Hasana J. Hakenmüller war eine deutsche Textilfabrik, die von 1887 bis 2000 in Tailfingen und Hechingen bestand. Sie produzierte siebenstufig mit eigener Spulerei, Wirkerei, Strickerei, Bleicherei, Färberei, Ausrüstung und Verarbeitung.Michael Hakenmüller: J. Hakenmüller – Fabrikation. In: Wochenblatt für den Zollernalbkreis, Balingen, 19. August 1994, Nummer 30 Im Verlauf ihrer 113-jährigen Geschichte kamen von der Schaf- und Angora- über die schwere ägyptische Mako-Baumwolle, Vigogne-, Frottee- und Plüsch-, hin zur Jersey- und mit Kunststoff bzw. Nylon versetzter Wolle viele Stoffarten in die Verarbeitung.
Das Unternehmen belieferte Großhändler und Handelsketten in Deutschland, der Schweiz sowie (ab 1957) Holland.
Hasana J. Hakenmüller hat in seiner Firmengeschichte außer Herrenanzüge fast alle Bekleidungsarten hergestellt; unter anderem auch Strümpfe, Damenmäntel, Badebekleidung, doch vor allem Sportwäsche und Unterwäsche für Zivilisten sowie Trikotanzüge für das Militär und durchgehend Baby- und Kindermoden.
Geschichte mini|links|Firmengebäude im Jahr 1901 mit Talgangbahn im Hintergrund. 1887 gründete der gelernte Bankkaufmann Johannes Hakenmüller in einem Wohnhaus in Tailfingen die Textilfabriken J. Hakenmüller. Während der zweiten industriellen Revolution investierte er in neuartige Textilmaschinen wie dem Rundstuhl. Der Ankauf solcher Technik wurde durch Kredite der württembergischen Regierung gefördert. Eine eigene Quelle vom ´Schloßberg` herab aus der dort ursprünglich ansässigen Ölmühle ermöglichte, auch wasserintensive Verarbeitungsschritte wie Bleiche und Veredelung lokal durchzuführen. Der Architekt Carl Ammann errichtete ab 1910 ein Erweiterungsgebäude mit Dampfkessel zur Ausrüstung von Textilien sowie eine eigenständige Fabrikationsstätte an der Ecke Wilhelmstraße/Bodelschwingstraße im drei Kilometer entfernten Onstmettingen. Letztere wurde nach dem Ersten Weltkrieg im Jahr 1921 an den Textilfabrikanten Johannes Drescher verkauft. mini|Gebäude in Onstmettingen zur mehrstufigen Fabrikation von Textilien, erbaut im neobarocken Stil. Später durch nachfolgenden Eigentümer modernisiert.
Der Umstand, dass Wasser in Tailfingen für Textil-Ausrüstungen aus der ohnehin nicht sehr wasserreichen Schmiecha gerade im Zentrum des Ortes sehr knapp und teuer geworden war und der zunehmende Mangel an Arbeitskräften veranlasste die unmittelbar gegenüber der J.-Hakenmüller-Fabrikgebäude liegende Textilfabrik von Christian Schöller den Standort nach Öschingen bei Mössingen zu verlagern. Sein Sohn Ernst Schöller (sog. Schlüpferkönig) wechselte mit seiner Fabrik an den Anfang von Tailfingen in Richtung Onstmettingen, sein Schwiegersohn Heinrich Maute nach Bisingen an die Bahnhofstraße (Marken: Kapart und Sanarilla; später nach Ankauf durch Arisierung der Fabrik des jüdischen Textilfabrikanten Abraham Löwengard in Hechingen und der Firma Vollmüller, welche zu Vollma umbenannt wurde, die größte Textilfabrik Hohenzollerns), von wo aus sein Bruder Hans Maute noch die Textilfabrik an der Hauptstraße in Bodelshausen (Marke: Ascot) gründete60 Jahre Christian Schöller. Festgabe zum 80-jährigen Bestehen der Christian Schöller KG in Öschingen. o. J., 1951. Ab 1901 fertigte Johannes Hakenmüller Sporthemden an und war somit der erste Fabrikant in Deutschland, welcher unter dem Begriff ´Sport` Textilien herstellte. Im selben Jahr startete auch die von ihm zusammen mit je zwei Bürgermeistern und Fabrikanten aus Ebingen und Onstmettingen initiierte Talgangbahn; Dieses Sinnbild der Industrialisierung zierte fortan auch den Briefkopf von J. Hakenmüller. Nach Salome Blickle von der Firma Blickle’s Witwe, kündigte Johannes Hakenmüller als zweiter Unternehmer im Talgang seinen Status als Lohnbetrieb und entwickelte eine eigene Textilmarke unter dem von ihm initiierten Dach der Tailfinger Textilfabrikation.Brief von Karl Bitzer, Inhaber der Textilfabrik Karl Bitzer zur Rose, Tailfingen, an Julius und Paul Hakenmüller am 3. Dezember 1937 als Glückwunschschreiben zum 50. Betriebsjubiläum von J. Hakenmüller; Hasana-Archiv, Hechingen
Als der Firmengründer 1917 starb, führte dessen ältester Sohn Julius (geb. 1888) den Betrieb allein weiter. Für die „Schlupfhosen“ für Frauen „verwendete man zunehmend Kunstseide mit glänzender Oberfläche. Die Ausführung hatte eine Innenseite aus Baumwolle und eine Außenseite aus gewirkter Kunstseide, mit Gummizügen in der Taille und an den Beinabschlüssen“.Menschen, Maschen, Maschinen. Die Geschichte der Maschenindustrie im Raum Albstadt. Herausgegeben von der Stadt Albstadt, bearbeitet von Susanne Goebel, Mitarbeit: Werner Unseld, Albstadt, 1996, S. 50–51.
Julius und Paul Hakenmüller (seit dem Jahr 1916 zugleich auch Prokuristen der Firma), begannen Mode nach der Filena-Technik entwerfen zu lassen, einer luftdurchlässigen Strickart, welche den Körper vor unnötiger Schweißabsonderung bewahren solltevgl. auch Susanne Goebel: Albstadt und die Maschenindustrie. „Sport und Trikot“ – im Spiegel früher Reklame. In: Textile Vielfalt. Industrielle Erfolgsgeschichten aus Württemberg. AK Textil im Museumsverband Baden-Württemberg, 2015, S. 37.. Auf einer Gesamtbetriebsfläche von 5437 m² wurden bis zum Ausbruch des Zweiten Weltkriegs im Jahr 1939 monatlich 70.000–80.000 Textilien hergestellt. Für die Anhänger des populär werdenden Tennissports entwickelte er die sogenannte Hemdhose, welche mittels einer speziellen Knopfanordnung verhinderte, dass das Hemd während des Wettkampfs aus der Hose rutschte.Im Kleidchen „Tilly“ zum ersten Sieg in Wimbledon. Was den schwäbischen Textilpionier Paul Hakenmüller zu seinen Entwürfen inspirierte. Opernarien und Tenniscracks als Vorbild. In: Zollernalbkurier, Balingen, Mai, 1994.
Im Jahr 1920 trennten sich die vier Söhne des Firmengründers. Paul (geb. 1890) und sein älterer Bruder Julius Hakenmüller (geb. 1888) verblieben als Ordentliche Handelsgesellschaft (O.H.G.) am Stammsitz. Die beiden jüngsten, Alfred und Karl, gründeten ebenfalls an der Hechinger Straße in einem aufgelassenen Fabrikationsgebäude die Hakenmüller-Compagnie (Haco), welche bis 1937 Textilien produzierte. Die Belegschaft wurde verteilt. Jene, welche rechts des Flusses Schmiecha wohnten, blieben bei J. H. beschäftigt. Die links ihr Zuhause hatten, wurden dem neuen Betrieb zugeschlagen. mini|alternativtext=Notgeld J. Hakenmüller 1923|Notgeld J. Hakenmüller (1923) Die Verleihung mehrerer Bundesverdienstkreuze dokumentiert, dass es in den 1950er-Jahren mehrfach zu 50- und 65-jährigen Dienstjubiläen kam.Landrat Roemer überbrachte das Bundesverdienstkreuz. Ehrung der Fünfzigerjubilarin Maria Alber bei der Firma J.Hakenmüller. In: Schmiecha-Zeitung, Tailfingen, 13. September 1956.
mini|links|Blick in einen der Nähsäle in den 1950er Jahren. Die moderne Tragflächenkonstruktion aus Eisenbeton sorgte ganz nach dem Motto des Direktors des Weimarer Bauhausgesellschaft, Walter Gropius, für „mehr Licht, mehr Luft und mehr Raum“ und damit für gesündere Arbeitsbedingungen. mini|Das im Jahr 1930 erbaute Erweiterungs- und Produktionsgebäude (links) und anstelle des Bauernhauses als Gründungszelle das im Jahr 1937 erstellte Verwaltungsgebäude in Albstadt-Tailfingen. Das nationalsozialistische Kreisamtsblatt „Der Wille“ lobte den Bau zum 50. Jubiläum der Firma 1937 mit den Worten: „Im Innern ist der sozialen Forderung „Schönheit der Arbeit“ durch Schaffung hoher lichter Räume weitgehendst Rechnung getragen worden.“`5ojährigen Jubiläum der Trikotwarenfabrik J.Hakenmüller in Tailfingen; in Der Wille, Nationalsozialistisches Kreisamtsblatt, Nr. 279, 1. Februar 1937
mini|Glasfenster im Foyer des Verwaltungsgebäudes, 1936. Entworfen zum 50-jährigen Firmenjubiläum von Albert Klaiber, gefertigt von Emil Gaisser aus mundgeblasenem Antikglas aus Waldsassen. Die Motive auf der 2 mal 3 Meter großen Flügeltüre zeigen alle sechs Stufen einer vollstufigen Textilproduktion.
Markant wurde die Textilfabrik vor allem durch ihre im Bauhausstil gehaltenen Gebäude, welche nach Plänen des Tailfinger Architekten Johann MillerMichael Hakenmüller: In Albstadt fast vergessen. Das Leben und Wirken des Architekten Johann Miller; Teile I-IV; In: Zollernalbkurier, Balingen, 8.,9., 17., 23. September 2004. entworfen und von 1930 bis 1937 errichtet wurden, zuletzt unter der Regie des tschechischen Architekten Martin Cäsar.
Das neue Fabrikationsgebäude, dem zuletzt auch das um 1890 im neuklassizistischen Stil erbaute Stamm- und Wohnhaus des Firmengründers weichen musste, erfüllte ganz die Ansprüche der modernen Bauhaus-Bewegung „Mehr Licht, mehr Luft, mehr Raum“.Michael Hakenmüller: Industrie und Architektur setzen Glanzpunkte. Mit dem Abriss der Bauhaus-Bauten auf der rauen Alb wurde auch ein Stück regionale Industriegeschichte vernichtet. In: Schwarzwälder Bote, Oberndorf, 8. März 2003 Das 1937 fertiggestellte Büro-Gebäude entsprach den nationalsozialistischen Wünschen nicht nur durch den Einbau großzügiger wie hygienischer Luftschutzräume, sondern auch durch besondere Räume für Betriebsappelle und Vertrauensratssitzungen.
Das im Februar 1930 eingetragene Warenzeichen berief sich mit „Quellklar gewaschen“ auf die eigene Quelle, während das im Etikett abgebildete Schaf immer noch die teilweise Verarbeitung dessen Wolle gemäß dem Hygiene-System von Dr. Carl Jäger symbolisierte.J. Hakenmüller - Patent-Etikett; Hasana-Archiv, Hechingen mini|Bescheinigung über den Eintrag eines Warenzeichens beim Reichspatentamt mini|Historische Ansicht der Ausrüstung im Zentrum der Fabrikanlage 1936 entstand die Hauptmarke Hasana. Weitere Markennamen in den 1930 bis 1950er Jahren waren Hajota und „Hajotase“ (für „Hakenmüller Johannes Tailfingen“) für Interlockwäsche, „Hastrino“, „Hafanto“ und „Hanowa“ für Fantasie-Stricknoppenwäsche, sowie „Hacharmant“ für Damenwäsche.
Im Nationalsozialismus Auf Anordnung der nationalsozialistischen Gauleitung erwarb das Unternehmen im nahen Schömberg in einem Konsortium lokaler Textilunternehmen Grund und Boden sowie ein leerstehendes Gebäude. Durch die Kriegswirren kam ein solcher Filialbetrieb nicht zustande, weshalb 1946 jede der Firmen dieses Unternehmens sein Sechstel Anteil wieder verkaufte.Brief der NSDAP-Gauleitung vom April 1937; und Grundbuch-Auszug Gemeinde Schömberg, 1946; Hasana-Archiv, Hechingen.
Im Zweiten Weltkrieg wurde ab 15. Februar 1944 die Produktion von Flakscheinwerfermotoren für die Daimler-Benz AG in einen Teil des rund 20 Ar großen Areals verlegt.vgl. entsprechenden Brief, Hauptstaatsarchiv Stuttgart Ein Großteil der Belegschaft arbeitete nun für den neuen Lohngeber, während J. Hakenmüller für die eigentliche Textilproduktion noch das doppelgeschossige Gebäude der Filiale in Hausen im Killertal nützte.
Julius und sein Bruder Paul wurden zu dieser Zeit Mitglieder der NSDAP. Dass der Tailfinger Ortsgruppenleiter sowie auch der Kreisleiter in Balingen hofiert wurden (z. B. durch die Leitung des Kolonialverbandes, Werbung für die Olympischen Winter- und Sommerspiele in Deutschland 1936, oder bei der Reichswahl 1937 mit Beflaggung des neuen Firmengebäudes mit zahlreichen Hakenkreuz-Fahnen) zahlte sich aus und erlaubte es Julius auch, Antonie Rieser, geb. Schloz zu heiraten, die zuvor mit einem Juden verheiratet war.
Spätestens mit der zunehmenden Beschäftigung von Zwangsarbeitern ordnete man sich weiter der NS-Herrschaft unter. Aber auch sozial wurde der Familie nun befohlen, in ihren teils überdimensionierten Villen neben Flüchtlingen aus dem Osten von Herbst 1944 bis Mai 1945 auch den Atomforscher Otto Hahn und dessen Ehefrau zu beherbergen, als das Kaiser-Wilhelm-Instituts für Chemie nach Tailfingen ausgelagert warvgl. Volker Lässing: Den Teufel holt keiner – Otto Hahn und das Kaiser-Wilhelm-Institut für Chemie in Tailfingen. Albstadt, 2011., woraus bis heute ein nachhaltiger Kontakt bis zu dessen Enkel Dieter Hahn (wohnhaft in Singapur) entstand. mini|Wohnhaus von Julius Hakenmüller (1935 erbaut)