mini|Erinnerung an das Flüchtlings- und Entlassungslager Moschendorf. Hier wurden von 1945 bis 1957 auch zurückkehrende deutsche Zwangsarbeiter aufgefangen. Deutsche Zwangsarbeiter nach 1945 waren deutsche Kriegsgefangene des Zweiten Weltkrieges und Zivilpersonen, die von den Siegermächten zur Zwangsarbeit verpflichtet wurden. Der Wiederaufbau durch den Einsatz deutscher Arbeitskräfte in den kriegszerstörten Gebieten diente neben der Demontage in den Besatzungszonen und der Beschlagnahme deutschen Auslandsvermögens zur Erfüllung der von den Alliierten erhobenen Ansprüche auf deutsche Reparationen nach dem Zweiten Weltkrieg.Gunther Mai: VII. Die Reparationen: Unvereinbare Interessen. 5. Arbeitskräfte als Reparationen. In: Der Alliierte Kontrollrat in Deutschland 1945–1948. Oldenbourg Wissenschaftsverlag, 1995, S. 305, 370 ff. (online).

Völkerrechtliche Grundlagen Die Artikel 27 bis 34 des Abkommens über die Behandlung der Kriegsgefangenen (Genfer Protokoll) von 1929 erlauben den Arbeitseinsatz gesunder Gefangener (Offiziere nur auf Verlangen) je nach Dienstgrad und Fähigkeiten, jedoch keinen Einsatz für Kriegshandlungen. Prinzipiell sollen diese Einsätze auch entlohnt werden. Arbeiten für staatliche Stellen sollen ausdrücklich so bezahlt werden, wie es für einheimische Militärangehörige üblich ist. Artikel 75 gebietet zudem, Kriegsgefangene „auf alle Fälle […] binnen kürzester Frist nach Friedensschluß“ in ihr Heimatland zurückzuschicken – wobei dieser Friedensschluss für Deutschland nach 1945 allerdings noch Jahrzehnte auf sich warten ließ.Abkommen über die Behandlung der Kriegsgefangenen. Vom 27. Juli 1929. Rechtsinformationssystem des Bundes, abgerufen am 20. April 2023.

Bereits auf der Teheran-Konferenz 1943 forderte der sowjetische Staatschef Josef Stalin den Einsatz von 4 Millionen deutschen Arbeitern, um nach Kriegsende die Verwüstungen des Deutsch-Sowjetischen Kriegs zu beseitigen.Eugene Davidson: The death and life of Germany: an account of the American occupation. S. 22. Zwangsarbeit war außerdem Bestandteil des nie realisierten Morgenthau-Plans und fand sich im Abschlussprotokoll der Konferenz von Jalta im Februar 1945 wieder.Davidson S. 121. Darin hatte die Anti-Hitler-Koalition beschlossen, „Deutschland in größtmöglichem Umfang zu verpflichten, Ersatz für die in den alliierten Ländern verursachten Kriegsschäden zu leisten“.Abkommen von Jalta. Bericht über die Krim-Konferenz vom 3. bis 11. Februar 1945. 3. Wiedergutmachung durch Deutschland. Herbert Kraus, Kurt Heinze (Hrsg.): Völkerrechtliche Urkunden zur europäischen Friedensordnung seit 1945. Bonn 1953. Dokument Nr. 1 (deutsch). Abgerufen am 29. März 2023. Über Umfang, Art und Weise sollte eine Kommission befinden.

Die Kontrollratsproklamation Nr. 2 vom 20. September 1945 verpflichtete die deutschen Behörden, alle von den Alliierten vorgeschriebenen Maßnahmen für Wiederherstellung, Reparation und Wiederaufbau durchzuführen und dazu unter anderem Arbeitskräfte, Personal und fachmännische und andere Dienste zum Gebrauch innerhalb und außerhalb Deutschlands zur Verfügung zu stellen.Abschnitt VI. 19. a) der Proklamation Nr. 2 vom 20. September 1945 (In: Amtsblatt des Kontrollrats in Deutschland, Nummer 1 vom 29. Oktober 1945, S. 4 (Digitalisat der Deutschen Nationalbibliothek: ).

Im Jahr 1947 waren rund 4 Millionen Deutsche europaweit als Zwangsarbeiter eingesetzt.John Dietrich: The Morgenthau Plan: Soviet Influence on American Postwar Policy, 2002, S. 123.

Osteuropa mini|Heimkehr der Zehntausend: Die Mutter eines Kriegsgefangenen dankt Bundeskanzler Adenauer bei seiner Rückkehr von Verhandlungen in Moskau. Er hatte erreicht, dass bis Ende 1955 tausende Kriegsgefangene und Zwangsarbeiter zurückkehren konnten.

Durch Zwangsarbeit in der Zeit des Nationalsozialismus und in den sowjetischen Gulags waren bereits während des Krieges Millionen von Menschen bei der Zwangsarbeit umgekommen – die deutschen Häftlinge erwartete ein ähnlich hartes Schicksal: Viele starben in Arbeitslagern, nur ein Teil konnte Jahre später zurückkehren.

Sowjetunion mini|August 1947: Frauen und Mädchen, die in sowjetische Kriegsgefangenschaft kamen, im Heimkehrlager Polte Nord, wo sie nach 14-tägiger Quarantäne in ihre Heimatorte entlassen wurden Seit 1941 hatte die Sowjetunion 700.000 Russlanddeutsche nach Sibirien und Zentralasien verschleppt und zur Zwangsarbeit herangezogen, dazu Deutschstämmige aus den besetzten osteuropäischen Gebieten. Weitere 310.000 „Reparationsverschleppte“ folgten nach dem Krieg.Zeitzeugen der Nachkriegszeit: Wie Winfried A., 14, hinter den Ural verschleppt wurde. In: Der Spiegel. 3. März 2018. Von den 1 Mio. Zwangstransferierten kehrten bis 1950 nur 30 % zurück.Gerhard Reichling: Die deutschen Vertriebenen in Zahlen. Teil I: Umsiedler, Verschleppte, Vertriebene, Aussiedler 1940–1985. 40 Jahre Eingliederung. Selbstverlag Kulturstiftung der deutschen Vertriebenen Bonn 1986, S. 17 ff.LernCafe, Online-Journal zur allgemeinen Weiterbildung/für bildungsinteressierte ältere Menschen., ViLE – Virtuelles und reales Lern- und Kompetenznetzwerk älterer Erwachsener e. V. (Hrsg.), Ausgabe 44/Sklaverei, Hildegard Neufeld, (11. Oktober 2016).

mini|Grenzdurchgangslager Friedland: Heimkehr von Wissenschaftlern aus der Zwangsarbeit in Sochumi (Februar 1958)

1944/1945 kamen inhaftierte Soldaten des Ostheeres hinzu. Zusätzlich dazu überließen die US-Amerikaner den Sowjets einen Teil ihrer Gefangenen.Dietrich S. 124. Diese wurden dann auf Arbeitslager wie das Kriegsgefangenenlager 126 Nikolajew aufgeteilt. Ein großer Teil der Männer kam infolge von Unterversorgung und Krankheit ums Leben.Thomas Wittfeld: Deutsche Kriegsgefangene in der Sowjetunion. 2001. Von den wenigen, die den Mangel und die Zwangsarbeit überlebten, kehrten die letzten 1955 nach Deutschland zurück.

Im Rahmen der Aktion Ossawakim wurden etwa 2000 Wissenschaftler aus der Sowjetischen Besatzungszone (SBZ) zur geistigen Zwangsarbeit in Technik und Wissenschaft der Sowjetunion verbracht. Ingenieure mussten z. B. Unterstützung bei der Entwicklung der sowjetischen Raketentechnik leisten.Spiegel Online, 28. September 2007, Simone Schlindwein: Deutsche Raketensklaven im Luxus-Gulag (11. Oktober 2016).

Der sowjetische Geheimdienst NKWD verschleppte auch Frauen und Mädchen.„Ich weiß auch nicht, warum man so am Leben hängt.“ NDR, 8. März 1998. Ein Drittel starb während der Haft oder beim Transport an Hunger, Seuchen und Kälte.Florian Stark: „Morgens 125 Gramm Brot und Tee, abends Wassersuppe.“ Die Welt, 18. November 2018. Schon kurz nach den Eroberungen durch die Rote Armee kam es zur Deportation deutscher Minderheiten. Zahllose Zivilpersonen, vor allem aus Rumänien und Jugoslawien, waren betroffen. Hier wurden im Dezember 1944 zehntausende sogenannte Volksdeutsche im Alter von 18 bis 40 Jahren ergriffen, ein Großteil davon Frauen. 16 Prozent der Gefangenen überlebten die Arbeitslager des Donezbeckens nicht.Steffen Prauser, Arfon Rees: The Expulsion of 'German' Communities from Eastern Europe at the end of the Second World War, European University Institute, Florence. HEC No. 2004/1, S. 55.

Im Frühjahr 1945 transportierten die Sowjets in größerem Umfang Mädchen und junge Frauen aus Ostpreußen zum mehrjährigen Arbeitseinsatz nach Sibirien.Landsmannschaft Ostpreußen (Hrsg.): Verschleppt. Frauen und Mädchen von Ostpreußen nach Sibirien verschleppt. Leer, 2000.Mark Obert: Zwangsarbeiterinnen in Sibirien nach dem Zweiten Weltkrieg: Wir haben doch nichts verbrochen. Chrismon, 11. Dezember 2013.

Sowjetische Besatzungszone Heranziehung zur Demontage Die Sowjetische Militäradministration in Deutschland (SMAD) nötigte viele Arbeiter, bei der Demontage von Industrieanlagen zu helfen. In der Landwirtschaft gehörten Frondienste zum Alltag. Die Besatzer zwangen Deutsche außerdem zur riskanten Arbeit in den Uranminen des Erzgebirges, um Rohmaterial für das sowjetische Atombombenprojekt zu fördern.Life: The secret mines of Russia’s Germany, 25. September 1950, , S. 73–83. 1947 beschäftigte dieses gewaltige Vorhaben 60.000 Zwangsarbeiter.

Verbringung (Deportation) von Zivilisten Zwischen 1945 und 1954 wurde eine in der Geschichtswissenschaft aufgrund nicht gesicherter Daten umstrittene Anzahl von Personen, die in den sowjetischen Speziallagern in der SBZ bzw. der DDR inhaftiert waren, zur Zwangsarbeit in die Sowjetunion deportiert. Die Angaben differieren von gut 12 000 bis zu über 25 000 Personen. Neben verurteilten Häftlingen (sog. SMT-Verurteilten) waren auch zahlreiche nicht rechtskräftig verurteilte Zivilpersonen darunter, die aus den verschiedensten Gründen politisch missliebig geworden waren.Deutsche Zivilopfer 1945–1989. Deportation und Tötung deutscher Zivilisten. Wissenschaftliche Dienste des Deutschen Bundestages, Ausarbeitung vom 23. September 2013, aktualisiert am 2. Dezember 2014, S. 6 f.Andreas Hilger: „Haft in entlegenen Gebieten.“ Zum Problem der Deportationen verurteilter Deutscher. In: Andreas Hilger, Mike Schmeitzner, Ute Schmidt (Hrsg.): Sowjetische Militärtribunale, Band 2: Die Verurteilung deutscher Zivilisten 1945–1955. Köln/Weimar/Wien 2006, S. 663–684. Ein Beispiel ist das Arbeitslager Workuta.Memorial Deutschland: Workuta. Abgerufen am 20. April 2023.

Jugoslawien

Nach dem Einmarsch der Roten Armee und der nachrückenden jugoslawischen Partisaneneinheiten war der in der Vojvodina verbliebene Teil der jugoslawiendeutschen Bevölkerung bereits in den ersten Wochen Massenerschießungen, Verhaftungen, Misshandlungen, Plünderungen, Vergewaltigungen und Zwangsarbeit ausgeliefert.Zoran Janjetović: Die Konflikte zwischen Serben und Donauschwaben. In Der Einfluss von Nationalsozialismus auf Minderheiten in Ostmittel- und Südeuropa, Herausgeber: Mariana Hausleitner und Harald Roth, IKS Verlag München 2006, S. 162 (= Wissenschaftliche Reihe „Geschichte und Zeitgeschichte“ der Ludwig-Maximilians-Universität München. Band 107: Herausgegeben von Edgar Hösch, Thomas Krefeld und Anton Schwob).Branko Petranović, Momčilo Zečević: Jugoslovenski federalizam: ideje i stvarnost : tematska zbirka dokumenata, Belgrad 1987, S. 145 ff. Die deutsche Volksgruppe in Jugoslawien wurde mit den Beschlüssen des Antifaschistischen Rats der Nationalen Befreiung Jugoslawiens (AVNOJ) vom 21. November 1943 und am selben Datum im Jahr 1944 ohne Gerichtsverfahren und unter Anwendung der These der Kollektivschuld, wonach die Volksdeutschen als Kriegsverbrecher galten,Marie-Janine Calic: Geschichte Jugoslawiens im 20. Jahrhundert, C.H.Beck, München, 2010, S. 179. zu Feinden Jugoslawiens erklärt, entrechtet und enteignet.Dieter Blumenwitz: Vorwort zum Rechtsgutachten über die Verbrechen an den Deutschen in Jugoslawien 1944–48. Zitiert in: Oliver Bagaric: , Vortrag anlässlich des Forums des Vereins für Deutsche Kulturbeziehungen im Ausland: Brennpunkt Südosteuropa – Deutsche Minderheiten 1920–1945–2005, Dresden, 15. Oktober 2005. Gegenüber der donauschwäbischen Bevölkerung entluden sich nach vier Jahren deutscher Besatzungsherrschaft die aufgestauten Vergeltungsbedürfnisse.Thomas Casagrande, Die volksdeutsche SS-Division „Prinz Eugen“, Campus Verlag 2003, S. 299.

Am 29. November 1944 gab die Kommandantur der Volksbefreiungsarmee des serbischen Banats, der Batschka und der Baranya den Befehl zur Internierung aller deutschen Männer zwischen 16 und 60 Jahren in Lagern. Bis zum Frühjahr 1945 waren ca. 90 % der jugoslawiendeutschen Bevölkerung interniert.Michael Portmann, Arnold Suppan: Serbien und Montenegro im Zweiten Weltkrieg. Österreichisches Ost- und Südosteuropa-Institut : Serbien und Montenegro: Raum und Bevölkerung – Geschichte – Sprache und Literatur – Kultur – Politik – Gesellschaft – Wirtschaft – Recht, LIT Verlag, 2006, S. 277 f.Michael Portmann: Politik der Vernichtung, in: Danubiana Carpathica. Bd. 1, 2007, S. 342ff.