mini|hochkant|Mohammed Mursi im Präsidentschaftswahlkampf 2012rahmenlos|rechts|klasse=notpageimage skin-invert-image|Unterschrift von Mohammed Mursi Mohammed Mohammed Mursi Isa al-AyyatProfile: Egyptian presidential frontrunner Mohamed Mursi, Zeitung Asharq al-Awsat, 25. Mai 2012 (englisch, abgerufen am 19. Januar 2013)Biografie, Union of Islamic World Students, 14. Mai 2013 (englisch, abgerufen am 22. Januar 2013)13 Kandidaten kämpfen um Mubaraks Nachfolge, Die Zeit, 26. April 2012.Ein Volk vor dem Fernseher: Ägypter verfolgen erstes TV-Duell der Geschichte, Focus, 10. Mai 2012Tomas Avenarius: Wahlkampf in Ägypten: Kulturrevolution im TV-Studio, Süddeutsche Zeitung, 13. Mai 2012 (; oft auch als Mohamed Morsi Al Ayat transkribiert; * 20. August 1951 in al-Adwa, Gouvernement asch-Scharqiyya; † 17. Juni 2019 in KairoÄgyptischer Ex-Präsident Mursi stirbt vor Gericht, Focus.de vom 17. Juni 2019) war ein ägyptischer Politiker, Materialwissenschaftler und Professor. Bei den ersten und einzigen freien Präsidentschaftswahlen Ägyptens im Juni 2012 wurde er zum 5. Staatspräsidenten des Landes gewählt. Davor war er Vorsitzender der Freiheits- und Gerechtigkeitspartei,Ägyptens neuer Präsident – Islamist Mursi schlägt versöhnliche Töne an, Stern, 25. Juni 2012 (abgerufen am 22. Januar 2013) die von der islamistischen Muslimbruderschaft nach der Revolution 2011 gegründet worden war. Am 3. Juli 2013 wurde Mursi nach tagelangen Massenprotesten gegen seine Politik durch einen Militärputsch abgesetzt und inhaftiert.Putsch in Kairo: Ägyptens Militär stürzt Mursi Spiegel Online, 3. Juli 2013, abgerufen am 3. Juli 2013.Coup topples Egypt’s Morsy; deposed president under 'house arrest' CNN.com vom 4. Juli 2013 (englisch, abgerufen am 27. Juli 2013) Dies löste gewaltsame Auseinandersetzungen aus und führte zu einer Staatskrise in Ägypten. Nach seiner Entmachtung wurde Mursi in mehreren Strafverfahren zu langjährigen Haftstrafen verurteilt. Aufgrund ausbleibender medizinischer Versorgung während seiner Haft brach er am 17. Juni 2019 während einer gerichtlichen Anhörung bewusstlos zusammen und starb noch am selben Tag in einem Krankenhaus an den Folgen seiner Erkrankungen.Ex-Präsident Mursi gestorben, deutschlandfunk.de, erschienen und abgerufen am 17. Juni 2019.

Persönliches, Studium und Professur Mursi wuchs in dem kleinen nordägyptischen Dorf al-Adwa im Nildelta als ältester von fünf Söhnen eines Landwirts und einer Hausfrau auf.Muhammad Morsi - An ordinary man, The Economist, 30. Juni 2012 (englisch, abgerufen am 19. Januar 2013) Aufgrund guter Schulnoten erhielt er einen Platz an der Universität Kairo, wo er 1975 einen Bachelor in Ingenieurswissenschaften erwarb. Von 1975 bis 1976 diente er in den ägyptischen Streitkräften als Soldat (engl.: Private) in der Chemiewaffenabteilung der zweiten Infanteriedivision. Anschließend setzte er sein Studium fort und schloss es 1978 mit einem Master in Metallurgie ab.

Mursi war sunnitischer Muslim. Er war seit 1979 verheiratet mit seiner elf Jahre jüngeren Cousine Naglaa Ali Mahmoud, die zum Zeitpunkt der Hochzeit siebzehn Jahre alt war.Morsi’s wife prefers ‘first servant’ to first lady, The Globe and Mail, 28. Juni 2012 (englisch, abgerufen am 22. Januar 2013)Egypt’s Everywoman Finds Her Place Is in the Presidential Palace, The New York Times, 27. Juni 2012 (englisch, abgerufen am 19. Januar 2013) Drei Tage nach der Hochzeit ging Mursi in die USA, wo er 1982 an der University of Southern California auf dem Gebiet der Ingenieurswissenschaften promoviert wurde. Nachdem sie die Schule abgeschlossen hatte, zog seine Frau zu ihm nach Los Angeles. Dort wurden die ältesten beiden der fünf Kinder des Ehepaares geboren; sie haben somit neben der ägyptischen auch die US-amerikanische Staatsbürgerschaft.Egypt’s Morsy goes from prisoner to president, Reuters, 24. Juni 2012 (englisch, abgerufen am 22. Januar 2013)

Nach seiner Promotion war Mursi als Dozent an den Universitäten Kairo und Südkalifornien und an der California State University in Northridge tätig. 1985 ging er mit seiner Familie endgültig zurück nach Ägypten, um eine Professur an der Universität in Zagazig anzunehmen, welche er bis 2010 innehatte. Er war dort Direktor der Abteilung für Materialwissenschaft. Um nebenher zusätzliches Geld zu verdienen, reiste Mursi wie viele ägyptische Professoren umher und unterrichtete unter anderem von 1988 bis 1992 an einer libyschen Universität.

Politischer Werdegang Erstmals in Kontakt mit der Muslimbruderschaft kam Mursi bereits 1977, McClatchy, 30. Juni 2012 (englisch, abgerufen am 22. Januar 2013) während seines Studiums an der Universität Kairo, die in den 1970er Jahren ein Zentrum des Islamismus war. Formell trat er der Bruderschaft 1979 bei und hatte auch während seines Aufenthalts in Los Angeles Kontakt zu dortigen Vertretern. Nach seiner Rückkehr aus den USA stieg Mursi innerhalb der Muslimbruderschaft rasch auf. Seit den 1990er Jahren war er der oberste politische Stratege der Organisation und für zahlreiche Wahlkämpfe verantwortlich. Da die Muslimbrüder während des Mubarak-Regimes als religiöse Partei nicht an Wahlen teilnehmen durften, kandidierten sie als unabhängige Kandidaten. Als solcher wurde Mursi bei den Parlamentswahlen 2000 zum Abgeordneten seines Heimatwahlkreises Zagazig gewählt. Er nahm im Parlament bis 2005 die Rolle eines Fraktionschefs derjenigen Parlamentarier wahr, die den Muslimbrüdern angehörten., The National (Abu Dhabi), 25. Juni 2012 (englisch, abgerufen am 22. Januar 2013)

Als Mitglied der Führungsriege der Muslimbruderschaft beteiligte sich Mursi in der Regierungszeit Mubaraks an regierungskritischen Demonstrationen und wurde dabei mehrfach verhaftet, zuletzt 2011. Nach dem Sturz Mubaraks gründeten die Muslimbrüder die Freiheits- und Gerechtigkeitspartei und wählten Mursi am 30. April 2011 zum ersten Parteivorsitzenden der neuen Partei.

Als solcher trat er für seine Partei bei der Präsidentschaftswahl 2012 an. Ursprünglich sollte Chairat el-Schater für die Freiheits- und Gerechtigkeitspartei antreten und Mursi Parteivorsitzender bleiben, doch die Kandidatur El-Schaters wurde von der Wahlkommission nicht zugelassen. Im ersten Wahlgang erhielt Mursi mit 24,78 % die meisten StimmenMursi, Shafiq officially in Egypt’s presidential elections runoffs, Ahram Online, 28. Mai 2012 (englisch, abgerufen am 29. Mai 2012) und trat Mitte Juni in einer Stichwahl gegen den unabhängigen Kandidaten Ahmad Schafiq an, gegen den er mit 51,7 % der gültigen Stimmen gewann. Tagesschau.de, 24. Juni 2012 (abgerufen am 22. Januar 2013) Mit seiner Vereidigung am 30. Juni 2012 trat Mursi sein Amt als fünfter Präsident Ägyptens an.Morsi sworn in as Egypt’s president, promises new era - Egypt’s 5th head of state launches power struggle with military, CBC News World, 30. Juni 2012 (englisch, abgerufen am 22. Januar 2013)

Positionen Innenpolitik Vor allem während der ersten Runde des Präsidentschaftswahlkampfes machte Mursi sich mehrfach das Motto der Muslimbrüder zu eigen: „Der Koran ist unsere Verfassung. Der Prophet ist unser Führer. Der Dschihad ist unser Weg. Der Tod für Gott ist unser nobelster Wunsch.“Egyptian President Mohammed Morsi: “Jihad Is Our Path & Death in the Name of Allah Is Our Goal”, Human Events, 24. Juni 2012 (englisch, abgerufen am 22. Januar 2013) Im Kampf um den Stichwahlsieg hingegen wählte er eine deutlich zurückhaltendere Rhetorik: „Ich will einen demokratischen, zivilen und modernen Staat.“ In seiner Antrittsrede versprach Mursi, Präsident aller Ägypter sein zu wollen. Er legte daher mit Bekanntwerden seines Wahlsieges am 24. Juni 2012 den Vorsitz der Freiheits- und Gerechtigkeitspartei nieder und beendete seine Mitgliedschaft bei den Muslimbrüdern. Inhaltlich beschränkten sich sowohl das Wahlkampfmanifest der Muslimbrüder als auch Mursis Wahlkampfreden im Wesentlichen auf allgemein gehaltene Ziele wie die Stärkung der ägyptischen Wirtschaft durch mehr Freiheit für kleine und mittlere Unternehmen, die Bekämpfung der Korruption, die Restrukturierung des Staats- und Sicherheitsapparates und eine Reform des Schulsystems, um Ägypten zu einer Wissensgesellschaft zu machen., Al-Ahram Weekly, 3. Mai 2012 (englisch, abgerufen am 19. Januar 2013) Mit konkreten Forderungen hinsichtlich politischer Maßnahmen hielt sich Mursi auch nach seinem Wahlsieg weitgehend zurück.Star für eine Nacht, Die Tageszeitung (TAZ), 25. Juni 2012 (abgerufen am 22. Januar 2013) In den ersten Monaten seiner Präsidentschaft war Mursi hauptsächlich auf die Stärkung seiner Befugnisse bedacht, was zu Machtkämpfen mit dem Militärrat und der Justiz führte (siehe unten). Zudem war er bestrebt, die Verfassungsgebende Versammlung zu unterstützen, und befürwortete die von ihr erarbeitete Verfassung trotz der vielfach geäußerten Kritik, die Verfassung sei zu stark islamisch geprägt und schütze die Rechte von Frauen und Minderheiten nicht ausreichend.Ägypter geben sich islamisch geprägte Verfassung, Süddeutsche Zeitung, 25. Dezember 2012 (abgerufen am 19. Januar 2013)

Außenpolitik Mursi galt als kritisch gegenüber dem Staat Israel,Wahlgewinner Mursi – Ägyptens machtloser Präsident, Stern, 25. Juni 2012 (abgerufen am 22. Januar 2013) unter anderem, da er Gründungsmitglied des Ägyptischen Projektkomitees zum Widerstand gegen den Zionismus war. In einer vom ägyptischen Fernsehen ausgestrahlten Ansprache nach Bekanntgabe seines Wahlsieges sicherte Mursi jedoch die Einhaltung der von Ägypten geschlossenen internationalen Verträge zu, zu denen auch der Friedensvertrag mit Israel von 1979 zählt. Allerdings sicherte Mursi auch der im Gazastreifen herrschenden Hamas, die das Existenzrecht Israels nicht anerkennt, bei einem Treffen mit ihrem Chef Chalid Maschal am 19. Juli 2012 Unterstützung zu. Die Tötung des Militärchefs der Hamas, Ahmed al-Dschabari, durch einen israelischen Luftangriff am 14. November 2012 als Reaktion auf palästinensische Raketenangriffe auf den Süden Israels bezeichnete Mursi als „inakzeptable Aktion“., Yahoo! Nachrichten, 15. November 2012 (abgerufen am 22. Januar 2013) Er beorderte Premierminister Hischam Kandil in den Gazastreifen, um der Hamas die Unterstützung Ägyptens zu bekunden, und kündigte an, sich um das Ende der israelischen Offensive bemühen zu wollen. Anfang 2013 wurden mehrere antisemitische Aussagen Mursis aus der Zeit vor seiner Präsidentschaft bekannt.Ist Mursi wirklich so schlimm? - Seite 2/2: - Mursi ist ein Antisemit Zeit Online, 30. Januar 2013 (abgerufen am 4. Februar 2013) In einem Video aus dem Jahr 2010 bezeichnet er „Zionisten“ als „Blutsauger, die Palästinenser angreifen, diese Kriegstreiber, diese Nachkommen von Affen und Schweinen“.Ägyptens Präsident Mursi und der Antisemitismus „Diese Nachkommen von Affen und Schweinen“, Süddeutsche Zeitung online, 15. Januar 2013 (abgerufen am 17. Januar 2013) Ebenfalls 2010 rief er in einer Rede vor Mitgliedern der Ärztekammer des Gouvernements asch-Scharqiyya dazu auf, „unseren Kindern und Enkelkindern den Hass auf die Zionisten und die Juden beizubringen. Mit diesem Hass müssen wir sie füttern, er muss erhalten bleiben.“ Tagesschau.de vom 17. Januar 2013 (abgerufen am 17. Januar 2013) Als Mursi bei seinem Deutschlandbesuch am 30. Januar 2013 auf diese Aussagen angesprochen wurde, relativierte er sie dahingehend, dass keinesfalls das Judentum als solches gemeint gewesen sei, sondern lediglich solche Personen, die Blutvergießen unter Unschuldigen angerichtet hätten.Besuch hat abruptes Ende - Mursi bricht Diskussion ab n-tv.de, 30. Januar 2013 (abgerufen am 4. Februar 2013)