Die Dreifaltigkeitskirche (vollständiger Name Reformations-Gedächtnis-Kirche zur Heiligen DreifaltigkeitSpille: Die Dreifaltigkeitskirche, S. 94.) ist die größte protestantische Kirche in Worms. Der barocke Saalbau liegt zentral am Marktplatz der Stadt und steht unter Denkmalschutz.

Geschichte Vorgeschichte Vor der Stadtzerstörung von 1689 im Pfälzischen Erbfolgekrieg nutzten die Lutheraner in Worms das Kirchenschiff der Dominikanerkirche als Hauptkirche. Der Chor war mit einer Wand abgetrennt worden und diente weiter dem Kloster und dem römisch-katholischen Gottesdienst. Bei der Stadtzerstörung von 1689 brannten auch das Dominikanerkloster und seine Kirche aus.Jürgen Keddigkeit, Matthias Untermann: Worms, St. Maria Magdalena, zeitweise hl. Dreifaltigkeit, S. Maria und St. Jakobus d. Ä. In: Jürgen Keddigkeit, Matthias Untermann, Sabine Klapp, Charlotte Lagemann, Hans Ammerich (Hrsg.): Pfälzisches Klosterlexikon. Handbuch der pfälzischen Klöster, Stifte und Kommenden Band 5 = Beiträge zur pfälzischen Geschichte Band 26.5. Institut für pfälzische Geschichte und Volkskunde, Kaiserslautern 2019. ISBN 978-3-927754-86-7, S. 765–787 (769).

Planung und Bau mini| Tympanon des Haupteingangs mit der Jahreszahl der Fertigstellung „1725“

Der Wiederaufbau der Stadt Worms setzte erst mehr als 10 Jahre nach der großen Zerstörung ein. Nun sollte auch die lutherische Gemeinde eine eigene Hauptkirche erhalten. Es dauerte mehrere Jahre, bis ausreichend finanzielle Mittel zusammengetragen waren, um dann 1708 den Baubeschluss zu fassen.Spille: Evangelische Dreifaltigkeitskirche, S. 5.

Am 31. Juli 1709 wurde am ehemaligen Standort des 1689 ebenfalls zerstörten Hauses zur Münze der Grundstein für die lutherische Stadtkirche gelegt.Spille: Evangelische Dreifaltigkeitskirche, S. 6. Die Wahl des Bauplatzes beruhte auf der unzutreffenden Annahme, Martin Luther habe 1521 auf dem Reichstag zu Worms im Haus zur Münze vor Kaiser Karl V. gestanden und seine Schriften verteidigt.Spille: Evangelische Dreifaltigkeitskirche, S. 5. Tatsächlich geschah das aber im wenige hundert Meter entfernten Bischofshof.

Der Neubau wurde als Ausdruck des lutherischen Bekenntnisses der Stadt errichtet und stand unter dem Leitwort „So setzt mich Gott an diesen Ort, wo Luther einst bekannt sein Wort“. Architekt war der kurpfälzische Capitain-Ingenieur (Pionier-Hauptmann) Villiancourt.Reuter: Die barocke Dreifaltigkeitskirche, S. 17ff. Bauliches Vorbild war – vor allem bei der Innengestaltung – die Katharinenkirche (1678–1681) in Frankfurt am Main des dortigen Stadtbaumeisters Melchior Heßler. In Worms wurde die Kirche am 31. Juli 1725 als „neue Evangelische Haupt-Kirche in Wormbs Zur Heiligen Dreyfaltigkeit“ eingeweiht.Reuter: Die barocke Dreifaltigkeitskirche, S. 48ff. Die in einem Entwurf vorgesehene Einfassung der Kirche durch zwei Gebäude für Rathaus und Schule wurde nicht umgesetzt.Reuter: Die barocke Dreifaltigkeitskirche, S. 20f. Im Innenraum orientierte sich der Entwurf an der Katharinenkirche in Frankfurt am Main, die der Wormser Magistrat während des Exils in Frankfurt ab 1689 kennengelernt hatte.

Geschichte bis zur Zerstörung Die Kirche erhielt 1732 von dem Orgelbauer Johannes Mayer eine Orgel, die 26 Register auf zwei Manualen und Pedal besaß.Reuter: Die barocke Dreifaltigkeitskirche, S. 71f. 1881 setzte Wilhelm Sauer ein neues Orgelwerk mit drei Manualen und 50 Registern hinter den barocken Prospekt von 1732.

Am 21. Februar 1945 wurde die Kirche – wie auch weite Teile der Innenstadt – bei einem britischen Luftangriff auf Worms weitgehend zerstört. Von der ursprünglich barocken Holz- und Gemäldeausstattung überstand den Feuersturm ausschließlich die zweiflügelige, fein geschnitzte Eingangstür mit symbolischen Darstellungen zur Dreifaltigkeit. Im Übrigen verblieben nur die Umfassungsmauern und der Turm.

Nachkriegszeit Als Notkirche diente zunächst der nur beschädigte Gemeindesaal der Dreifaltigkeitsgemeinde (heute: Adenauerring 3), der 1946 wieder hergestellt werden konnte und in dem die Gemeinde ab dem 11. November 1946 wieder Gottesdienst feiern konnte.Spille: Die Dreifaltigkeitskirche, S. 81. Der Beschluss zum Wiederaufbau der Dreifaltigkeitskirche – in modernen Formen nach Plänen von Otto Bartning und Otto Dörzbach – erfolgte im Dezember 1954, nachdem die Finanzierung gesichert war.Spille: Die Dreifaltigkeitskirche, S. 87. Die Bauarbeiten begannen mit einem Gottesdienst am 27. März 1955, den der Kirchenpräsident der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau (EKHN), Martin Niemöller, hielt.Spille: Die Dreifaltigkeitskirche, S. 93. Die äußere Gestalt wurde dabei wiederhergestellt, während der Innenraum weitgehend modern gestaltet wurde. Am 30. Oktober 1959 konnte die Kirche wieder eingeweiht werden. Erneut hielt Martin Niemöller den Festgottesdienst.Spille: Die Dreifaltigkeitskirche, S. 93.

1975 wurde die Kirche im Turmbereich saniert. 1995 löste sich dort ein Stein und stürzte auf den Marktplatz. Das Ereignis löste eine etwa 10 Jahre andauernde Sanierung des gesamten Gebäudes aus.Spille: Die Dreifaltigkeitskirche, S. 112.

Beschreibung Äußeres mini|Deckengemälde von Johann Rosner: Geburt Christi (1945 zerstört) mini|Brüstungs-Gemälde von der Emporen-Brüstung von Johann Martin Seekatz: Taufe Jesu durch Johannes den Täufer

Die Kirche ist nach Osten ausgerichtet, der Haupteingang liegt im Westen. Er war auf den Straßenmarkt, den historischen Marktplatz der Stadt, ausgerichtet.Der heutige Marktplatz wurde erst beim Wiederaufbau nach 1945 angelegt. In der Mittelachse der dortigen Schaufassade erhebt sich der 58 m hohe Kirchturm mit quadratischem Grundriss. Seitlich des Turmes befinden sich auf der Höhe der Dachtraufe zwei große Podeste mit einer Balusterbrüstung. Dazwischen eingefügte Postamente tragen Reliefs der 12 Apostel von Daniel Hader.Reuter: Die barocke Dreifaltigkeitskirche, S. 63–67. Oberhalb der Glockenstube besitzt der Turm eine umlaufende Galerie; hier verjüngt er sich in einen achteckigen Turm, der die Turmuhr trägt. Deren ursprüngliches Werk stammt von Johann Jacob Möllinger und befindet sich heute im städtischen Museum Andreasstift. In der von einer doppelten Haube gekrönten Laterne befindet sich das Glockenspiel der Kirche. Insgesamt präsentiert sich der Turm so vierfach gestuft.

Die Nordfassade des Langhauses der Kirche mit sieben Fensterachsen und die nach Norden gewandte Seite des Chors mit -Schluss bilden den südlichen Abschluss des ebenfalls erst nach 1945 hier angelegten Marktplatzes. Da diese Fassade deshalb nicht als Schaufassade gestaltet wurde, ist sie relativ schlicht.Spille: Evangelische Dreifaltigkeitskirche, S. 7.

Inneres Das Kircheninnere ist ein einschiffiger Saal von 41 m Länge, 20 m Breite und 17 m Höhe.Spille: Evangelische Dreifaltigkeitskirche, S. 15. Dieser Saal wird zentral durch das Untergeschoss des Turms erschlossen. Links des Vorraums liegt ein Andachtsraum, rechts befindet sich die Sakristei.

Ursprüngliche Gestaltung Die barocke Kirche hatte zwei umlaufende Emporen, deren Brüstungen – wie auch die Holzdecke – biblische Szenen zeigten. Die doppelte Empore verlief an der West-, Nord-, und Ostwand, während die Südwand frei blieb. Dort stand die Kanzel, auf die die ganze Inneneinrichtung ausgerichtet war. Die Kirche wies also baulich und optisch – anders als heute – ein „Querformat“ auf. Der Altar dagegen stand im nach Osten ausgerichteten Chor – unter den Emporen! Deren Brüstungen waren von Johann Martin Seekatz mit 38 Szenen aus dem Alten Testament (an der oberen Empore) und 38 Szenen aus dem Neuen Testament (an der unteren Empore) bemalt.Reuter: Die barocke Dreifaltigkeitskirche, S. 50–58. Insgesamt fasste die Kirche in dieser Gestaltung 3.000 Besucher,Spille: Evangelische Dreifaltigkeitskirche, S. 7. was in etwa der gesamten lutherischen Einwohnerschaft der Stadt entsprach. Die Decke imitiert ein gotisches Kreuzrippengewölbe in Holz. Diese nachgotische Form sollte ein Alter der Kirche vortäuschen, das sie gar nicht hatte. Die Decke war stuckiert und von Johann Rosner bemalt mit einem elfteiliger Christus-Zyklus in den mittleren Gewölbesegmenten und 14 Darstellungen aus Alten Testament in den Gewölbesegmenten über den Fenstern.Die Themen der einzelnen Szenen sind aufgelistet bei Reuter: Die barocke Dreifaltigkeitskirche, S. 45f. Johann Martin Seekatz schuf zusammen mit seinem Sohn, Ludwig Seekatz, eine monumentale Darstellung „Luther vor Kaiser und Reich“ mit der berühmten Szene des verweigerten Widerrufs seiner Schriften für die Westwand des Raumes.Reuter: Die barocke Dreifaltigkeitskirche, S. 58–62. Das gesamte Holzwerk der Kirche und ihre Innenausstattung verbrannten bei dem Luftangriff 1945.

Gestaltung nach 1945 mini|Innenraum nach Osten mit Altar mini|„Auferstehung“ von Ludwig Habich

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde die Kirche nicht insgesamt original rekonstruiert, im Innenraum nur die Dachkonstruktion, aber nicht mehr figürlich bemalt. Auf die große Emporenanlage verzichtet die Neugestaltung. Die Kirche fasst so heute „nur“ noch 1.150 Besucher.Spille: Evangelische Dreifaltigkeitskirche, S. 12. Der ganze Kirchenraum wurde konsequent geostet. Neben dem Altar steht nun auch die Kanzel im Chorraum. An der Westwand befinden sich drei übereinander gestaffelte Emporen, eine für Gottesdienst- oder Konzertbesucher, darüber die Chor- und die Orgelempore. Der Altarraum mit Kanzel und Taufbecken nimmt den gesamten Chor ein. Der Chor ist gegenüber dem Kirchenschiff deutlich erhöht.

Ausstattung Im Andachtsraum nördlich des Vorraums steht ein Mahnmal für die Gefallenen des Ersten Weltkriegs mit dem Titel „Auferstehung“, das 1933/34 von dem Darmstädter Bildhauer Ludwig Habich geschaffen wurde.Spille: Die Dreifaltigkeitskirche, S. 102.

Die 15 raumhohen Buntglasfenster von Wilhelm Buschulte zeigen biblische SzenenKatalog; Fey, S. 122–151.:

Altes Testament – Nordwand 1) Schöpfung (1. Mose, 1–2) 2) Sündenfall und Kains Brudermord an Abel (1. Mose, 3–4) 3) Sintflut (1. Mose, 6–9) 4) Turmbau zu Babel (1. Mose, 11) 5) Erwählung des alttestamentlichen Gottesvolkes

Neues Testament – Chorbereich 6) Weihnachten und Epiphanias 7) Passion Jesu 8) Karfreitag, Ostern, Christi Himmelfahrt 9) Strom des Lebens 10) Gleichnis von den zehn Jungfrauen

Glaubensbekenntnis – Südwand 11) Ich glaube an den Heiligen Geist – Pfingsten 12) Ich glaube an eine heilige christliche Kirche 13) Ich glaube an die Gemeinde der Heiligen 14) Ich glaube an die Vergebung der Sünden 15) Ich glaube an die Auferstehung des Fleisches und ein ewiges Leben

An den Wänden zwischen den Fenstern steht der Text des Apostolischen Glaubensbekenntnisses in dem vor 1972 gebräuchlichen Wortlaut und dessen Auslegung durch Martin Luther im Kleinen Katechismus.Fey, S. 119 und Textwiedergabe S. 120f. Der Text wurde als flaches Relief gestaltet. Die Buchstaben der dafür verwendeten ornamentalen Schrift sind Majuskeln einer römischen Capitalis monumentalis.Spille: Die Dreifaltigkeitskirche, S. 105. Die Buchstaben bestehen aus Majolika. Geschaffen hat dies Johanna Schütz-Wolff.Spille: Evangelische Dreifaltigkeitskirche, S. 19. Die Nordseite behandelt den ersten Artikel des Apostolischen Glaubensbekenntnisses: Ich glaube an Gott den Vater. Der Text steht zwischen den Fenstern mit Szenen aus dem Alten Testament. Der Chorbereich behandelt den zweiten Artikel: Ich glaube an Jesus Christus Der Text steht zwischen den Fenstern mit Szenen vorwiegend aus dem Neuen Testament. Die Südseite behandelt den dritten Artikel: Ich glaube an den Heiligen Geist. Der Text steht zwischen Szenen aus verschiedenen Büchern der Bibel.

Die Kanzel wurde mit vier Bronzereliefs von Gustav Nonnenmacher gestaltet, die für je einen der vier Evangelisten stehen.Spille: Die Dreifaltigkeitskirche, S. 106. Die Altarausstattung stammt von Josef Hoh.Spille: Evangelische Dreifaltigkeitskirche, S. 14f.