Hannover Hauptbahnhof () ist der größte Personenbahnhof der niedersächsischen Landeshauptstadt Hannover und steht mit täglich etwa 280.000 Reisenden hinter Hamburg, Frankfurt (Main), München, Köln und Berlin auf Platz sechs der meistfrequentierten Fernbahnhöfe der Deutschen Bahn. Er ist zudem wichtigster Knoten im örtlichen Nahverkehr und der S-Bahn Hannover.
Der Kreuzungsbahnhof gehört zu den 21 Bahnhöfen der höchsten Preisklasse 1 von DB InfraGO. Der Bahnhof verfügt über sechs Bahnsteige mit zwölf Gleisen und zwei Durchfahrtsgleise. Täglich passieren ihn 750 Züge (Stand Sep. 2016), in der HAZ vom 20. September 2016; abgerufen am 20. September 2016. etwa 2000 Menschen arbeiten hier.
Geschichte Erster Bahnhof von 1847 mini|links|Um 1850: „Central-Bahnhof zu Hannover“, Stahlstich mini|links|Einweihung des Ernst-August-Denkmals 1861 mini|Um 1870: Bahnhofsvorplatz mit Reiterstatue
Bei der Eröffnung der ersten Eisenbahnstrecke nach Lehrte 1843 wurde ein erstes Provisorium errichtet. Bei der Anlage der Gleisanlage verzichtete man auf einen repräsentativen Kopfbahnhof und legte ihn als Durchgangsbahnhof an, damit den ersten dieser Art in einer größeren deutschen Stadt.
1845 bis 1847 wurde das Gebäude des ersten „Central-Bahnhofs“ errichtet. Der Architekt steht nicht fest, sicher ist, dass der weitsichtige Stadtbaumeister August Heinrich Andreae den Standort bestimmteAlfred Gottwaldt: Hannover und seine Eisenbahnen. alba Düsseldorf 1962, ISBN 3-87094-345-9. und der hannoversche Hofbaumeister Georg Ludwig Friedrich Laves und Ferdinand Schwarz daran mitwirkten. Es wurde im romantisch-klassizistischen Stil als streng symmetrisches Gebäude errichtet. Das massive Mauerwerk war gelblich verputzt. Laves plante für den Bereich zwischen Georgstraße und Eisenbahn ein neues Stadtviertel, die Ernst-August-Stadt. Aus mehreren Richtungen auf den Bahnhof zulaufende Straßen mündeten in dessen repräsentativen Vorplatz, den Ernst-August-Platz.
An das Empfangsgebäude schloss sich eine hölzerne Bahnsteighalle an, die zwei Gleise überspannte. Das reichte für den ersten Verkehr aus, da die noch kurzen Züge in östlicher und westlicher Richtung am gleichen Bahnsteig aufgestellt wurden. Durchgehende Züge gab es zunächst noch nicht. Der erste durchgehende Zug verkehrte ab 1. Mai 1851 zwischen Berlin und „Cöln“. Auf der dem Empfangsgebäude gegenüberliegenden Seite wurde die erste Eisenbahnwerkstatt errichtet. 1853 wurde nach Eröffnung des ersten Abschnittes der Südbahn nach Alfeld, Göttingen und Kassel aus dem Durchgangsbahnhof ein Bahnknoten. Zur Entlastung des Bahnhofes wurde 1868 in Hainholz ein Rangierbahnhof eingerichtet.
Städtebaulich war die Bahn mit dem immer dichter werdenden Verkehr ein Problem, da die Bahnstrecke die Stadt zerschnitt. So wurde 1873 beschlossen, die Bahnstrecke im Stadtgebiet auf eine Höhe von 4,50 Meter anzuheben. Das alte Bahnhofsgebäude wurde 1875 abgebrochen. Die von 1875 bis 1879 errichtete Strecke wurde zum Vorbild für die Berliner Stadtbahn und ähnliche Projekte in anderen Städten. 1876 wurde ein Stückgutbahnhof am Weidendamm errichtet.
Zweiter Bahnhof von 1879
mini|Unterführung der Alten Celler Heerstraße seit Anhebung der Bahngleise, Blickrichtung Nordost zum Raschplatz (2008), noch ohne Stadtbahntrasse mini|Der Hauptbahnhof um 1900
Während der erste Bahnhof auf Straßenniveau angelegt war und so die Stadtentwicklung behinderte, wurden für den Nachfolgebau acht Kilometer Gleisanlagen höher gelegt und zum Straßenniveau niveaufrei gestaltet. Außerdem wies der neue Bahnhof längere Gleisnutzlängen auf. Nach vorbereitenden Arbeiten ab 1873 zur Auslagerung der Werkstätten nach Leinhausen, der Rangieranlagen nach Hainholz, Bau von Güterumgehungsstrecken, begann 1875 der Bau der im Kern heute noch bestehenden Anlage.Theodor Unger: Hannover, Führer durch die Stadt und ihre Bauten. Hannover 1882 im Klindworth’s Verlag, Reprint 1978 Curt A. Vincenz Verlag, ISBN 3-87870-154-3, S. 207ff.
Das neue Empfangsgebäude wurde durch Hubert Stier im Stil der Neorenaissance entworfen. Es war wieder ein symmetrisches Gebäude mit einer Haupthalle und zwei Seitenflügeln, die jeweils durch ein Eckgebäude abgeschlossen waren. Das östliche Eckgebäude mit dem „Kaiserzimmer“ erhielt eine separate Auffahrt. Das Bauwerk wurde in gelben Ziegeln mit roten Ziegelstreifen und einem Sandsteinsockel ausgeführt. Die vier Bahnsteige mit sieben Bahnsteiggleisen und zwei Durchfahrtsgleisen waren von zwei Hallen mit jeweils 37 Meter Spannweite überspannt. Nach dem Abriss des knapp 30 Jahre alten Gebäudes begann der Bau des neuen Bahnhofs im April 1877. Dieser konnte nach 26 Monaten Bauzeit am 22. Juni 1879 in Betrieb genommen werden. Der Zugang zu den Bahnsteigen erfolgte über drei Tunnel, für den Gepäcktransport und den Postverkehr gab es zwei weitere Tunnel.
Die 1883 fertiggestellte Anlage umfasste sieben Bahnsteiggleise und mittig zwei Durchfahrgleise für die Güterzüge. Die erstellte Perron-Ueberdachung bestand aus zwei getrennten Hallen mit je 37 Meter Weite und 167,5 Meter Länge mit einem offenen Zwischenraum für die beiden Durchfahrgleise von 9,25 Meter Breite. An Baukosten werden 12,7 Millionen Mark für Gebäude und 22,5 Millionen Mark für die Gesamtanlage angegeben.Theodor Unger: Hannover, Führer durch die Stadt und ihre Bauten. Hannover 1882 im Klindworth’s Verlag, Reprint 1978 Curt A. Vincenz Verlag, ISBN 3-87870-154-3, S. 228.
1910 wurde eine dritte Bahnhofshalle mit den Gleisen 10 und 11 errichtet. Die neue Halle in Stahlbauweise besaß eine Stützweite von 27,5 Metern und eine Höhe von 15,3 Metern, der Entwurf stammte von Baurat Möller. Von besonderer betrieblicher Bedeutung für die Bahnstrecke Hannover–Hamburg war die Fertigstellung der „Hasenbahn“ – eine bereits 1913 geplante Zweigstrecke der Heidebahn ab Langenhagen über Großburgwedel nach Celle: Ab Mai 1938 war das Führen direkter Züge Hamburg–Süddeutschland ohne den Umweg über Lehrte möglich; ein Fahrtrichtungswechsel in Hannover durch das „Kopfmachen“ war nicht mehr nötig.
Im Sommerfahrplan 1939 wies der hannoversche Hauptbahnhof zusammen 144 Ankünfte und Abfahrten von regelmäßig verkehrenden Fernzügen auf. Er war damit nach den Knoten Berlin, Köln, Frankfurt am Main sowie den Hauptbahnhöfen Leipzig und Duisburg der bedeutendste Knoten im Fernzugnetz der Deutschen Reichsbahn.
Kriegszerstörungen und Wiederaufbau mini|Zerstörter Hauptbahnhof 1945
Bei den Luftangriffen auf Hannover im Juli und Oktober 1943 wurde der Bahnhof weitgehend zerstört. Von den Hallen blieben nur noch die Gerippe erhalten, vom Empfangsgebäude die Außenmauern. Erst nach vier Tagen war wieder ein Gleis passierbar.
Am 13. Juni 1945 fuhren erstmals nach Kriegsende wieder Personenzüge nach Minden, Nienburg und Göttingen. Am 14. August wurde der Personenzugverkehr deutlich ausgeweitet. Ab Hannover verkehrten wieder Personenzüge nach Bremerhaven, Duisburg, Hameln, Göttingen, Braunschweig und Uelzen. Am 15. August 1946 wurde Hannover durch den erstmals nach Kriegsende wieder verkehrenden Nord-Express von Paris nach Berlin wieder an das internationale Fernverkehrsnetz angeschlossen.
Nach den starken Bombenschäden begann der Wiederaufbau des Empfangsgebäudes im Sommer 1948 in der erhaltenen Außenfassade mit neu zugeschnittenen Innenräumen; die restlichen Stahlkonstruktionen der alten Hallendächer wurden abgetragen und die Bahnsteige erhielten hölzerne Notdächer. Von 1959 bis 1961 wurden die Bahnsteige umgebaut, die Gepäckbahnsteige verschwanden, dafür wurden Wagenaufzüge auf den Personenbahnsteigen angelegt. Der mittlere Zugang wurde verbreitert, die seitlichen Personentunnel stillgelegt und die Bahnsteige erhielten neue Dächer. Seit 1957 wird die Signal- und Weichenstellung mit Gleisbildstellwerken durchgeführt. 1963 wurde der fünfte Bahnsteig um das Gleis 12 erweitert (die Gleise 5 und 6 waren Durchfahrtsgleise ohne Bahnsteig). Von Süden kommend erreichte die Elektrifizierung der Gleisanlagen am 26. Mai 1963 den Bahnhof Hannover, ab 20. Dezember 1963 konnte elektrisch weiter nach Lehrte und ab 14. Dezember 1964 nach Bremen gefahren werden. Die Verbindung nach Hamburg über die Ende 1964 zweigleisig ausgebaute Hasenbahn ist seit dem 6. April 1965 elektrifiziert. Der Oberleitungsbau ab Lehrte über Braunschweig bis Helmstedt war erst 1976 fertiggestellt.
U-Bahn-Bau mini|Blick vom Raschplatz auf die Bahnhofsrückseite
Der Bau der Stadtbahn Hannover zog weitreichende Umbaumaßnahmen des Bahnhofes nach sich. Da der gesamte Bahnhof in offener Bauweise unterfahren werden musste, waren die Baumaßnahmen nur mit Sperrung von Gleisen möglich. Zwischen Juli 1969 und Frühjahr 1973 wurde ein sechster Bahnsteig mit den Gleisen 13 und 14 angelegt.Hauptbahnhof Hannover hat zwölf Bahnsteiggleise. In: Die Bundesbahn, 8/1973, S. 548f Nach dessen Fertigstellung wurden zwischen 1970 und 1975 jeweils zwei Gleise gesperrt, unter denen dann der Stadtbahntunnel und eine darüberliegende Fußgängerebene (Passerelle) gebaut wurden. Dafür war der Mitteltunnel gesperrt, der Zugang zu den Bahnsteigen erfolgte über die wieder geöffneten Seitentunnel. Im Zuge dieses Umbaus wurde auch das Durchfahrtsgleis 6 (nun 80) zwischen die Bahnsteiggleise 8 und 9 verschoben, während das Durchfahrtsgleis 5 (nun 40) an der alten Stelle verblieb. Anschließend wurde der Bahnhof neu gestaltet. Die Bahnsteige wurden einschließlich der Bahnsteigdächer ebenfalls erneuert. Der westlich der Unterführung der Lister Meile gelegene Posttunnel zwischen dem Hauptpostamt und dem am Raschplatz gelegenen Paketpostamt wurde durch lange Rampen für den Gepäck- und Posttransport an die Bahnsteige angeschlossen.
Im 1971 eingeführten Intercity-Netz wurde Hannover einer der Umsteigeknoten, an denen ein Wechsel zwischen den IC-Zügen am selben Bahnsteig möglich war. Im Frühjahr 1988 ging ein Reisendeninformationssystem mit Datenmonitoren an den Aufgängen und Bahnsteigen in Betrieb.Meldung Zuginformation durch Computer. In: Die Bundesbahn. 1988, Nr. 9, S. 475. Mit zusammen 323 Ankünften und Abfahrten von regelmäßig verkehrenden Fernverkehrszügen war der Hauptbahnhof im Sommerfahrplan 1989 der viertbedeutendste Knoten im Netz der Deutschen Bundesbahn.
Neubau eines elektronischen Stellwerks
Ende 1992 begannen die vorbereitenden Bauarbeiten für das bis dahin weltweit größte Elektronische Stellwerk in einem Eisenbahnknoten (Lage: ) der Deutschen Bahn. Der Auftrag für das Stellwerk wurde Mitte 1993 an Siemens vergeben. Die etwa 109 Millionen D-Mark teure Anlage wurde für die Steuerung von etwa 5100 Zug- und Rangierstraßen pro Tag, durch 279 Weichen und 535 Signale über zehn Fahrdienstleiter-Arbeitsplätze, ausgelegt.Meldung Neues Stellwerk für 100 Millionen Mark. In: Die Deutsche Bahn. Nr. 1, 1993, S. 87.Knotenstellwerk Hannover - Hundert Rechner im Verbund. In: Eisenbahntechnische Rundschau. Nr. 1+2/1997, S. 27. Das Stellwerk ging am 25. August 1996 in zwei Nachtsperrungen zu je 8 Stunden in Betrieb. Es wurde zunächst aus einem neu gebauten Bedienraum gesteuert, da die geplante Betriebszentrale noch nicht bezugsfertig war.El S Hannover Hbf. In: Signal+Draht. Nr. 1+2/1997, S. 10. Es wird heute aus der Betriebszentrale Hannover gesteuert.
Am 13. Januar 2019 führte ein Wassereinbruch zu einem dreistündigen Totalausfall des Stellwerks.
Mit 398 Ankünften und Abfahrten von regelmäßig verkehrenden Fernzügen pro Tag war der Hauptbahnhof im Sommerfahrplan 1996 der bedeutendste Knoten im Netz der Deutschen Bahn.
Umbau zur Expo 2000 mini|Niki-de-Saint-Phalle-Promenade in der −1-Ebene unter dem Bahnhof Der Hauptbahnhof wurde anlässlich der Expo 2000 wiederum vollständig umgebaut. Hierzu wurde das Empfangsgebäude innen bis auf die Außenmauern entkernt und wieder neu aufgebaut. Der Mitteltunnel wurde vergrößert und durch Öffnung der Bahnsteige mit Tageslicht versehen. Die Bahnsteige erhielten Personenaufzüge.