Das Schmallenberg-Virus ( , SBV, Spezies Orthobunyavirus schmallenbergense, früher Sathuperi orthobunyavirus, SaObV) ist ein Virus der Familie Peribunyaviridae aus der Ordnung Bunyavirales. Die genaue taxonomische Stellung relativ zum Akabane-Virus (AKAV), Spezies Orthobunyavirus akabaneense (früher Akabane orthobunyavirus, AkObV) in der gleichen Gattung Orthobunyavirus war lange Zeit umstritten, wurde aber durch das International Committee on Taxonomy of Viruses (ICTV) 2016 geklärt. Nächste bekannte Verwandte sind das Douglas-Virus, das Sathuperi-Virus und das Shamonda-Virus (Stand April 2024).ICTV: Taxonomy Browser.ICTV: Virus Metadata Resource (VMR).
SBV wurde 2011 bei erkrankten Rindern in Deutschland festgestellt. In Deutschland ist die Erkrankung in der Anlage 2 der Tierseuchenmeldeverordnung (TierSeuchMeldV) vom 10. März 2026 gelistet und es besteht für Virusnachweise bei Rindern, Schafen und Ziegen eine allgemeine Meldepflicht nach § 4.Verordnung über die Meldung von Seuchen bei Tieren (Tierseuchenmeldeverordnung – TierSeuchMeldV)
SBV wurde ursprünglich als Subtyp geführt, aber mit SaObV von ICTV 2020 in den Rang einer eigenen Spezies erhoben.
Entdeckung Im November 2011 gab das Friedrich-Loeffler-Institut bekannt, dass man bei erkrankten Rindern in Deutschland ein dem Akabane-Virus verwandtes Virus isolieren konnte, das nach dem Ort der ersten Probenherkunft, Schmallenberg, als Schmallenberg-Virus bezeichnet wird.
Dieses Isolat wurde im Rahmen einer Erkrankungswelle bei Rindern in Nordrhein-Westfalen gefunden, wo es seit Sommer 2011 zu einer Häufung von Fieber, Milchrückgang und Appetitverlust bei etwa 80 Tieren kam. Kurz zuvor zeigten sich diese Symptome auch bei Rindern in den Niederlanden. Unklar ist, ob das Virus in Europa bereits zirkulierte oder ob es neu eingetragen wurde. Es ist das erste bei einem Erkrankungsgeschehen bei Tieren in Europa isolierte Orthobunyavirus.
In den folgenden Monaten traten in den Niederlanden, Belgien und in Deutschland in den Bundesländern Nordrhein-Westfalen, Niedersachsen und Hessen vermehrt missgebildete Schaflämmer auf, bei denen das Schmallenberg-Virus im Gehirn nachgewiesen werden konnte. Die Art der Missbildungen deuten auf eine Infektion der bereits tragenden Muttertiere im Sommer bzw. Herbst 2011 hin. Mit Stand 23. März 2012 wurde bei Tieren aus 1061 Betrieben in Deutschland das Virus nachgewiesen. Seit dem 30. März 2012 besteht in Deutschland eine Meldepflicht.Bundesgesetzblatt Jahrgang 2012 Teil I Nr. 15, 5. April 2012, Zweite Verordnung zur Änderung der Verordnung über meldepflichtige Tierkrankheiten Vom 30. März 2012 () 2026 kommt es seit Juli in Frankreich, der Schweiz und in Baden-Württemberg in der Rinderhaltung zu einem Ausbruch der Untergruppe Shamonda-Virus. In Deutschland bildet der Landkreis Ravensburg mit 130 betroffenen Betrieben den Schwerpunkt.
Überträger Als Überträger kommen Zweiflügler der Gattung Culicoides aus der Familie der Gnitzen, insbesondere Culicoides obsoletus, Culicoides dewulfi und Culicoides pulicaris, in Betracht, in denen der Erreger nachgewiesen wurde.Ärzte Zeitung: Mücken übertragen offenbar Schmallenberg-Virus vom 16. März 2012, abgerufen am 15. September 2012
Systematik Auf Basis der Sequenz besteht auch eine Verwandtschaft zu Isolaten des Aino-Virus (Spezies Orthobunyavirus ainoense, früher Aiono orthobunyavirus, AiObV), des Shamonda-Virus (Spezies Orthobunyavirus schmallenbergense, früher Shamonda orthobunyavirus), – Information des Friedrich-Loeffler-Instituts, 10. Januar 2012 des Sathuperi-Virus und des Douglas-Virus (beide wie das Schmallenberg-Virus zur Spezies Sathuperi orthobunyavirus): Taxonomisch gehören diese Viren alle zur Gattung Orthobunyavirus, serologisch zur Simbu-Serogruppe innerhalb dieser Gattung, wenn auch zu unterschiedlichen Serocomplexen.
Die Systematik der Simbu-Serogruppe ist (mit Stand 4. August 2026) wie folgt: mini|(A) Phylogenetische Beziehung zwischen dem Schmallenberg-Virus und den Orthobunyaviren der Simbu-, Bunyamwera- und Kalifornien-Serogruppen. (B) Nachweis des Schmallenberg-Virus-Genoms im Blut experimentell infizierter Kälber.
Gattung Orthobunyavirus: Simbu-Serogruppe
Spezies Orthobunyavirus ainoense (früher Aiono orthobunyavirus, AiObV) Aino-Virus (AINOV) – Exemplar oder Referenzstamm
Spezies Orthobunyavirus akabaneense (früher Akabane orthobunyavirus, AkObV) Akabane-Virus, en. Akabane virus (AKAV) – Exemplar oder Referenzstamm Tinaroo-Virus, en. Tinaroo virus (TINV)
Spezies Orthobunyavirus heptayabaense, abgetrennt von AkObV Yaba-7-Virus, en. Yaba-7 virus (Y7V) – Exemplar oder Referenzstamm
Spezies Orthobunyavirus schmallenbergense (früher Sathuperi orthobunyavirus, SaObV) Douglas-Virus, en. Douglas virus (DOUV) Sathuperi-Virus, en. Sathuperi virus (SATV) Schmallenberg-Virus, en. Schmallenberg virus (SBV) – Exemplar oder Referenzstamm Shamonda-Virus, en. Shamonda virus (SHAV) (früher eigene Spezies Shamonda orthobunyavirus) mit den Varianten Shamonda-Virus Europe 1 (SHAV-EU1) [alias Shamonda-Virus/DE/2026] Shamonda-Virus Europe 2 (SHAV-EU2)
Spezies Orthobunyavirus saboense (früher Sabo orthobunyavirus, SaObV), abgetrennt von AkObV Sabo-Virus, en. Sabo virus (SABOV) – Exemplar oder Referenzstamm
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Symptome und Krankheitsbilder Das Virus löst folgende Symptome aus:
Kurz andauerndes Fieber, Durchfall und verminderte Milchproduktion bei Kühen. Diese Erkrankungen traten im Sommer und Herbst 2011 in den Zeiten auf, in denen die Überträger (Mosquitos, Sandfliegen und Mücken) aktiv waren. Betroffen waren hauptsächlich Rinder.
Totgeburten und Geburtsfehler bei Schafen, Rindern und Ziegen. Fehlbildungen bei neugeborenen Schafen, Ziegen und Kälbern sind die offensichtlichsten Symptome. Die Fälle traten ab Dezember 2011 auf, insbesondere bei Schafen. Die wichtigsten beobachteten Missbildungen waren Skoliose, Hydrozephalus, Arthrogrypose, Hypoplasie des Kleinhirns und ein vergrößerter Thymus.
Andere Viren der Simbu-Serogruppe Am 3. August 2026 gab das Friedrich-Loeffler-Institut (FLI) den Nachweis eines neuen Virus aus der Simbu-Serogruppe in Proben erkrankter Rinder aus Baden-Württemberg bekannt (zu dieser Verwandtschaft gehört auch das 2011 in erkrankten Milchrindern in Nordrhein-Westfalen nachgewiesene Schmallenberg-Virus). Gemäß der vom FLI angegebenen Zugriffsnummern wird dieses Virus vorläufig als eine neue Variante des Shamonda-Virus klassifiziert (Spezies Orthobunyavirus schmallenbergense).
Literatur P. S. Mellor, P. D. Kirkland: Akabane virus. In: Brian W. J. Mahy, Marc H. van Regenmortel (Hrsg.): Encyclopedia of Virology, 3. Auflage, San Diego 2008, Band 1, ISBN 978-0-12-373935-3, S. 76–80 Wernike, Kerstin: Schmallenberg virus, a novel emerging orthobunyavirus. Pathogenesis and preventive measures. [Kumulative Habilitationsschrift]. Rostock, 2019 FLI: Shamonda Virus (SHAV). Tierseuchengeschehen (aktueller Überblick).
Einzelnachweise FLI: FLI weist neues Orthobunyavirus der Simbu-Serogruppe („Shamonda-like“) bei Rindern in Deutschland nach. Pressemitteilung vom 3. August 2026. NCBI-Zugriffsnummern: OZ502471, OZ502472, OZ502473, SRA: ERS31023854. Dazu: Fälle in Süddeutschland: Unbekanntes Virus bei Rindern nachgewiesen. Auf: tagesschau.de vom 3. August 2026, Stand 18:36. Baden-Württemberg: Unbekanntes Virus bei Rindern in Baden-Württemberg nachgewiesen. Auf: tagesschau.de (SWR) vom 3. August 2026, Stand 22:59. Friedrich-Loeffler-Institut: Bislang unbekanntes Virus breitet sich unter Rindern in Süddeutschland aus. Auf: Hamburger Abendblatt vom 3. August 2026. FLI: FLI bestätigt weiteres Shamonda-Virus-verwandtes Orthobunyavirus in Deutschland SHAV. Tierseuchengeschehen. Pressemitteilung vom 1. September 2026. Dazu: Nadja Podbregar: Neues Rindervirus breitet sich in Deutschland aus. Zwei Varianten eines ursprünglich in Afrika und Asien verbreiteten Tiervirus breiten sich in Deutschland und Mitteleuropa aus. Auf: wissenschaft.de vom 4. September 2026. Infektiologie: Bisher unbekanntes Virus bei Rindern entdeckt. Auf: Hamburger Abendblatt vom 22. November 2011 (Schmallenberg-Virus).
Weblinks
FLI: Neues Orthobunyavirus bei Rindern. Stand: 10. Januar 2012 Stiftung Tierärztliche Hochschule Hannover: Video zum Schmallenberg-Virus im E-Learning-Programm Stand: 30. Januar 2012 Informationen zum Schmallenberg-Virus auf der Website des Schweizer Bundesamts für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen (BLV) Schmallenberg-Virus (PDF; 304 kB) OIE technical factsheet (engl., Weltorganisation für Tiergesundheit)
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