Felipe Massa [] (* 25. April 1981 in São Paulo) ist ein brasilianischer Automobilrennfahrer. Er startete von 2002 bis 2017 in der Formel 1 und wurde 2008 Vizeweltmeister. Von 2006 bis 2013 stand Massa bei Ferrari unter Vertrag. Ab 2014 fuhr er für Williams. Massa ging von 2018 bis 2020 in der FIA-Formel-E-Meisterschaft für Venturi an den Start.
Karriere Anfänge im Motorsport (1990–2001) Im Alter von neun Jahren begann Massa seine Motorsportkarriere im Kartsport. 1998 wechselte er in den Formelsport und wurde Fünfter der brasilianischen Formel Chevrolet. 1999 blieb er in dieser Serie und entschied die Meisterschaft mit drei Siegen aus zehn Rennen für sich.
2000 wechselte Massa nach Europa, wo er bei Cram Competition ein Cockpit für den Formel Renault 2000 Eurocup und die italienische Formel Renault erhielt. Er nahm in beiden Serien an acht Rennen teil und entschied in beiden Meisterschaften die Fahrerwertung für sich. Im Formel Renault 2000 Eurocup setzte er sich mit 140 zu 124 Punkten gegen Charles Zwolsman jr. durch, in der italienischen Formel Renault war er punktgleich mit Raffaele Giammaria. Da er mit vier Siegen zwei Rennen mehr als Giammaria gewonnen hatte, entschied Massa das Titelduell für sich. Giammaria hatte zwei Rennen mehr als Massa absolviert.
2001 erhielt Massa ein Cockpit beim Draco Junior Team in der Euro Formel 3000. Er entschied sechs von acht Rennen für sich und gewann die Meisterschaft. Mit 60 zu 32 Punkten hatte er fast doppelt so viel Punkte als der zweitplatzierte Thomas Biagi erzielt. Darüber hinaus nahm er 2001 für das von N.Technology betreute Alfa-Romeo-Werksteam an zwei Veranstaltungen der Tourenwagen-Europameisterschaft teil. Dabei war ein fünfter Platz sein bestes Resultat. Am Jahresende absolvierte Massa für Sauber zudem seine ersten Testfahrten in einem Formel-1-Auto.
Formel 1 (2002–2017) Debüt mit Sauber und ein Jahr Testfahrer bei Ferrari (2002–2003) mini|links|Felipe Massa, 2005 2002 Da Massa Sauber bei den Testfahrten überzeugt hatte, erhielt er für die Formel-1-Weltmeisterschaft 2002 ein Cockpit bei dem Rennstall als Nachfolger von Kimi Räikkönen und Teamkollege von Nick Heidfeld. Massa absolvierte 16 von 17 Rennen, beim Großen Preis der USA wurde er durch Heinz-Harald Frentzen ersetzt. Massa kam achtmal in die Top 10 und schied bei den anderen acht Rennen aus. Ein fünfter Platz beim Großen Preis von Spanien war seine beste Platzierung. Mit vier Punkten wurde er 13. der Fahrerweltmeisterschaft, während Heidfeld mit sieben Punkten Zehnter wurde.
2003 2003 verlor Massa sein Cockpit an Frentzen und blieb als Testfahrer von Ferrari in der Formel 1 aktiv. Dort kam er an der Seite der Stammfahrer Michael Schumacher und Rubens Barrichello zu einigen Freitags-Einsätzen.
Rückkehr zu Sauber (2004–2005) mini|Massa im Sauber C24, 2005 2004 2004 kehrte Massa zu Sauber zurück und wurde Teamkollege von Giancarlo Fisichella. Massa kam in dieser Saison regelmäßiger ins Ziel und schied nur bei vier Rennen aus. Mit einem vierten Platz beim Großen Preis von Belgien wurde er Gesamtzwölfter. Er unterlag Fisichella, der Elfter war, mit 12 zu 22 Punkten.
2005 2005 blieb Massa bei Sauber und erhielt mit dem ehemaligen Weltmeister Jacques Villeneuve einen neuen Teamkollegen. Massas bestes Resultat war erneut ein vierter Platz, den er beim Großen Preis von Kanada erzielte. Massa setzte sich mit 11 zu 9 Punkten intern gegen Villeneuve durch und lag eine Position vor ihm auf dem 13. Gesamtrang.
Ferrari (2006–2013) 2006 mini|links|Massa im Ferrari 248F1 beim Großen Preis von Brasilien, 2006 2006 wechselte Massa als Stammfahrer zu Ferrari und löste seinen Landsmann Rubens Barrichello ab, der zu Honda wechselte. Massa wurde Teamkollege von Michael Schumacher, der von 2000 bis 2004 mit Ferrari fünfmal die Weltmeisterschaft gewonnen hatte. Nachdem Massa bei den ersten vier Rennen dreimal in die Top 10 gekommen war, erzielte er beim Großen Preis von Europa als Dritter seine erste Podest-Platzierung in der Formel 1. Fünf Rennen später in den USA wurde er Zweiter. Bei den zwei darauf folgenden Rennen in Frankreich und Deutschland folgten weitere Podest-Platzierungen. Zwei Rennen darauf, beim Großen Preis der Türkei startete Massa erstmals von der Pole-Position und erzielte im Rennen seinen ersten Formel-1-Sieg. Nach einem zweiten Platz beim Großen Preis von Japan gewann er bei seinem Heimrennen in Brasilien erneut. Massa wurde mit 80 Punkten Dritter in der Fahrerweltmeisterschaft und unterlag damit intern Schumacher, der als Zweiter 121 Punkte erzielt hatte.
2007 mini|links|Massa beim Großen Preis der USA, 2007 2007 erhielt Massa nach dem Rücktritt von Michael Schumacher mit Kimi Räikkönen jenen Fahrer als neuen Teamkollegen, den er einst selber bei Sauber ersetzt hatte. Nach den ersten zwölf Rennen lag Massa in der Weltmeisterschaft einen Punkt vor Räikkönen. Massa hatte mit Siegen in Bahrain, Spanien und der Türkei drei Rennen gewonnen, während Räikkönen vier Rennen für sich entschieden hatte. Darüber hinaus stand Massa in Frankreich und Europa als Zweiter sowie in Monaco und den USA als Dritter auf dem Podium. mini|Massa auf dem Podium nach dem Sieg in Bahrain, 2007 In den letzten fünf Rennen setzte sich Räikkönen mit drei Siegen und zwei dritten Plätzen von Massa ab und gewann die Weltmeisterschaft mit 110 Punkten. Massa wurde in den letzten fünf Rennen in Belgien und Brasilien Zweiter und Dritter beim Großen Preis von China. Mit 94 Punkten erreichte Massa den vierten Rang in der Fahrerwertung. Die kombinierten Punkte von Massa und Räikkönen brachten Ferrari den Gewinn der Konstrukteursmeisterschaft.
2008 mini|Massa im Ferrari F2008 beim Großen Preis von Kanada, 2008 2008 bildeten Massa und Räikkönen erneut das Ferrari-Fahrerduo. Nach Ausfällen in den ersten beiden Rennen gewann Massa den Großen Preis von Bahrain. Danach folgte ein zweiter Platz in Spanien. Bei den nächsten zwei Grands Prix in der Türkei und in Monaco erzielte er die Pole-Position. Nachdem Massa in der Türkei gewonnen hatte, wurde er Dritter in Monaco. Nach einem fünften Platz beim Großen Preis von Kanada entschied Massa in Frankreich sein drittes Saisonrennen für sich. Er profitierte dabei von einem technischen Defekt am Fahrzeug Räikkönens, der dadurch Zweiter wurde. Massa übernahm nach diesem Rennen die Führung in der Weltmeisterschaft und wurde damit zum ersten Brasilianer seit Ayrton Senna, dem dies gelang. Nachdem Massa beim Großen Preis von Großbritannien außerhalb der Punkteränge ins Ziel gekommen war, verlor er die Führung in der Weltmeisterschaft jedoch wieder an Lewis Hamilton.
Nach einem dritten Platz in Deutschland führte Massa den Großen Preis von Ungarn in der Schlussphase an. Drei Runden vor Ende des Rennens fiel er mit einem Motorschaden aus. Die darauf folgenden Rennen in Europa und Belgien gewann er. Nach einem sechsten Platz beim Ferrari-Heimrennen in Italien lag Massa in der Fahrerwertung vor den letzten vier Saisonrennen einen Punkt hinter Hamilton.
mini|hochkant|alt=Felipe Massa, de dos et tête baissée sous la pluie de paillette du podium du Grand Prix du Brésil 2008.|Massa auf dem Podium beim Großen Preis von Brasilien, kurz nachdem er die Weltmeisterschaft um einen Punkt gegen Hamilton verloren hat Beim Großen Preis von Singapur startete Massa von der Pole-Position und führte das Rennen zunächst an. Nach einem absichtlich ausgelösten Unfall von Nelson Piquet jr. kam es schon früh zu einer Safety-Car-Phase, in der Massa an die Box kam. Dabei fuhr Massa los, als der Tankschlauch noch an seinem Auto hing. Durch diese Panne fiel Massa ans Ende des Feldes zurück und kam außerhalb der Punkteränge ins Ziel. Nach einem siebten Platz in Japan und einem zweiten Platz in China ging Massa mit sieben Punkten Rückstand auf den Führenden Hamilton ins letzte Saisonrennen in Brasilien. Massa gewann das Rennen, wodurch Hamilton zum Titelgewinn mindestens Fünfter werden musste, da Massa bei Punktgleichheit aufgrund der höheren Sieganzahl vorne gelegen hätte. Hamilton verbesserte sich in der vorletzten Kurve des Rennens auf den fünften Platz und kam auf diesem ins Ziel, sodass er mit einem Punkt Vorsprung auf Massa Weltmeister wurde. Die Fans auf der Tribüne und sein Team hatten zu diesem Zeitpunkt bereits den vermeintlichen Weltmeisterschaftsgewinn Massas gefeiert. Intern schlug Massa Räikkönen mit 97 zu 75 Punkten. Das gemeinsame Ergebnis der beiden Ferrari-Fahrer reichte dabei allerdings erneut für den Konstrukteurstitel.
Wegen des angeblich bewusst herbeigeführten Unfalls beim Großen Preis von Singapur, wodurch Felipe Massa entscheidende Punkte im Weltmeisterschaftswettbewerb fehlten, reichte Massa im Jahr 2024 Klage gegen den Automobilweltverband FIA, WM-Rechteinhaber Formula One Management (FOM) und Bernie Ecclestone, dem im Jahr 2008 Geschäftsführenden der FOM, bei einem britischen Gericht, ein. Massa forderte die nachträgliche Anerkennung als Weltmeister jenes Jahres und 64 Millionen Pfund Schadensersatz.
2009 mini|links|Massa beim Großen Preis von Deutschland, 2009 2009 blieben Massa und Räikkönen bei Ferrari. Nach gravierenden Reglementsänderungen in diesem Jahr gelang es Ferrari nicht, ein Fahrzeug zu entwickeln, mit dem die Fahrer Chancen auf den Weltmeistertitel hatten. Massa blieb in den ersten vier Rennen ohne Punkte und kam bei den darauf folgenden fünf Rennen immer unter den ersten sechs ins Ziel. Beim letzten dieser fünf Rennen in Deutschland stand er als Dritter erstmals auf dem Podest.
Bei der Qualifikation zum nächsten Grand Prix, dem Großen Preis von Ungarn, verletzte sich Massa schwer, als ihn eine etwa 800 Gramm schwere Metallfeder, die sich von Barrichellos Rennwagen gelöst hatte, bei Tempo 240 km/h am Helm traf und er daraufhin kurzzeitig das Bewusstsein verlor. Der Wagen fuhr ungelenkt frontal in einen Reifenstapel, während Massa, der benommen war, laut Telemetriedaten gleichzeitig das Gas- und das Bremspedal betätigt hatte. Massa erlitt bei dem Unfall einen Schnitt an der Stirn, eine Schädelfraktur sowie eine schwere Gehirnerschütterung (Schädel-Hirn-Trauma). Bei einer zweistündigen Operation wurde ihm ein Knochensplitter hinter der Augenhöhle entfernt. Er fiel für den Rest der Saison aus. Zum Zeitpunkt seiner Verletzung lag Massa vor Räikkönen auf dem fünften Platz in der Fahrerwertung. Massa wurde in den folgenden beiden Rennen durch Luca Badoer vertreten und anschließend bis zum Saisonende durch Fisichella ersetzt. Beide Vertretungsfahrer blieben im Ferrari ohne Punkte, während Räikkönen ein Rennen gewann.
Beim vorletzten Rennen in Brasilien schwenkte Massa die Zielflagge. In der Gesamtwertung belegte Massa den elften Gesamtrang.
2010 mini|Massa beim Saisonauftakt in Bahrain, 2010 Für die Saison 2010 erhielt Massa mit Alonso einen neuen Teamkollegen bei Ferrari. Beim Saisonauftakt in Bahrain bestritt Massa den ersten Grand Prix nach seinem Unfall und wurde hinter Alonso Zweiter. Beim darauf folgenden Großen Preis von Australien verteidigte Massa seine Position gegenüber seinem Teamkollegen, der direkt hinter ihm ins Ziel kam, und stand als Dritter erneut auf dem Podest. Nach dem dritten Rennen übernahm Massa erstmals seit 2008 wieder die Führung in der Fahrerweltmeisterschaft, musste sie allerdings bereits nach einem weiteren Rennen an Jenson Button abgeben. In den nächsten sieben Rennen kam Massa nur einmal in die Top 5, sodass er in der Fahrerwertung zurückfiel und nach dem Großen Preis von Großbritannien auf dem achten Platz lag, während Alonso Fünfter war.
mini|links|hochkant|Felipe Massa als Ferrari-Fahrer während einer Pressekonferenz, 2010