315x315px|mini|Andino (2020) Andino (* 23. März 1961 in Büderich, bürgerlich Andreas Michel) ist ein deutscher Zauberkünstler, Philosoph, Pädagoge, Autor und Moderator.
Leben Andino wuchs in Koblenz auf. Bereits im Alter von zehn Jahren entdeckte er seine Leidenschaft für die Zauberkunst und gab kleine Zaubervorstellungen auf der Basis von Zauberkästen. Mit 13 Jahren stieß er zum Magischen Zirkel in Koblenz und gab 2 Jahre später eine erste Vorstellung vor einem größeren Publikum auf Burg Rothenfels im Spessart. Bereits 1978 erfolgte die erste Veröffentlichung in der Fachzeitschrift Magische Welt. Nach dem Abitur auf dem Gymnasium auf der Karthause leistete er von 1980 bis 1982 seinen Zivildienst in der katholischen Hochschulgemeinde Koblenz Anschließend studierte er von 1982 bis 1991 an der Universität Bonn, Katholische Theologie, Politikwissenschaft, Psychologie, Pädagogik und Philosophie und machte dort auch seine Diplom-Abschlüsse in Theologie und Pädagogik. Ab 1986 professionalisierte er seine Zauberkunst, um sich das Studium der Philosophie zu finanzieren. Damit setzte er die Zauberei von Anfang an als integralen Bestandteil seines Lebensweges um.
In Bonn wurde er 1991, bei Prof. Dr. Gerhard Pfafferott, über Ökologisches Denken bei Albert Schweitzer, Max Horkheimer, Albert Camus und Bertrand Russell promoviert. Seine philosophische Dissertation wurde noch im selben Jahr als Buch, mit dem Titel Denken in der Krise, publiziert. Die Auseinandersetzung mit dem existenzialistischen Denken von Albert Camus, der die Absurdität und die Grenzen der Vernunft thematisierte und seine Ideen in nicht-systematischer, literarischer Form darstellte, bietet eine methodologische Blaupause für Andinos eigenen Zugang zur Philosophie. Im gleichen Jahr wählte er mit 30 die Zauberkunst zu seinem Hauptberuf.
Andino ist seit 1987 mit der promovierten Biochemikerin Sabine Michel verheiratet. 1993 wurde die gemeinsame Tochter Susanne geboren, die 2022 die Enkeltochter Lina und 2024 Emilia zur Welt brachte. Seit 1991 wohnt er in einem Haus auf der Karthause in Koblenz direkt neben dem Haus, in dem er aufwuchs. Dort befindet sich auch sein Zauberatelier, in dem auch die Gesprächsabende des Club-Philo stattfinden.
1992 erhält Andino einen Lehrauftrag an der damaligen Universität Koblenz-Landau (seit dem 1. Januar 2023 Universität Koblenz). Diesem ersten Lehrauftrag folgen 1993 und 1994 zwei weitere. 1992 begann er ebenfalls eine nebenberufliche Tätigkeit in der philosophischen Erwachsenenbildung, die für seine späteren zauberphilosophischen Programme entscheidend wurde. Beeinflusst durch den norwegischen Schriftsteller Jostein Gaarder (Sophies Welt) und Marc Sautet (Ein Café für Sokrates) einem französischen Schriftsteller und Philosoph, wuchsen Zauberei und Philosophie zusammen. Im gleichen Jahr begann er den Titel Zauberphilosoph zu benutzen.
1993 gründet er die Varietés für Vernunft in der Kulturfabrik Koblenz, einem freien Theater für Kleinkunst. Der Erlös der Varietés und anderer folgender Veranstaltungen dient der Unterstützung der Flüchtlingsarbeit der evangelischen Kirche.
Andino moderiert regelmäßig öffentliche philosophische Diskussionen wie das Café Philosophique den Club-Philohttp://www.kommata.de/kunden/andino/index.php?treeid=730&id=2717&sprache=&wibl=1Club-Philo und die Philosophischen Sommernächte.https://www.vhs-koblenz.de/ Zudem gibt er seit 1992 philosophische Kurse bei der Volkshochschule (VHS) Koblenz, später kamen andere Volkshochschulen und Bildungswerke hinzu. Im Jahr 2000 gründete er zusammen mit Hartmut Bierschenk und Mathias Jung das Koblenzer Café Philosophique, ein Forum des moderierten öffentlichen Gesprächs zu einer breiten Themenpalette.
Am 4. September 2018 erlitt Andino einen schweren Herzinfarkt, der von mehrfachem Kammerflimmern und kleineren Schlaganfällen (zerebrovaskulären Insulten) gefolgt wurde. Im Jahr 2019 erfolgte die Rehabilitation. Nachdem er sich selbst wieder für gesund erklärt hatte, folgte 2020 die Covid-19-Pandemie. Dies resultierte in einer fast dreijährigen Auftrittspause, die er zur Entwicklung seines Best-Off-Programms „ScheinSpiele“ nutzte.
Andreas Michel-Andino hat seit 1991 als Autor rund 20 und als Herausgeber 2 Bücher publiziert. Seit 2005 unterhält er eine Kolumne in der Zeitschrift Magische Welt unter dem Titel Was ist (Zauber-)Kunst?. Sie gehört zu den am längsten laufenden Serien in einer Zauberzeitschrift. Von ihm liegen insgesamt ca. 400 Artikel in Fachzeitschriften und verschiedenen Sammelwerken vor, darunter mehrere Serien und Kolumnen in Zauberfachzeitschriften hauptsächlich zur Theorie und Geschichte der Illusionskunst.https://www.lybrary.com/search.php?keywords=Andino
Zauberphilosophie Philosophie Für Andino haben Philosophie und Zauberkunst sehr viel gemeinsam. Zauberer und Philosophen zerstören vermeintliche Sicherheiten; Philosophen durch unangenehme Fragen und Zauberer durch Sinnestäuschungen. „Der Zauberphilosoph ist in Wirklichkeit nichts anderes als ein Philosophiedidaktiker, der dem Publikum mit Hilfe der Täuschungskunst die Mangelhaftigkeit der menschlichen Wahrnehmungsfähigkeit vor Augen führt und künstlerisch umsetzt.“
In seiner Dissertation und Publikation „Denken in der Krise“ widmet sich Andreas Michel-Andino einer Vielzahl philosophischer Themen, wobei ein Schwerpunkt auf dem Ökologischen Denken liegt. Er analysiert die Ansätze von Albert Schweitzer, Max Horkheimer, Albert Camus und Bertrand Russell, die alle einen Beitrag zur Mitweltethik geleistet haben, obwohl sie noch vor dem Erscheinen des Berichts des Club of Rome verstarben. Andino diskutiert die Verbindung zwischen ökologischen und sozialen Aspekten sowie die Didaktik des philosophischen Denkens in Krisenzeiten. Das Werk beleuchtet zudem die Herausforderungen und Perspektiven, die sich aus diesen Denktraditionen ergeben.
Andino meint zur Nachhaltigkeit:
„Was wir heute Nachhaltigkeit nennen, ist nur ein anderer Name für das, was in den 80er Jahren ‚Ökologisches Denken‘ genannt wurde und zwar im vollumfänglichen Sinne der Einbeziehung von Klima, Sozialem, Naturschutz und der Gerechtigkeit. Nur der Weltfrieden spielt bei der Nachhaltigkeit nach dem Ende des Kalten Kriegs keine so entscheidende Rolle mehr, gehört aber nach wie vor dazu“
Im Rahmen der Ausarbeitung der Publikation „Denken in der Krise“ identifizierte Andino eine signifikante Interaktion zwischen den Konzepten der Skepsis und Utopie. Diese beiden Begriffe dienen ihm seither als ein grundlegender Aspekt seines Denkens und tauchen in seinen späteren Werken wiederholt auf. Auch in seinen Zauberphilosophischen Vorführungen werden sie thematisiert. Andino ist der Auffassung, dass diese beiden Begriffe eine umfassende Analyse aller menschlichen Probleme ermöglichen und dabei bemerkenswerte Erkenntnisse hervorbringen.
In seiner Abhandlung "Kleine Philosophie des Lachens" vertritt Andreas Michel-Andino die These, dass das Phänomen des Lachens letztlich nicht vollständig erklärbar ist. Eine vollständige Erklärung von Humor und Lachen würde ihrem Wesen nach auch ihr Ende bedeuten. An die Stelle einer finalen Erklärung des Lachens setzt er das Genie, das vor allem in der Tragikomödie aus dem Lachen eine große Kunst machen kann. Dies ist jedoch nicht auf einfach anwendbare Gesetze zurückzuführen.
Zauberkunst Die Abgrenzung der Andinos Zauberkunst von esoterischen oder mystischen Strömungen, die im allgemeinen Sprachgebrauch oft mit Magie assoziiert werden, ist von entscheidender Bedeutung. Während diese Konzepte oft eine Suche nach transzendenter oder verborgener Wahrheit repräsentieren, ist der Ansatz von Andino entschieden aufklärerisch. Seine Vorgehensweise ist nicht die Vortäuschung übernatürlichen Könnens, sondern die Enthüllung der Mechanismen der Wahrnehmung und des menschlichen Geistes. Wie in Presseberichten dargelegt, ist bei Andino von einer als „heitere Aufklärung“ bezeichneten Vorgehensweise auszugehen. Seine Arbeit reflektiert die Natur der Täuschung, die Wahrhaftigkeit des Scheins und die Faszination für das Unmögliche, wobei er diese philosophischen Werkzeuge nutzt.
Andino steht nicht isoliert in seinem Schaffen, sondern reiht sich in die Tradition deutscher „Intellektuellenzauberer“ ein. Eine der bedeutendsten Figuren dieser Strömung ist Alexander Adrion (1923–2013), den Andino selbst als den „bedeutendsten deutschen Intellektuellenzauberer des 20. Jahrhunderts“ würdigte. Adrions berühmtes Motto „Nur der Schein trügt nicht“ dient als intellektueller Anknüpfungspunkt für Andinos eigene Auseinandersetzung mit dem Verhältnis von Schein und Sein und untermauert seine bewusste Einordnung in diese geistige Linie der Zauberkunst.
Im Buch „Philosophie des Zauberns“ befasst sich Andino mit den philosophischen Aspekten der Zauberkunst. Dabei wird zunächst die Frage erörtert, ob Unterhaltung als Kunstform betrachtet werden kann. In diesem Kontext werden zudem die psychologischen Implikationen der Illusionskunst beleuchtet.
Synthese Die von Andino als Synthese von Philosophie und Illusionskunst entwickelte Zauberphilosophie beleuchtet und veranschaulicht eine Reihe von philosophischen Sparten, darunter:
Seine Erkenntnistheorie befasst sich mit Fragen zur Wahrnehmung und Täuschung, wobei philosophische Theoreme mit Hilfe der Illusionskunst veranschaulicht werden.
Die Ethik befasst sich mit den moralischen Überlegungen zur Täuschung und deren Auswirkungen auf das Publikum. Dabei stellt sich die Frage, inwiefern die Verwendung von Täuschung und Lüge in der Illusionskunst zulässig ist.
In seinen Untersuchungen zur Natur der Realität und Illusion (Metaphysik), stellt er eine weitere Besonderheit der Zauberkunst heraus, nämlich dass eine Illusion lediglich in den Köpfen der Zuschauer existiert. Dies ist zwar bei allen Künsten der Fall, wird jedoch nur beim Zaubern unmittelbar einsichtig.
Seine Ästhetik beschäftigt sich mit der Untersuchung von Kunst und Schönheit im Kontext der Zauberkunst.
Die Zauberphilosophie von Andino ist eine kohärente und tiefgründige Methode, die die Zauberkunst aus ihrer traditionellen Rolle als bloße Unterhaltung befreit. Sie ist angewandte Erkenntnistheorie, eine performative Metaphysik und eine ästhetische Verteidigung der Illusionskunst. Die zentralen Ideen seiner Arbeit gründen auf der These, dass sowohl Zauberkünstler als auch Philosophen die Gewissheiten des menschlichen Geistes in Frage stellen. Er ist der Ansicht, dass die Illusion nicht nur eine Täuschung der Sinne, sondern auch ein erkenntnisstiftendes Phänomen ist, das im Kopf des Betrachters entsteht.
Sein Schaffen demonstriert eindrucksvoll, dass die größten philosophischen Einsichten oft in unerwarteten Kontexten zu finden sind. Andinos Vermächtnis liegt in der praktischen Demonstration, dass Philosophie nicht auf den Elfenbeinturm beschränkt bleiben muss, sondern lebendig, interaktiv und sogar humorvoll sein kann. Er hat einen einzigartigen Ansatz entwickelt, um die komplexen Themen Wahrheit, Täuschung und Realität für ein breites Publikum verständlich zu machen. Seine Herangehensweise steht beispielhaft für eine moderne Aufklärung, die den Zauber des Denkens nutzt, um zur Erkenntnis zu gelangen.
Rezensionen
Programme Alles nur Illusion. Eine Komödie der möglichen Unmöglichkeiten. Premiere 26.01.1992 im Café Hahn, Koblenz-Güls Die Philosophie des Zauberns. Premiere 28.02.1999 im Theatersaal der VHS-Koblenz, Koblenz PHILOZAUBER. GedankenSpiele-Illusionen. Premiere 09.03.2003 im Privattheater Konradhaus, Koblenz-Ehrenbreitstein SAITENZAUBER. Duo-Programm mit einem klassischen Gitarristen, Premiere 29.02.2004 im Konzertsaal der Musikschule Koblenz, Koblenz TASTENZAUBER. Duo-Programm mit dem Pianisten Bieno, Premiere 10.04.2005 im Konzertsaal der Musikschule Koblenz, Koblenz SANGESZAUBER. Duo-Programm mit dem Bassbariton Volker Tramp, Premiere 24.02.2008 in der ehemaligen Pallottinerkapelle, Koblenz-Ehrenbreitstein