Robert Neppach (* 2. März 1890 in Wien, Österreich-UngarnDie oftmals zu lesenden Geburtsorte Esslingen und Frankfurt/M. sind nicht zutreffend; † 18. August 1939 in Zürich, Schweiz) war ein österreichischstämmiger und in Deutschland aktiver Filmarchitekt, Kostümbildner und Filmproduzent.

Leben und Werk

mini|hochkant|Stolperstein am Haus, Nachodstraße 22, in Berlin-Wilmersdorf Neppach hatte sich künstlerisch an der Münchner Akademie (in Zeichnen, Gestaltung und Malerei) ausbilden lassen und wurde vom Direktor des Neuen Theaters in Frankfurt am Main, Arthur Hellmer, als Bühnenbildner an diese Spielstätte verpflichtet.

Neppach wurde 1917 in der Isonzoschlacht schwer verwundet und erlitt bei einer Verschüttung einen Nervenzusammenbruch. Gleich nach Ende des Ersten Weltkriegs stieß Neppach zum Film. 1919 begann er als Chefarchitekt bei der kleinen Produktionsfirma Centaur-Film. In kürzester Zeit gestaltete er die Kulissen von Filmen bekannter Regisseure wie F. W. Murnau, Dimitri Buchowetzki, Paul Ludwig Stein, Richard Oswald, Karl Grune, Lupu Pick, Hans Steinhoff, Felix Basch, Gustaf Molander, Harry Piel, Max Ophüls und Géza von Bolváry. Seine interessanteste und bedeutendste Arbeit waren die gemalten, stilisierenden, den Expressionismus als Filmgattung mitbegründenden Dekorationen zu Karlheinz Martins Inszenierung Von morgens bis mitternachts, zu dem Neppach auch die Kostüme entwarf.

In der zweiten Jahreshälfte 1932 wechselte Neppach zur Filmproduktion. Er gründete die Firma R.N. Filmproduktion G.m.b.H., die bis Jahresende 1936 Filme herausbrachte. Nach der von Propagandaminister Joseph Goebbels verordneten Liquidation dieser privaten Firma fand Neppach keine Möglichkeit mehr, in der deutschen Filmindustrie zu arbeiten. Er kehrte zu seinem ursprünglichen Architektenberuf zurück, ehe er sich am 15. September 1938 in Zürich niederließ.

Neppach hatte bereits 1919 die jüdische Tennisspielerin Nelly Bamberger geheiratetHeiratsregister Standesamt Frankfurt a/Main I, Nr. 433/1919, die sich im Mai 1933 infolge der zunehmenden Judenfeindlichkeit in Deutschland nach dem Machtübernahme der Nationalsozialisten umbrachte. Im Herbst 1933 heiratete er in London die 16 Jahre jüngere „Grete“ Marguerite Walter, eine Tochter des berühmten Dirigenten Bruno Walter.

Das Ehepaar lebte getrennt; bei einem Treffen in Zürich zwecks Absprache über die Modalitäten der Scheidung, erschoss Robert Neppach seine Frau und dann sich selbst. Seine Frau hatte eine Affäre mit dem Bariton Ezio Pinza, so dass neben der drohenden Scheidung auch seine Eifersucht als Motiv betrachtet werden kann. Ob die Entfremdung des Ehepaars nur der unglücklichen Ehe geschuldet oder auch eine Folge des staatlichen Antisemitismus in Deutschland war, ist wohl nicht abschließend zu klären. Die Pariser Tageszeitung vom 22. August 1939 konstatierte in einem Nachruf: „Dieser Zustand wurde allerdings auf die Dauer unerträglich, und mit der längeren Abwesenheit entfremdete sich Grete Walter immer mehr ihrem Gatten. Sie machte ihm wiederholt den Vorschlag, sich von ihr zu trennen. Sie leitete schließlich die Scheidung ein…“ Daraufhin versuchte Neppach erneut, seine Frau wiederzugewinnen. „Als er einsah, dass diese Mühe vergeblich war, war er verzweifelt und machte seinem Leben und dem der Frau ein Ende.“

Filmografie Als Filmarchitekt 1919: Die Augen im Walde 1919: Frau im Käfig 1919: Ewiger Strom 1919: Kameraden 1920: Von morgens bis mitternachts (auch Kostüme) 1920: Va banque 1920: Das Haus zum Mond 1920: Der Bucklige und die Tänzerin 1920: Abend – Nacht – Morgen 1920: Die rote Redoute 1921: Sehnsucht 1921: Sappho 1921: Das goldene Netz 1921: Miß Venus 1921: Die Amazone 1921: Die Geliebte Roswolskys 1921: Die Ratten 1921: Der ewige Kampf 1922: Seine Exzellenz von Madagaskar (2 Teile) 1922: Der Graf von Charolais (auch Kostüme) 1922: Der Strom 1922: Das Spiel mit dem Weibe 1922: Die fünf Frankfurter 1922: Lucrezia Borgia (auch Kostüme) 1922: Die blonde Geisha 1923: Paganini 1923: Erdgeist 1923: Dunkle Gassen 1923: Bob und Mary 1924: Der Roman der Lilian Hawley 1925: Der Maler und sein Modell 1925: Bismarck, 1. Teil 1925: Der Herr Generaldirektor 1925: Gretchen Schubert 1925: Der Mann, der sich verkauft 1926: Der Herr des Todes 1926: Der Sohn des Hannibal 1926: Das Meer 1927: Am Rande der Welt (auch Kostüme) 1927: Der Kampf des Donald Westhof 1927: Frau Sorge 1928: Der Präsident 1928: Liebeskarneval 1928: Prinzessin Olala 1928: Der Raub der Sabinerinnen 1929: Ich küsse Ihre Hand, Madame 1929: Der Held aller Mädchenträume 1929: Der lustige Witwer 1929: Das grüne Monokel 1929: Vater und Sohn 1929: Männer ohne Beruf 1929: Sein bester Freund 1929: Katharina Knie 1929: Der Erzieher meiner Tochter 1930: Delikatessen 1930: Zwei Herzen im Dreivierteltakt 1930: Der König von Paris 1930: Das Lied ist aus 1930: Er oder ich 1930: Va banque 1931: Die Marquise von Pompadour 1931: Grock 1931: Gassenhauer 1931: Walzerparadies 1931: Panik in Chicago 1931: Die Abenteurerin von Tunis 1931: Der Stolz der 3. Kompanie 1932: Die verliebte Firma 1932: Es geht um Alles 1932: Gehetzte Menschen

Als Produktionsleiter, Produzent oder Künstlerischer Oberleiter 1932: Die verliebte Firma 1932: Das erste Recht des Kindes 1932: Grün ist die Heide 1933: Der Traum vom Rhein 1933: Kleiner Mann – was nun? 1933: Glück im Schloß 1934: Abenteuer im Südexpeß 1934: La Paloma. Ein Lied der Kameradschaft 1934: Die Liebe und die erste Eisenbahn 1934: Punks kommt aus Amerika 1935: Stützen der Gesellschaft 1935: Hilde Petersen postlagernd (auch holländ. Version) 1935: Kater Lampe 1936: Männer vor der Ehe 1936: Kinderarzt Dr. EngelDies war die letzte Filmproduktion Neppachs. Der oftmals zu lesende Film Zweimal zwei im Himmelbett wurde nicht von Neppach, sondern 1937 von Peter Ostermayr produziert

Literatur Kay Weniger: „Es wird im Leben dir mehr genommen als gegeben …“. Lexikon der aus Deutschland und Österreich emigrierten Filmschaffenden 1933 bis 1945. Eine Gesamtübersicht. ACABUS Verlag, Hamburg 2011, ISBN 978-3-86282-049-8, S. 364.

Weblinks

Einzelnachweise

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