Die Salghuriden () waren eine muslimische Regionaldynastie aus dem oghuzischen Clan der Salghur.Andere Historiker wie Hamdallah Mustaufi und Raschīd ad-Dīn waren nicht sicher, ob es sich bei dem Wort Salghur um einen Clan oder einen Vorfahren der Herrscherfamilie handelte. Wilhelm Barthold zweifelte sogar an einer Verbindung zwischen der Dynastie und dem Stamm. Als Atabegs von Fars (, Atābakān-i Fārs) herrschten sie zwischen 1148 und 1282 im südlichen Iran, wobei sie meist die Oberhoheit der Großseldschuken, Choresm-Schahs und letztlich der Mongolen anerkannten. Die Dynastie begann mit Sunqur ibn Maudud und endete mit der direkten Machtübernahme der Ilchane.
Ereignisgeschichte Aufstieg miniatur|Blick auf das heutige Schiras Der Salghur-Clan war mit den Seldschuken unter Toghril-Beg (Toġrïl-Beg) Mitte des 11. Jahrhunderts aus Zentralasien nach Iran gekommen. Dass Masud ibn Muhammad (Masʿūd b. Muḥammad) damit beschäftigt war, sein Sultanat gegen Rivalen zu behaupten, nutzte Sunqur ibn Maudud, der Nachkomme eines Salghur-Führers, 1148 aus, um Fars (Fārs) mit der Hauptstadt Schiras (Širāz) unter seine Kontrolle zu bringen. Die südpersische Provinz war zuvor lange von dem türkischen Emir und Atabeg Boz-Aba regiert worden,Boz-Aba war erst 1147/48 von seinem Erzfeind Sultan Masud ibn Muhammad in einer Schlacht gefangen genommen und hingerichtet worden. dessen Neffe Sunqur angeblich gewesen sein soll. Der Gründer der Salghuriden-Herrschaft erkannte die Oberhoheit der Seldschuken an, wurde aber wiederholt in deren Streitigkeiten verwickelt. Gegen Sultan Malik-Schah III. (Malik-Šāh) und andere Widersacher unterstützten ihn die benachbarten Seldschuken von Kirman und auch zu anderen Fürstenhäusern der Region pflegten er und seine Nachfolger gute Beziehungen. Der erste Hazaraspide Abu Tahir hatte ursprünglich sogar in Sunqurs Diensten gestanden und diesen bei einem Feldzug gegen den Kurdenstamm der Schabankara (Šabānkāra) unterstützt, ehe er als Dank zum Gouverneur von Kuhgiluya (Kūhgīlūya) ernannt wurde und später als Atabeg von Großluristan unabhängig wurde. Durch Fars’ Lage am Persischen Golf und die Beziehungen zur Insel Kisch (Kīš) gewann Sunqur zudem einen nicht zu unterschätzenden Einfluss auf den Schiffsverkehr und Seehandel. Nach dem Untergang der boomenden Welthandelsstadt Siraf war Kisch (arab. Qais) unter einer eigenen Fürstendynastie Mitte des 11. Jahrhunderts zu einer Seemacht aufgestiegen, die einen Teil des lukrativen Indienhandels kontrollierte.
Nachdem sein Bruder Sunqur 1161 in Baida (Baiḍā)die Hauptstadt des gleichnamigen Distrikts im Landkreis Sepidan gestorben war, setzte sich Zangi ibn Maudud gewaltsam gegen alle Konkurrenten durch, worunter sein Land zunächst sehr litt. Er wehrte einen Vorstoß der Kirman-Seldschuken ab, in deren Thronfolge er sich wiederholt einmischte,So unterstützte Zangi zunächst Turan-Schah mit Truppen gegen dessen Brüder und versuchte später, nachdem Turan-Schah tatsächlich an die Macht gekommen war (1176/77), diesen (im Bündnis mit dem Atabeg Muhammad ibn Boz-Qusch) wieder zu stürzen. und überstand 1169 auch eine Invasion des Emirs von Chuzistan (Ḫūzistān), Schumla (Šumla), den Zangis unzufriedene Soldaten ins Land gerufen hatten. Was die immer schwächer werdenden Großseldschuken anbetrifft, so hielt Zangi als eigenen Kandidaten für das Sultanat in Istachr (Iṣṭaḫr) einen Sohn Malik-Schahs III. namens Mahmud gefangen. Als Oberherrn erkannte er jedoch Arslan ibn Toghril (Arslan b. Toġrïl) an, der ihn als Atabeg von Fars bestätigte. Nachdem Zangi seine Herrschaft konsolidiert hatte, scheint Fars unter seiner Führung in bescheidenem Maße prosperiert zu haben. Er starb 1175/76 oder 1178/79 auf der Burg Uschkunvan (Uškunvān), jener der drei Festungen nordwestlich von Istachr, die den Salghuriden als Staatsgefängnis diente.
Zangis Nachfolger wurde, wie bestimmt, Tekele (oder Degele), einer seiner fünf Söhne, und musste als neuer Atabeg gleich an mehreren Fronten kämpfen: Im Jahr 1179/80 bekam er es zunächst mit Muhammad Dschahan-Pahlavan (Muḥammad Ǧahān-Pahlavān), dem Atabeg von Aserbaidschan, zu tun, dessen Vater sich schon Zangi (1165) hatte formal unterwerfen müssen. 1182/83 erhob sich dann sein (wohl von Dschahan-Pahlavan anerkannter) Cousin Qutb ad-Din Toghril ibn Sunqur (Quṭb ad-Dīn Toġrïl b. Sunqur) und übernahm Teile von Fars,Toghril ließ sogar – wie alle Salghuridenherrscher außer Muhammad, Muhammad-Schah und Seldschuq-Schah – in seinem Namen Münzen prägen. bevor der Aufstand von Tekele niedergerungen werden konnte. Als dann die Seldschukendynastie von Kirman in einem Chaos unterging, kam es zu Kämpfen zwischen den Salghuriden und den Oghuzen um die Kontrolle über Kirman, wobei letztere die Provinz bis 1186 vollständig eroberten. Auch gegen die benachbarten Schabankara wurden weiterhin Feldzüge unternommen. Obwohl Fars und seine Einwohner unter all den Kämpfen zu leiden hatten, gelang es Tekele bis zu seinem Tod 1197/98, die Herrschaft seiner Dynastie dauerhaft zu festigen, während die längst im Niedergang begriffenen Großseldschuken 1194 schließlich von den Choresm-Schahs beseitigt wurden.
Höhepunkt Nach Tekeles Tod brachen in Fars eine Seuche und abermals Thronstreitigkeiten aus. Letztere konnte Sad I., Tekeles jüngerer Bruder, erst für sich entscheiden, als er seinen erneut rebellierenden Cousin Qutb ad-Din Toghril nach acht verheerenden Jahren des Kriegs schließlich hinrichten ließ (1202/03). Mit diesem Sieg Sads I. begann für die mittlerweile faktisch unabhängigen Salghuriden eine glanzvolle Zeit der Prosperität, kulturellen Blüte und Machtentfaltung; Infolge einer klugen Politik – an der auch der fähige Wesir Chodscha Amid ad-Din Abu Nasr Asad Abzari (Ḫᵛāǧa ʿAmīd ad-Dīn Abū Naṣr Asʿad Abzarī) Anteil hatte – konnte sich das Land von den langen Jahren der Verwüstung endlich erholen. Auch gelang es Sad I., seinen Herrschaftsbereich zu vergrößern, indem er Sirdschan (Sīrǧān) sowie andere Teile Kirmans eroberte und gegen die Schabankara zog, die zuvor oft Raubzüge nach Fars unternommen hatten. 1203/4 besetzte er sogar Isfahan, doch musste er die Stadt schnell wieder aufgeben und zurück nach Schiras eilen, da seine Kapitale zwischenzeitlich von den Truppen des aserbaidschanischen Atabegs Öz-Beg ibn Pahlavan eingenommen worden war. Später war Sad mehrere Jahre in Kämpfe mit den Oghuzen um Kirman verwickelt, bis diese Provinz ebenso wie Hormus um 1213 an den mächtigen Choresm-Schah Muhammad II. fiel. Als Sad 1217 erneut nach Dschibal vorstieß, um sich der Städte Rey, Qazvin und Semnan zu bemächtigen, wurde er von Muhammad II. überrascht, besiegt und solange in Hamadan festgehalten, bis er sich zu Tributzahlungen (ein Drittel seiner Staatseinnahmen) und Gebietsabtretungen (Region um Istachr und Uschkunvan) bereit erklärte. Außerdem musste Sad seinen ältesten Sohn als Geisel an Muhammads Hof schicken, von wo aus dieser allerdings wieder zurückkehren durfte, nachdem sich die Salghuriden und die Anuschteginiden durch eine Heirat verbunden hatten. Abu Bakr, ein anderer Sohn Sads I., hatte die Gefangenschaft seines Vaters zum Anlass genommen, in Schiras die Macht an sich zu reißen. Sad I. konnte bei seiner Rückkehr nach Fars jedoch die Herrschaft wieder übernehmen, da der Choresm-Schah seinem neuen Vasallen zu diesem Zweck Truppen überlassen hatte. Abu Bakr wurde nach dieser gescheiterten Rebellion für lange Zeit eingesperrt. Als Sultan Muhammad II. später von den Mongolen bedrängt und 1220 völlig besiegt wurde, konnte Sad die Oberherrschaft der Choresm-Schahs vorerst abschütteln. Zudem profitierte er von dem Konflikt zwischen den Söhnen Muhammads II., Ghiyath ad-Din (Ġiyāṯ ad-Dīn) und Dschalal ad-Din Mengübirti (Ǧalāl ad-Dīn), welche sich um die Thronfolge stritten. Als Dschalal ad-Din aus Indien zurückgekehrt 1224 nach Fars kam, heiratete er Sads Tochter. Anschließend besiegte er seinen Bruder, welcher die Salghuriden wiederholt angegriffen hatte, und überließ seinem neuen Schwiegervater Isfahan und andere Gebiete, wofür der Atabeg ihn bis zu seinem Tod am 5. November 1226 als Oberherrn anerkannte.
Auf Sad I. folgte dessen erst kurz zuvor (auf Anregung Sultan Dschalal ad-Dins hin) freigelassener Sohn Abu Bakr, welcher sich freiwillig den Mongolen unterstellte und sein Reich so vor Krieg und Plünderung bewahren konnte. Als Zeichen der Anerkennung der mongolischen Oberhoheit schickte er seinen Bruder (oder Neffen) Tahamtan an den Hof des Großkhans Ögedei; Im Gegenzug erhielt er den Titel Qutlugh-Chan (Qutluġ-Ḫān) und einen mongolischen Befehlshaber (šiḥna) zugewiesen, der jedoch, in einem Quartier außerhalb der Stadtmauern untergebracht, kaum in Erscheinung trat. Abgesehen von der erfolglosen Rebellion eines Salghuridenprinzen namens Salghur-Schah Qarandasch-Chan ibn Sad (Salġur-Šāh Qarāndāš-Ḫān b. Saʿd), der am Ende vergiftet wurde, war Abu Bakrs Herrschaft allgemein durch inneren Frieden und Stabilität gekennzeichnet. Unter dem an Kunst und Forschung interessierten Atabeg, der sich mit Gelehrten und Dichtern umgab und zahlreiche Gebäude errichten ließ, erreichte die Salghuridenherrschaft besonders in kultureller Hinsicht ihren Höhepunkt (siehe Abschnitt Kultur, Wissenschaft und Religion) und auch auf politischer und wirtschaftlicher Ebene machte das Reich noch einmal beachtliche Fortschritte. Hieran hatten auch die beiden Wesire Mughrib ad-Din Mufachir Masud (Muġrib ad-Dīn Mufāḫir Masʿūd) und Amir Fachr ad-Din Abu Bakr (Amīr Faḫr ad-Dīn Abū Bakr) sowie der Oberkadi Dschamal ad-Din Abu Bakr Misri (Ǧamāl ad-Dīn Abū Bakr Miṣrī) ihren Anteil. Infolge einer Reihe neuer Steuergesetze war Abu Bakr nicht nur in der Lage, den Tribut von 30.000 Dinar (plus Geschenke) an die Mongolen zu entrichten, sondern konnte auch seine Streitmacht auszubauen. Um stärker am lukrativen Indienhandel zu partizipieren, expandierte er mit Hilfe seiner vergrößerten Armee in den (nicht mongolisch beherrschten) Persischen Golf, wobei es ab August 1236 zum einen zu langwierigen Kämpfen mit den Arabern Bahrains kam, die – nach der Einnahme Taruts (Ṭārūt) und der Hinrichtung eines Scheichs im Frühjahr 1244 – letztlich 1256/57 mit der Ernennung zweier zuverlässiger Emire der Inseln endeten. Zum anderen erlangte Abu Bakr am 12. November 1230 die Oberherrschaft über die Insel Kisch. Das Eiland, welches in Hinblick auf Zoll- und Steuereinnahmen eine ergiebige Geldquelle darstellte, wurde ihm von seinem Vasallen, dem Herrscher von Hormus, übergeben, der es erst im Jahr zuvor (angeblich für die Salghuriden) erobert hatte. Ein Vorhaben Abu Bakrs, das nicht weiter von Erfolg gekrönt war, war der Versuch, die Grundbesitzverhältnisse im Land gerechter zu regeln.
Niedergang