dieser besteht aus insgesamt sechs Fraktionen: CSU, Grüne-ödp, SPD, Die UNABHÄNGIGEN, FDP, und USU-100% Uni - JNeu. Thomas Pardeller (CSU) blieb Erster Bürgermeister.

In der konstituierenden Gemeinderatssitzung am 11. Mai 2026 wurden die Stellvertreter des Ersten Bürgermeisters gewählt: Kilian Körner (Grüne-ödp) wurde Zweiter Bürgermeister, Reiner Höcherl (Die UNABHÄNGIGEN) Dritter Bürgermeister.

Ergebnisse der Wahl vom 8. März 2026: Liste Prozent SitzeVergleich zu 2020 Mitglieder des GemeinderatsCSU 40,2 10 +3 Andreas Bergmann (Nachrücker für Thomas Pardeller), Leon Bogner, Michaela Ellmann, Eva-Nicola Gehringer, Birgit Hollunder, Volker Höpken, Lukas Jochum, Hartmut Lilge, Bernhard Rott, Christiane SimonGrüne/ödp 30,2 7 0 Ulrike Dowie, Carola Grimminger, Marlene Hackmann, Pascale Kollwitz-Jarnac, Kilian Körner, Jürgen Leinweber (Nachrücker für Xaver Himpsl), Claudia MangstlSPD 10,1 3 0 Elisabeth Gerner, Neal Weber, Maria WeißFDP 4,3 1 0Michael WeigleDie UNABHÄNGIGEN 10,0 2 -2 Reiner Höcherl, Stephanie KonopacUSU-100 % Uni - JNeu 3,4 1 -1 Harraeus, Michael

Die zur Wahl angetretene Partei Die Linke erhielt 1,8 % und keinen Sitz im Gemeinderat.

Beratungsgremien Jugendparlament Neubiberg Umweltbeirat Behindertenbeirat AGENDA21 Ottobrunn-Neubiberg

mini|alternativtext=Partnergemeinden|Partnergemeinden

Gemeindepartnerschaften Ablon-sur-Seine, Frankreich: seit 1974/1975 Tschernogolowka, Russland: seit 1992 Der Gemeinde-Partnerschaftsverein Neubiberg e. V. organisiert in regelmäßigen Abständen Fahrten zu den Partnerstädten und ermöglicht internationale Begegnungen. Seit Februar 2022 ruht die Partnerschaft mit Tschernogolowka.Gemeinde-Partnerschaftsverein Neubiberg e. V.

Wappen

Wirtschaft mini|Campeon: Hauptsitz der Infineon Technologies AG in Neubiberg

Neubiberg ist Sitz der Universität der Bundeswehr München mit ihren zahlreichen Lehr- und Forschungseinrichtungen. Mit den international agierenden Unternehmen Infineon Technologies AG und ihrer Firmenzentrale CAMPEON, Intel Deutschland GmbH, und der Securetec Detektions-Systeme AG hat sich Neubiberg auch zum modernen Wirtschaftsstandort entwickelt.

Der Gewerbesteuerhebesatz Neubibergs liegt mit 280 Punkten deutlich unter dem in direkt angrenzenden München (490 Punkte).

Infrastruktur Neubiberg, insbesondere der östliche Gemeindeteil, ist eine typische Wohnsiedlung, geteilt durch die Hauptstraße als Hauptverkehrsader und Nebenstraßen beiderseits. Eine Fußgängerzone und einen Ortskern mit der in Nachbargemeinden z. T. vorhandenen Verdichtung von Geschäften z. B. um einen Marktplatz findet man in Neubiberg nicht. Dennoch sind alle wichtigen Einrichtungen wie Einzelhandelsgeschäfte, Banken, Versicherungen, Apotheken, Friseure etc. vor Ort sowie zwei Supermärkte in Bahnhofsnähe. Derzeit arbeiten Erster Bürgermeister, Gemeinderat und Verwaltung an der Gestaltung einer „lebendigen Ortsmitte“ um den S-Bahnhof und die Hauptstraße. Ziel ist es, diesen Bereich mit Einkaufs-, Dienstleistungs-, Verkehrs-, Kultur-, Bildungs- und Freizeitqualität zu optimieren.