Julius Ludwig Seligsohn (* 7. Mai 1890 in Berlin; † 28. Februar 1942 im KZ Sachsenhausen) war ein deutscher Jurist, Vorstandsmitglied der Reichsvereinigung der Juden in Deutschland und NS-Opfer.

Leben Seligsohn, Sohn des Justizrates Arnold Seligsohn (1854–1939), studierte nach dem Abschluss seiner Schullaufbahn Rechtswissenschaft. Als Oberleutnant nahm Seligsohn am Ersten Weltkrieg teil. Nach Kriegsende trat er dem Reichsbund jüdischer Frontsoldaten bei.Otto Dov Kulka (Hrsg.): Deutsches Judentum unter dem Nationalsozialismus. Band 1: Dokumente zur Geschichte der Rechtsvertretung der deutschen Juden 1933–1939. Schriftenreihe wissenschaftlicher Abhandlungen des Leo Baeck Instituts, 54. Mohr Siebeck, Tübingen 1997, S. 529 An der Universität Halle promovierte er 1921 mit der Dissertation Geheimnis und Erfindungsbesitz zum Dr. jur.Siehe Eintrag bei der DNB Seligsohn wurde als Rechtsanwalt und Notar tätig.Gudrun Maierhof: Selbstbehauptung im Chaos: Frauen in der jüdischen Selbsthilfe 1933–1943; Campus Verlag, 2002, S. 345 Als Anwalt war er spezialisiert auf gewerblichen Rechtsschutz.

Nach der Machtübergabe an die Nationalsozialisten durfte Seligsohn aufgrund seiner jüdischen Herkunft nicht mehr als Jurist tätig werden. Innerhalb der Jüdischen Gemeinde zu Berlin gehörte er ab 1924 dem Vorstand als Vertreter der liberalen Fraktion an. Ab 1933 gehörte er dem Präsidium des Hilfsvereins der deutschen Juden sowie der Reichsvertretung der Deutschen Juden an. Nach der Umbenennung der Reichsvertretung in Reichsvereinigung der Juden in Deutschland war er ab 1939 Vorstandsmitglied in dieser Organisation. Bei der Reichsvereinigung war Seligsohn bei der Abteilung Wanderung unter Paul Eppstein für den Bereich Auswandererberatung und Auswanderungsplanung zuständig.Gudrun Maierhof: Selbstbehauptung im Chaos: Frauen in der jüdischen Selbsthilfe 1933–1943; Campus Verlag, 2002, S. 358 Im Jüdischen Nachrichtenblatt, einer von den Nationalsozialisten ersonnenen Vereinspublikation, stellte er seine Aufgaben als Auswandererberater dar. Seine Tätigkeit, die auch diverse Reisen nach Übersee beinhalteten, umfassten die Planung der zwangsweisen Auswanderung der Juden sowie deren Finanzierung und Verwaltung.

Seligsohns Frau und zwei Kinder emigrierten schon 1938 in die Niederlande. Seligsohn selbst setzte seine Tätigkeit bei der Reichsvereinigung fort, obwohl er für seine Familie und sich bereits die Ausreisepapiere hatte und sich nach Beginn des Zweiten Weltkrieges im Ausland aufhielt.Esriel Hildesheimer: Jüdische Selbstverwaltung unter dem NS-Regime; Tübingen 1994, S. 112 Seine Frau und Kinder konnten im September 1939 in die USA nach New York City auswandern.Esriel Hildesheimer: Jüdische Selbstverwaltung unter dem NS-Regime; Tübingen 1994, S. 202

Aufgrund seines öffentlichen Protestes gegen die Deportationen von Juden aus Baden und der Pfalz im Oktober 1940 durch Ansetzen eines reichsweiten Fastentages wurde er im November 1940 durch Gestapo-Angehörige festgenommen und kurz darauf in das KZ Sachsenhausen eingeliefert. Von der Reichsvereinigung setzte sich Eppstein bei dem im Eichmannreferat tätigen Fritz Wöhrn mehrfach erfolglos für die Freilassung Seligsohns ein. Seligsohn starb im KZ Sachsenhausen am 28. Februar 1942 angeblich an einer Lungenentzündung. Auch nach Esriel Hildesheimer kam Seligsohn im KZ Sachsenhausen ums Leben.Esriel Hildesheimer: Jüdische Selbstverwaltung unter dem NS-Regime; Tübingen 1994, S. 123

Im Juni 1942 fand in der Synagoge des Jewish Theological Seminary of America die Trauerfeier für Julius Seligsohn unter Teilnahme seiner Frau und Kinder statt. Die Trauerrede hielt Max Grünewald, ein emigrierter Rabbiner und Freund Seligsohns.Aufbau, 19. Juni 1942, S. 24; (PDF; 470 kB)

mini|Grabstätte Er ist auf dem Jüdischen Friedhof Schönhauser Allee bestattet.

Literatur Julius L. Seligsohn. In: E. G. Lowenthal (Hrsg.): Bewährung im Untergang. Ein Gedenkbuch. Deutsche Verlags-Anstalt, Stuttgart 1965, S. 155–157. Seligsohn, Julius. In: Joseph Walk (Hrsg.): Kurzbiographien zur Geschichte der Juden 1918–1945. Saur, München 1988, ISBN 3-598-10477-4, S. 340

Esriel Hildesheimer: Jüdische Selbstverwaltung unter dem NS-Regime, Mohr Siebeck, Tübingen 1994, ISBN 3-16-146179-7. Otto Dov Kulka (Hrsg.): Deutsches Judentum unter dem Nationalsozialismus. Band 1: Dokumente zur Geschichte der Rechtsvertretung der deutschen Juden 1933–1939. Schriftenreihe wissenschaftlicher Abhandlungen des Leo Baeck Instituts, 54. Mohr Siebeck, Tübingen 1997, ISBN 3-16-146413-3. Beate Meyer, Hermann Simon, Chana C. Schütz: Juden in Berlin 1938–1945. Begleitband zur gleichnamigen Ausstellung in der Stiftung „Neue Synagoge Berlin – Centrum Judaicum“. Philo Verlagsgesellschaft, Berlin 2000, ISBN 3-8257-0168-9. Englische Ausgabe: Jews in Nazi Berlin: from Kristallnacht to liberation Google Books Gudrun Maierhof: Selbstbehauptung im Chaos: Frauen in der jüdischen Selbsthilfe 1933–1943. Campus Verlag, 2002, ISBN 3-593-37042-5. Adam N. Johnson: Julius L. Seligsohn: Der Auswandererberater. Hentrich und Hentrich Verlag, Leipzig, Berlin 2026 (Jüdische Miniaturen; 346), ISBN 978-3-95565-775-8.

Weblinks

Dr. Seligsohn, Outstanding Jewish Leader in Germany, Dies in Concentration Camp. In: Jewish Telegraphic Agency, 30. April 1942.

Einzelnachweise

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