Die katalanische Sprache (Eigenschreibweise català [] auf Ostkatalanisch, [] auf Westkatalanisch; veraltet auch Katalonischkatalonisch, in: duden.de abgerufen am 20. Oktober 2022.) gehört zur Familie der romanischen Sprachen. Katalanisch ist Amtssprache in Andorra sowie, neben dem Spanischen, regionale Amtssprache in Katalonien, auf den Balearen und in Valencia. Es ist außerdem eine der Regionalsprachen Frankreichs (im Roussillon/Département Pyrénées Orientales).
Manche Sprachwissenschaftler rechnen das Katalanische zu den galloromanischen Sprachen, andere ordnen es der Iberoromania zu. Auf der einen Seite besteht eine enge Verwandtschaft mit dem Okzitanischen – das Katalanische hat mehr lautliche und lexikalische Gemeinsamkeiten mit dem Okzitanischen als mit den anderen romanischen Sprachen der Iberischen Halbinsel. Auf der anderen Seite stimmt das Katalanische in einigen Merkmalen mit iberoromanischen Sprachen überein, sodass es oft als Brückensprache (llengua-pont) zwischen Galloromanisch und Iberoromanisch bezeichnet wird. Dies mag darin begründet sein, dass der Herrschaftsbereich des iberischen Westgotenreiches bis nach Septimanien reichte, also mitten ins okzitanische Sprachgebiet; umgekehrt ging auch der fränkische Einfluss unter Karl dem Großen über die Pyrenäen bis in die Katalanischen Grafschaften. Die Pyrenäen bildeten also in der Entstehungszeit der romanischen Sprachen noch keine natürliche Grenze zwischen den politischen und kulturellen Räumen Galliens und der Iberischen Halbinsel.
Verbreitung mini|240px|Sprachgebiet des Katalanischen mini|240px|Dialekte der katalanischen Sprache
Die Angaben zur Sprecherzahl des Katalanischen variieren und beruhen teils auf Schätzungen, teils auf Umfragen. „Laut jüngsten Daten sprechen insgesamt etwa 7,3 Millionen Menschen Katalanisch, und etwa 9,8 Millionen sind in der Lage, die Sprache zu verstehen“, heißt es im Jahr 2025 auf der Webseite des Romanischen Seminars der Freien Universität Berlin. Die NGO Plataforma per la llengua, die sich zum Ziel gesetzt hat, die katalanische Sprache bekannt zu machen und zu verbreiten, gibt in ihrem Prospekt Informe Cat 2016 höhere Zahlen an: etwa 10 Millionen Sprecher (davon 6 Millionen im Principat de Catalunya und damit 80 % der dortigen Wohnbevölkerung, knapp 2,6 Millionen und damit 51 % der Bewohner des País Valencià, etwa 890.000 Personen und damit 80 % der Bewohner der Balearischen Inseln sowie etwa 160.000, d. h. 35 % der Bewohner des französischen Départements Roussillon); insgesamt 13,4 Millionen Personen sollen Katalanisch verstehen können. Trotz unsicherer Datenlage resümiert die Webseite der FU: „Wie kaum eine andere Sprache erfuhr das Katalanische [seit der Renaixença im 19. Jahrhundert] einen Neuaufschwung, so dass seine Kenntnis heute [im spanischen Katalonien] in allen sozialen Kontexten unverzichtbar ist.“Katalanisch (FU Berlin), abgerufen am 1. November 2025
Das Verbreitungsgebiet des Katalanischen umfasst folgende Regionen: In Spanien Katalonien, den größten Teil der Region Valencia – die dortige Variante des Katalanischen wird auch als Valencianisch (valencià) bezeichnet –, die Balearen, wo die Mallorquinisch (mallorquí), Menorquinisch (menorquí) und Ibizenkisch (eivissenc) genannten und zu Balearisch zusammengefassten Dialekte gesprochen werden; außerdem einen Gebietsstreifen im Osten Aragoniens, die Franja de Aragón mit dem català ribagorçà, in Südfrankreich das Département Pyrénées-Orientales, das auch als „Nordkatalonien“ bezeichnet wird; die dortige Varietät des Katalanischen wird als rosellonès bezeichnet, in Italien die Stadt Alghero auf Sardinien (katalanisch L’Alguer, wo wenige Menschen noch heute alguerés sprechen, siehe unten), Andorra. Diese Gebiete bezeichnet man zusammenfassend als Països Catalans („Katalanische Länder“). An der nördlichen Sprachgrenze steht heute die Porta dels Països Catalans bei Salses-le-Château.
Das katalanische Sprachgebiet wird in zwei Dialektgruppen eingeteilt: zum einen Ostkatalanisch, wozu der östliche Teil Kataloniens, der katalanischsprachige Teil Frankreichs, die Balearen und Alguer gehören, und zum anderen die westkatalanischen Dialekte. Hauptkriterium für diese Einteilung ist die Aussprache der unbetonten Vokale /o/, /e/ und /a/. Während man sie im Bereich des Westkatalanischen so ausspricht, wie sie geschrieben sind, werden in der Aussprache des Ostkatalanischen in unbetonter Position /o/ zu /u/, /e/ und /a/ zu kurzen offenen Vokalen oder zu einem Schwa-Laut (), der sich ähnlich anhört wie deutsch e in bitte.
Der Status der Sprache ist je nach Region unterschiedlich. In Andorra ist Katalanisch alleinige Amtssprache, in Spanien regionale Amtssprache. Im „Sprachengesetz von Aragón“ (Ley de Lenguas de Aragón), am 9. Mai 2013 durch das aragónesische Regionalparlament unter Führung der Partido Popular beschlossen, wird die Sprache für den eigenen Regierungsbereich mit dem Glottonym Lengua aragonesa propia del área oriental (LAPAO) bezeichnet. Im französischen Département Pyrénées-Orientales wurde im Dezember 2007 eine Charta zur Förderung der katalanischen Sprache (französisch: Charte en faveur du Catalan) zum Schutz und zur Weiterentwicklung des Katalanischen in Nordkatalonien beschlossen. In Alguer wird die lokale Sprachvarietät stundenweise in der Schule gelehrt.
Geschichte Katalanisch ist kein Dialekt des Spanischen, sondern eine direkt aus dem Vulgärlatein hervorgegangene Sprache (also auch kein „Primärer Dialekt“, der lediglich der Standardisierung des Spanischen vorausgegangen wäre; im Falle des Spanischen wären dies nur Asturleonesisch, Kastilisch, Navarroaragonesisch). Historisch greifbar wird die katalanische Sprache ab dem 8. bis 10. Jahrhundert in den Grafschaften der Spanischen Mark, also dem Gebiet des karolingischen Reichs beiderseits der Pyrenäen. Katalanische Wörter können in lateinischen Texten des 9. Jahrhunderts nachgewiesen werden, erste vollständige schriftliche Zeugnisse wie z. B. die anonyme Predigtsammlung Homilies d'Organyà entstammen dem späten 12. Jahrhundert. Der Schriftsteller und Philosoph Ramon Llull, der von 1235 bis 1315 lebte, galt als der „Dante der katalanischen Literatur“ und gab der Sprache Glanz und Ansehen.
Im Mittelalter war das Sprachgebiet des Katalanischen noch recht einheitlich. Während des 12. und 13. Jahrhunderts breitete sich das Katalanische im Zuge der territorialen Eroberungen der aragonesischen Krone nach Süden und Osten aus; die Sprachgrenze wurde trotzdem erst nach der Ausweisung der Morisken 1609–1611 und der darauf folgenden Wiederbevölkerung der verlassenen Orte festgelegt.
mini|Les Homilies d’Organyà, Seite aus dem 1904 aufgefundenen Manuskript mini|Vocabolari: Wörterbuch Katalanisch – Deutsch von Joan Rosembach, 1502 Perpignan Mit der Ausdehnung des Herrschaftsbereichs der Grafen von Barcelona und des nachfolgenden katalanisch-aragonesischen Staatenbunds in den Mittelmeerraum gewann auch die katalanische Sprache zwischen dem 13. und 15. Jahrhundert an Bedeutung. So erschien als eines der ersten in katalanischer Sprache gedruckten Bücher 1502 in Perpignan ein zweisprachiges Wörterbuch, das Vocabolari molt profitos per apendre Lo Catalan Alamany y Lo Alamany Catalan („Ein gar nützliches Wörterbuch, wodurch Katalanen Deutsch und Deutsche Katalanisch lernen können“). Das Original dieses Wörterbuches bewahrt die Biblioteca de Catalunya in Barcelona auf. Der in Heidelberg geborene katalanische Buchdrucker Joan (Johann) Rosembach hatte es hergestellt. Bereits 1415 verarbeitete der sprachbegabte deutsche Dichter und Diplomat Oswald von Wolkenstein Katalanismen in seinen Gedichten.
Ende des 15. Jahrhunderts vereinigten sich die Kronen von Aragón und Kastilien durch die Heirat der Katholischen Könige, Ferdinand von Aragón und Isabella von Kastilien, wobei Kastilien von Anfang an die Oberhand hatte. Dadurch verdrängte die kastilische Sprache das Katalanische allmählich als Literatursprache. Als Rechts-, Amts- und Umgangssprache war es hingegen zunächst weniger bedrängt.
Nach Ende des Spanischen Erbfolgekrieges (1701–1714) verlor Katalonien seine politische Eigenständigkeit, und die Bourbonenkönige trieben die Entwicklung des spanischen Zentralstaats in seiner heutigen Form voran. Das kastilische Spanisch wurde als spanische Amtssprache durchgesetzt, und im Jahr 1716 wurde es per Gesetz als Unterrichtssprache verbindlich festgelegt. Von 1779 an waren sogar Theaterstücke auf Katalanisch verboten. Das 18. Jahrhundert gilt als Tiefpunkt der katalanischen Sprachgeschichte, als Zeit der decadència.
mini|Edikt Ludwigs XIV. vom 2. April 1700 über das Verbot des Gebrauchs der katalanischen Sprache in der staatlichen Verwaltung in der Grafschaft Roussillon. Doch bereits in der Romantik im 19. Jahrhundert erlebte das Katalanische einen erneuten Aufschwung. In der sogenannten Phase der Wiedergeburt, der renaixença, fand es zunehmend Befürworter und wurde zum Gegenstand sprachwissenschaftlicher Forschung. Die 1930er Jahre gelten als Blütezeit, die durch den Spanischen Bürgerkrieg und den Sieg der nationalistischen, zentralistisch orientierten Franco-Diktatur unterbrochen wurde.
In den Anfangsjahren der Diktatur wurde das Katalanische von staatlicher Seite unterdrückt. Viele Ortsnamen im katalanischen Sprachgebiet wurden hispanisiert, auch viele Personennamen wurden ins Spanische übertragen. Erst zu Beginn der 1960er Jahre wurde der katalanischen Sprache zögerlich, zuerst im kirchlichen Bereich, wieder Raum gegeben. Eine wichtige Rolle spielte dabei das Kloster Montserrat, in dem auch während der Franco-Diktatur die Messen auf Katalanisch gefeiert wurden, sodass es zum Symbol des Katalanentums aufstieg. Nach Francos Tod 1975 dauerte es drei Jahre, bis alle Beschränkungen fielen. In den Jahrzehnten der Unterdrückung hatte das Katalanische viel Rückhalt verloren. Zudem hatte das wohlhabende Katalonien viele Spanier aus anderen Landesteilen angezogen, deren Mehrheit nicht oder nur zögerlich bereit war, Katalanisch zu lernen.
Dies ist einer der Hauptgründe, warum das Katalanische seitens der Regionalregierung in den vergangenen Jahrzehnten stark gefördert wurde. Der normalització genannte Prozess verläuft jedoch nicht reibungslos, da viele der Zugewanderten und zentralistisch orientierte Teile des Großbürgertums die Stärkung des Katalanischen ablehnten. Durch eine geschickte Politik ist es katalanischen Politikern trotzdem gelungen, als unverzichtbare Koalitionspartner der Zentralregierung Zugeständnisse zugunsten der katalanischen Sprache zu erwirken und so die einstige Position des Katalanischen teilweise wiederherzustellen. Dieser Prozess ist noch immer im Gange und soll nach dem Willen der Befürworter des Katalanischen erst abgeschlossen sein, wenn alle, die im ursprünglichen Verbreitungsgebiet des Katalanischen leben, dieses zumindest als Zweitsprache beherrschen. Die Hispanisierung von Personennamen wurde nach der Demokratisierung Spaniens rückgängig gemacht; auch die ursprünglichen katalanischen Ortsnamen werden seither wieder offiziell verwendet.
Die spanisch-katalanische Diglossie in Katalonien unterscheidet sich heute deutlich von der unter dem Franco-Regime. Zwar können heute mehr als 95 % der in Katalonien Lebenden (also auch Einwohner mit katalanischer Muttersprache) Spanisch schreiben, doch nur 60 % der Bevölkerung Kataloniens beherrschen Katalanisch in schriftlichsprachlicher Form.Institut d’Estadística de Catalunya, Enquesta d’usos lingüístics de la població 2008 (Katalanisch) (PDF; 7,0 MB) Das betrifft vor allem Zuwandererfamilien aus anderen Regionen und dem Ausland, aber auch die ältere Generation der Katalanischsprachigen, die aufgrund der restriktiven Sprachpolitik Francos die Schriftform ihrer Muttersprache nicht erlernt hat.