mini|200px|Taktisches Zeichen einer Infanteriedivision Eine Division ist ein militärischer Großverband, der sich in den verschiedenen Teilstreitkräften und Staaten unterschiedlich zusammensetzen kann. Eine Division besteht üblicherweise aus rund 10.000 bis 30.000 Soldaten. Unterstellt sind der Division typischerweise Kampftruppenbrigaden und selbständige Divisionsbataillone oder -regimenter der Kampfunterstützungstruppen, Logistiktruppen und Führungstruppen. Divisionen werden von einem Divisionskommandeur meistens im Dienstrang eines Generalmajors geführt, in der Schweiz eines Divisionärs. Die nächsthöhere Führungsebene in den Landstreitkräften ist, falls vorhanden, das Korps oder die Armee.

Allgemeines Grundsätzlich wird der Begriff Division für einen Großverband der Landstreitkräfte verwendet. Divisionen der Luftwaffe orientieren sich an der personellen Größenordnung einer Heeresdivision – ihr sind mehrere Geschwader unterstellt. Abweichend davon gibt es in den Seestreitkräften auch erheblich davon abweichende Organisationsformen mit der Bezeichnung Division (s. u.) wie eine Schiffsdivision, die einer Abteilung entspricht.

Heer Eine Division ist im Heer ein operativer Großverband der Landstreitkräfte, der zum Gefecht der verbundenen Waffen befähigt ist und sich aus mehreren Regimentern oder Brigaden sowie verschiedenen Divisions-Unterstützungstruppen zusammensetzt.

Die Wehrmacht und später auch die Rote Armee gliederten ihre Divisionen in drei Regimenter einer Waffengattung, bei Panzerdivisionen ein Panzerregiment und zwei Panzergrenadierregimenter und weitere Divisionsverbände. Die NATO und die Bundeswehr gliederten ihre Divisionen in Brigaden, da diese eine flexiblere taktische Gefechtsführung durch Verbände durch gegenseitige Unterstellung ermöglichte, während in der Regimentsgliederung diese meist reinrassig blieben, oder die Wehrmacht im späten Kriegsverlauf zur Aufstellung von Kampfgruppen überging, die der Übergang zur Brigadegliederung darstellt.

In den Weltkriegen mit ihren Millionenheeren kamen ihnen oft rein operative Aufgaben zu. Typisch ist eine Gliederung mit zwei bis drei Regimentern oder Brigaden mit Infanterie, Kavallerie oder Panzertruppen, ein Regiment oder eine Brigade Artillerie sowie verschiedene Kampfunterstützungstruppen wie Pioniere, Sanitäter, Logistiktruppen, Panzerabwehrtruppen in Bataillonsstärke, geführt von einem Divisionsstab mit einem Divisionskommandeur im Generalsrang. Die typische Sollstärke lag zwischen 10.000 und 20.000 Soldaten, in manchen Fällen, wie etwa bei der US-Armee während des Ersten Weltkrieges, auch darüber.

Geschichte Der Begriff Division bezeichnete ursprünglich einen Teil einer beliebig großen Einheit. So führte Herzog Ferdinand von Braunschweig im Siebenjährigen Krieg eine aus den Kontingenten der Bundesgenossen Preußens zusammengesetzte „Division“, die aus allen Waffengattungen bestand. Als fester Terminus bezeichnete „Division“ bis zum Ende des 18. Jahrhunderts in der Regel eine Teileinheit eines Bataillons.

Über die Brauchbarkeit taktischer Formationen aus Infanterie, Kavallerie und Artillerie, von ihm Legion genannt, stellte 1757 der französische Marschall Moritz von Sachsen in seinen Rêveries Überlegungen an.Maurice de Saxe: Mes rêveries ouvrage posthume. Amsterdam, Leipzig 1757, S. 108ff. Digitalisat Eine zwischen Brigaden/Regimentern und der „Armee“ als Großverband stehende organisatorische Struktur im Sinne einer heutigen Division wurde erstmals im Frankreich während des Siebenjährigen Krieges geschaffen. Es handelte sich hierbei jedoch um reine Marschverbände, die nach der Herstellung der Linienformation keine taktische Funktion mehr erfüllten. Ihre einzige Aufgabe bestand darin, den Übergang von der Marschformation in Linie zu beschleunigen und zu ordnen, nachdem eine französische Armee während dieses Manövers in Roßbach von einem zahlenmäßig unterlegenen preußischen Heer geschlagen worden war.

Wohl eine taktische Funktion, jedoch keine administrative Dauerhaftigkeit hatten behelfsmäßig gebildete, frei manövrierende, gemischte preußische Verbände in der Schlacht bei FreibergGerhard von Scharnhorst: Relation der Schlacht bey Freyberg, zwischen der Preussischen Armee unter dem Prinzen Heinrich und der Oesterreichischen und Reichsarmee unter dem Prinzen von Stolberg, den 29sten Oct. 1762. In: Neues militärisches Journal 6 (1792), S. 25–59. Digitalisat und der Schlacht bei Vellinghausen, die das strikte Muster der Lineartaktik durchbrachen, aber Ausnahmeerscheinungen ohne weitere Nachwirkung im preußischen Heer blieben. Eingang in die zeitgenössische militärische Theorie fanden derartige Formationen in Guiberts Essai général de tactique von 1770 und Pierre Joseph de Bourcets Principes de la Guerre de Montagnes von 1775, die damit die weitere Entwicklung taktischer Großverbände in den Revolutionskriegen andeuteten: Kolonnen aus Kavallerie, Infanterie und Artillerie, die zentral durch einen Stab geführt, auf mehreren Operationslinien vorrückten um ein gemeinsames operatives Ziel zu erfüllen.Píerre Joseph de Bourcvets: Principes de la Guerre de Montagnes. Paris 1888, bes. S. 61ff. Digitalisat Guibert, Jacques Antoine Hippolyte: Essai général de tactique. 2 Bände. London 1770, 1772, bes. Band II, S. 169ff. Digitalisat. In technischer Hinsicht verbesserte die Reform der französischen Artillerie durch Gribeauval die Möglichkeit der Kooperation von Feldartillerie mit den anderen Waffengattungen.

Entstehung in den Koalitionskriegen Divisionen im heutigen Sinn, sowohl als dauerhafter administrativer Verband als auch als selbstständig operierende Einheit einer Armee, entstanden infolge der Französischen Revolution unter dem Eindruck des ersten Koalitionskrieges. Wegen der großen Ausdehnung der französischen Streitkräfte durch Freiwillige und die Levée en masse auf über 1 Million Soldaten sowie durch die Unerfahrenheit vieler militärischer Führer wurde eine Führungsebene zwischen den Armeebefehlshabern und den Regimentern notwendig. Diese wurde unter maßgeblicher Beteiligung von Lazare Nicolas Marguerite Carnot durch Dekret des Nationalkonvents und des Wohlfahrtsausschusses 21. Februar 1793 geschaffen. Zumindest auf dem Papier wurden die Streitkräfte der Republik nunmehr in Divisionen, Brigaden und Halbbrigaden, gegliedert. Die Infanterieregimenter wurden aufgelöst. Die Divisionen bestanden dabei aus zwei Infanteriebrigaden zu zwei Halbbrigaden mit je drei Bataillonen, einem Kavallerieregiment sowie 32 Feldgeschützen. Kavalleriedivisionen mit berittener Artillerie wurden ebenfalls gebildet. Es handelte sich also um Verbände verbundener Waffen, die als Teil einer größeren Streitmacht eigene Kampfaufgaben selbstständig erfüllen konnten. Damit vereinfachte sich die Führung größerer Streitkräfte und ihre Flexibilität stieg, da den Divisionen jeweils Teilaufgaben übertragen werden konnten. Als vorteilhaft erwies sich auch die Möglichkeit, die Gesamtstreitmacht in Divisionskolonnen auseinandergezogen marschieren zu lassen, da so die „Versorgung aus dem Land“ erfolgen konnte und der Bedarf an großen, hinderlichen Trains abnahm.

Ein Beispiel, wie die neue Gliederung die Operation größerer Verbände positiv beeinflusste, stellt die Schlacht bei Wattignies nahe Maubeuge am 15. und 16. Oktober 1793 dar, bei der es dem französischen Befehlshaber Jean-Baptiste Jourdan gelang, nach einem schnellen Vormarsch auf breiter Front und einem ersten gescheiterten Angriff, seine Truppen schnell umzugruppieren, die österreichischen Truppen auszumanövrieren und zu schlagen. Eine derartige Expertise im Umgang mit den neu geschaffenen Verbänden war allerdings bis zum Ende des ersten Koalitionskrieges eher selten. Vielfach wurde die Kooperation zwischen den einzelnen Divisionen eines Befehlshabers vernachlässigt, so dass es den Koalitionsstreitkräften gelang, Divisionen einzeln zu zerschlagen. Aus diesem Grund wurde diese Innovation lange Zeit Napoléon Bonaparte zugeschrieben, der sie, durch die Schaffung eines neuen operativen Großverbandes in Gestalt der Armeekorps, noch einmal entscheidend verbesserte.

Die Gliederung der Armee in Divisionen wurde, unter dem Eindruck der militärischen Erfolge Napoleons, bald von anderen Streitkräften übernommen. So wurde 1805 die gesamte Preußische Armee auf Vorschlag Scharnhorsts in Divisionen gegliedert. Allerdings wurde auch die gesamte Kavallerie den einzelnen Infanteriedivisionen zugeteilt, die dadurch die Möglichkeit verlor, massiert am Schwerpunkt des Gefechts eine Entscheidung herbeizuführen.

Deutscher Bund Im Bundesheer des Deutschen Bundes waren die Divisionen je nach truppenstellenden Staaten unterschiedlich gegliedert. In Preußen bestand eine Division aus zwei Infanterie-Brigaden zu zwei Infanterie-Regimentern und einer Kavallerie-Brigade zu zwei Kavallerie-Regimentern, die Artillerie und anderen Waffengattungen waren KorpstruppenJany Bd. IV S. 129ff.

Eine Infanterie-Division der Württembergischen Armee bestand im Frieden aus zwei Infanterie-Brigaden zu zwei Infanterie-Regimentern zu je zwei BataillonenXylander Bd. I S. 336.

Im Deutschen Krieg 1866 bestand die 1. (königlich württembergische) Division im VIII. Bundes-Armee-KorpsDer Feldzug von 1866 in Deutschland, Anlagenband Anlage 28. aus 3 Infanterie-Brigaden zu je zwei Infanterie-Regimentern, Artillerie-Batterie, Sanitäts-Zug, Jäger-Bataillon, Kavallerie-Brigade, Divisions-Pionierbataillon

1830 wurde aus den Kontingenten der kleinen Bundesstaaten eine Reserve-Division gebildet, die im Konfliktfall die Bundesfestungen Mainz, Luxemburg und Landau besetzen sollteXylander Bd.I S.XXXVII.

Deutsches Kaiserreich Im Heer des Deutschen Reiches 1871–1918 bestand im Frieden eine (Infanterie-)Division aus: zwei Infanterie-Brigaden zu je zwei Infanterie-(Grenadier-/Füsilier-)Regimentern einer Kavallerie-Brigade zu zwei Kavallerie-Regimentern ab 1. Oktober 1899Pietsch Bd.II S. 174 einer Feldartillerie-Brigade zu zwei Feldartillerie-Regimentern (bis dahin war die Feldartillerie im Frieden Korpstruppe). Die einzige im Frieden bestehende Kavalleriedivision war die preußische Garde-Kavallerie-Division. Divisionstruppen gab es, im Gegensatz zu einigen anderen Armeen, noch nicht – Pioniere, Jäger, Fußartillerie und Train waren stattdessen den übergeordneten Armeekorps als Korpstruppen unterstellt.

Bei der Mobilmachung zum Ersten Weltkrieg wurde die Bezeichnung der aktiven Divisionen von Division auf Infanterie-Division geändert. Im Wesentlichen nach ihrem Muster wurden, hauptsächlich aus Reservisten bzw. Landwehrleuten, Reserve-Divisionen und Landwehr- sowie Ersatz-Divisionen gebildet. Die Divisionskavallerie der Infanterie-Divisionen wurde auf ein Regiment vermindert, aus den freigewordenen Kavallerie-Regimentern wurden insgesamt zehn Kavallerie-Divisionen zu je sechs Regimentern gebildet.

Ab 1915 wurden die meisten Divisionen umgegliedert. Sie bestanden ab da aus: einer Infanterie-Brigade zu drei Infanterie-Regimentern einem Feldartillerie-Regiment einer Kavallerie-Eskadron Divisionstruppen (Fernsprech-Abteilung, Pionier-Bataillon (aus Stab, zwei Pionier-Kompanien, Minenwerfer-Kompanie), Sanitäts-Kompanie, Feldlazarette, Divisions-Kraftwagen-Kolonne (ab Januar 1917), Pferde-Lazarett) Die zuvor zweigliedrigen Infanterie-Brigaden und Artillerie-Regimenter wurden im Ausgleich dreigliedrig.

Österreich-Ungarische Armee In den Streitkräften Österreich-Ungarns wurde diese Großverbandsebene als Truppendivision (Kavallerie-Truppendivision/Infanterie-Truppendivision) bezeichnet. Die Bezeichnung Division als solche blieb Verbänden in Bataillonsstärke vorbehalten (Train Division/Haubitz Division). Geführt wurden die Truppendivision von einem Feldmarschalleutnant.