St. Johann ist ein Stadtteil der saarländischen Landeshauptstadt Saarbrücken. Er trägt die Bezirksnummer 13 und hat etwa 30.000 Einwohner. St. Johann wurde im Jahr 1322 zur Stadt erhoben. Am 1. April 1909 wurde St. Johann mit den Städten Saarbrücken und Malstatt-Burbach zu einer Stadt mit dem Namen Saarbrücken vereinigt. Verwaltungssitz der neuen Stadtgemeinde und heutigen Landeshauptstadt Saarbrücken war und ist seitdem St. Johann.

Geschichte mini|links|St. Johann, Altstadtkern, Stadtmodell mini|Figur des Arnulf von Metz, Portal der evangelischen Johanneskirche in St. Johann. Die Gründungslegende der St. Johanner Ortskirche besagt, Arnulf habe im Jahr 629 seinem Bischofsamt entsagt und sich in die sogenannte Heidenkapelle (ehemaliges Mithräum) am Halberg zurückgezogen, wo bereits sein angeblicher Vater, der heilige Arnual, als Einsiedler gelebt habe. Von dort aus habe er die Erbauung der Johannes dem Täufer gewidmeten Kapelle (heute Ort der Basilika St. Johann) im Fischerdorf St. Johann initiiert. Vom Titelheiligen dieser Kapelle hat dann das Fischerdorf den Ortsnamen St. Johann übernommen.Karl Lohmeyer: Die Sagen der Saar von der Quelle bis zur Mündung. Saarbrücken 1951, S. 78.

Im Kernbereich des heutigen St. Johann wird eine vorgeschichtliche Siedlung vermutet, die jedoch von heutiger Bebauung überdeckt ist, sodass es nur zu Zufallsfunden kommt. Aus der Jungsteinzeit wurden in St. Johann Steinklingen und Keramik gefunden. An einem Bestattungsplatz wurden Hals- und Armringe aus der Eisenzeit entdeckt.Alfons Kolling: Späte Bronzezeit an Saar und Mosel. Bonn 1968. Reinhard Schindler: Studien zum vorgeschichtlichen Siedlungs- und Befestigungswesen des Saarlandes. Trier 1968. Andrei Miron, Auguste Schäfer: Verborgen-Entdeckt, Ein Streifzug durch die Vor- und Frühgeschichte des Saarlandes. Saarbrücken 1993. Karl August Schleiden: Illustrierte Geschichte der Stadt Saarbrücken. Dillingen (Saar) 2009, S. 15–18.

Eine römerzeitliche Siedlung auf der hochwasserfreien Terrasse im heutigen St. Johann wird vermutet, ein Knüppeldamm im Bereich der heutigen Dudweilerstraße und Gerberstraße ist nachgewiesen.Karl August Schleiden: Illustrierte Geschichte der Stadt Saarbrücken. Dillingen (Saar) 2009, S. 21.

St. Johann am rechten Ufer der Saar war im Mittelalter ein Fischerdorf und wurde im Jahr 1265 erstmals urkundlich erwähnt. Der Name geht auf eine Kirche zurück, die Johannes dem Täufer geweiht war. An ihrer Stelle befindet sich heute die Basilika St. Johann.Karl August Schleiden: Illustrierte Geschichte der Stadt Saarbrücken. Dillingen (Saar) 2009, S. 43, Karte „Wachstumsphasen der St. Saarbrücken und St. Johann, Entwurf H. Junk/H. Klein 1979.“

Der Ort („Sente Johan dat dorf“) erhielt zugleich mit Saarbrücken im Jahr 1322 durch den Grafen Johann I. von Saarbrücken die Stadtrechte.Hanns Klein: Der Freiheitsbrief für Saarbrücken und St. Johann, in: Zeitschrift für die Geschichte der Saargegend 19, 1971, S. 132–146, hier S. 141. Die heutige abseitige Lage der Basilika St. Johann, die an der Stelle der früheren mittelalterlichen Kapelle von St. Johann steht, vom heutigen Zentrum, dem St. Johanner Markt, erklärt sich dadurch, dass sich der St. Johanner Markt ursprünglich in der für mittelalterliche Verhältnisse recht breiten Katholisch-Kirch-Straße befand und dann im Spätmittelalter an seinen heutigen Platz verlegt wurde.Hans-Walter Herrmann: Saarbrücken und St. Johann von den Anfängen städtischen Lebens bis zum Niedergang im 30jährigen Krieg, in: Rolf Wittenbrock (Hrsg.): Geschichte der Stadt Saarbrücken, Von den Anfängen zum industriellen Aufbruch (1850). Band 1. Saarbrücken 1999, S. 199–298, hier S. 266–267.

Mitte des 18. Jahrhunderts entstanden unter der Regentschaft von Fürst Wilhelm Heinrich Vorstädte, zwei barocke Kirchen und Bürgerhäuser. Mit dem Bau des Hauptbahnhofs im Jahr 1852 erlebte St. Johann als Verkehrszentrum einen wirtschaftlichen Aufschwung. Im Jahr 1890 wurde die Straßenbahn Saarbrücken durch St. Johann eröffnet. Im Jahr 1909 schlossen sich St. Johann, Saarbrücken und Malstatt-Burbach zur Großstadt Saarbrücken zusammen und St. Johann wurde Sitz der Großstadtverwaltung. Im Zweiten Weltkrieg wurden viele Gebäude in Mitleidenschaft gezogen. Im Jahr 1960 wurde anstelle des Promenadenstegs die Berliner Promenade entlang der Saar gebaut. Jahrzehntelang war die Bahnhofstraße die wichtigste Verkehrsachse St. Johanns, bis nach Schaffung der Fußgängerzone die Kaiserstraße diese Rolle übernahm. Im Jahr 1997 wurde die Saarbahn in St. Johann eröffnet. Im Jahr 2011 wurde die alte Bergwerksdirektion Saarbrücken in die Europa-Galerie integriert.

Demografie Stand 31. Dezember 2018 lebten in St. Johann 31.641 Menschen. Darunter waren 2657 (8,4 %) jünger als 15 Jahre und 5318 (16,8 %) älter als 65 Jahre. Die deutsche Staatsangehörigkeit besaßen 24.918 Einwohner (78,8 %). 6723 Einwohner (21,3 %) waren Ausländer, darunter besaßen 2993 (9,5 %) die Unionsbürgerschaft und 3730 (11,8 %) waren Nicht-EU-Ausländer. 69,5 % der Haushalte waren Ein-Personen-Haushalte; nur in 9,5 % der Haushalte lebten Kinder.Vor den Wahlen 2019

Politik Parteipolitische Tendenzen Analysen der Stadt Saarbrücken zum langfristigen Wahlverhalten ihrer Bewohner kamen zu folgenden Ergebnissen: fünf der neun Stadtbezirke in Sankt Johann sind Hochburgen der Partei Bündnis 90/Die Grünen, die auch in den anderen beiden Bezirken des Stadtteils stets Ergebnisse über dem stadtweiten Durchschnitt erzielt. Die Linke und die FDP haben je eine Hochburg in Sankt Johann. Die Linke erzielt dazu in vier, die FDP in drei weiteren Bezirken Ergebnisse über dem stadtweiten Durchschnitt. Die CDU hat keine Hochburg in Sankt Johann, erzielt jedoch in fünf der neun Bezirke Ergebnisse über dem stadtweiten Durchschnitt, während die Ergebnisse der SPD in ganz Sankt Johann unter dem Durchschnitt liegen.Vor den Wahlen 2019

Wappen mini|Die Wappen von St. Johann im Ratssaal des St. Johanner Rathauses. Bei der Stadtrechtsverleihung im Jahre 1322 führte St. Johann wie auch das benachbarte Saarbrücken bereits ein eigenes Siegel, wie aus dem Wortlaut der Verleihungsurkunde hervorgeht, doch ist nicht mehr bekannt, wie es ausgesehen hat. Graf Johann III. verlieh 1462 den Schöffen der Städte Saarbrücken und St. Johann ein gemeinsames Siegel. Dieses zeigte einen geteilten Wappenschild, oben wachsend den weißen der Grafen von Saarbrücken-Commercy in von Fußwiderspitzenkreuzen besätem blauen Feld, unten eine rote Rose in silbernem Feld. Da die Grafen von Saarbrücken-Commercy im Jahre 1381 ausstarben, geht es mindestens auf eine frühere Zeit zurück. Mit einer Unterbrechung von der Französischen Revolution bis zur Besitznahme der Städte durch Preußen im Jahre 1815 blieb das Siegel aus 1462 im Gebrauch. Dann siegelte die gemeinsame Bürgermeisterei Saarbrücken-St. Johann zunächst mit dem preußischen Adler, doch bald wurde wieder auf das alte Siegel zurückgegriffen. Seit Erlass der Städteordnung für die Rheinprovinz am 15. Mai 1856 führten beide Städte wieder getrennte Wappen.

Das St. Johanner Wappen zeigte von da an in silbernem Feld eine rote Rose mit goldenem Samenkapseln und grünen Kelchblättern.Kurt Hoppstädter: Die Wappen des Saarlandes. Teil 1, hrsg. v. Historischer Verein für das Saarland e. V. in Zusammenarbeit mit dem Archiv der Regierung des Saarlandes. Saarbrücken 1953, S. 77–79. Spätestens seitdem wird diese Rose geheimhin als die „St. Johanner Rose“ bezeichnet. Am 20. November 1876 erhielt die Stadt von Kaiser Wilhelm I. zugleich mit Saarbrücken zwei neue Wappen. Dabei handelte es sich um das „Schöffenwappen“ von 1462, jedoch mit einem schwarz und silber gestreiften Rand (Hinweis auf Preußen) als kleines Wappen und demselben Wappen (ohne Rand) in einem Herzschild auf dem preußischen Adler als großem Wappen. Dabei wurde die Anzahl der Kreuze auf zwei reduziert und ihre Form zu Tatzenkreuzen verändert, die jeweils dem preußischen Eisernen Kreuz ähneln. Außerdem durfte eine dreitürmige Mauerkrone geführt werden. Diese beiden Wappen wurden bis zur Vereinigung mit Saarbrücken und Malstatt-Burbach zur neuen Stadt Saarbrücken 1909 verwendet und sollten laut Handschreiben von Kaiser Wilhelm I. vom 29. Juli 1874 St. Johann als „Heldenstadt“ im Deutsch-Französischen Krieg von 1870/71 ehren.Kurt Hoppstädter: Die Wappen des Saarlandes. Teil 1, hrsg. v. Historischer Verein für das Saarland e. V. in Zusammenarbeit mit dem Archiv der Regierung des Saarlandes. Saarbrücken 1953, S. 78.

Diese beiden Wappen wurden von der Stadt St. Johann bis zu ihrem Zusammenschluss mit Saarbrücken und Malstatt-Burbach zur neuen Stadt Saarbrücken im Jahr 1909 geführt.Hermann Lehne, Horst Kohler: Wappen des Saarlandes, Landes- und Kommunalwappen. Saarbrücken 1981, S. 30–34. In deren späteres Wappen wurde die Rose als Hinweis auf St. Johann wieder aufgenommen.Kurt Hoppstädter: Die Wappen des Saarlandes, Teil 1, hrsg. v. Historischer Verein für das Saarland e. V. in Zusammenarbeit mit dem Archiv der Regierung des Saarlandes, Saarbrücken, 1953, S. 77–79.

Bürgermeister mini|St. Johann an der Saar, Zustand im 18. Jahrhundert, links Saarbrücken, in der Mitte die Saar, rechts St. Johann (Gemälde im Rathaus St. Johann) Liste der Bürgermeister seit der Frühen Neuzeit bis zur StädtevereinigungAlbert Ruppersberg: Verzeichnis der Meier und Bürgermeister von Saarbrücken und St. Johann, in: Südwestdeutsche Heimatblätter 8, 1927.Hanns Klein: Kurzbiographie der Bürgermeister (Alt-)Saarbrückens, St. Johanns, Malstatt-Burbachs und der Großstadt Saarbrücken. In: Zeitschrift für die Geschichte der Saargegend, 1971, 19, S. 510–538.Rolf Wittenbrock (Hrsg.): Geschichte der Stadt Saarbrücken. Band 2: Von der Zeit des stürmischen Wachstums bis zur Gegenwart. Saarbrücken 1999, S. 678–680. 16. Jahrhundert • 1528 Jorg • 1548 Paulus Schneider • 1549 Heinrich Wagner • 1561 Max Meinzweiler • 1589 Georg Reiß • 1590 Hans Müller • 1591 Joachim Becker • 1592 Jakob Kiefer • 1593 Jakob Metzger • 1594 Adam Schumacher • 1595 Kaspar Taison, der welsche Metzger • 1596/97 Kaspar Metzger • 1598 Michael Hutwohl • 1599 Arnual Geißbauer, Schneider 17. Jahrhundert • 1600/01 Jakob Reiser • 1602/03 Jakob Spanier • 1604/05 Georg Bischmisheimer, Metzger • 1606 Anton Lohr • 1607 Hermann Blasbach • 1608 Salomon Wörner • 1609 Hans Deutschmann, Krämer • 1610/11 Niklas Reuter • 1612 Martin Becker • 1613 Peter Reinheimer • 1614 Johann Georg Syrck • 1615 Adam Heinsgen • 1616 Nikolaus Kraus, Schmied • 1617 Paulus Karcher, Metzger • 1618 Hans Peter Müller • 1619 Heinrich Joller (Georg J., Bürgermeister, gest. 1634) • 1620 Carinus Kalbfleisch, Wollweber • 1621 Reinhard Barthel, Schneider • 1622 Konrad Reiß, Weißgerber • 1623 Johann Michael Taixon • 1624 Johann Weißgeld, Wollweber • 1625 Simon Becker, Metzger • 1626 Hans Lipp, Salzhändler • 1627 Simon Mayer, Wollweber • 1628 Hans Martin Pistori • 1629 Hans Denninger • 1630 Heinrich Löw • 1631 Lambrecht Müller, Gerber • 1632 Johannes Erasmus • 1633 Mathis Löw • 1634 Daniel Schlachter, gest. / Theobald Kempf • 1635 Joachim Lohren, gest. / Philipp Müller, ausgewandert • 1636 Nickel Lautz • 1637 Cola Köhl, Metzger • 1638 Hans Nickel Mertz, Bäcker und Bierbrauer • 1639 Johann Ludwig Callenbot, Schneider • 1640 Peter Stehlinger, Krämer • 1641 Stoffel Rotsch, Müller • 1642 Hans Kaspar Holler, Müller • 1643 Hans Konrad Reuter, Metzger • 1644 Johann Brück, Wollweber • 1645 Hans Nickel Karcher, Metzger • 1646 Johann Barthel, Bäcker • 1647 Hermann Kalbfleisch, Wollweber • 1648 Anton Sixt • 1649 Christoph Reinhard, Weingartner • 1650 Hans Georg Waffenbeck • 1651 Nickel Barthel, Krämer • 1652 Hans Jakob Rotsch, Müller • 1653 Johann Fels, Lohgerber • 1654 Heinrich Jonas, Gasthalter • 1655 Heinrich Pflug, Hafner • 1656 Hans Jakob Hertrich • 1657 Hans Jakob Rießer, Glaser • 1658 Hans Philipp Schlachter, Metzger • 1659 Hans Georg Köhl, Metzger • 1660 Jost Schmitteborn, Wollweber • 1661 Hans Peter Joler, Wollweber • 1662 Hans Adolf Bohrer, Schuhmacher • 1663 Hans Georg Reiß, Handelsmann