Oaxaca de Juárez (Zapotekisch Ndua, meist auch nur Oaxaca) ist eine mexikanische Stadt, Hauptstadt des Bundesstaates Oaxaca sowie Hauptort der gleichnamigen Gemeinde. Sie liegt im Bezirk Centro in der Region Valles Centrales des Bundesstaates, 550 Straßenkilometer von Mexiko-Stadt entfernt, und ist die flächenmäßig größte und bevölkerungsreichste Stadt des Bundesstaates sowie dessen kulturelles Zentrum. Sie wurde um das Jahr 1486 von einer Abteilung mexikanischer Krieger gegründet, die vom achten Tlatoani, Kaiser Ahuízotl, entsandt worden waren. Im Jahr 1532 erhielt sie durch königliche Urkunde von König Karl von Spanien den Titel „Sehr edle und treue Stadt“ und hieß zunächst Antequera de Oaxaca, ein Name, der im Jahr 1821 durch den Namen Oaxaca ersetzt wurde. Der Kulturtourismus ist ein wichtiger Teil der Wirtschaft der Stadt und umfasst zahlreiche Bauwerke aus der Kolonialzeit, bedeutende archäologische Stätten sowie Elemente der bis heute fortbestehenden indigenen Kulturen der Zapoteken und Mixteken. Die Stadt wurde zusammen mit der nahegelegenen archäologischen Stätte Monte Albán 1987 zum UNESCO-Weltkulturerbe erklärt.

Der Name der Stadt mini|100px|links|„Ort an der Spitze der Weißkopfmimose“ Der Name der Stadt Oaxaca ist abgeleitet von dem unter der aztekischen Herrschaft im 15. Jahrhundert gebräuchlichen Huāxyacac aus der Nahuatl-Sprache. Der Name ist aus zwei Gliedern zusammengesetzt: huāxin bedeutet Weißkopfmimose, eine Pflanze, die in der Region sehr verbreitet ist, yacatl bedeutet wörtlich „Nase“, zusammen mit dem Lokativ-Suffix für auf einen Vokal endende Stämme c: „an der Spitze“. Demnach würde der Name „der Ort an der Spitze der Weißkopfmimose“ bedeuten. Unter der spanischen Schreibung Guaxacac und der autochthonen Hieroglyphe ist der Ort in der aztekischen Tributliste des Codex Mendoza aufgeführt. In den indianischen Sprachen sind folgende Namen gebräuchlich: La'A' oder Lula'A in zapotekischer Sprache, Nunduva oder Ñuhundua in mixtekischer Sprache und weitere.

Der Beiname ist eine Reverenz an den mexikanischen Präsidenten und Nationalhelden Benito Juárez, der indianischer Abstammung war und in der Nähe geboren wurde.

Geographie Lage

Oaxaca de Juárez liegt im Valle Central, einem Haupttal der Sierra Madre del Sur. Dieser Gebirgszug im Süden Mexikos erstreckt sich über 1000 km vom Süden Michoacáns bis zum Isthmus von Tehuantepec im Osten von Oaxaca.

Stadtgliederung mini|Regionen Oaxacas In der folgenden Tabelle sind die Gemeinden Oaxacas sowie deren Fläche und Einwohnerzahl nach der Volkszählung des Jahres 2020 aufgeführt.

INEGI-Nr. Gemeinde Flächein km² Einwohner2020 20067 Oaxaca de Juárez 89.5 270.955 20087 San Agustín Yatareni 6.4 5.521 20091 San Andrés Huayápam 27.6 6.279 20107 San Antonio de la Cal 11.0 26.282 20157 San Jacinto Amilpas 4.2 16.827 20293 San Pablo Etla 44.4 17.116 20385 Santa Cruz Xoxocotlán 43.9 100.402 20390 Santa Lucía del Camino 9.4 50.362 20399 Santa María Atzompa 31.3 41.921 Quelle: Instituto Nacional de Estadística y Geografía (INEGI)

Klima Oaxaca weist aufgrund seiner Höhenlage von 1.555 m ein tropisches Savannenklima (Köppen-Klimaklassifikation Aw) auf. Während der Trockenzeit bleiben die Tagestemperaturen warm, mit einer durchschnittlichen Höchsttemperatur von 27,6 °C im kühlsten Monat, dem Dezember, und einer durchschnittlichen Höchsttemperatur von 32,6 °C im April, kurz vor Beginn der Regenzeit. Obwohl die Tagestemperaturen warm sind, sind die Nachttemperaturen kühl mit einer durchschnittlichen Tiefsttemperatur von 9 °C im Januar. Aufgrund seiner Höhe ist das Klima in Oaxaca kühler als in Tieflandgebieten auf demselben Breitengrad. Die Niederschläge konzentrieren sich auf die Sommermonate, wobei der Juni mit einer durchschnittlichen Niederschlagsmenge von 134 mm der regenreichste ist. Die Niederschlagswerte für den Zeitraum 1923–2021 weichen etwas davon ab. Regen (ca. 607 mm/Jahr) fällt überwiegend im Sommerhalbjahr.

Geologie und Tektonik Das Region um Oaxaca weist eine uralte und komplexe Geologie auf. Sie besteht aus einer Mischung aus präkambrischen metamorphen Gesteinen (im Alter von 4,6 Milliarden bis 541 Millionen Jahren), mesozoischen Sedimentschichten (vor 252 bis 66 Millionen Jahren) und tertiären magmatischen Gesteinen (vor 66 Millionen bis 2,6 Millionen Jahren). Der Talboden besteht aus Gneisen (grob- bis mittelkörnige metamorphe Gesteine) und Myloniten (feinkörnige Gesteine, die entlang von Verwerfungszonen vorkommen). Zu den Oberflächengebirgen gehören Schiefer, Granodiorit und Kalksteine, wobei letztere auf das Vorhandensein eines Binnensees oder Meeres hindeuten.

mini|Karte der tektonischen Aktivitäten zwischen den mittelamerikanischen Platten Die tektonisch aktive Zone ist Teil des Oaxaca-Verwerfungssystems, wo die Cocos-Platte entlang des Mittelamerikanischen Grabens unter die Nordamerikanische Platte abtaucht. Etwa 25 % aller Erdbeben in Mexiko ereignen sich hier.

Erdbeben mini|Erdbebenkarte vom 23. Juni 2020 mit Epizentrum in Santa María Xadani, M7.4 (USGS) In der Geschichte der Stadt haben zahlreiche Erdbeben eine Rolle gespielt. So wurden beispielsweise die Bauarbeiten an der Kathedrale oder am Regierungspalast wiederholt durch Erdbeben zurückgeworfen. In der Literatur wird von Beben berichtet, die in den Jahren 1562, 1801, 1815, 1821, 1825, 1836 und 1837 starke Beschädigungen angerichtet haben. In den historischen Aufzeichnungen (u. a. der Universidad National Autónoma de México und dem Instituto Panamericano de Geografia e Historia) finden sich diese Beben jedoch nicht. Dokumentiert sind neun Erdbeben mit einer Magnitude von 6,0 und mehr zwischen 1907 und 1987. Im Jahr 1999 beschloss die Stadtverwaltung die Errichtung eines Erdbebenwarnsystems. Dieses Sistema de Alerta Sísmica de Oaxaca (SASO) genannte System ist seit 2003 in Betrieb und ist jetzt integraler Teil des mexikanischen Erdbebenwarnsystems Sistema de Alerta Sísmica Mexicano (SASMEX).

Bodenschätze Rund um Oaxaca de Juárez finden sich Gold-, Blei- und Uran-Minen. Der Abbau von Schwefel lag 2026 vor Zink, Blei und Kupfer. Die Praktiken global operierender Unternehmen, die ohne Genehmigung Bodenschätze ausbeuten, werden immer wieder von betroffenen Gemeinden angeprangert.

Geomorphologie mini|Blick von der MEX-175 nahe KM16801 03 Das Relief ist sehr vielfältig gegliedert, da durch unterschiedliche Gesteinsarten – Kreidekalke und Granite – die Erosion sehr stark ist. Sedimente aus der Erosion der umliegenden Berge haben einen Großteil des Tals aufgefüllt.

Orographie Die zentrale Hochtalsenke, in der sich Oaxaca de Juárez in einer Höhe von ca. befindet, wird von einer Reihe von Bergketten umschlossen, deren westlicher Teil als Sierra La Mixteca und deren östlicher Teil als Sierra Norte de Oaxaca bezeichnet wird. Die höchsten Gipfel der Sierra Madre del Sur sind der Cerro Nube Flane (3700 m) und der Cerro Zempoaltépetl (3400 m).

Böden Den größten Anteil nimmt der Luvisol mit 27,56 % ein, gefolgt vom Leptosol mit 19,50 %, dem Regosol mit 15,93 % und dem Cambisol mit 11,76 %. Luvisole sind exzellente Ackerböden, da die Kombination aus mäßig sauren Oberböden und Unterböden mit höheren pH-Werten die Verfügbarkeit aller wichtigen Pflanzennährstoffe ermöglicht. Hauptproblem ist die Erosionsgefahr. Leptosole weisen eine geringe Wasserspeicherkapazität auf und sind durch ihre Flachgründigkeit nährstoffarm. Regosole sind prinzipiell landwirtschaftlich nutzbar. Wegen der Eigenschaften des sandigen Ausgangsmaterials (Nährstoffarmut, niedrige pH-Werte, Erodierbarkeit und geringe Wasserhaltefähigkeit) sind die Ertragserwartungen aber gering und unsicher. Im Anbau befinden sich Kulturen mit geringen Ansprüchen, solche die lockere, warme Böden bevorzugen oder Generalisten. Entsprechend ihrer großen Bandbreite sind Cambisole von sehr unterschiedlicher Fruchtbarkeit. Tiefgründige Cambisole mit hoher Basensättigung sind gute Ackerböden.

Geschichte Vorspanische Zeit Die Völker der Zapoteken und Mixteken waren seit Jahrtausenden im Tal von Oaxaca ansässig ― insbesondere im Zusammenhang mit dem Machtzentrum auf dem Monte Albán und in Mitla. Die heutige Stadt Oaxaca entwickelte sich nahe an diesen Orten. Die Azteken drangen 1440 in das Tal ein, etablierten unter Ahuitzotl im Jahr 1486 ihre Herrschaft in dieser Region und nannten es „Huaxyacac“. Sie errichteten einen strategischen militärischen Außenposten an dem Ort, der heute Cerro (großer Hügel) del Fortín heißt, um die Zapoteken-Hauptstadt Zaachila zu überwachen und die Handelsroute zwischen dem Tal von Mexiko, Tehuantepec und dem heutigen Mittelamerika zu sichern. Als die Spanier 1521 eintrafen, befanden sich die Zapoteken und Mixteken in einem ihrer vielen Kriege. Die spanische Eroberung beendete diese Kämpfe und zwang der Region eine Art imperialen Frieden auf.

Kolonialzeit mini|Moctezuma II, aus dem Codex Mendoza Die erste spanische Expedition nach Oaxaca traf Ende 1521 ein. Sie wurde angeführt von Kapitän Francisco de Orozco, der von 400 aztekischen Kriegern begleitet wurde. Hernán Cortés hatte de Orozco nach Oaxaca entsandt, da Moctezuma II. erklärt hatte, das Gold der Azteken stamme von dort. Die spanische Expedition unter Orozco machte sich daran, eine spanische Stadt an der Stelle zu errichten, an der sich der aztekische Militärposten am Fuße des Cerro de Fortín befand. Kaplan Juan Díaz hielt die erste Messe in Oaxaca am Ufer des Flusses Atoyac unter einem großen Huaje-Baum, wo später die Kirche San Juan de Dios errichtet werden sollte. Díaz gab den umliegenden Dörfern Namen von Heiligen, wobei deren Nahuatl-Namen beibehalten wurden: Santa María Oaxaca, San Martín Mexicapan, San Juan Chapultepec, Santo Tomás Xochimilco, San Matías Jalatlaco, Santiago Tepeaca usw. Diese Gruppe von Spaniern wählte ihren ersten Bürgermeister, Gutierres de Badajoc, und ihren ersten Stadtrat und begann 1522 mit dem Bau der Kathedrale von Oaxaca. Sie nannten die Siedlung Guajaca, eine Hispanisierung des von den Azteken verwendeten Nahuatl-Namens. Das relativ unabhängige Dorf gefiel Hernán Cortés nicht, der die Macht über die gesamte Region an sich reißen wollte. Cortés sandte Pedro de Alvarado aus, der den Großteil der Dorfbevölkerung vertrieb. Die ursprünglichen spanischen Siedler appellierten an die spanische Krone, das von ihnen gegründete Dorf anzuerkennen, was diese 1526 auch tat und das Land unter den Spaniern von Orozcos Expedition aufteilte. Doch drei Monate später vertrieb Cortés die Dorfbevölkerung erneut und ersetzte den Stadtrat durch seine eigenen Beauftragten. Die Gründer wandten sich wiederholt an die spanische Königsmacht, diesmal an den Vizekönig in Mexiko-Stadt, Nuño de Guzmán. Auch er stellte sich auf die Seite der Gründer. Diese gründeten die Stadt 1529 neu und nannten sie Antequera, zu Ehren von Nuño de Guzmáns Heimatstadt. Francisco de Herrera berief den neuen, von der Krone genehmigten Stadtrat ein.