300px|mini|Blick auf das Mainufer von Erlenbach aus Richtung Wörth
Erlenbach am Main (amtlich: Erlenbach a.Main) ist die bevölkerungsreichste Stadt im unterfränkischen Landkreis Miltenberg. Sie liegt im Nordwesten Bayerns bei Miltenberg. Die Stadterhebung erfolgte im Jahre 1970. Die Stadt beherbergt das einzige Krankenhaus des Landkreises Miltenberg und ist bekannt für ihre Weine.
Geographie Lage Erlenbach liegt in Unterfranken, am Mainviereck im Landkreis Miltenberg. Der topographisch höchste Punkt der Stadt befindet sich mit am Gipfel des Galgenberges nordöstlich von Mechenhard, der niedrigste liegt im Main auf .
Gemeindegliederung Es gibt drei Gemeindeteile (in Klammern ist der Siedlungstyp angegeben): Erlenbach am Main (Hauptort) Mechenhard (Pfarrdorf) Streit (Kirchdorf)
Seit 1. August 2008 gehört das gemeindefreie Gebiet Hohe Berg zum Stadtgebiet.
Es gibt auf dem Gemeindegebiet die Gemarkungen Erlenbach a.Main, Mechenhard und Streit. Die Gemarkung Erlenbach a.Main hat eine Fläche von 9,189 km². Sie ist in 6428 Flurstücke aufgeteilt, die eine durchschnittliche Fläche von 1527,59 m² haben.
Nachbargemeinden
Name Etymologie mini|Mauer am Ortseingang
Der Ortsname stammt von dem in der Nähe fließenden, gleichnamigen Erlenbach. Weil die hochmittelalterliche Vorgängersiedlung von Wörth am Main am gegenüberliegenden Mainufer auch Erle(n)bach hieß, kann das namensgebende Gewässer mit dem dort in den Main mündenden, auf heutigen Karten als Mutterbach bezeichneten Gewässer identifiziert werden, zumal sich an dessen Oberlauf eine Ansiedlung namens Walderle(n)bach befand.Wolfgang Hartmann: Der rätselhafte Name Erlenbach. Warum die Stadt am Main so heißt, obwohl es dort keinen Erlenbach gibt – Eine Spurensuche. In: Spessart, Ausgabe September 2024, S. 16–21. Der heutige Zusatz am Main unterscheidet Erlenbach von weiteren gleichnamigen Orten.
Frühere Schreibweisen Frühere Schreibweisen des Ortes aus diversen historischen Karten und Urkunden: 1229 Erlebach 1236 Erlbach 1248 Erlebach 1259 Erelbach 1275 Erlenbach 1521 Erlenbach a.Main
Ortsnecknamen Sandhasen – ist für viele Ortschaften am Main ein gebräuchlicher Spottname. Besonders in den Mainniederungen, in und um Erlenbach, findet sich ein besonders sandhaltiger Boden. Aus diesem Grund werden Erlenbach und die Nachbarortschaften z. B. Röllfeld und Elsenfeld mit dem Ortsnecknamen „Sandhasen“ bedacht.Werner Trost Stampes, Worzelköpp und Staffelbrunzer Lkr. Miltenberg 2003
Geschichte mini|Erlenbach in der Spessartkarte von Paul Pfinzing von 1594 (Norden ist rechts)
Bis zur Gemeindegründung Wann die Region von Menschen in Besitz genommen wurde, liegt im Dunkel der Geschichte. Im Jahre 1876 wurden vier Hügelgräber aus der Bronzezeit (etwa 1550–1250 v. Chr.) entdeckt. 1981 wurden zwei typische Urnengräber aus der Zeit um 1000–800 v. Chr. gefunden.
Im ersten Jahrhundert unserer Zeitrechnung reichte das römische Imperium bis an den Main. Der nasse Limes, der Ostteil des Obergermanisch-Raetischen Limes, wurde mit Kastellen abgesichert. Um den Römern auszuweichen, verlagerten die germanischen Stämme auf der gegenüberliegenden rechten Mainseite ihr Siedlungsgebiet nach Osten. Als das römische Reich zerfiel, sollte es noch viele Jahre dauern, bis die Franken 531 in das Mainland vordrangen und ihrerseits Siedlungen gründeten.
Die ersten Erlenbacher Höfe wurden wahrscheinlich erst zwischen 800 und 950 n. Chr. errichtet.
Um das Jahr 1183 soll Kaiser Friedrich Barbarossa dem Ort Erlenbach die „Marktgerechtigkeit“ verliehen haben. Der Sage nach geschah dies aus Dankbarkeit, weil ein auf den Kaiser geplanter Anschlag von Erlenbacher Bürgern verhindert worden wäre. ehemals online in stadt-erlenbach.de Die kaiserliche Auszeichnung habe man mit einem Markt- und Freiheitszeichen optisch zum Ausdruck gebracht. Es zeigt ein großes Kreuz, auf dessen Spitze ein Hahn steht. Am Querbalken ist einseitig aufragend eine Hand, auf der anderen Seite, abwärts gerichtet, ein Schwert befestigt. Die nach oben zeigende Hand mache deutlich, dass die Bewohner des Ortes Erlenbach unter dem besonderen Schutz des Kaisers standen und dass jeder, der dem zuwiderhandelte, damit rechnen musste, mit dem Schwert des Herrschers gerichtet zu werden.
Nach neuen Forschungsergebnissen stellen die in nachmittelalterlichen Archivalien überlieferten Erlenbacher Freiheitsprivilegien den über bewegte Zeiten hinweg geretteten Rest von Stadtrechten dar, die König Ruprecht im Jahr 1402 dem von der nahen Clingenburg stammenden Edlen Konrad VI. von Bickenbach für ein von ihm dort geplant gewesenes Städtchen „Neuenthal“ verliehen hat. Die hierzu vorgenommene Umsiedelung eines Teiles von Alt-Erlenbach erklärt den Flurnamen „Altdorf“ nahe der Kirche und die in diesem Bereich aufgefundenen Relikte einstiger Baulichkeiten.
1629 wurde Margarete Diepolt aus Erlenbach als Hexe hingerichtet.
Im Zuge der Verwaltungsreformen in Bayern entstand mit dem Gemeindeedikt von 1818 die heutige Gemeinde.
Auswirkungen der Industrie-Ansiedlung 1917 (endgültige Genehmigung der Ansiedlung 1918) verlegte die Schiffswerft ihren Standort vom Wörther Mainufer auf die Erlenbacher Seite. 1924 folgte die Errichtung und Inbetriebnahme des Kunstfaserwerkes (Vereinigte Glanzstoff-Fabriken AG) nördlich der Stadt (siehe Wirtschaft). Dies führte zu einem Zustrom von auswärtigen Arbeitskräften. 1937 wurde – einen Kilometer von der damaligen Ortsbebauung entfernt – nordwestlich des Altortes und der Bahnlinie ein „Siedlungs-Musterhaus“ errichtet. In der Folgezeit entstand eine Siedlung mit einheitlichen, einfachen Fachwerkhäusern (Dokumentation und Fotoarchiv). Bis 1942 wurden auf diese Weise 102 Häuser errichtet (Analyse des nationalsozialistischen Siedlungsprogramms). Der Zweite Weltkrieg unterbrach den Siedlungsbau, doch schon im Jahr 1947 wurde die Bautätigkeit wieder aufgenommen, da über 1000 Flüchtlinge und Heimatvertriebene nach Erlenbach kamen. Auch heute ist die Siedlung im Kern noch als geschlossenes Bauensemble erhalten. In der Folgezeit des Wirtschaftswunders warben die Glanzstoffwerke zahlreiche vor allem türkische Gastarbeiter an, deren Nachkommen heute eine große Gruppe der Stadtbevölkerung stellen. Der vergleichsweise hohe Ausländeranteil Erlenbachs von knapp 20 % erklärt sich zusätzlich durch die große Gruppe der Russlanddeutschen, die insbesondere nach dem Zusammenbruch des Ostblocks nach Erlenbach zogen.
Verwaltungsgeschichte Im Jahr 1862 wurde das Bezirksamt Obernburg gebildet, auf dessen Verwaltungsgebiet Erlenbach lag. Wie überall im Deutschen Reich wurde 1939 die Bezeichnung Landkreis eingeführt. Erlenbach war nun eine Gemeinde im Landkreis Obernburg am Main. Mit der Auflösung des Landkreises Obernburg kam Erlenbach am 1. Juli 1972 in den neu gebildeten Landkreis Miltenberg.
Eingemeindungen Im Zuge der Gebietsreform in Bayern wurden die früher selbstständigen und landwirtschaftlich geprägten Nachbargemeinden Mechenhard (am 1. Januar 1976) und Streit (am 1. Mai 1978) eingegliedert.
Zum 1. August 2008 wurde das gemeindefreie Gebiet Hohe Berg eingemeindet.
Demographie Einwohnerentwicklung Im Zeitraum 1988 bis 2018 stieg die Einwohnerzahl von 8.420 auf 10.227 um 1.807 Einwohner bzw. um 21,5 %. Quelle: BayLfStat
Religionen Im Stadtgebiet finden sich gleich vier katholische Kirchen: St. Peter und Paul, gelegen in der Altstadt in Mainnähe. Die Kirche hat gotische Wurzeln, die bis ins 15. Jahrhundert zurückreichen. Nach einer tiefgreifenden Erweiterung im Jahr 1966 wurde die Kirche 2017 letztmals renoviert. Die Kirche ist bekannt für ihre Orgel der Firma Albiez von 1985 (vollendet von Orgelbau Vleugels), die mit ihren 43 Registern regelmäßig für Orgelkonzerte hochkarätiger Interpreten genutzt wird. St. Josef (Siedlung). Durch den ständigen Zustrom von Arbeitern der benachbarten Glanzstoffwerke und zahlreicher Kriegsvertriebener entstand der Wunsch nach einer weiteren Kirche, die 1954 nördlich der Bahnlinie errichtet wurde. Die Pläne stammen von Albert Boßlet und Erwin van Aaken. Die Kirche fasst über 600 Gläubige und verfügt über ein 4-stimmiges Bronzegeläute der Firma Otto, Bremen (Plenum GeläuteSt. Joseph Erlenbach a. Main – Plenum zum Sonntag) St. Josef (Gemeindeteil Mechenhard) St. Karl Borromäus (Gemeindeteil Streit)
Die vier ehemals eigenständigen Pfarreien wurden 2009 zur Pfarreiengemeinschaft Christus, der Weinstock zusammengefasst.
Die evangelischen Christen am Ort besuchen die Martin-Luther-Kirche, eine Saalkirche von 1956. Sehenswert ist hier das Wandmosaik von Josef Reißl.
Seit Januar 2007 gibt es zudem einen Gebetsraum der Evangelisch-Freikirchlichen Gemeinde Erlenbach.
Außerdem gibt es für die islamische Gemeinde seit 1965 eine Moschee der DITIB.Gemeinden der Türkisch-Islamische Union
Politik
Stadtrat Der Stadtrat besteht aus 24 Mitgliedern, die sich seit der Kommunalwahl vom 15. März 2020 wie folgt auf die Parteien oder Listen aufteilen:
Bürgermeister Erster Bürgermeister Christoph Becker (CSU) wurde bei der Bürgermeisterwahl am 2. April 2023 mit 51,8 % der gültigen Stimmen für sechs Jahre zum neuen Bürgermeister von Erlenbach gewählt. Seit der Kommunalwahl 2026 ist Zweiter Bürgermeister Alexander Monert (CSU) und Dritte Bürgermeisterin Helga Raab-Wasse (SPD).Stadtrat auf der Website der Stadt Erlenbach am Main. Abgerufen am 12. August 2026.
Wappen
Das im Jahr 1953 dem Markt Erlenbach am Main neu verliehene Wappen basiert auf zwei Siegeln, die das Dorfgericht Erlenbach nachweislich in der Zeit 1722 bis 1810 führte und deren Bilder sich entsprachen. Beide Siegel zeigten einen gekrönten Doppeladler, der in der rechten Klaue den Reichsapfel mit Kreuz und in der linken Klaue ein Schwert hält. Über den Adlerköpfen schwebte ein Kurfürstenhut. Unterhalb der Adlerköpfe befanden sich die Buchstaben E und B (Erlenbach).
Städtepartnerschaften mini|Saint-Maurice-Platz in Erlenbach
Die Stadt unterhält Partnerschaften mit dem französischen Saint-Maurice, Département Val-de-Marne, dem schweizerischen Erlenbach am Zürichsee im Kanton Zürich und seit Juni 2012 mit dem schweizerischen Erlenbach im Simmental.
Kultur und Sehenswürdigkeiten
Vereinsleben In Erlenbach und seinen Gemeindeteilen Streit und Mechenhard gibt es ein reges Vereinsleben in kulturellen, sportlichen und anderen Bereichen.
Die größten Vereine sind der Turnverein Erlenbach 1905 e. V. mit 650–700 Mitgliedern, der Angebote zum Beispiel in den Bereichen Tanz, Turnen, Gymnastik, Handball und Volleyball bietet, sowie der Sportverein Erlenbach 1919 e. V. mit rund 600 Mitgliedern. Der SV Erlenbach ist ein Fußballverein; seine erste Mannschaft spielte zwischen 2012 und 2018 ununterbrochen in der Bayernliga Nord. Mit der Saison 2018/19 ist die Mannschaft des SVE in die Landesliga Nordwest abgestiegen (nach Relegation). Mit dem DJK Erlenbach 1956 e. V. hat die Stadt auch einen Tischtennisverein. Der Tennisverein TC Schwarz-Gold Erlenbach e. V. trainiert auf sechs Plätzen im Wald nördlich von Erlenbach, unweit des Sportplatzes des SV Erlenbach.
Es existieren zahlreiche weitere größere und kleinere Sportgruppen. Im kulturellen Bereich ist zum Beispiel der Gemischte Chor Erlenbach 1948 e. V. zu erwähnen, der einmal jährlich eine große Choraufführung veranstaltet, so zum Beispiel 2017 die Aufführung von Brahms’ Deutschem Requiem.
In allen drei Gemeindeteilen (Erlenbach-Stadt, Streit, Mechenhard) gibt es Freiwillige Feuerwehren, wobei allein die Feuerwehr Erlenbach-Stadt 190 Vereinsmitglieder zählt.
Theater und Film