mini|Blick von der Nikolaikirche nach Westen auf den Altmarkt (2019)

Der Altmarkt () ist der zentrale Platz in der Altstadt von Cottbus in Brandenburg. Er entstand im 13. Jahrhundert als Kreuzungspunkt dreier alter Handelsrouten.

Geschichte Die großen Stadtbrände von 1600 und der wohl größte von 1671, bei dem auch das Cottbuser Stadtarchiv völlig ausbrannte, vernichteten alle Unterlagen, die das Aussehen und die Beschaffenheit des Altmarktes im Mittelalter hätten dokumentieren können.

mini|links|Altes Rathaus auf dem Marktplatz (Foto aus dem frühen 20. Jahrhundert) Der Marktplatz wurde zum zentralen Verkehrs- und Handelsknotenpunkt. Aufgrund von dendrochronologischen Untersuchungen eines Teils des Altmarktes konnte man die älteste Befestigung des Marktplatzes in Form eines Knüppeldammes aus Kiefernholzstämmen auf das Jahr 1264 datieren. Andere Ausgrabungen erbrachten Hinweise darauf, dass die ersten Häuser in Fachwerkbauweise errichtet wurden.Stadt Cottbus, abgerufen am 10. Oktober 2023. Unmittelbar an und um den Markt befanden sich seit Jahrhunderten bedeutende Cottbuser Ausspannhöfe und Handelshäuser, er wurde deshalb auch Lebensader und Mittelpunkt der Stadt. Im 14. Jahrhundert wurde das alte Rathaus in der Mitte des Platzes errichtet. Nach dem Stadtbrand von 1671, der sämtliche Gebäude am Altmarkt vernichtete, wurden diese bis 1690 wieder aufgebaut.

Der älteste bekannte Stadtplan aus dem Jahre 1724 zeigt, dass der Altmarkt zu jener Zeit eigentlich zweigeteilt war. Er bestand aus einem sehr kleinen östlichen Teil, der durch das Rathaus in westlicher Richtung begrenzt wurde, sowie dem viel größeren westlichen Teilstück mit einem Wohnhausquartier von sieben Parzellen, das sich an das Rathaus anschloss. Die Händler kamen oft von weither, um ihre Handelsgüter zu verkaufen und bezogen in einem der Hotels und Gastwirtschaften am Platze Quartier. Im Verlauf der Zeit wandelte der Altmarkt häufig sowohl sein Aussehen als auch seinen Platzraum. Es ist überliefert, dass im Jahre 1720 drei Brunnen existierten, nach 1766 Straßenbeleuchtung auf Holzpfählen aufgestellt wurde, im ausgehenden 18. Jahrhundert ein Lesepflasterbelag verlegt wurde und seit 1861 ein Kandelaber den Platz beleuchtete. Im Jahr 1893 wurden die Kanalisations- und Wasserleitungen verlegt und im Jahre 1903 die ersten Schienen der Straßenbahn auf dem Altmarkt installiert.

mini|hochkant|Marktbrunnen Der Platz trug jahrhundertelang lediglich den Namen Marktplatz. Erst im Jahre 1937 nach der Errichtung des Neuen Rathauses am Neumarkt wurde er in Altmarkt umbenannt. Bis Mitte der 1970er Jahre waren die Bürgerhäuser am Altmarkt fast vollständig in ihrer ursprünglichen Bausubstanz aus dem späten 17. bis frühen 19. Jahrhundert erhalten. Die Adressen der Häuser am Altmarkt änderten sich öfter. So wurden im Laufe der Zeit Häuserquartiere abgetragen und wiederaufgebaut. Durch einige verkehrsbedingte Änderungen in den Jahren 1935 bis 1938 und in späterer Zeit veränderte sich die Ansicht des Platzes mehrfach. Das alte Rathaus wurde im April 1945 zerstört und bis 1948 abgerissen. Zwischen 1984 und 1989 wurde eine Reihe an Gebäuden entlang des Platzes rekonstruiert. An der West- und Nordwestseite entstanden mehrere Neubauten in Montagebauweise.Georg Dehio: Handbuch der deutschen Kunstdenkmäler: Brandenburg. Deutscher Kunstverlag, München/Berlin 2012, ISBN 978-3-422-03123-4, S. 196 und 210f. Der heutige Marktbrunnen wurde 1990 von den Künstlern Egmar Ponndorf und Johannes Peschel geschaffen.

Die letzte größere Umgestaltung des Platzes erfolgte in den Jahren 1999 und 2000. Seit Oktober 2022 ist der Altmarkt dauerhaft für den Durchgangsverkehr gesperrt.Altmarkt in Cottbus wird dauerhaft gesperrt. Niederlausitz Aktuell, 30. September 2022, abgerufen am 10. Oktober 2023.

Baudenkmale

Altmarkt 10 mini|Altmarkt 10

Das Wohnhaus steht auf der nördlichen Seite des Altmarktes. Links und rechts von dem Gebäude stehen wesentlich höhere und jüngere Häuser. Das Bürgerhaus wurde 1767 wurde auf den Grundmauern eines Vorgängerhauses von Hr. Reißmann errichtet und vollendet. In den Jahren 1979 und 1980 erfolgte dann ein Ersatzneubau, bei dem die Fassade dem historischen Vorbild getreu rekonstruiert wurde. Der Eingang wurde damals von der linken zur rechten Seite verlegt und die Schaufenster wurden zurückgebaut.

Besondere Merkmale des Hauses sind hochrechteckige Fenster mit Sohlbänken und die schlichte Rahmung der Fenster mit Faschen. Darüber sind drei nahezu quadratische Fenster von Voluten umfasst, die den Schweifgiebel begrenzen. Die Schauseite ist im oberen Teil von einem dreiecksverdachten Giebelabschluss mit einer plastischen Darstellung eines von Laub umkränzten Merkurstabs mit zwei sich gegenläufig windenden Schlangen bekrönt.

In den Keller des Hauses sind die erhalten gebliebenen tonnengewölbten Kelleranlagen und spätgotischen Fragmente des Mauerwerks integriert. Das heutige Erscheinungsbild entspricht in seiner baulichen Ausführung, hinsichtlich der Ausmaße und der Giebelgestaltung, dem historischen Vorbild des barocken Vorgängerhauses. Das Fassadenbild des barocken Vorgängerbaus ist im Rahmen der Altmarktbebauung von städtebaulicher Bedeutung. Heute befindet sich im Erdgeschoss das Café Altmarkt und der Melde Keller.Stadtarchiv. VA I / 1.1247 Abbruchprojekt Altmarkt 10 von 1976 Stadtarchiv. VA I / 1.1247 Abbruchprojekt Altmarkt 10 von 1976.

Altmarkt 11 mini|Altmarkt 11 und 12

Der heute als Wohn- und Geschäftshaus genutzte traufständige und drei Achsen breite Putzbau wurde um 1800 nach einem Entwurf des Baumeisters A. F. Mund erbaut. Er hat ein hohes Satteldach mit großer Fledermausgaube. Durch den Verzicht auf scharfe Kanten und senkrechte Flächen fügt sich diese in das Dach ein. Weitere Merkmale sind die Gesimsgliederung der Stockwerke sowie Dreiecksverdachungen über dem Schmuckfries der Fenster im Obergeschoss. Auffällig ist außerdem der Mäanderfries der obersten Etage, der zum Traufgesims überleitet.

Der Gewölbekeller, dessen Wände mit Feldsteinen gemauert sind, wurde ursprünglich wahrscheinlich als Verkaufsraum genutzt. Er wird von Mittelpfeilern getragen, die als verputztes Stichkappengewölbe konzipiert wurden. Das Backsteinmauerwerk als Grundstütze bleibt somit sichtbar. In den Jahren 1978 bis 1982 wurde das Haus umfassend instand gesetzt und saniert. Nur die tragenden Wände, die klassizistische Fassade sowie der Keller blieben erhalten. Die typisch bauzeitliche Innenstruktur, wie Decken und Tonnengewölbe, wurden komplett entfernt. Heute teilt sich das Gebäude ein gemeinsames Treppenhaus mit dem angrenzenden Haus Altmarkt 12.

Altmarkt 12 Das Grundstück wurde 1793 von K. W. Röstel erworben, der 1795 das Wohnhaus errichten ließ. Da der Keller nur flach eingewölbt ist, kann davon ausgegangen werden, dass das Haus nur zu diesen Wohnzwecken genutzt wurde. Es handelt sich um ein dreigeschossiges, traufständiges Haus mit Satteldach und Fledermausgaube. Von der Größe, dem Architekturstil und der Aufgliederung ist es dem Haus Altmarkt 11, mit dem es ein gemeinsames Treppenhaus teilt, sehr ähnlich. Die zur damaligen Zeit sehr beliebten Gestaltungselemente wie Ornamentfriese mit antiken Motiven, Gesimsbänder und Putzfaschen im Fensterbereich finden sich auch hier wieder. Dieses Objekt wurde ebenfalls 1980, bis auf die Grundmauern und Decken, umfassend saniert und instand gesetzt.

Altmarkt 13 mini|hochkant|Altmarkt 13

Der Cottbuser Kaufmann Hermann Liersch gab dieses Wohn- und Geschäftshaus in Auftrag, die Baufirma Broeßke erbaute es 1891. Das Gebäude ist ein markanter Vertreter der bürgerlichen Mietshausarchitektur um die Jahrhundertwende. Der fünfachsige Putzbau mit dem Berliner Dach verfügt über eine sehr aufwendigen Fassadengestaltung. Die verschiedensten neubarocken Schmuckelemente unterstreichen die horizontale und vertikale Gliederung des Gebäudes.

Das gesamte Erdgeschoss wird von dem großen Ladengeschäft ausgefüllt. Die beiden Hauptgeschosse werden durch die architektonische Gestaltung, den Erker und große Rechteckfenster besonders betont. Über dem Obergeschoss mit den kleineren Rundbogenfenstern und dem Balkon schließt sich das Dachgeschoss an. Zwei große Schaufenster und eine mittig hervorgehobene Eingangstür füllen die gesamte Breite im Erdgeschoss aus. Über der Eingangsachse, auf zwei großen Volutenkonsolen, schließt der zweigeschossige Erker an, der als vorgebauter Mittelrisalit das Gebäude senkrecht aufteilt. Das Erdgeschoss wird durch ein breites Putzgesims von den beiden Hauptgeschossen getrennt. Die beiden Hauptgeschosse weisen die markanteste Fassadengestaltung auf. Seitliche Kolossalpilaster rahmen den Mittelteil ein, die dreigeteilten Erkerfenster werden im ersten Hauptgeschoss von Dreiviertelsäulen und im oberen Hauptgeschoss von Hermenpilastern abgeschlossen. Zwischen beiden Hauptgeschossen ist ein breiter Putzspiegel mit Festons und Büsten eingebracht, der im Erkerbereich von einer blattgerahmten Kartusche mit Erbauungsdatum unterbrochen wird.

Altmarkt 13a mini|hochkant|Altmarkt 13a

Dieses Haus befindet sich auf der nördlichen Seite des Altmarktes und ist traufständig zur Marktseite ausgerichtet. Es ist als Eckhaus zur Rathausgasse in das Häuserensemble eingefügt und verfügt über vier Gebäudeachsen in drei Geschossen. Als Erbauungsjahr gilt das Jahr 1822 und als Bauherr der Bäckermeister Carl Friedrich Druschke, der seit 1793 auch Eigentümer des Grundstücks war. Im Jahre 1976 erfolgte der ersatzlose Abriss aller in ihrer Bausubstanz maroden Nebengebäude.

Das Erdgeschoss verfügt nur im schmucklosen vierachsigen rückwärtigen Bereich über eine Eingangstür. Die Fensterzeile in der Vorderseite des Erdgeschosses wurde nach Rückbau der Ladeneinbauten im Zuge der Altmarktsanierung um 1980, durch vier einfache, schmucklose, hochrechteckige Fenster ersetzt. In allen drei Geschossebenen wurden hochrechteckige Fenster verbaut. Ein durchgehendes, profiliertes Gurtgesims verläuft über die gesamte Hausbreite und trennt das Erdgeschoss optisch vom ersten Obergeschoss. Unter der Fensterzeile des Obergeschosses verläuft ein ebenfalls durchgehendes Sohlbankgesims. Der Raum dazwischen wurde durch Putzspiegel mit Fabelwesen in der jeweiligen Fensterbreite verziert. Über der Fensterverdachung auf Konsolen im ersten Obergeschoss wurden ebenfalls Stuckverzierungen mit dargestellten Fabelwesen angebracht.

Die Fenster im zweiten Obergeschoss wurden weniger aufwendig verziert, sind jedoch mit ihren geohrten und profilierten Fensterfaschen sowie einer schlusssteinähnlichen Verzierung nicht schmucklos ausgestattet. Das Traufgesims wurde mit einem dreifachen Fries optisch aufgewertet. Die zur Rathausgasse zugängliche Giebelseite weist neun unregelmäßig angeordnete Gebäudeachsen auf und in der Giebelspitze ein rundbogiges Fenster. Der tiefe Eckbau zur Kirchgasse hin wurde mit einem Satteldach versehen. Der komplett erhaltene Dachstuhl im unteren Bereich stammt noch aus der Erbauungszeit. Die drei Kellergewölbe gehen auf unterschiedliche Bauzeiten zurück und zeigen mit Tonnen- und Stichkappengewölben mindestens zwei Bauphasen an. Es ist ein im Kern erhaltenes Bürgerhaus in spätklassizistischem Baustil mit weitgehend erhaltenem reichem Fassadendekor und in seiner besonderen Ecklage von städtebaulicher Bedeutung.