Marktoberdorf ist eine Stadt im Landkreis Ostallgäu des bayerischen Regierungsbezirks Schwaben und Verwaltungssitz des Landkreises Ostallgäu. Der staatlich anerkannte Erholungsort mit rund 19.000 Einwohnern liegt im Allgäuer Alpenvorland. Mit ist Marktoberdorf eine der höchstgelegenen Kreisstädte Deutschlands und gehört zu den höchstgelegenen Städten in Bayern.

mini|Marktoberdorf von Nordwesten mit Zugspitze mini|Pfarrkirche St. Martin und kurfürstliches Schloss in Marktoberdorf mini|250px|Marktoberdorf von Süden

Geografie Lage Der Hauptort liegt einhundert Kilometer südwestlich von München und mitten im Landkreis Ostallgäu. Durch das Gebiet der Stadt fließen im Westen die Wertach und im Osten die Geltnach, die unterhalb der Stadt in die Wertach mündet. Das Stadtgebiet erhebt sich zwischen 700 und und ist landschaftlich geprägt durch eine Mischung aus Wiesen, Wäldern, Hügeln und etwa einem Dutzend kleiner Seen und Weiher.

Stadtgliederung Das Gebiet von Marktoberdorf besteht aus dem eigentlichen Stadtgebiet, das sich gliedern lässt in Stadtmitte, Moos im Norden, Gwend und Gschlatt im Süden, den Alsterberg im Osten und westlich der Bahnstrecke das Industrie- bzw. Gewerbegebiet, sowie aus den umliegenden früher eigenständigen Gemeinden Bertoldshofen (975 Einwohner), Geisenried (1.118 Einwohner), Leuterschach (1.216 Einwohner), Rieder (738 Einwohner), Sulzschneid (570 Einwohner) und Thalhofen an der Wertach (1.608 Einwohner).

In den sieben Gemarkungen Bertoldshofen, Geisenried, Leuterschach, Marktoberdorf, Rieder, Sulzschneid und Thalhofen an der Wertach liegen insgesamt 27 Gemeindeteile (in Klammern ist der Siedlungstyp angegeben): Balteratsried (Dorf) Bertoldshofen (Pfarrdorf) Burk (Kirchdorf) Engratsried (Weiler) Ennenhofen Ettwiesen (Weiler) Fechsen (Dorf) Gehren (Weiler) Geisenried (Pfarrdorf) Hagmoos (Weiler) Hattenhofen (Kirchdorf) Hausen (Dorf) Heiland (Dorf) Hummeratsried (Weiler) Kohlhunden (Dorf) Leuterschach (Pfarrdorf) Liebwies Marktoberdorf (Hauptort)(Pfarrdorf) Osterried (Dorf) Rieder (Kirchdorf) Ronried (Dorf) Schwenden (Dorf) Selbensberg (Dorf) Sulzschneid (Pfarrdorf) Thalhofen a.d.Wertach (Pfarrdorf) Weibletshofen (Dorf) Weißen (Weiler)

In der Kernstadt (ohne Gemeindeteile) leben 12.185 Einwohner; im direkt ans Stadtgebiet grenzenden Thalhofen a. d. Wertach 1.609 Einwohner (Stand Februar 2012).

Umgebung Etwa elf Kilometer entfernt liegt die Stadt Kaufbeuren. Im Umkreis von 25 Kilometern befinden sich Kempten, Füssen mit dem Königswinkel und das oberbayerische Schongau. Der 1.055 m hohe Auerberg mit weiter Fernsicht ist ca. 10 km Luftlinie entfernt. Das Ammergebirge und die Allgäuer Alpen sind von der Stadt aus zu sehen.

Geschichte mini|Leichenzug für den 1812 verstorbenen Fürstbischof Clemens Wenzeslaus, vom Marktplatz auf den Schlossberg, wo er in einer Grabkapelle an der Chorseite der Pfarrkirche St. Martin, neben dem Kurfürstlichen Sommerschloss, beigesetzt ist.

Bis zum 19. Jahrhundert Der Ort entstand aus einem fränkischen Königshof und in Abgrenzung zum älteren Altdorf (heute eine Gemarkung des benachbarten Biessenhofen) und gehörte ab 1299 bis zum Reichsdeputationshauptschluss von 1803 als Pflegamt Oberdorf zum Hochstift Augsburg. Auf dem Gebiet der heutigen Stadt siedelten nachweislich bereits Kelten, Römer und Alamannen. Ein Beispiel ist die römische Villa rustica im Ortsteil Kohlhunden. 1453 erhielt der Ort von Kaiser Friedrich III. das Marktrecht (Markt Oberdorf) mit wichtigen Eigenrechten.

Seit 1803 gehört der Ort zu Bayern. Im weiteren Verlauf der Geschehnisse von 1848 wurden zum 1. Juli 1862 die Bezirksämter Oberdorf und Kaufbeuren eingerichtet. 1876 erfolgte der Eisenbahnanschluss durch die Strecke von Biessenhofen. Am 26. Februar 1898 wurde der Name der Gemeinde und des Bezirksamtes in Markt Oberdorf geändert. mini|Stadtplatz in Marktoberdorf

20. Jahrhundert Im Ersten Weltkrieg dienten etwa 400 Oberdorfer in der königlich-bayerischen Armee. Bis 1918 ließen mehr als 80 dieser Frontsoldaten ihr Leben. Die Oberdorfer Turnhalle beherbergte während der vier Kriegsjahre ein Reservelazarett.Stefan März: Oberdorf, Bayern und der Erste Weltkrieg. In: Der Große Krieg in Markt Oberdorf. (Marktoberdorfer Heimatblätter). Hrsg. vom Heimatverein Marktoberdorf e. V. und der Stadt Marktoberdorf, Marktoberdorf, 2014, S. 11–21. Die Marktgemeinde (1939 ca. 2.900 Einwohner) entwickelte sich im 20. Jahrhundert zum Industriestandort und Erholungsort. Nach dem Zweiten Weltkrieg wuchs der Ort vor allem durch die Ansiedlung Heimatvertriebener aus den sudetendeutschen Gebieten (1953 ca. 5.300 Einwohner; 1967 10.000 Einwohner). Durch die Eingemeindungen in den 1970er Jahren wuchs die Stadt auf rund 15.000 Einwohner an. 2004 wurde ein vorläufiger Höchststand von rund 18.500 Einwohnern erreicht.

Am 17. Juli 1953 wurde dem Markt das Stadtrecht verliehen und gleichzeitig der Name von Markt Oberdorf in Marktoberdorf geändert., Statistisches Bundesamt, Gebietsänderungen vom 01.01. bis 31.12.1953 Die Stadt war bis zum 30. Juni 1972 Sitz der Verwaltung des Landkreises Marktoberdorf. Seit dessen Zusammenlegung mit den Altlandkreisen Füssen und Kaufbeuren hat hier die Verwaltung des neuen Landkreises, der am 1. Mai 1973 den Namen Landkreis Ostallgäu erhielt, ihren Sitz.

1975 verlor Marktoberdorf das Amtsgericht und das Finanzamt an die benachbarte kreisfreie Stadt Kaufbeuren. Seit 1984 ist der Hauptort Sitz einer Bayerischen Musikakademie.

mini|Marktoberdorf 1968 Im Zuge der Gebietsreform in Bayern wurde am 1. Januar 1972 die Gemeinde Rieder eingegliedert. Am 1. April 1972 kamen Geisenried und Thalhofen an der Wertach hinzu. Am 1. Juli 1972 folgten Bertoldshofen und Sulzschneid, am 1. Mai 1978 Leuterschach.

21. Jahrhundert 2013 schloss in Marktoberdorf unter großem Bürgerprotest die Kreisklinik. Sie wurde im Mai 2017 beseitigt, wobei wider Erwarten auch nach zwei Sprengungen zunächst ein Rest stehen blieb.

Im Dezember 2022 wurde mit der Eröffnung des 600 m langen Tunnels Bertoldshofen der B 472 die Ostumgehung von Marktoberdorf abgeschlossen.

Einwohnerentwicklung Marktoberdorf wuchs von 1988 bis 2008 um 2.076 Einwohner bzw. um ca. 13 %. Zwischen 1988 und 2018 wuchs die Einwohnerzahl von 16.146 auf 18.539 um 2.393 bzw. 14,8 %. Am 30. September 2022 zählte Marktoberdorf 18.886 Einwohner, ein Jahr später 19.025 Einwohner.

Ende 2022 hatte die Stadt lt. Einwohnermeldeamt 18.978 Einwohner.

Die Einwohnerzahlen ab 1840 beziehen sich auf die heutige Gemeindefläche.

Jahr Einwohner 1840 3.701 1900 4.731 1939 5.752 1950 9.714 1960 12.195 1970 15.040 1978 15.300 1987 15.909 1991 17.304 Jahr Einwohner 1995 17.994 2002 18.482 2005 18.462 2010 18.199 2015 18.349 2020 18.683 2023 19.033 2025 18.463

Quelle: BayLfStat

Politik

Stadtrat Der Stadtrat hat 24 Mitglieder. Ergebnisse für die Wahlperioden ab 2014:Stadtratswahl Marktoberdorf 2026, 8. März 2026, Endergebnis Partei / Liste 2026 2020 2014 Stimmenanteil Sitze Ergebnis Ergebnis CSU 33,9 % 9 33,5 %, 8 Sitze 32,0 %, 8 Sitze Grüne 12,9 % 3 20,1 %, 5 Sitze 9,1 %, 2 Sitze AfD 9,9 % 2 – – SPD 9,4 % 2 11,0 %, 3 Sitze 15,0 %, 4 Sitze Bayernpartei 4,3 % 1 4,8 %, 1 Sitz 13,5 %, 3 Sitze FW MOD 29,6 % 7 21,5 %, 5 Sitze 20,3 %, 5 Sitze Stadtteile AKTIV – – 9,0 %, 2 Sitze 10,0 %, 2 Sitze

Bürgermeister

Erster Bürgermeister ist Michael Eichinger (Freie Wähler). Er wurde bei der Kommunalwahl 2026 im ersten Wahlgang mit 59,0 % der gültigen Stimmen ins Amt gewählt.https://www.marktoberdorf.de/ergebnis/bgm2026/ Bürgermeisterwahl Marktoberdorf 2026, 8. März 2026, Endergebnis Er löste Wolfgang Hell (CSU) ab, der seit 2014 Bürgermeister war und nicht mehr zur Wahl stand.

Wappen

mini|Marktoberdorf von Nordosten

Städtepartnerschaften und Patenstadt Seit 1957 ist sie Patenstadt für die aus ihrer Heimat vertriebenen Deutschen aus der Stadt und dem ehemaligen Landkreis Hohenelbe im Riesengebirge.

Seit 1983 unterhält Marktoberdorf eine Gemeindepartnerschaft mit Waldmünchen in der Oberpfalz.

2023 wurde die Städtepartnerschaft mit der italienischen Stadt Forza d’Agrò geschlossen, aus der in den 1950er und 1960er Jahren Forzeser nach Marktoberdorf kamen, um im Ort zu arbeiten.

Kultur und Sehenswürdigkeiten mini|Pfarrkirche Sankt Martin Museen Stadtmuseum (Marktoberdorfer Geschichte) Riesengebirgsmuseum (Andenken an die alte Heimat im niederschlesischen Riesengebirge) Paul-Röder-Sammlung (Gemäldesammlung, vorübergehend geschlossen) Hartmannhaus (heimatkundliche Sammlung) Atombunker in Rathaustiefgarage (Nachkriegsbunkeranlage) Künstlerhaus Marktoberdorf (Museum für zeitgenössische Kunst) Römerbad Marktoberdorf (Ausgrabungen unter einem Schutzbau) mini|Modeon in Marktoberdorf

Theater Veranstaltungshaus MODEON mobilé: Theaterschule, Kleinkunstbühne und Theaterkino unter der Leitung von Lucia Golda Filmburg: denkmalgeschütztes Programmkino von 1955 Musik Bayerische Musikakademie (neben Alteglofsheim und Hammelburg) Carl-Orff-Chor Stadtkapelle Marktoberdorf Jugendblasorchester Marktoberdorf Marktoberdorfer Pfingstfestivals – internationale Begegnungsfestivals mit Konzerten in der gesamten Region Dialekt Marktoberdorf liegt am Südostrand des alemannischen Sprachraums. Die südostschwäbische bzw. Ostallgäuer Mundart in und um Marktoberdorf zeichnet sich unter anderem dadurch aus, dass mittelhochdeutsch ou sich zu geschlossenem oo entwickelt hat (zum Beispiel glooba – glauben – oder Oog – Auge) und das r nach einem Vokal in der Wortmitte häufig entfällt und der vorangegangene Vokal lang gesprochen wird (zum Beispiel Wuuscht – Wurst –, Maat – Markt –, heet – hart).

Bauwerke mini|Ehemaliges Fürstbischöfliches Schloss und Pfarrkirche St. Martin Stadtpfarrkirche St. Martin mit Grabkapelle für den letzten Fürstbischof von Augsburg und letzten Erzbischof/Kurfürsten von Trier Clemens Wenzeslaus von Sachsen. Ehemaliges Fürstbischöfliches Schloss mit einer zwei Kilometer langen Lindenallee aus dem 18. Jahrhundert, der sogenannten Kurfürstenallee, zum Aussichtspunkt Tempel. Das Schloss war ein Jagdschloss der Augsburger Fürstbischöfe und zuletzt der Sommersitz des Kurfürsten Clemens Wenzeslaus von Sachsen. Frauenkapelle von 1475 St. Michael (Bertoldshofen) St. Sebastian (Burk) Pestfriedhof Altes Rathaus (Marktoberdorf) Rübezahlbrunnen Vertriebenen-Mahnmal Künstlerhaus Marktoberdorf, moderner Bau der Schweizer Architekten Valentin Bearth und Andrea Deplazes Neuapostolische Kirche in der Keltenstraße 74

Marktoberdorf hat 73 Bau- und 31 Bodendenkmäler.

mini|Marktplatz in Marktoberdorf

Grünanlagen Luitpoldhöhe (auch Buchel genannt) Kurfürstenallee: 2 km lange, denkmalgeschützte Lindenallee aus der Barockzeit, zwischen dem ehemaligen fürstbischöflichen Schloss und dem sogenannten „Tempel“. mini|Kurfürstenallee in Marktoberdorf

Sport und Freizeit Am ehemaligen Kurfürstenschloss beginnt der Prälatenweg, ein thematischer Fernwanderweg, der durch das Voralpenland bis nach Kochel am See in Oberbayern führt. Der Jakobsweg passiert Marktoberdorf von München aus auf seinem Weg zum Bodensee. Von Marktoberdorf nach Lechbruck am See führt ein Radwanderweg auf der Trasse der stillgelegten Bahnstrecke Marktoberdorf–Lechbruck. Er ist Teil der sogenannten Dampflokrunde. Marktoberdorf liegt an der Radrunde Allgäu und am Allgäu-Radweg. Zweijährlich im Juni findet der Staffelmixmarathon statt, eine Kombination aus Inlineskaten, Fahrradfahren und Laufen Nikolauslauf Mitte Dezember Ettwieser Weiher, Naturfreibad und Klettergarten beim Weiler Ettwiesen südlich der Stadt Kuhstallweiher, Naturbad bei Kohlhunden Hallenbad Marktoberdorf Mehrere Turnhallen und Fußballplätze Kunsteisstadion unter freiem Himmel Besichtigungsmöglichkeit der Fendt/Agco-Traktorenwerke Marktoberdorf besitzt mehrere Sportvereine (EV Allgäu Amigos, FSV Marktoberdorf, FC Thalhofen, TSV Leuterschach, SV Geisenried, Türk Spor Marktoberdorf, FC Sulzschneid, und TSV Bertoldshofen).