mini|Die Kronjuwelen der Monarchen des Vereinigten Königreichs auf einem Stich von 1814. mini|Die Kronjuwelen zur Krönung von Elisabeth II.
Die britischen Kronjuwelen umfassen nebst anderem die Regalien der Herrscher des Vereinigten Königreichs und gelten als die weltweit wertvollste Sammlung von Diamanten und Juwelen. Aufbewahrt werden sie im Tower von London, wobei der dort ausgestellte Teil nur einen kleinen Teil des gesamten Schatzes ausmacht.
Zu den Kronjuwelen gehören, unter anderem, verschiedene Kronen, Zepter (entweder mit einem Kreuz oder einer Taube), Reichsäpfel, Schwerter, Sporen und Ringe. Zusätzlich werden auch verschiedene Kleidungsstücke, wie die königliche Robe, zu den Kronjuwelen gezählt.
Die Kronjuwelen werden nur zu besonderen Anlässen getragen, insbesondere während der Krönungszeremonie eines neuen Monarchen und zur alljährlichen Parlamentseröffnung.
Historie der Kronjuwelen mini|Die Kronjuwelen um 1910 In Englands Geschichte hatte es nie eine ständige Königskrone wie etwa im Heiligen Römischen Reich gegeben. Nach der Eroberung durch die Normannen unter Wilhelm dem Eroberer (1066) wurden bei jeder englischen Krönung gleich zwei Kronen verwendet. Die schwere Königskrone wird beim eigentlichen Krönungsakt benutzt. Traditionell ist sie seit Wilhelm I. mit Lilienblättern geschmückt. Eine zweite, die als State Crown bezeichnet wird, ist bedeutend leichter und wurde bei offiziellen feierlichen Anlässen getragen. Dieser Brauch wird bis zum heutigen Tag beibehalten.
Als heilige Gegenstände wurden die Kronjuwelen in der Westminster Abbey, dem Krönungsort der englischen Könige, aufbewahrt, wo 1303 jedoch auch ein Diebstahl der Kronjuwelen erfolgte. 1339 verpfändete Eduard III. zur Finanzierung des Hundertjährigen Kriegs die Königskrone an den ihn unterstützenden Trierer Kurfürsten Balduin von Luxemburg für 50.000 Gulden. Eduard ließ sich allerdings bis 1343 Zeit damit, die Krone wieder auszulösen, so dass Balduin, der mittlerweile zur französischen Seite übergegangen war, zwischenzeitlich sogar damit drohte, die Krone zu verkaufen.Ernst Gillmann (Hrsg.): Unsere Kirche im Rheinischen Oberland. Simmern 1954, S. 139.
Zweimal in der Geschichte gingen bedeutende Teile des Kronschatzes entweder vollständig oder teilweise verloren. Das erste Mal ging der Kronschatz während des Ersten Kriegs der Barone beim plötzlichen Tod von König Johann Ohneland 1216 verloren, womöglich versank der Schatz mit einem Teil des Trosses des Königs bei der Überquerung des Wash kurz vor Johanns Tod. Zu den Schätzen, die bei der Krönung von König Johann noch verwendet wurden und die bei der Krönung seines Sohnes fehlten, gehörten die mit Lilien verzierte Krönungskrone von England, kostbare Königsgewänder, ein Paar goldene Sporen, ein großes Kreuz, eine goldene Tasse, das Zepter mit der Taube, ein kostbarer Gürtel, Handschuhe und Schuhe, sowie zwei Schwerter, wovon eines das Schwert des Tristan gewesen sein soll. Da die erste Krönung des neuen Königs Heinrich III. wegen des Bürgerkriegs 1216 überhastet erfolgt war, erfolgte 1220 eine erneute Krönungszeremonie, für die zahlreiche Kroninsignien neu gefertigt wurden. Beim zweiten Mal gingen die Kronjuwelen gegen Ende des Englischen Bürgerkriegs und des folgenden Commonwealth of England verloren. Nach der Hinrichtung von König Karl I. 1649 ließ der neue Machthaber Oliver Cromwell den gesamten Kronschatz zerlegen und als Symbol der verhassten Tyrannenherrschaft veräußern oder einschmelzen. Nach der Wiederherstellung der Monarchie mussten für die Krönung des neuen Königs Karl II. am 23. April 1661 neue Kronjuwelen hergestellt werden, welche aber zum Teil aus Material der alten bestanden. Die Neuanfertigung der Kronjuwelen kostete die enorme Summe von £ 13.000.
Älteste erhaltene Krone der englischen Kronjuwelen ist damit die sogenannte Pfälzische Krone im Residenzmuseum München, die der Vernichtung unter Oliver Cromwell entging, da sie schon 1402 als Mitgift der Prinzessin Blanca von England nach Deutschland gelangt war.František Šmahel: Häresie und vorzeitige Reformation im Spätmittelalter (= Schriften des Historischen Kollegs München. Band 39). Oldenbourg Verlag, 1998, ISBN 3-486-56259-2, S. 105 und 106 (Digitalscan). mini|150px|Die Regalienschau im Juwelenturm des Tower of London 1851
Seit Karl II. wurden die Kronjuwelen im Tower of London, der schon lange auch als Schatzkammer für die privaten Juwelen und Schätze der Könige diente, aufbewahrt. Die Hüter der Kronjuwelen sicherten sich jedoch ein Zusatzeinkommen, indem sie die Juwelen gegen Gebühr zur Besichtigung freigaben. Dabei konnte 1671 ein Raub der Edwardskrone und des Reichsapfels durch Thomas Blood nur knapp verhindert werden. Historio im Mai 2011. 1815 beschädigte eine Besucherin die State Crown, und beim Brand des Grand Storehouse im Tower 1841 konnten die Kronjuwelen nur knapp gerettet werden.
Während des Zweiten Weltkrieges sollten die Juwelen angesichts der befürchteten deutschen Invasion nach Kanada ausgelagert werden und dort bei der Sun Life Insurance Company in Montreal verwahrt werden. Schließlich wurden jedoch nur Goldreserven der Bank von England nach Kanada ausgelagert, während die Kronjuwelen nach Windsor Castle gebracht wurden. Der Hauptgrund hierfür war, dass die Kronjuwelen traditionell nie das Land verlassen dürfen, und ein Verlust der Kronjuwelen im Atlantischen Ozean wurde als weitaus gravierender empfunden als ihre Erbeutung im Falle einer deutschen Invasion.
Aufbewahrung mini|Das Jewel House, Aufbewahrungsstätte der Kronjuwelen Seit 1967 befindet sich das Jewel House, der Aufbewahrungsort der Kronjuwelen, in den Waterloo Barracks im Tower of London, wo sie öffentlich besichtigt werden können.
In jedem Jahr werden sie im Januar, im Anschluss an eine Inspektion im Dezember, vom Hofjuwelier gereinigt. Dieses geschieht nach der Schließung des Towers in den Nachtstunden, damit zu den Öffnungszeiten alle Teile des Kronschatzes öffentlich zu sehen sind. Der gesamte Reinigungsprozess dauert in der Regel etwa zehn Tage. Zusätzlich zum jährlichen Reinigungsintervall werden alle Stücke, die für die zeremonielle Verwendung von Mitgliedern der königlichen Familie im Laufe des Jahres benutzt wurden, geprüft und, wenn notwendig, gereinigt.
Kronen mini|hochkant=0.6|Die St.-Edward-Krone mini|hochkant=0.6|Die Imperial State Crown im Profil mini|hochkant=0.6|Die Imperial Crown of India mini|hochkant=0.6|Krone des Prince of Wales 1729–1969 mini|hochkant=0.6|Königin Victoria im Jahre 1887 mit ihrer kleinen Krone
Die St.-Edwards-Krone (St. Edward’s Crown)
Diese 1661 angefertigte Krone aus massivem Gold ist die eigentliche Königskrone Englands und wird nur bei der Krönung benutzt.
Die Edwardskrone erinnert an König Eduard den Bekenner (1042–1066). Es handelt sich um eine Lilienkrone aus Gold, mit 444 Edelsteinen und Perlen besetzt. Sie wiegt nicht weniger als 2,25 Kilogramm. Bis zum 19. Jahrhundert wurde sie von fast allen englischen Königen getragen.
Die Reichskrone (Imperial State Crown)
Sie wurde 1838 zur Krönung der jungen Königin Victoria aus Silber hergestellt und 1937 neu aufgebaut. Sie ist überzogen von tausenden Diamanten und trägt auch den roten Spinell des Schwarzen Prinzen. Sie wird bei feierlichen Anlässen wie der Parlamentseröffnung benutzt.
Die Reichskrone von Indien (Imperial Crown of India)
Traditionell dürfen die englischen Kronjuwelen das Land nie verlassen, und so wurde diese Krone für die Krönung von Georg V. als Kaiser von Indien in Delhi im Jahr 1911 angefertigt. Sie ist eine fein gestaltete Krone der in England üblichen Muster und trägt eine Reihe von Smaragden, Rubinen, Saphiren, 6.100 Diamanten und einen sehr kostbaren indischen Rubin. Die Krone wurde vom Kronjuwelier Garrard & Co gestaltet und kostete 60.000 Pfund. Sie wiegt 970 Gramm. Das beträchtliche Gewicht der Krone führte dazu, dass König Georg nach dem Tragen über Kopfschmerzen klagte. Sie wurde nie wieder benutzt und wird seit ihrer Rückkehr 1913 gemeinsam mit den englischen Kronjuwelen verwahrt.
Die Kronen des Fürsten von Wales
Die ältere Krone wurde für die Einsetzungszeremonie des Prinzen Frederick Louis (Sohn Königs Georg II. und Vater von König Georg III.) im Jahre 1729 geschaffen und besteht aus Gold mit nur einem Bügel und ist nicht mit Edelsteinen besetzt.
1902 wurde die Krone Georgs, Fürsten von Wales für Georg V. als damaligem Fürsten von Wales geschaffen.
Die neuere Krone wurde für die Investitur von Charles III. zum Prince of Wales 1969 in Caernarvon geschaffen und ist die jüngste in der königlichen Sammlung.
Die Investitur-Insignien von 1911 (Krone, Stab, Ring, ein Schwert und eine Robe bzw. ein Mantel mit Gürtel und Schärpe) und 1969 sind als Leihgabe im Nationalmuseum von Wales in Cardiff zu sehen.
Die Krone der Königin Elizabeth (Crown of Queen Elizabeth)
Sie wurde für die Krönung der Ehefrau von König Georg VI., der späteren „Queen Mum“, angefertigt. Diese Krone ist die erste nicht aus Gold, sondern aus Platin gefertigte der Kronjuwelen. Sie beinhaltet den Koh-i-Noor-Diamanten. Elizabeth trug sie, die Bögen waren traditionell entfernt worden, auch zur Krönung ihrer Tochter im Jahr 1953.
Die Krone der Königin Mary (Crown of Queen Mary) mini|links|Krone der Königin Mary Sie ist eine Anfertigung für die Krönung der Gemahlin König Georg V., Marys von Teck, 1911. Ursprünglich enthielt sie den Koh-i-Noor-Diamanten, welcher nun auf der Krone der Königin Elizabeth sitzt. An seiner Stelle wurde die Brosche mit dem Cullinan V eingefügt. Die dritt- und viertgrößten Steine des Cullinan-Diamanten wurden in die Krone eingearbeitet: Cullinan III im oberen Kreuz und Cullinan IV im Stirnreif. Queen Mary trug den unteren Teil ihrer Krone oft als Diadem. In dieser Form und mit dem Cullinan V im Mittelkreuz trug Königin Mary es etwa auch 1937 bei der Krönung von König Georg VI. und Königin Elisabeths. Mit dieser Krone, um vier Bügel reduziert und ebenfalls der Brosche mit dem Cullinan V im Mittelkreuz des Kronreifs wurde 2023 dann auch Königin Camilla gekrönt.
Die kleine Diamantkrone der Königin Victoria (Small diamond crown of Queen Victoria)
Königin Victoria gab dieser 1877 geschaffenen Krone gegenüber der Imperial State Crown den Vorzug. Besetzt ist sie mit über 1.300 Diamanten.
Die Krone der Königin Maria von Modena (Crown of Mary of Modena)
Diese Krone wurde 1685 für die Krönung der Königin Maria von Modena, der zweiten Frau von König Jakob II., gefertigt. Sie ist 20,9 cm hoch und 890 g schwer. Die Krone war mit gemieteten Steinen besetzt, die später durch 38 sehr große Diamanten und 652 Perlen ersetzt wurden. Sie enthielt den „Rubin des Schwarzen Prinzen“. Später diente sie als Staatskrone und wurde umgeformt, um auf Königin Marias II. Kopf der damals aktuellen Mode zu entsprechen. Königin Anne wie auch König Georg I. benutzten sie als Staatskrone. Die nächsten Königsgemahlinnen – Caroline von Ansbach, Königin Charlotte und Königin Adelaide – benutzten sie wieder als zweitrangige Königinnenkrone.
Diadem der Maria von Modena
Das Diadem wurde ebenfalls im Jahre 1685 gearbeitet. Der breite, massiv goldene Reif war mit einem Ornament aus Diamanten reich besetzt. Der obere Rand, durchgehend von Perlen gesäumt, formt sich zu einer flachen Spitze, die von einem freistehenden Diamanten gekrönt ist. Die Diamanten waren, wie damals durchaus üblich, zur Krönungsfeier nur geliehen und wurden später gegen Bergkristalle ausgetauscht.
Staatsdiadem Georgs IV. (George IV State Diadem)