mini|Abd el-Fattah (2008)

Alaa Abd el-Fattah (; * 1981 in Kairo)Zum Tod von Ahmad Seif El-Islam – „Stattdessen gab ich dir die Gefängniszelle weiter“. FAZ.net, 27. August 2014. ist ein ägyptischer Blogger, der unter anderem antisemitische Hassbotschaften veröffentlicht hat. Seit Ende 2021 besitzt er auch die britische Staatsbürgerschaft. Er wurde mehrmals wegen politischer Aktivitäten verurteilt und befand sich im Gefängnis. Ende 2025 reiste er in das Vereinigte Königreich ein.

Leben Abd el-Fattah ist der Sohn des Rechtsanwalts und Menschenrechtsaktivisten Ahmad Seif el-Islam und der Mathematikprofessorin und politischen Aktivistin Leila Soueif. Er hat zwei Schwestern (Mona Seif und Sanaa Seif), die sich ebenfalls politisch engagieren.

Seit den 2000er Jahren ist Alaa als Aktivist für politische und digitale Rechte bekannt. Der Blog „manalaa“, den Abd El-Fattah gemeinsam mit seiner Frau Manal Bahey El-Din Hassan gegründet hat, gewann 2005 den Sonderpreis „Reporter ohne Grenzen“ im Wettbewerb „Best of Blogs“ der Deutschen Welle.

Am 7. Mai 2006 wurde er verhaftet, als er für eine unabhängige Justiz demonstrierte. Nach 45 Tagen Haft wurde er freigelassen und vom Vorwurf der „Beleidigung“ des Richters Abdel Fattah Murad freigesprochen, der die Sperrung von 49 Websites, darunter auch der Alaa-Website, angeordnet hatte.

2011 trat er bei der „RightsCon“ in Silicon Valley auf und sprach über das dystopische Potenzial der sozialen Netzwerke und die Selbstausbeutung des Sharing-basierten Arbeitsmarktes.

Maspero-Massaker

Am 9. und 10. Oktober 2011 wurden koptische christliche Demonstranten von ägyptischen Sicherheitskräften angegriffen, wobei etwa 27 koptische Christen getötet und 329 verwundet wurden. In einer skandalösen Propagandamaßnahme stellte das staatliche Fernsehen unwahrheitsgemäß dar, dass die Massen stattdessen die ägyptischen Soldaten angriffen, und rief die ägyptische Öffentlichkeit auf, in Massen nach Maspero zu gehen, um die ägyptischen Soldaten vor den „wütenden christlichen Demonstranten“ zu verteidigen, wie es hieß. Im postrevolutionären Ägypten gab es zu dieser Zeit eine Welle der Verurteilung der sektiererischen Provokationen und der Aktionen der Armee.

Alaa schrieb einen Artikel in der ägyptischen Zeitung Al-Shuruk mit dem Titel „Mit Märtyrern ist es viel besser“, in dem er das Zusammenspiel und die Komplizenschaft zwischen dem Regime und dem religiösen Institut beschrieb und den Terror beschrieb, der die Kopten heimsuchte.

Nach seiner Verurteilung des Regimes wurde er verhaftet. Es wurden Anschuldigungen gegen ihn erhoben, er habe einen Militärpanzer überfallen und persönlich die koptischen Demonstranten überfahren, obwohl der Staatsanwalt keine Beweise für diese Anschuldigungen vorgelegt hatte. Seine Verhaftung erfolgte zu einem Zeitpunkt, als die Militärstaatsanwaltschaft damit begann, Aktivisten und Priester zu ihrer angeblichen Beteiligung an der öffentlichen Aufforderung der Kopten zur Demonstration an diesem Tag zu befragen. Vom 30. Oktober 2011 bis zum 25. Dezember 2011 war er unter fragwürdigen Vorwürfen inhaftiert.Ägyptischer Blogger aus dem Gefängnis: ‚Versucht, für mich zu feiern‘. In: taz, 18. November 2011. Das Büro des Hohen Kommissars der Vereinten Nationen für Menschenrechte setzte sich für seine Freilassung ein. Seine Mutter trat in einen Hungerstreik, um gegen seine Inhaftierung zu protestieren.

Die Darstellung der Militärstaatsanwaltschaft brach schnell zusammen, und Alaa weigerte sich, als Zivilist in einem Militärprozess angeklagt zu werden. Er erfuhr in Ägypten große Unterstützung und wurde schließlich von einem zivilen Richter freigesprochen.

Während der Präsidentschaft von Sisi Im Januar 2014 wurde er erneut festgenommen und im Juni 2014 zu 15 Jahren Haft verurteilt. Seine erneute Freilassung erfolgte am 15. September 2014.

Weitere Verurteilungen und Verhaftungen Am 23. Februar 2015 wurde er wiederum zu fünf Jahren Haft durch ein Gericht in Kairo verurteilt.Alaa Abdel Fattah sentenced to five years of maximum security prison. Aswat Masriya, 23. Februar 2015; abgerufen am 23. Februar 2015. Nach Verbüßung der Strafe wurde er am 29. März 2019 aus dem Gefängnis entlassen. Haʾaretz, 29. März 2019; abgerufen am 29. März 2019.

Er kritisierte im September 2019 mit über 250 Autoren, dass die Stadt Dortmund die Verleihung des Nelly-Sachs-Preises an die Schriftstellerin Kamila Shamsie wegen deren Unterstützung der umstrittenen BDS-Kampagne (Boycott, Divestment and Sanctions gegen Israel), über die die Jury nicht informiert war, widerrufen hatte.

Am 29. September 2019 wurde er unter der Anschuldigung, Falschnachrichten verbreitet zu haben, erneut verhaftet. Amnesty international erhob schwere Foltervorwürfe gegen die ägyptischen Sicherheitskräfte. Dem Blogger seien die Augen verbunden worden; er sei ausgezogen, geschlagen, getreten, bedroht und beschimpft worden. Im Dezember 2021 wurde er zu einer Haftstrafe von fünf Jahren verurteilt, nachdem er zu diesem Zeitpunkt bereits seit über zwei Jahren im Gefängnis gesessen hatte. Er trat am 2. April 2022 in einen Hungerstreik und eskalierte ihn im November 2022. Medizinische Intervention wurde notwendig. Im selben Monat erhielt seine Familie einen Brief von ihm, in dem er ein Ende seines Hungerstreiks bekanntgab.

Freilassung im September 2025 El-Fattah sollte nach Ablauf seiner fünfjährigen Haftstrafe im September 2024 freigelassen werden. Das Regime von Präsident Sisi ließ ihn aber erst Ende September 2025 frei.

Einreise in das Vereinigte Königreich und antisemitische Hassbotschaften Im Dezember 2021 wurde El-Fattah die britische Staatsbürgerschaft verliehen, da seine Mutter in London geboren wurde.

Am 26. Dezember 2025 gab Keith Stamer als Premierminister des Vereinigten Königreichs bekannt, dass El-Fattah in das Vereinigte Königreich eingereist ist, und drückte seine „tiefe Erleichterung“ darüber aus.

Unmittelbar nach seiner Ankunft im Vereinigten Königreich starteten Politiker der Conservative Party und der Partei Reform UK im Dezember 2025 eine Kampagne gegen El-Fattah, die seine Abschiebung zum Ziel hatte. Sie beriefen sich dabei auf alte Posts, insbesondere aus den Jahren 2010 und 2011, mit menschenverachtenden Inhalten auf Twitter (heute X). So erklärte er dort, „Ich sage euch, dass ich weiße Menschen hasse“. Briten bezeichnete er in islamistischer Diktion als „Hunde und Affen“. Am 8. August 2011 schrieb er: „Meine eigentliche Kritik an diesen Unruhen nach einem Polizeimord ist der falsche Fokus – geht und brennt die City oder Downing Street nieder oder jagt die Polizei-Idioten.“ Im selben Jahr schrieb er außerdem: „Polizisten sind keine Menschen. Sie haben keine Rechte, wir sollten sie einfach alle töten.“ Am 3. Juli 2010 brachte er seine Unterstützung für die Tötung von Zionisten zum Ausdruck und bezeichnete solche Taten als „heldenhaft“. Am 10. September 2010 postete er eine Leugnung des Holocausts: „Es gab schließlich keinen Völkermord an den Juden durch die Nazis, denn schließlich sind viele Juden übrig geblieben.“ Am 3. November 2010 bezeichnete er sich selbst als „gewalttätige Person“, die „die Tötung aller Zionisten einschließlich Zivilisten“ befürworte.

Im Dezember 2025 entschuldigte sich El-Fattah für die Posts.

Veröffentlichungen Abd el-Fattah: Ihr seid noch nicht besiegt. Ausgewählte Texte 2011–2021. Mit einem Vorwort von Naomi Klein. Aus dem Englischen von Utku Mogultay. Verlag Klaus Wagenbach, Berlin 2022, ISBN 978-3-8031-3724-1.

Weblinks

Ägypten: Inhaftierter Aktivist in Lebensgefahr. Amnesty International Deutschland, 17. Mai 2022. Elisabeth Lehmann und Khalid El Kaoutit: Weisst du noch, damals auf dem Tahrir. Radio-Feature. Radio SRF 2 Kultur, 8. April 2016 (online)

Einzelnachweise

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