Die Arbeitsgemeinschaft der Kirchen und Religionsgesellschaften in Berlin (AKR) e.V. ist die älteste noch existierende interreligiöse Organisation Deutschlands. Sie wurde 1947 gegründet. Die AKR fördert den Dialog und die Zusammenarbeit zwischen verschiedenen religiösen Gemeinschaften, um religiöse Toleranz und gesellschaftlichen Frieden zu unterstützen. AKRs gibt es auch in Hamburg und Niedersachsen.

Vorgeschichte Vom 5. bis 10. August 1910 fand in Berlin der 5. Weltkongress für freies Christentum als erste Konferenz auf deutschem Boden mit interreligiösen Anteilen statt.Dazu: Michael Sturm-Berger, Zur Entwicklung religiöser Tolereranz, der Religionsfreiheit & des interreligiösen Dialoges in Berlin-Brandenburg bis 1947 (anlässlich des 75. Gründungstages der Arbeitsgemeinschaft der Kirchen und Religionsgesellschaften (AKR) in Berlin am 14. April 2022), auf: https://akr-berlin.de/zur-entwicklung-religioeser-tolereranz-der-religionsfreiheit-des-interreligioesen-dialoges-in-berlin-brandenburg-bis-1947/ (19 Seiten). Am 1. August 1922 folgte in Wilhelmshagen die erste Tagung des Religiösen MenschheitsbundesChristliche Welt 36. Jg., Stuttgart/Gotha 1922, Nr. 39 (28.09.), Sp. 743f. (Paul Gastrow, Tagung des Religiösen Menschheitsbundes); auch auf: https://dfg-viewer.de/show?id=9&tx_dlf%5Bid%5D=https%3A%2F%2Fdiscover.ub.uni-muenchen.de%2Fdigitalisate%2FBV002567433-36%2FBV002567433-36.xml&tx_dlf%5Bpage%5D=379; Frank Obergethmann, Rudolf Ottos "Religiöser Menschheitsbund" – ein Kapitel interreligiöser Begegnung zwischen den Weltkriegen, in: Zeitschrift für Religionswissenschaft 6, Marburg 1998, S. 79–106, besonders S. 86.. Die erste „Kundgebung“ der „Arbeitsgemeinschaft der Konfessionen für den Frieden“ trat am 16. Oktober 1929 in die Berliner ÖffentlichkeitReligion und Weltfriede. Überwindung der Kriege. Sammelschrift m. Beiträgen v. Rabb. Leo Baeck, Pfr. D. Günther Dehn, R.-A. Dr. Alfred Klee, Dr. Heinrich Krone MdR, P. Franciskus Stratmann OP, Pfr. Lic. theol. Rudolf Wielandt, Leipzig 1930.. Alle diese Bemühungen wurden durch die Nazis unterdrückt. Jedoch bezog sich der Jude Siegmund Weltlinger im Berliner Tagesspiegel vom 28. Juli 1946 in seinem Aufsatz „Die UN der Religionen“ erneut auf die „Arbeitsgemeinschaft der Konfessionen …“ und wurde danach u. a. Mitbegründer der AKR Berlin. Er schrieb damals:

Entwicklung nach dem 2. Weltkrieg Die sowjetische Besatzungsmacht hatte für Großberlin einen Beirat für kirchliche Angelegenheiten beim Magistrat berufen – auch um die wirtschaftlichen Interessen der Religionsgemeinschaften zu vertretenHierzu und zum Folgenden: Festschrift zum zwanzigjährigen Bestehen der Arbeitsgemeinschaft der Kirchen und Religionsgesellschaften in Berlin 1947–1967, S. 9–15.. Sie ernannte für die Römisch-katholische Kirche Pfarrer Peter Buchholz, für die evangelische Landeskirche Probst Heinrich Grüber; für die jüdische Gemeinde kam Siegmund Weltlinger hinzu. Dabei wurden gezielt Personen berufen, die nachweislich von den Nationalsozialisten verfolgt worden waren. Der im Kreisauer Kreis tätige Pfarrer Dr. Hellmut Vermehren wurde als Vertreter für die kleineren Gemeinschaften angesprochen. Er vertrat „Die Christengemeinschaft“ und lehnte diesen Ruf deshalb ab, weil er eine Form der Verbindung von Politik und Geistesleben, für welche die Vertreter der Besatzungsmacht standen, nicht mit dem Wert eines freien Geisteslebens „der Christengemeinschaft“ vereinbaren konnte.

Eine Veränderung trat nach der ersten freien Wahl ein. Danach sahen Dr. Vermehren und auch Vertreter anderer Religionsgemeinschaften die Chance eine Arbeitsgemeinschaft zu gründen, welche auf dem Boden eines freien religiösen Lebens, Miteinanders und Verständigungswillens unter den Gemeinschaften fußte. Einen weiteren Aspekt bildete die Möglichkeit aus der religiösen Vielfalt heraus in das soziale Leben der Stadt hineinzuwirken – unbeeinflusst von den jeweiligen politischen Verhältnissen. Dies waren wichtige Impulse für die Gründung der AKR, welche am 14. April 1947 gelang. Zu den Gründungsmitgliedern gehörten Vertreter verschiedener evangelischer Kirchen, der Römisch-katholischen Kirche sowie der Jüdischen Gemeinde, der Alt-Katholischen Kirche und der Christengemeinschaft. Wenig später kamen weitere christliche, muslimische und buddhistische Gemeinschaften hinzu.

Zielsetzung und Aktivitäten Die AKR hat sich zum Ziel gesetzt, durch interreligiösen Dialog, gemeinsame Veranstaltungen und Öffentlichkeitsarbeit zur besseren Information über religiöse Themen beizutragen und Vorurteile abzubauen. Sie ist auch Anlaufstelle für Medien und Öffentlichkeit, die Informationen zu den verschiedenen Mitgliedsgemeinschaften in Berlin suchen. Zu den regelmäßigen Aktivitäten zählen interreligiöse Gesprächsforen sowie seit Anfang 1952 die Rundfunkbeiträge Wort zum Tage auf Deutschlandfunk Kultur (früher RIAS)Daselbst, S. 20.. Themen der Gesprächsforen waren u. a.:

Pflichterfüllung – Freiheit oder Zwang? Obdachlosigkeit und himmlische Heimat. In einer Religion zu Hause sein – Was sind die Voraussetzungen? Wie lässt sich der Widerspruch zwischen menschlicher Tierliebe und Konsumverhalten lösen? Humor in den Religionen

Die Präambel der AKR

Struktur und Mitgliedschaft Die AKR ist heute ein eingetragener gemeinnütziger Verein, in dem verschiedene Kirchen und Religionsgemeinschaften durch Delegierte vertreten sind. Einzelpersonen können nicht Mitglied sein. Der Verein wird von einem Vorstand geleitet, der alle zwei Jahre gewählt wird.

Mitglieder der AKR Berlin Ahmadiyya Muslim Jamaat Alt-Katholische Kirche Apostelamt Jesu Christi e.V. Apostelamt Jesu Christi K.d.ö.R. Bahai Buddhistische Gesellschaft Berlin e.V. Bund Evangelisch-Freikirchlicher Gemeinden Die Christengemeinschaft Christliche Wissenschaft Eckankar e.V. Deutsche Muslim-Liga Bonn, siehe Sufi-Tariqah As-Safinah Evangelische Kirche Evangelisch-methodistische Kirche Freikirche der Siebenten-Tags-Adventisten Herrnhuter Brüdergemeine Hindu-Gemeinde Islamische Gemeinde – Die Moschee Islamische Gemeinschaft deutschsprachiger Muslime Berlin Johannische Kirche Jüdische Gemeinde Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage Koptisch-Orthodoxe Kirche Lahore Ahmadiyya (Gemeinde der Berliner Moschee) Neuapostolische Kirche Neue Kirche in DeutschlandSwedenborg Zentrum Berlin Religiöse Gesellschaft der Freunde (Quäker) Berlin Römisch-katholische Kirche Russisch-Orthodoxe Kirche Serbisch-Orthodoxe Kirche Sikh-Gemeinschaft Soka Gakkai Deutschland Sufi-Bewegung in Berlin/International Sufi-Movement,The International Sufi-Movement siehe Internationaler Sufi-Orden Sufi-Zentrum Rabbaniyya Unitarische Kirche in Berlin Vedanta-Gesellschaft e.V.

Kooperationen Ein wichtiger Beitrag der AKR ist die Zusammenarbeit mit dem Berliner Forum der Religionen, das 2011 u. a. auf Anregung der AKR vom Regierenden Bürgermeister und der Senatskanzlei ins Leben gerufen wurde. Diese Plattform organisiert auch die Lange Nacht der Religionen in Berlin, bei der zahlreiche religiöse Gemeinschaften ihre Türen öffnen und vielfältige Programme anbieten.

Besondere Veranstaltungen Bei Jubiläen der AKR und anderen Anlässen haben prominente Persönlichkeiten ihre Anerkennung für die Arbeit der AKR zum Ausdruck gebracht, u. a. Dr. Hanna-Renate Laurien, Volker Beck, Mohammad Aman Hobohm.

Zitate über die AKR

Weblinks Website der AKR-Berlin

Literatur

Festschrift zum zwanzigjährigen Bestehen … 1947–1967, hrsg. v. d. AKR (27 S.) Arbeitsgemeinschaft der Kirchen und Religionsgesellschaften, (Berlin 1972; 19 S.) Was glauben die andern? 27 Selbstdarstellungen, hrsg. v. Kurt Eberhardt, Gütersloh 1977 (224 S.); ISBN 3-579-03633-5 4. Auflage, hrsg. v. Horst Trubach, Gütersloh 1993 (240 S.); ISBN 3-579-00795-5 Was erwartet uns nach dem Tod? 24 Darstellungen von Religionen und Konfessionen, hrsg. v. Siegfried Raguse, Gütersloh (1983,) 2. Aufl. 1986 (240 S.); ISBN 3-579-01069-7 Feier des 50-jährigen Bestehens der AKR …, Berlin 19. Okt. 1997 (3 Vorträge; 23 S.) Der Unitarier … Mitteilungsblatt der Unitarischen Kirche in Berlin e.V. – Sonderausgabe 55 Jahre AKR (2. Juni 2002 – Dokumentation, Gebetstexte; 16 S.) Festakt zum 100. Jahrestag der ersten interreligiösen Konferenz in Berlin und Deutschland … (2. Oktober 2010 – Grußworte, Dokumentation, Ansprachen) (108 S.)

Einzelnachweise, Anmerkungen

Kategorie:Organisation (interreligiöser Dialog) Kategorie:Vereinsgründung 1947 Kategorie:Berliner Verein Kategorie:Religiöser Verein (Deutschland)