mini|María Corina Machado (2025)rahmenlos|hochkant|zentriert|klasse=skin-invert-image|Unterschrift von María Corina Machado María Corina Machado Parisca (* 7. Oktober 1967 in Caracas) ist eine venezolanische oppositionelle Politikerin. Ihr wurde der Friedensnobelpreis des Jahres 2025 verliehen.
Leben Familie, Ausbildung und berufliche Tätigkeit Sie ist die älteste von vier Töchtern in einer Industriellen-Familie. Ihre Mutter Corina Parisca Pérez, Ururenkelin des venezolanischen Schriftstellers Eduardo Blanco, war Psychologin. Ihr Vater Henrique Machado Zuloaga war Stahlunternehmer und Vorsitzender der Siderúrgica Venezolana Sivensa SA, des zweitgrößten venezolanischen Stahlproduzenten. Unter der Regierung von Präsident Hugo Chávez wurde ein Standort der Firma 2010 enteignet und verstaatlicht.
Machado wurde an der Ursulinenschule Academia Merici in Caracas ausgebildet. Sie studierte Wirtschaftsingenieurwesen an der Katholischen Universität Andrés Bello und belegte die Hauptfächer Finanzen und Politik. Ihren Abschluss als Wirtschaftsingenieurin machte Machado 1989.¿Quién es María Corina Machado? De ingeniera a símbolo global de la resistencia democrática, Farocultural.com, 10. Oktober 2025 1992 rief sie mit ihrer Mutter die Fundación Atenea ins Leben, eine Stiftung zur Betreuung und Rehabilitierung von Waisen und vernachlässigten Kindern in Caracas; sie war auch Präsidentin der Fundación Opportúnitas (Opportunitas-Stiftung). Nachdem sie im Automobilsektor in Valencia gearbeitet hatte, zog sie 1993 nach Caracas.
2009 wurde sie in das World Fellows Program an der Yale University aufgenommen, das darauf ausgerichtet ist, globale Führungskräfte in den Bereichen öffentliche Politik und Regierungsführung auszubilden. 2005 und 2011 nahm sie am Young Global Leaders Forum des Weltwirtschaftsforums (WEF) teil.
María Corina Machado war von 1990 bis 2001 mit Ricardo Sosa Branger verheiratet. Mit ihrem Ex-Mann hat sie drei Kinder (Ana Corina, Ricardo und Henrique Sosa). Nach der Scheidung im Jahr 2001 übernahm sie, trotz ständiger Bedrohungen, zeitweiligem Exil und der Notwendigkeit von Personenschutz, die alleinige Erziehung ihrer Kinder. Alle drei leben heute, erwachsen, im Ausland.
Politische Tätigkeit Machado war im Juli 2002 eine der Gründerinnen der Nichtregierungsorganisation Súmate (spanisch für „Mach mit“, Vereinigung zur Förderung von Verfassung und Demokratie) für freie Ausübung politischer Rechte und Bürgerrechte. Die Organisation, welche hauptsächlich von Ingenieuren gegründet worden war, aber in einem Jahr 50.000 Freiwillige mobilisieren konnte, war mitbeteiligt am Zustandekommen eines Volks-Referendums im Jahr 2004, welches die Absetzung von Hugo Chávez zum Ziel hatte, jedoch im Volk, u. a. aufgrund der wirtschaftlichen Erholung durch steigende Ölpreise, nur von 40 Prozent der Stimmenden unterstützt worden war.
mini|Machado mit George W. Bush im Oval Office (2005) 2002 unterzeichnete Machado angeblich das Gesetz zur Bildung der Regierung des demokratischen Übergangs und der nationalen Einheit (spanisch: „Acta de Constitución del Gobierno de Transición Democrática y Unidad Nacional“) des durch einen Putsch an die Macht gekommenen Übergangspräsidenten Pedro Carmona. Machado bestritt dies in einem Interview 2005. Das Gesetz berief sich hauptsächlich auf Artikel 350 der Verfassung Venezuelas, der zivilen Ungehorsam erlaubt, falls der Staat demokratische Prinzipien verletzt.National Assembly (31. Mai 2002): ; “… si esto va a pasar hay que hacerle las cosas bien hechas, porque eso fue un disparate mayúsculo, técnico o político …” Nach kurzer Zeit wurde die Übergangsregierung in einer chaotischen Situation wieder von der Macht verdrängt. Anhänger von Präsident Hugo Chávez bezeichneten die Beteiligten als Putschisten. 2004 veröffentlichte Chávez Dokumente, die zeigen sollten, wie das National Endowment for Democracy (NED) Organisationen der Zivilgesellschaft des Landes, darunter Súmate, finanzierte, die Zuwendung an Súmate betrug offenbar 50.000 Dollar. von Democracy Now! María Corina Machado, Alejandro Plaz und andere Mitglieder wurden 2004 von der Regierung Chávez des Landesverrats und der Konspiration angeklagt, weil sie diese Gelder zur Wählerbeeinflussung für das Wiederwahlreferendum angenommen haben sollen. der US-Botschaft Caracas Eine Verurteilung ist nicht bekannt.
Machado wurde bei der Parlamentswahl im September 2010 mit dem Rekordergebnis aller Gewählten auf Beginn 2011 in das venezolanische Parlament gewählt. Die sozialistische Partei hatte gleichzeitig ihre Zweidrittelmehrheit verloren. Im September erläuterte sie in einem Interview, in Venezuela sei „eine demokratische Gesellschaft zerstört und ein autoritäres Regime errichtet“ worden. Die Probleme Venezuelas müssten jedoch von den Venezolanern selbst gelöst werden. Am 12. November 2011 wurde bei einer Wahlveranstaltung in Caracas ein Anschlag auf Machado verübt, bei dem Unbekannte einen ihrer Mitarbeiter durch Schüsse verletzten.
Am 13. Januar 2012 unterbrach Machado Präsident Chávez nach acht Stunden seiner fast zehnstündigen Rede zur Lage der Nation und konfrontierte ihn mit den Problemen der Menschen in Folge von Lebensmittelknappheit, Kriminalität und Verstaatlichung. Er beschreibe in seiner Rede ein Land, das weit entfernt sei von dem, was Frauen und Mütter in Venezuela erführen. Zusätzlich warf sie ihm vor, dass er zwar sage, er schütze das Recht auf Eigentum, gleichzeitig aber Kleinunternehmer enteigne: „Enteignung ohne Bezahlung ist Diebstahl.“ Chávez antwortete, sie habe nicht das „Ranking“, mit ihm zu debattieren. „Ein Adler jagt keine Fliegen, Abgeordnete.“
Im Jahr 2012 gründete sie die Partei Vente Venezuela. Nach dem Tod von Chávez 2013 und dem Aufstieg seines Vizepräsidenten Nicolás Maduro stieg Machado zu einer Führungsfigur der venezolanischen Opposition auf. Im März 2014 wurde Machado auf Geheiß des Parlamentspräsidenten aus der Kammer ausgeschlossen, weil sie eine Einladung Panamas zu einer Rede vor der Organisation Amerikanischer Staaten angenommen hatte. Kurz zuvor hatte das von den Chávez-Anhängern dominierte Parlament bereits ihre parlamentarische Immunität aufgehoben. Im Mai verhängte die Justiz eine Ausreisesperre, und Anfang Dezember 2014 wurde sie formell der „Verschwörung“ angeklagt, wofür in Venezuela bis zu 16 Jahre Haft drohen;, NZZ, 4. Dezember 2014 eine auf diese Anklage folgende Verurteilung ist nicht bekannt. Laut eigenen Angaben aus einem Interview im Jahr 2020 stand sie ab 2015 unter einem Auslandsreiseverbot und durfte auch im Inland kein Flugzeug benutzen, jeder ihrer Schritte würde vom Geheimdienst überwacht, ihr Telefon abgehört und in den staatlichen Medien würde sie verleumdet.
Machado bezeichnete die Regierung Venezuelas ab Mai 2016 als Militärdiktatur sowie zusätzlich gegenüber der Organisation Amerikanischer Staaten als mafiös und grausam.María Corina Machado Verifizierter Account, Twitter, 16. November 2016, zitiert auf El Nacional.com: Machado al Consejo de la OEA: En Venezuela hay una dictadura cruel, militarista y mafiosa, El Nacional, 16. November 2016 Im Mai 2018 traf sie die beiden ehemaligen Präsidenten Kolumbiens, Álvaro Uribe Vélez und Andrés Pastrana, auf der Grenzbrücke. mini|hochkant|Die Erklärung zur Absicht der Freundschaft der Nationen im Mai 2018 auf der Grenzbrücke zu Kolumbien
Laut Wall Street Journal war Machado 2019 eine der Entscheidungsführer der Opposition, die die Ausrufung von Parlamentspräsident Juan Guaidó als Übergangspräsident betrieb und somit die Legitimität der Regierungs- und Präsidentenbeschlüsse der Regierung Maduro offen in Frage stellten; Guaidó erklärte im Januar 2019 vor einer Menschenmenge von 100.000, den wegen der illegitimen Wahl 2018 „nicht vorhandenen“ Präsidenten als Übergangspräsident zu ersetzen. 54 Staaten erkannten Guaidó bis im Sommer 2020 als Übergangspräsidenten an, darunter alle westlichen Demokratien und alle EU-Staaten. Von den laut Wall Street Journal vier Oppositionspolitikern, welche bei diesem Entscheid hauptsächlich beteiligt waren, war Machado die Einzige, welche im Februar 2019 noch in Venezuela und in Freiheit lebte., The Wall Street Journal, 7. Februar 2019
Präsidentschaftswahl 2024 Im Juli 2023 wurde Machado für 15 Jahre die Ausübung öffentlicher Ämter und somit die Teilnahme an der Präsidentschaftswahl 2024 verboten. Nachdem auch ihrer Ersatzkandidatin Corina Yoris die Einschreibung für die Kandidatur verweigert worden war, trat Edmundo González als Gemeinschaftskandidat des Oppositionsbündnisses Mesa de la Unidad Democrática an, das auch von Machado unterstützt wird. Die New York Times attestierte ihr die größte Wählermobilisierung seit Chávez, und dies nach Jahren der „politischen Apathie“ in Venezuela. Hätte sie unter regulären Bedingungen an den Wahlen teilnehmen können, wäre ihr der Sieg gegen den Amtsinhaber, Präsident Nicolás Maduro, gemäß diversen Umfragen sicher gewesen. Stattdessen tourte sie nun im Namen Edmundo González’ durchs Land und versuchte, mit ihrer Popularität den neuen Kandidaten bekannt zu machen („Todo el mundo con Edmundo“ – „Die ganze Welt mit Edmundo“). Kurz vor den Wahlen lag er in Umfragen zwischen 20 und 30 Prozent vor Maduro. Für den Wahltag organisierte sie „kleine Kommandos“ (spanisch pequeños comandos) genannte örtliche Gruppen von Verteidigern der Demokratie, die in den Wahlbüros Wahlfälschung zu verhindern versuchten bzw. dokumentierten.Tjerk Brühwiller: María Corina Machado. Mit Mut und Mehrheit. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 2. August 2024, S. 8. Anfang August 2024 schrieb Machado in einem Gastbeitrag von The Wall Street Journal u. a., dass Maduro entgegen der offiziellen Wahlergebnisse geschlagen wurde und dass sie sich versteckt halte, weil sie um ihr Leben fürchte. Machado zufolge töteten venezolanische Sicherheitsbehörden seit der Wahl mindestens 20 Menschen und inhaftierten 1000 weitere. Außerdem seien während der Demonstrationen gegen die Regierung von Maduro Menschen verschwunden.
Nach der Wahl trat Machado aus Sicherheitsgründen kaum mehr öffentlich auf.Nach Entführung: Machado wieder frei, Tages-Anzeiger, 9. Januar 2025 Erst nach Monaten, am 9. Januar 2025, einen Tag vor Maduros erneuter Amtseinführung, trat sie an einer Kundgebung in Caracas auf und wurde von Sicherheitskräften der Regierung inhaftiert; sie wurde am selben Tag wieder auf freien Fuß gesetzt und ließ verlauten, sie befinde sich an einem sicheren Ort.
Nachdem die Regierung die Parlamentswahlen am 25. Mai 2025 dadurch vorbereitete, dass sie in den Wochen vor den Wahltag Mitglieder von Menschenrechtsorganisationen und Politiker der Opposition verhaften ließ,Thaís Rodríguez: Die Menschen wenden sich ab von der Politik. In: Lateinamerika Nachrichten, Jg. 53 (2025), Nummer 612, S. 9–11, hier S. 9. riefen María Corina Machado und andere Oppositionelle zum Wahlboykott auf.
Friedensnobelpreis Für „ihren Einsatz für die demokratischen Rechte des venezolanischen Volkes“ wurde Machado 2025 der Friedensnobelpreis zuerkannt. Nominiert wurde sie durch den republikanischen US-Außenminister Marco Rubio gemeinsam mit Senator Rick Scott sowie den Kongressabgeordneten Mario Díaz-Balart und María Elvira Salazar. Zunächst gab es aber von der amerikanischen Regierung auch Kritik an der Entscheidung, den amerikanischen Präsidenten bei der Verleihung zu übergehen, so erklärte ein Sprecher des Weißen Hauses, das Komitee habe mit der Entscheidung „Politik über Frieden“ gestellt. In einer Mitteilung im Online-Netzwerk X widmete Machado den Preis dem „leidenden Volk Venezuelas“ und US-Präsident Donald Trump „für seine entschlossene Unterstützung unserer Angelegenheit.“ Machados Aufenthaltsort zum Zeitpunkt, als die Entscheidung zum Friedensnobelpreis verkündet wurde, war nicht bekannt.