mini|hochkant|Kathedrale Notre-Dame-du-Puy von Grasse, Fassade Die Kathedrale Notre-Dame-du-Puy krönt eine Hügelkuppe inmitten der Altstadt von Grasse, einer französischen Stadt im Département Alpes-Maritimes mit Einwohnern (Stand ), zirka 20 Kilometer nördlich von Cannes, an der Côte d’Azur. Der Zusatz -du-Puy deutet auf diese Lage hin, da Puy Hügel bedeutet.

Grasse war vom 13. bis zum 18. Jahrhundert Bischofssitz.

Als Schutzpatron der Kathedrale wird der heilige Honorat von Arles genannt.

Geschichte

Über die Ursprünge der Kathedrale von Grasse ist nichts bekannt. Das angebliche Datum ihrer Weihe im Jahr 1189 ist urkundlich nicht zu belegen. Nachgewiesen ist lediglich die Verlegung des Bischofssitzes von ursprünglich Antibes nach Grasse im Jahr 1244. Er ist unwahrscheinlich, dass im 12. Jahrhundert eine Pfarrkirche in dieser Größe gebaut worden ist und damit der Entwicklung der Stadt vorauseilen konnte, die erst Ende des 12. Jahrhunderts aufzublühen begann. Hingegen ist es schlüssig, dass es einen kleineren Vorgängerbau gegeben hat, der zum Zeitpunkt der Verlegung des Bischofssitzes durch eine neue, angemessen große Kirche ersetzt wurde, die dem Anspruch einer Kathedrale als Repräsentanz des Bischofs, der Domherren und der gesamten Diözese genügte.Jaques Thirion: Romanik der côte d'azur und der Seealpen. 1984. S. 211 mini|hochkant=0.7|links|Johannes XXIII. (Gegenpapst) in der zeitgenössischen Konstanzer Konzilschronik Neben Spuren am heutigen Bauwerk erinnern auch etliche Texte an die zahlreichen Vorkommnisse, die es im Laufe der Jahrhunderte erleiden musste. So wurde der Kirchturm im Jahr 1410 vom Blitz getroffen und erheblich beschädigt. Der Gegenpapst Johannes XXIII. ermächtigte 1414 den Bischof, 2000 Dukaten auf die Güter aufzunehmen und weiterhin den Ertrag mildtätiger Stiftungen zu verwenden, um die Wiederherstellung zu bestreiten.Thirion 1984. S. 211

In den Jahren 1539, 1551, 1603 und 1607 wurden an der Kirche verschiedene handwerkliche Arbeiten durchgeführt. Ein Protokoll von 1633 anlässlich eines Besuchs des Msgr. de Villeneuve gibt eine Vorstellung der mittelalterlichen Kathedrale in dieser Zeit. Außer dem Hochaltar gab es im Süden den Johannesaltar und im Norden den Annenaltar, den der Nôtre-Dame de Miséricorde am fünften nördlichen Pfeiler, zwei Altäre an der Rückseite der Fassade, den Antoniusaltar im Süden und den des Petrus von Alexandrien im Norden, und schließlich den Altar der zehntausend Märtyrer am zweiten nördlichen Pfeiler. Den Chor begrenzte im letzten Joch ein Triumphbalken mit Triumphkreuz, flankiert von Maria, Johannes und Maria Magdalena.Thirion 1984. S. 212

Im Jahr 1687 beschloss man den Abbruch der alten Chorapsis, um sie bis Ende 1690 durch einen neuen Chor zu ersetzen. Dieser wurde durch den Maurermeister Jean Laugier aus Grasse erbaut. Den Hochaltar in diesem Chor schuf der Bildhauermeister François la Coste, ebenso aus Grasse. mini|hochkant|Foto der Fassade von Camille Entart (1862–1927) Von 1714 bis 1722 entstand dann unter dem Boden der Joche eins bis fünf eine Krypta, was Maßnahmen zum Abfangen der hohen Auflasten erforderlich machte. Den Auftrag dazu erteilte Msgr. de Mesgrigny „wegen der Unordnung, die die Beerdigungen verursachten“. Damals entstand die doppelläufige Freitreppe vor der Fassade, zwischen der ein dritter Lauf in die Krypta hinunter führt.Thirion 1984. S. 212

Etwa zur gleichen Zeit beschnitt man die Höhe der Seitenschiffe durch den Einzug von Zwischendecken ohne ästhetische Ansprüche, um auf den so entstehenden Emporen für die gestiegene Zahl der Gläubigen mehr Platz zu schaffen. Der Einzug der Emporen führte aber nicht zur Veränderung der Pfeilerquerschnitte, was eine Untersuchung von 1948 nachgewiesen hat.

Von 1738 bis 1744 wurde die elegante Sakramentskapelle im Barockstil geschaffen, die quer zum südlichen Seitenschiff nach außen vortritt. Am 15. Dezember 1742 vernichtete wieder ein Blitz den Glockenturm. Zwischen 1752 und 1757 hat Alexandre Gayet aus Riez, der ehemalige Bauunternehmer der Befestigungen von Grand Briançon, den Turm wieder aufgebaut.Thirion 1984. S. 212

1790 wurde das Bistum Grasse aufgehoben. Die alte Kathedrale, die während der Französischen Revolution (ab 1789) als Heuboden diente, wurde am 22. September 1795 durch einen Brand stark in Mitleidenschaft gezogen.

Bauwerk Die Kirche ist aus einem harten, glänzend weißen Kalkstein von feiner Körnung gebaut, der an Ort und Stelle gebrochen wurde. Nach dem Stein nennt man sie auch de la Turbie (ein kleiner benachbarter Höhenort). Das gleiche Material wurde auch verwendet für die Kathedrale von Antibes.Thirion 1984. S. 212–213 mini|hochkant=1.25|links|Notre-Dame-du-Puy, Kathedrale von Grasse, Schnitte, Handskizze mini|hochkant=1.9|Kathedrale Notre-Dame-du-Puy von Grasse, Grundriss, Handskizze Abmessungen(aus Plan entnommen und hochgerechnet) Gesamtlänge (außen): 41,75 m Langhauslänge (außen): 32,10 m Langhausbreite (außen): 15,95 m Langhausbreite (innen): 13,65 m Mittelschiffbreite (innen): 5,95 m Chorbreite (innen): 7,10 m Chortiefe (innen): 8,25 m Mittelschiffhöhe: 13,80 m Seitenschiffhöhe ursprünglich: 7,60 m Seitenschiffhöhe heute: 4,60 m Sakramentskapelle (innen): 5,10 × 7,90 m

Inneres Das Langhaus über einem lang gestreckten rechteckigen Grundriss und ist durch Scheidewände in drei Schiffe unterteilt, ein breiteres Mittelschiff, das von zwei schlankeren Seitenschiffen flankiert wird. In Längsrichtung wird es in sechs gleich breite Joche unterteilt. Die Joche des Mittelschiffs weisen leicht rechteckige Grundrisse in Querrichtung auf, die der Seitenschiffe sind auch leicht rechteckig, aber in Längsrichtung ausgerichtet. mini|hochkant|Mittelschiff zum Chor Der basilikale Aufriss besaß ursprünglich recht hohe Seitenschiffe ohne Tribünen für immerhin etwa 500 Jahre. Die Mittelschiffwände stehen auf im Querschnitt kreisrunden Säulen, die durch spitzbogige Arkaden verbunden sind, deren Bögen auf den Säulenrändern aufstehen. Ihre Laibungskanten weisen scharfkantige Versätze auf. Oberhalb der Seitenschiffarkaden gibt es eine recht hohe geschlossenen Wandzone, die von kaum auftragenden Wandpfeilern über den Säulenachsen aufgeteilt werden. Weiter oben treten die Wandpfeiler etwas weiter vor und reichen bis in die Höhe der Bogenansätze der Gurte und Rippen. Sie werden dort von kapitellartigen Kragsteinen abgedeckt, auf denen jeweils ein Gurtbogen und zwei flankierende Kreuzrippen aufstehen. Die Säulen bleiben ohne Basen, haben stattdessen etwa 63 Zentimeter hohe, oberseitig abgeschrägte Sockel. Sie enden oben ohne besonderen Abschluss in Höhe der Bogenansätze der Arkaden. Die Pfeilerform kann dem italienischen Einfluss zugeschrieben werden. Das Schiff ähnelt den majestätischen Säulenreihen von Sant’Abbondio in Como.Thirion 1984. S. 213 Auch dort findet man auf der Westwand und beidseitig des Chors halbrunde Säulen, auf denen die äußeren Arkadenbögen stehen. Ihre Kapitelle sind schlicht kubisch geformt. Zwischen dem fünften und sechsten Joch finden sich im Grundriss quadratische Pfeiler. Bei dem nördlichen handelt es sich um eine Verstärkung des runden Pfeilers beim Wiederaufbau des eingestürzten Kirchturms im 18. Jahrhundert. Aus Gründen der Symmetrie hat man damals auch den südlichen Pfeiler entsprechend ummauert. Auf den diesen Pfeilern gegenüberliegenden Außenwänden sind ebenso breite Wandpfeilervorlagen nachträglich angeordnet. Zwischen den Pfeilern und den Vorlagen der Wände sind leicht angespitzte Bögen gespannt, die den Arkadenbögen der Apsidiolen entsprechen. Derjenige im nördlichen Seitenschiff gehört ebenso zu Verstärkung des Turmunterbaus. mini|hochkant|Kreuzrippengewölbe des Mittelschiffs Die Kreuzrippengewölbe des Mittelschiffs mit im Querschnitt quadratischen Rippen stellen eine Meisterleistung der Steinmetze der Provence dar, die in der Hochschätzung antiker Monumente erzogen und aufgewachsen waren. Die Gurtbögen haben fast den gleichen Querschnitt wie die Rippen und stehen auf den vorstehend genannten Pfeilervorlagen. Auch die Kreuzrippen fallen schräg auf die Bogenansätze herab und enden zwischen den Pfeilervorlagen und den Wandoberflächen. Die Gurtbögen, wie auch die Kreuzrippen, die Schildbögen an den Wänden und dementsprechend die Gewölbezwickel sind deutlich angespitzt. Die Schlusssteine übernehmen die Querschnitte der ankommenden Rippen. In der Obergadenzone in Mitte der Schildbögen ist jeweils ein großes spitzbogiges Fenster ausgespart, dessen Gewände rundum aufgeweitet sind. Wegen des Glockenturms über dem letzten Joch des nördlichen Seitenschiffs wurde statt eines Fensters eine etwas tiefer liegende und leicht nach Osten verschobene Öffnung mit schlanken rundbogigen Zwillingsarkaden ausgespart, dessen Bögen gemeinsam auf einer schlanken Säule ruhen, die mit Kapitell, Kämpfer und Basis ausgestattet ist. Diese Öffnung in den Turm trägt nicht zu Belichtung des Schiffs bei. Im ersten Joch des Mittelschiffs ist in Höhe der Seitentribünen eine Balkendecke eingezogen, auf der eine große Orgel erhebt.

Die oberen Gewölbe der Seitenschiffe sind die ursprünglichen. Es sind Kreuzgratgewölbe, die von im Querschnitt quadratischen Gurtbögen unterstützt werden. Letztere stehen an den Wänden auf Kragkonsolen, die durch den nachträglichen Einbau der Emporenböden heute verdeckt sind. Die eingezogenen planen Decken der Seitenschiffe liegen knapp unter den Bogenansätzen der Arkadenbögen auf im Querschnitt rechtwinkligen Unterzügen, die unterseitig schwach korbbogenförmig sind und zwischen den Pfeilern gespannt sind. In den Seitenschiffen sind ebensolche Unterzüge von den Pfeilern zu den Wänden gespannt. Die glatten Untersichten der Deckenfelder sind an den Rändern rundum in breiten Kehlen ausgerundet. Ein Teil der Untersichten der Tribünen sind im Stil des Barock dekoriert. Die schiffseitigen Sichtseiten der Emporenböden sind oberseitig abgestuft. Darüber sind schmiedeeiserne Gitter als Absturzsicherung angeordnet. Im sechsten Joch der Seitenschiffe wurden keine Emporen eingezogen, da sich an deren Kopfenden Apsidiolen der Seitenkapellen neben dem Chor öffnen. mini|hochkant|Chor mit Hochaltar In den Seitenschiffen gibt es folgende Öffnungen: Im nördlichen Seitenschiff: Kleine rundbogige teils auch spitzbogige Fenster inmitten der Joche 1, 2, 3 und 6. Öffnung eines zweiflügeligen rechtwinkligen Seitenportals, von einer angespitzten Fensteröffnung überdeckt. Im südlichen Seitenschiff: kleine Fenster in den Jochen 1, 2 und 6. Große rechteckige Arkade in die Sakramentskapelle.

In der Westwand dominiert das große Hauptportal aus einer rechteckigen zweiflügeligen Tür mit einem spitzbogigen Fenster darüber. Ganz oben im Bereich des Schildbogens ist ein großes Fenster ausgespart, das mit Maßwerk mit drei Bogenständen dekoriert ist. Im Bereich der Emporen ist etwa mittig je ein spitzbogiges Fenster ausgespart. In der westlichen Kopfwand der Seitenschiffe gab es vor Errichtung der Freitreppe je ein Seitenportal mit einem halbrunden Fenster darüber, die aber zugemauert worden sind, als sie ihre Aufgabe verloren hatten.

In der Ostwand zwischen den Apsidiolen gab es ursprünglich einen Chor, vermutlich aus einem kurzen Chorjoch und einer halbrunden Chorapsis, die mit einer angespitzten Tonne überwölbt war, die in eine halbe Kugelkalotte überging. Der heutige fast quadratisch Chorraum wurde in der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts neu errichtet. Er ist von einem Tonnengewölbe überdeckt und wird auf den Seiten von je zwei rundbogigen Fenstern belichtet. Der Raum birgt den Hauptaltar und ist barock dekoriert. In den Chor öffnet sich fast in ganzer Mittelschiffbreite eine spitzbogige Arkade mit profilierten Bögen auf profilierten Kragkonsolen. Dieser Triumphbogen ist im Scheitel etwas höher als die Arkaden der Scheidewände. Darüber ist inmitten des Schildbogens ein angespitztes Fenster ausgespart, das mit Maßwerk dekoriert ist.