Fladungen ist eine Stadt im unterfränkischen Landkreis Rhön-Grabfeld, der Sitz der Verwaltungsgemeinschaft Fladungen und ein staatlich anerkannter Erholungsort.
Geografie Fladungen ist die nördlichste Stadt in Unterfranken und im Freistaat Bayern. Sie ist zudem mit 288 km der am weitesten von seiner Landeshauptstadt entfernte Ort in Deutschland. Mit Hannover, Magdeburg, Erfurt, Dresden, Stuttgart, Mainz, Wiesbaden, Saarbrücken und Düsseldorf liegen neun deutsche Landeshauptstädte näher an Fladungen als die bayerische Landeshauptstadt München (eine weitere, Potsdam, liegt nahezu gleichauf). Fladungen liegt in der Region Main-Rhön, im Tal der Streu.
Gemeindegliederung mini|Stadtansicht von Osten Fladungen hat zehn Gemeindeteile (in Klammern ist der Siedlungstyp angegeben):
Es gibt außerdem die Einöden Aumühle, Erlsmühle, Reinhardshof und Weihersmühle.
Auf dem Gemeindegebiet gibt es die Gemarkungen Brüchs, Fladungen, Heufurt, Huflar, Leubach, Oberfladungen, Rüdenschwinden, Sands und Weimarschmieden. Die Gemarkung Fladungen hat eine Fläche von 14,893 km². Sie ist in 2738 Flurstücke aufgeteilt, die eine durchschnittliche Flurstücksfläche von 5439,55 m² haben. In ihr liegt neben dem namensgebenden Ort der Gemeindeteil Schlagmühle.
Nachbargemeinden Fladungen grenzt an folgende Gemeinden (im Uhrzeigersinn, beginnend im Norden): Erbenhausen, Kaltennordheim (Exklave Melpers), Rhönblick (alle Landkreis Schmalkalden-Meiningen/Thüringen), Willmars, Nordheim vor der Rhön, Sondheim vor der Rhön, Hausen (alle Landkreis Rhön-Grabfeld), Ehrenberg (Rhön) (Landkreis Fulda/Hessen), Birx und Frankenheim/Rhön (beide Landkreis Schmalkalden-Meiningen/Thüringen). Außerdem grenzt die Stadt im Osten an das gemeindefreie Gebiet Mellrichstadter Forst.
Geschichte Bis zur Gemeindegründung Im Jahre 789 wurde Fladungen in einer Urkunde des Klosters Fulda erstmals erwähnt. Während der Zeit der Stammesherzogtümer lag der Ort im Herzogtum Franken. 1335 verlieh Kaiser Ludwig der Bayer das Stadtrecht.Eva-Maria Wagner: Gewundene Gassen, bucklige Plätze. In: Die Rhön (= Merian, Jg. 17 (1964), Heft 4), S. 19–24, hier S. 24. Der Besitz der Stadt war zwischen dem Würzburger Bischof und dem Fürstabt von Fulda umstritten. Im Jahre 1335 wurde dem Edlen Heinrich von Fladungen die Zehnt und das Schultheißenamt über die Hildenburg übertragen. Als das Amt Fladungen mit Hildenburg im Jahre 1435 durch Verpfändung an die Grafen von Henneberg-Aschach (später Henneberg-Römhild genannt) kam, setzte dieser Adolf Marschalk von Ostheim als Amtmann dorthin. Durch eine Erbteilung der Grafschaft Henneberg-Römhild kam Fladungen im Jahr 1468 zum Münnerstädter Teil unter Graf Otto von Henneberg-Römhild. Später kam Fladungen durch Pfandeinlösung wieder zum Hochstift Würzburg. Seit dem Jahr 1534 ist in Fladungen ein Leprosorium nachweisbar, das als Siechenhaus bekannt war.Siehe Daten der Gesellschaft für Leprakunde
mini|Leubach, St.-Vitus-Kirche, 1797 erbaut.
Im Jahre 1596 wurde das Amt Hildenburg noch genannt, aber schon im Jahre 1600 wohnte der Amtmann in Fladungen. Als Amt des Hochstiftes Würzburg, das zum Fränkischen Reichskreis gehörte, war Fladungen nach der Säkularisation 1803 kurze Zeit bayerisch. 1805 wurde es Erzherzog Ferdinand von Toskana zur Bildung des Großherzogtums Würzburg überlassen.
Das reichsritterschaftliche Dorf Sands der Herren von Stein kam 1808 durch einen Gebietsaustausch vom Amt Maßfeld im Herzogtum Sachsen-Meiningen zum Großherzogtum Würzburg. In dieser Zeit muss auch Weimarschmieden vom Hintergericht des Amts Lichtenberg im Herzogtum Sachsen-Weimar-Eisenach zu Würzburg gekommen sein.
Seit den Verträgen von Paris (1814) gehören der Ort Fladungen und die Umgebung endgültig zu Bayern. Im Jahr 1818 entstand die politische Gemeinde.
20. Jahrhundert Seit der innerdeutschen Grenzöffnung im Jahr 1989 befindet sich Fladungen nicht mehr im Zonenrandgebiet. 1992 wurde der Stadt die Europa-Nostra-Medaille verliehen.
Eingemeindungen Im Zuge der Gebietsreform in Bayern wurden am 1. Juli 1971 die Gemeinden Sands und Weimarschmieden eingegliedert. Am 1. Januar 1972 kamen Brüchs, Leubach und Oberfladungen hinzu. Rüdenschwinden folgte am 1. April 1973. Die Reihe der Eingemeindungen wurde mit der Eingliederung von Heufurt am 1. Mai 1978 abgeschlossen.
Einwohnerentwicklung BevölkerungszahlenStatistik kommunal 2014
https://www.statistik.bayern.de/mam/produkte/statistik_kommunal/2019/09673123.pdf Jahr 1840 1900 1939 1950 1961 1970 1987 1991 1995 2005 2010 201520172018 Einwohner 2445 2141 3297 3282 2676 2520 2279 2372 2467 2296 2169 232222512248 Im Zeitraum 1988 bis 2018 stagnierte die Einwohnerzahl, konkret stieg sie von 2234 auf 2248 um 14 Einwohner bzw. um 0,6 %. 1995 hatte die Stadt 2467 Einwohner. Quelle: BayLfStat
Politik Stadtrat Die Kommunalwahl am 16. März 2014 führte zu folgender Zusammensetzung des Stadtrats:
Partei / Liste Stimmenanteil Sitze CSU 24,8 % 4 Freie Wählergemeinschaft 30,4 % 4 Wählerblock Ortsteile 30,1 % 4 Ortsteilliste Leubach 14,7 % 2 Die Kommunalwahl am 15. März 2020 führte zu folgender Zusammensetzung des Stadtrats: Partei / ListeStimmenanteilSitze CSU 14,37 % 2 Freie Wählergemeinschaft 23,43 % 3 Wählerblock Ortsteile 21,02 % 3 Ortsteilliste Leubach 13,55 % 2 Neue Liste 2027,63 % 4
Bürgermeister Erster Bürgermeister ist Gert Manning (Wählerblock Ortsteile Fladungen).
1968–1996: Raimund Goldbach (CSU) 1996–2002: Herbert Ditzel (Freie Wählergemeinschaft) 2002–2002: Mischa Schmitt (Wählerblock) 2002–2014: Robert Müller (CSU) 2014–2020: Agathe Heuser-Panten (Wählerblock Ortsteile) 2020–2025: Michael Schnupp (Neue Liste 20) seit 2026: Gert Manning (Wählerblock Ortsteile)
Wappen
Städtepartnerschaften Nassenfels in Oberbayern Nora (Schweden) Köyliö (Finnland) Kõo (Estland)
Kultur und Sehenswürdigkeiten mini|Fränkisches Freilandmuseum
Museen Das Rhönmuseum wurde 1921 gegründet und befasst sich als Landschafts- und Regionalmuseum mit der Geschichte, Kultur und Natur der Region Rhön. Es befindet sich im ehemaligen Amtshaus (1628) der Stadt Fladungen. Nach einer umfassenden Sanierung von 2010 bis 2025 wurde das Museum Ende März 2025 wiedereröffnet. Fränkisches Freilandmuseum mit dem Rhön-Zügle (18 km lange Museumsbahn von Fladungen über Ostheim bis Mellrichstadt).
Bauwerke Die Altstadt ist noch weitgehend mit einer Stadtmauer aus dem Jahr 1335 in ihrer ursprünglichen Höhe umgeben. Die Stadtmauer wurde damals mit fünf Türmen und 16 Reitertürmchen erbaut. Alle Türme in der Stadtmauer und die Reitertürmchen auf der Mauerkrone sind erhalten geblieben. Die Altstadt hat viele Fachwerkbauten, unter anderem das ehemalige Pfründnerspital. In der Altstadt steht auch das Fürstbischöfliche Würzburgische Amtshaus und die katholische Stadtpfarrkirche Sankt Kilian.
Die evangelische Christuskirche wurde 1979 erbaut.
Bau- und Bodendenkmäler
Wirtschaft und Infrastruktur Bildung Fladungen hat eine Grundschule.Stadt Fladungen – Website In vier Klassen werden 77 Schüler unterrichtet. Fladungen hat eine Kindertageseinrichtung. Sie hat 160 genehmigte Plätze und betreut 123 Kinder (2018).
Sport Im Hauptort befindet sich ein Freibad und ein Freizeitzentrum sowie ein Sportplatz. Zudem gibt es weitere Sportstätten.
Verkehr mini|Bahnhof Fladungen liegt an der Bundesstraße 285. Die Bundesautobahn 71 ist ca. 20 km entfernt und über die Anschlussstelle Mellrichstadt zu erreichen. Fladungen ist Endpunkt der nur noch als Museumsbahn genutzten Bahnlinie Mellrichstadt–Fladungen. Im Nahverkehr ist Fladungen an das Omnibus-Netz von DB Frankenbus angeschlossen. Die Busse verkehren bis Mellrichstadt Bahnhof, wo Anschluss an Züge in Richtung Erfurt und Würzburg besteht.
Die Hochrhönstraße verbindet Fladungen mit Bischofsheim in der Rhön.
Persönlichkeiten Jodokus Wagenhauer (1580–1635), Weihbischof und Rektor der Universität Würzburg, wurde in Fladungen geboren Zacharias Stumpf (etwa 1594–1641), deutscher Geistlicher Hans-Otto Hofmann (1893–1953), deutscher Jurist und Leiter der Reichsrechnungshof-Außenstelle München Anton Rausch (1882–1939), deutscher Maler und Radierer
Literatur in der Reihenfolge des Erscheinens Helmut Holzapfel: Kirchliches und städtisches Leben in Fladungen v. d. Rhön bis zum Ende des 30-jährigen Krieges. Rita-Verlag und -Druckerei, Würzburg 1940. Helmut Kiesel: Chronik der Stadt Fladungen anläßlich der 650-Jahrfeier der Stadterhebung. Fladungen 1985. Albrecht Wald, Raimund Goldbach: 650 Jahre Stadt Fladungen. Mellrichstadt 1985. Stadt Fladungen (Hrsg.): Fladungen, die historische Stadt in der bayerischen Rhön. Fladungen 1993. Bayerische Verwaltungsstelle des UNESCO-Biosphärenreservates Rhön (Hrsg.): Historische Kulturlandschaft um Fladungen (= Historische Kulturlandschaft Rhön, Band 1). Michael Imhof Verlag, Petersberg 2009, ISBN 978-3-86568-468-4. Wolf-Dieter Raftopoulo: Rhön und Grabfeld Kulturführer. Eine kunst- und kulturhistorische Gesamtdokumentation der alten Kulturlandschaften. RMd-Verlag, Gerbrunn 2017, ISBN 978-3-9818603-7-5, S. 102–106.
Weblinks
Offizielle Website der Stadt Fladungen Website des Fränkischen Freilandmuseums Fladungen Website des Rhönmuseums Fladungen
Einzelnachweise
Kategorie:Ort im Landkreis Rhön-Grabfeld Kategorie:Ort in der Rhön Kategorie:Ersterwähnung 789 Kategorie:Stadt in Bayern Kategorie:Gemeindegründung 1818
Kategorie:Gemarkung im Landkreis Rhön-Grabfeld