Unterleinach (unterfränkisch Ünnerleini; vor dem 15. Jahrhundert „Niedernleinach“) ist eine Gemarkung im unterfränkischen Landkreis Würzburg. Bis 1978 bestand die Gemeinde Unterleinach neben dem kleineren Oberleinach.

Die Gemarkung mit einer Fläche von 1525,50 HektarGemarkung Unterleinach auf geolytics.de, abgerufen am 18. November 2021 repräsentiert den nordwestlichen Teil des Gemeindegebietes von Leinach. Auf ihr liegt der nordwestliche Teil des Pfarrdorfs Leinach. Ihre Nachbargemarkungen sind Zellingen, Oberleinach, Greußenheim, Birkenfeld und Billingshausen.

Im Zuge der Gebietsreform in Bayern wurde die Gemeinde Unterleinach aufgelöst und ging am 1. Mai 1978 zusammen mit der südöstlich gelegenen Gemeinde Oberleinach in der Gemeindeneugründung Leinach auf. In der ehemaligen Gemeinde war das gleichnamige Pfarrdorf der einzige Gemeindeteil. Am 1. Oktober 1964 betrug die Gemeindefläche 1523,76 Hektar.

Der Gemeindeteilname Unterleinach wurde letztmals in der Ausgabe von 1978 der Amtlichen Ortsverzeichnisse für Bayern genannt, folglich muss die Aufhebung des Gemeindeteils zwischen dem 1. Mai 1978 und 1991 erfolgt sein.

Früher war Unterleinach in die bis heute noch bei den Einheimischen präsenten Dorfdistrikte „Unterdorf“, „Oberdorf“ und „Kleines Dörflein (Grupshausen)“ eingeteilt.Christine Demel u. a.: Leinach. Geschichte – Sagen – Gegenwart. Gemeinde Leinach, Leinach 1999, S. 21, 292 und 310–315. Die Leinacher nennen Unterleinach in mainfränkischer Mundart „Ünnerleini“, seine Einwohner „Ünnerleiner“.Christine Demel u. a.: Leinach. Geschichte – Sagen – Gegenwart. 1999, S. 471–472 und 568.

Ortsname Unterleinach (Ortsname seit dem 15. Jahrhundert;Christine Demel u. a.: Leinach. Geschichte – Sagen – Gegenwart. 1999, S. 131. historisch auch „Undernleinach“ (1375), „Unter Leinach“ (1728), „Underleinach“, „Undterleynach“ und „Undterleinach“, und – als Niederleinach oder Niedernleinach – „Nydern Lynach“ (1370), „Nydernlynach“ (1410/1414), „nydirn Lynach“ (1421), „Nidernlynach“ (1446), „Nyder Lynach“ (1454), „nydern Leynach“ (1406, 1433/1443) oder „Nydern Leinach“ und „Nidernleynach“ sowie „Nyder Leinach“ (1715), „Nydernlinach“ und „Niedern Leynach“ – bezeichnet) wurde oftmals nur „Lynach“, „Linach“, „Leinach“ oder „Lleynach“ genannt.

Geschichte

Siehe auch: Leinach#Geschichte

Mittelalter bis Frühe Neuzeit Das Kloster Ebrach verfügte ab 1370 mit einem seither Ebracher HofVgl. auch Günter Berthel: Ode an die geliebte Leinach. In: Main-Post. 3. Dezember 2006. genannten Anwesen über den als Notverkauf abgetretenen Hof des Edelknechts Gotz Hotz von Lynach zu Niedernlynach, genannt auch Gotzo von Leinach, aus der Familie der Edelknechte und Ritter von Leinach.Christine Demel u. a.: Leinach. Geschichte – Sagen – Gegenwart. 1999, S. 83–86, 97, 364–366, S. 422, Anm. 2 und 4, S. 425, 444 f. sowie S. 448, Anm. 9.

Von 1335 bis 1536 bezog das Kloster Heilsbronn Einkünfte (Gefälle) aus Unterleinach (bezeichnet auch als Leynach inferior).Christine Demel u. a.: Leinach. Geschichte – Sagen – Gegenwart. 1999, S. 202 („Bronnbacher Zins- und Gültbuch Anno 1529 für Leynach inferior“) und 371 f.

Unterleinach gehörte früher zum Amt Karlstadt, ab 1687 zum Amt Veitshöchheim. Vom Hochmittelalter bis 1457 sind die Ritter und Ministerialen von Leinach in Unterleinach genannt. Von 1317 bis etwa 1640 hatten die Reichsfreiherren von Thüngen Besitz in Unterleinach.Christine Demel u. a.: Leinach. Geschichte – Sagen – Gegenwart. 1999, S. 6, 15, 21 und 367–369. Von 1403 bis 1484 erhielten die Grafen von Wertheim, denen das Dorf ebenso wie Oberleinach verpfändet worden war, Steuern aus Unterleinach.

Über Besitz in Unterleinach verfügten zudem weitere niederadelige Familien sowie von 1436 bis 1642 die Nürnberger Patrizierfamilie Holzschuher.Christine Demel u. a.: Leinach. Geschichte – Sagen – Gegenwart. 1999, S. 76, 112, 119–122, 128, 318, 371–374, 429 und 440.

Ab 1484 war Unterleinach wieder würzburgisch und beherrscht durch das Ritterstift St. Burkard. In Unterleinach befand sich 1498 ein dem 1496 von Johann von Allendorf gestifteten Spital zu den 14 Nothelfern in Würzburg gehörender „Spitalhof“, der bis 1375 den Herren von Leinach (bzw. dem Familienzweig „von Geurichsheim“, auch „Gerichsheim“ usw., d. h. von Gerchsheim) gehört hatte, bis ihn Johann von Allendorf 1473 gekauft hat.Christine Demel u. a.: Leinach. Geschichte – Sagen – Gegenwart. 1999, S. 21, 58, 81 f., 86, 95–98, 117, 121, 127–129, 200, 288, 294, Anm. 4, S. 321 f., 313 f. und 333.

Während des Dreißigjährigen Krieges fielen ab 1631 die Schweden ein, und in der Folge hatte Unterleinach auch später noch darunter und unter weiteren Plünderungen zu leiden.Christine Demel u. a.: Leinach. Geschichte – Sagen – Gegenwart. 1999, S. 160–162, 163–166 und 444.

19. Jahrhundert Das von 1884 bis 1987 im Besitz der Wirte-Familie Ehehalt stehende und von ihr umgebaute „Gasthaus zum Lamm“, früher auch „Lutzahall“ und „Luzahall“ genannt, geht als ehemalige Schenkstatt der Gemeinde Unterleinach auf das Jahr 1580 zurück. Zeitweise diente das inzwischen abgerisseneWeinseligkeit in der Sargschreinerei. In: Main-Post. Juli 2007. Gemeindewirtshaus mit Ratsstube und Arrestzelle als Rathaus. Das Gasthaus zum Lamm war jedoch nicht das älteste Wirtshaus in Unterleinach; zuvor bestand schon ein „Wirtshaus zu Nydern Leynach“.Christine Demel u. a.: Leinach. Geschichte – Sagen – Gegenwart. 1999, S. 21, 169, 172, 290, 292, Anm. 7, S. 293 f., 302–306 und 423 f.

Der ehemalige Stiftshof des in beiden Leinach Zehentbezieher gewesenen Ritterstiftes St. Burkard in Unterleinach wurde von der Gemeinde 1869 erworben und als (zweites) Rathaus und Lehrerwohnhaus genutzt. Dieses Rathaus wurde im Dezember 1975 geschlossen und das Gebäude im April 1976 abgerissen. Ein drittes Rathaus war 1972 geplant und angesichts der erwarteten Vereinigung von Unterleinach mit Oberleinach in der Mitte zwischen Ober- und Unterleinach 1975 erbaut worden.Christine Demel u. a.: Leinach. Geschichte – Sagen – Gegenwart. 1999, S. 23, 58. 146, Anm. 1, S. 172–179, 295–297, 302, 333, 375, 385, 470, 500 und 647.

20. Jahrhundert Um 1900 erfolgte die Aufforstung mit Schwarzkiefern. Die erste Flurbereinigung erfolgte zwischen 1903 und 1930 auf einem Gebiet von 1258 ha, die Schlussfeststellung erfolgte 1933. Die zweite Unterleinacher Flurbereinigung wurde in den 1970er und 1980ern durchgeführt.Christine Demel u. a.: Leinach. Geschichte – Sagen – Gegenwart. 1999, S. 23, 263 und 461–463.

Ab dem 21. März 1933, dem Tag der Reichstagseröffnung in Berlin, wehte unter dem Bürgermeister Joseph Roth die Hakenkreuzfahne auf dem Unterleinacher Rathaus.Christine Demel u. a.: Leinach. Geschichte – Sagen – Gegenwart. 1999, S. 483–490, hier: S. 484.

Während des Zweiten Weltkrieges (1939–1945) wurden 1940 in Unterleinach französische Kriegsgefangene, die im Gasthaus zum Lamm untergebracht waren, sowie als Ostarbeiter bezeichnete Polen und Ukrainer, die bei Bauern wohnten, zu Arbeiten in der Landwirtschaft eingesetzt. Am 3. April 1945 wurde Unterleinach widerstandslos durch amerikanische Truppen besetzt.Christine Demel u. a.: Leinach. Geschichte – Sagen – Gegenwart. 1999, S. 186, 389 und 486.Vgl. auch Christine Demel u. a.: Leinach. Geschichte – Sagen – Gegenwart. 1999, S. 483–490.

Letzter Bürgermeister von Unterleinach war der spätere Bürgermeister von Leinach, Andreas Oestemer.

Religion Peterskapelle mini|Kapelle St. Peter

Bis ins Jahr 1800 war in der alten Peterskapelle in „Nydern Leynach“ (1406), welche 1363 capella Petry et Pauli genannt wurde, die sogenannte Johannisschüssel „Johannis Haupt“, eine kostbare, um 1600 geschaffene Votivgabe, die nun in der neuen Pfarrkirche aufbewahrt ist, Ziel von Wallfahrern.Christine Demel u. a.: Leinach. Geschichte – Sagen – Gegenwart. 1999, S. 21, 311 (Farbtafel 19), 320–322, 326 und 333.

Kirche Allerheiligen

mini|Allerheiligen. Rechts unten eine Teilansicht des Baudenkmals Hauptstraße 30, ehemalige Schule von 1878/79,Ehemalige Schule auf DenkmalAtlas ein wiederhergestelltes Gebäude auf dem Gelände des ehemaligen FronhofesVgl. Christine Demel u. a.: Leinach. Geschichte – Sagen – Gegenwart. 1999, S. 60, 311 und Farbtafel 20.

Die innerhalb des Geländes des ehemaligen Fronhofs in Unterleinach gelegene Kirche hatte ursprünglich (belegt 1297 als Pfarrkirche zur Sel. Jungfrau Maria und St. Burkard) das Patrozinium „Beate Marie Virginis und Burkhard“.

Die als ehemalige Hauptkirche des Leinachtals geltende Pfarrkirche in „Lynach“ gehört zu den ältesten Kirchen der Diözese Würzburg.

Ab 1669 hieß die alte, 1419 zur Kirchenburg befestigte und mit ihrem mächtigen Chorturm versehene, Pfarrkirche von Unterleinach Allerheiligen. Im Volksmund wurde sie, nach dem 1608/1609 von dem Würzburger Fürstbischof Julius Echter um ein steinernes Geschoss und 1612 eine hohe „Echterspitze“ erweiterten Chorturm, „Julius-Echter-Kirche“ oder „Echterkirche“ genannt.Christine Demel u. a.: Leinach. Geschichte – Sagen – Gegenwart. 1999, S. 21, 75, 123, 311, 328–332, 336 f., 339 und 349.

Ab 1976 wurde der zwischen Ober- und Unterleinach auf der Gemarkung Oberleinach errichtete Kirchenneubau Communio Sanctorum die Pfarrkirche Unterleinachs.Christine Demel u. a.: Leinach. Geschichte – Sagen – Gegenwart. 1999, S. 336. Die Kirche Allerheiligen wurde 1998 wieder als Kirchenraum für die Gemeinde zur Verfügung gestellt.Barbara Shatry: Neue Impulse für die Julius-Echter-Kirche. In: Christine Demel u. a.: Leinach. Geschichte – Sagen – Gegenwart. 1999, S. 352–354, hier: S. 346 und 352.

Jüdische Kultusgemeinde Die ersten schriftlichen Hinweise auf eine bis 1885 bestehende, um 1803 25 und später maximal 67 Personen umfassende, jüdische Kultusgemeinde in Unterleinach stammen aus dem Jahr 1403. Manche Juden ließen sich in Unterleinach, insbesondere während der Herrschaft des Fürstbischofs Julius Echter (1545 bis 1617), taufen. Ihre Toten beerdigten die Juden Unterleinachs auf dem 1665 angelegten Bezirksfriedhof oberhalb der Gemeinde Laudenbach bei Karlstadt. Zwischen 1811 und 1875 erfolgten dort 49 Beerdigungen von Angehörigen der jüdischen Gemeinde Unterleinachs.Christine Demel u. a.: Leinach. Geschichte – Sagen – Gegenwart. 1999, S. 9, 21 und 429–440. Hinter dem Gasthaus zum Lamm befand sich die 1815 gebaute, ein zuvor als Bethaus genutztes Zimmer von „Schmul Jud“ ablösende, Synagoge von Unterleinach, wo auch Religionsunterricht abgehalten wurde. Zuvor hatten die jüdischen Kinder bis 1813 Unterricht durch einen von der Kultusgemeinde bezahlten Privatlehrer erhalten, danach besuchten sie mit den christlichen Kindern die öffentliche „Freie Schule“. Um 1815 hatte Unterleinach 39 jüdische Einwohner in sechs Familien, 1834 waren es 63 Personen. Im Jahr 1883 lebten 15 jüdische Familien in Unterleinach, die aber im Rahmen einer allgemeinen Landflucht der Juden bis 1885 zum größten Teil nach Karlstadt umgezogen sind. Als Mikwe (Tauchbad) hatte der jüdischen Gemeinde ab etwa 1745 eine ehemalige, bis ins 18. Jahrhundert als solche seit spätestens 1421 betriebene, dem Gotteshaus St. Burkard zinspflichtige Badestube gedient, die 1911 zur Pumpstation „Wasserwerk Unterleinach“ umfunktioniert wurde. Nach dem Wegzug der jüdischen Gemeinde wurde das Gebäude der bis etwa 1885 bestehenden Synagoge zunächst privat und später durch die Gemeinde Unterleinach erworben und unter anderem als Wohnhaus, Armenhaus und Lagerhaus genutzt; 1991/1992 wurde es abgerissen.Christine Demel u. a.: Leinach. Geschichte – Sagen – Gegenwart. 1999, S. 151 f. (Die mittelalterliche Badstube zu Unterleinach), 426 f., 429–440, hier: S. 431–435 und 438 f.

Schule