Unternehmensabbildung (auch ganzheitliche Unternehmensabbildung) bezeichnet die möglichst umfassende modellhafte Darstellung eines Unternehmens. Aufgrund der Komplexität einer solchen Darstellung werden Systematisierungen eingeführt – indem verschiedene Sichten gebildet werden, die jeweils spezifische Aspekte beschreiben. Innerhalb dieser Sichten kommen unterschiedliche Methoden und Modelle zur Anwendung, um den jeweilig betrachteten Aspekt abzubilden. Der Zusammenhang wird durch Verknüpfung der Modelle untereinander und durch modellübergreifende Nutzung von Modellelementen hergestellt.
Durch ihren ganzheitlichen Ansatz unterscheidet sich die Unternehmensabbildung von der Unternehmensarchitektur, die sich hauptsächlich auf Aspekte im Zusammenhang mit der Informationstechnik (IT) eines Unternehmens konzentriert.
Aspekte der ganzheitlichen Unternehmensabbildung Um der Komplexität der ganzheitliche Abbildung eines Unternehmens gerecht zu werden, werden hohe Anforderungen an die Systematisierung der Darstellung (Funktionalität) insbesondere im Hinblick auf eine zielgruppengerechte Präsentation der Darstellung (generelle Strukturierung der behandelten Themen, Bildung geeigneter und möglichst überschneidungsfreier Sichten) und die Anpassbarkeit an sich weiterentwickelnde Anforderungen, die verwendeten Konstrukte zur Darstellung (Methoden) insbesondere im Hinblick auf die Langlebigkeit und Wartbarkeit sowie die Ausformulierung der Darstellung (Stil) insbesondere im Hinblick auf die Durchgängigkeit und Wiederverwendbarkeit gestellt.
Folgende zweistufige Systematisierung unternimmt den Versuch, alle Aspekte einer ganzheitlichen Unternehmensabbildung zu erfassen: Unternehmensleitbild bestehend aus Unternehmensvision und Unternehmensmission inklusive der daraus abgeleiteten Unternehmensstrategie sowie Unternehmenszielen und Erfolgsfaktoren Unternehmenspolitik mit den Themen Governance, Ethik und Grundsätze Qualitätsmanagement Umweltschutz, Gesundheitsschutz und Arbeitsschutz Aufbauorganisation Unternehmensgesellschaften, Geschäftssegmente und Unternehmensbereiche als rechtlich selbständige oder weitgehend autonom agierende Einheiten Abteilungen, Stellen und Mitarbeiter als (hierarchische) organisatorische Aufbaustruktur der Aufgabenträger Unternehmensfunktionen als (hierarchische) funktionale Aufbaustruktur der direkt oder indirekt wertschöpfenden Verrichtungen (Aufgaben) – üblicherweise von Fachabteilungen verantwortet Ablauforganisation Zusammenfassung von Aufgaben und Tätigkeiten (Aktivitäten), die hinsichtlich der Reihenfolge (Funktionsorientierte AblauforganisationFunktionsorientierte Ablauforganisation auf Wikiversity), der Gesamtdauer (Zeitorientierte AblauforganisationZeitorientierte Ablauforganisation auf Wikiversity) oder der Reduktion der Wegstrecken (Raumorientierte AblauforganisationRaumorientierte Ablauforganisation auf Wikiversity) analysiert und optimiert werden Materialflüssen und Ressourcenallokation Informationsflüssen und Kommunikation Prozessorganisation mit Prozessarchitektur als der (hierarchischen) Gliederung der Geschäftsprozesse Geschäftsprozessen a) zur Anordnung von Teilprozessen oder Phasen (Substrukturen), b) mit Absprüngen in und Einsprüngen aus anderen Geschäftsprozessen (Verbindungen) sowie c) mit der bei der Ausführung von Geschäftsprozessen entstehenden Risiken, die Performance und Qualität von Geschäftsprozessen kennzeichnenden Kennzahlen und der Maßnahmen zur Prozessoptimierung Abläufen und Arbeitsschritten als (zeitlich-logische) Abfolge von Tätigkeiten (Aktivitäten) Die modellhafte Darstellung der Prozessorganisation wird durch die Geschäftsprozessmodellierung realisiert. Unternehmensarchitektur bestehend aus Geschäftsobjektarchitektur (bei objektorientierten Ansätzen der Unternehmensarchitektur) mit den Geschäftsobjekten (z. B. Fertigungsauftrag oder Lieferadresse) und Datenarchitektur (bei relationalen Ansätzen der Unternehmensarchitektur) mit den Daten (z. B. Kundenauftrag oder Nettogewicht) sowie den jeweiligen Aggregationsbeziehungen (Lieferadresse enthält Postleitzahl) und Abhängigkeitsbeziehungen (z. B. Kundenauftrag hat Auftragspositionen) mit dem Anspruch, alle wesentlichen Objekte und Daten der geschäftlichen Welt zu erfassen und sich nicht nur auf solche zu beschränken, die in der IT abgebildet oder in Datenbanken gespeichert werden. Anwendungsarchitektur einschließlich der a) hierarchischen Gliederung über Domänen, Building Blocks und Anwendungssysteme bis zu Anwendungssystemkomponenten sowie Schnittstellen und Schnittstellenkomponenten und b) der an die Anwendungssysteme gestellten Anforderungen und die zu deren Abdeckung entwickelten Lösungen sowie Technologiearchitektur mit den Architekturelementen für den Aufbau und den Betrieb der IT-Infrastruktur Maschinen, Anlagen, Ausrüstungen, Gebäude und andere Anlagegüter Regelungen durch Gesetze Standards und Normen Verträge Interessengruppen und Markt mit Stakeholder und Wettbewerber, mit denen das Unternehmen interagiert Produkten und Dienstleistungen, die das Unternehmen anbietet Kundenmanagement, mit denen das Unternehmen die Kundenkontakte optimiert und dem aktuellen Verhaltensmustern der Kunden (customer journey) anpasstMcKinsey & Company: The consumer decision journey (zuletzt abgerufen: 16.12.2019) Öffentlichkeitsarbeit (Public Relations) und
Gegenüberstellung bekannter Sichtenkonzepte zur Unternehmensabbildung Die Definition von Sichten zur Unternehmensabbildung ist Forschungsgegenstand namhafter Lehrstühle für Wirtschaftsinformatik. Die bekanntesten daraus hervorgegangenen Modelle stammen von A. W. Scheer (ARIS = Architektur Integrierter SystemeA. W. Scheer: Architektur integrierter Informationssysteme. Springer, Berlin 1992, ISBN 3-540-55401-7) an der Universität des Saarlandes, O. K. Ferstl, E. J. Sinz (SOM = Semantisches Objektmodell) an der Otto-Friedrich-Universität Bamberg, U. Frank (MEMo = Multi-Perspective Enterprise ModellingUlrich Frank: Multiperspektivische Unternehmensmodellierung PDF (zuletzt aus web.archive.org abgerufen: 16.01.2024), Habilitation, Oldenbourg 1994, ISBN 3-486-22922-2) an der Universität Duisburg-Essen und A. Gadatsch (GPM = Ganzheitliche ProzessmodellierungAndreas Gadatsch: Management von Geschäftsprozessen / Methoden und Werkzeuge für die IT-Praxis: Eine Einführung für Studenten und Praktiker. 2. überarbeitete und erweiterte Auflage. Vieweg, Braunschweig/Wiesbaden 2002, ISBN 3-528-15759-3) an der Hochschule Bonn-Rhein-Sieg. H. Österle (ProMet = Prozess MethodeHubert Österle: Business Engineering / Prozeß- und Systementwicklung / Band 1 Entwurfstechniken. Springer, Berlin 1995, ISBN 3-540-60048-5) an der Universität St. Gallen.
Weitere bekannte Modelle zur Definition von Sichten zur Unternehmensabbildung stammen aus Organisationen und Unternehmen wie von The Open Group (TOGAF = The Open Group Architecture FrameworkThe Open Group Framework, abgerufen am 22. April 2012.), J. A. Zachman das Zachman Framework in seiner ursprünglichen Form von 1987John A. Zachman: A Framework for Information Systems Architecture. In: IBM Systems Journal, 1987, vol 26, no 3. IBM Publication G321-5298 und der überarbeiteten Form von 1997,John A. Zachman: Concepts of the Framework for Enterprise Architecture: Background, Description and Utility (PDF; 69 kB) 1997; abgerufen am 22. April 2012 CIMOSA Association e. V. (CIMOSA = Computer Integrated Manufacturing Open System ArchitectureComputer Integrated Manufacturing Open System Architecture CIMOSA Association e. V.; abgerufen am 22. April 2012) und S&T AG durch Kauf der IMG AG 2007 (PROMET PM = Projektmanagement, PROMET BE = Business Engineering, PROMET IM = IT Management, PROMET SW = Standardsoftware Implementation und PROMET IF = Infrastructure).S&T System Integration & Technology Distribution AG