mini|hochkant=1.5|Schwarzbärfell (Alaska) Mit Bärenfell oder Bärenhaut ist in der Regel das Fell der Großbären gemeint. Für die Felle der beiden für Pelze genutzten Kleinbärenarten siehe → Waschbärfell und → Bassariskfell. Für das Stifterbuch des Klosters Zwettl siehe unten → Stifterbuch des Klosters Zwettl, genannt Bärenhaut.
Bis vor dem Ersten Weltkrieg (1914 bis 1918) wurden noch viele Eisbärfelle über Dänemark in das Pelzgroßhandelszentrum Leipziger Brühl nach Deutschland eingeführt, ebenso wurden auf dem Brühl kanadische Braunbären weitergehandelt. Ein Zeitgenosse erinnerte sich 1940 noch an die großen, tief herabfallenden Kragen für die herrschaftlichen Kutscher, aber auch an die Verwendung als Vorleger: „In dem Boudoir, vor dem Flügel oder in einer Ecke des Herrenzimmers liebte man diese Ungeheuer“, und zwar mit einem „großen, rachenaufreißenden Kopf.“Philipp Manes: Die deutsche Pelzindustrie und ihre Verbände 1900–1940, Versuch einer Geschichte. Berlin 1941 Band 1. Durchschrift des Originalmanuskripts, S. 17 (Kollektion G. & C. Franke).
Seitdem wird von den Großbärenfellen für Bekleidungszwecke nur noch gelegentlich das Fell des Baribals genutzt. Das Bärenfell hat pelzwirtschaftlich und hinsichtlich der Verwendungsmöglichkeit nur geringe Bedeutung. Für heutige Bedürfnisse ist das Pelzwerk zu grob und zu stark im Haar, vielfach zu gekräuselt oder zottelig und überdies zu schwer. Allerdings ist der Anfall, schon infolge des Rückgangs der Bestände und der deshalb eingeleiteten Schutzmaßnahmen, inzwischen so gering, dass allein deshalb keine größere Verwendung zu erwarten wäre. Ansonsten werden Bärenfelle fast nur als Decken, Fuß- und Wandteppiche (teils naturalisiert, mit ausgearbeiteten Köpfen) gebraucht. Das Haar wird auch zu Pinseln verarbeitet (Pinselbären).
Genutzt wurde auch das Bärenfleisch, Bärentatzen galten als Delikatesse. Dem Bärenfett wurde in manchen Ländern eine hohe Heilkraft beigemessen, in Deutschland auch als Haarwuchsmittel.
Braunbär mini|„Mitglied der Bruderschaft der Medizinmänner, in sein heiliges Bärenfell gehüllt“ (Arikaree-Indianer, 1908)
Der Braunbär hat die weiteste Verbreitung unter den Bären, er ist aber fast überall durch Bejagung und Zerstörung des Lebensraums stark dezimiert oder zurückgedrängt, in Europa kommt er fast nur noch in Spanien, den Balkanländern sowie in Nordskandinavien und Russland vor. Bei der Gletschermumie Ötzi fanden sich Schuhe mit Sohlen aus Bärenfell, das Haar nach innen gearbeitet.R. Goedecker-Ciolek: Zur Herstellungstechnik von Kleidung und Ausrüstungsgegenständen. In: Markus Egg, Konrad Spindler: Die Gletschermumie vom Ende der Steinzeit aus den Ötztaler Alpen. In: Jahrbuch des Römisch-Germanischen Zentralmuseums. 39/2, 1992, S. 101–106.
Im Russland der Zarenzeit war der Bärenpelz, „stets mit einem blauen Tuchüberzug versehen, die tägliche Winterkleidung der Vornehmen und Reichen. Bevorzugt wurde das Fell des schwarzen sibirischen Bären, an dem man das tiefe Schwarz, die Länge des Haares und die Leichtigkeit besonders schätzte. Haltbarkeit und Widerstandsfähigkeit machten den Bärenpelz zu dem auch für das schlimmste Winterwetter geeigneten Kleidungsstück. Braune und graue Bärenfelle fanden für diesen Zweck nur wenig Verwendung.“ Der Pelzmantel gehörte zur Ausstattung jedes russischen Bauern und Bürgers, er war Ausdruck der sozialen Stellung seines Besitzers: „Und manch einer träumte davon, die Stufenleiter aller Pelze, vom Schafpelz zum Bärenpelz und zuletzt zum Ehrenpelz, den der Zar als höchste Vergütung verlieh, zu durchlaufen.“Ohne Autorenangabe: Der Pelzmantel als Symbol der Standeszugehörigkeit. In: Der Rauchwarenmarkt Nr. 40, 2. Oktober 1936, S. 5. Nur gelegentlich wurden Braunbärfelle, die dicker im Haar sind als die kanadischen Schwarzbären, gefärbt und wie diese zu Grenadiermützen verarbeitet.Jonathan Faiers: Fur - A Sensitive History. Yale University Press, New Haven und London, 2020, S. 195 (englisch), ISBN 978-0-300-22720-8 .
mini|links|Ausgearbeiteter Kopf eines Braunbären Die Felllänge kann bis zu über 2 Meter betragen. Das Fell des Kodiakbären ist mit über 3 Meter die größte Unterart, es ist größer als das des Kamtschatkabären und dieses größer als das des Uralbären. Die verschiedenen Formen variieren beträchtlich in Größe und Färbung. Allein im Gebiet der früheren Sowjetunion bilden die Bären hinsichtlich ihres Fells keine einheitliche Gruppe. Kamtschatkabären und die ebenfalls großen von der Tschuktschen-Halbinsel haben ein sehr langes, weiches und dichtes Fell. Groß sind auch die Bären aus der Region Transbaikalien und der Jakutischen Republik, allerdings beträchtlich kleiner als die aus der Region Kamtschatka, in der Fellfarbe überwiegen dunkelbraune, manchmal fast schwarze Töne. Typisch für die zentralasiatischen und in Tibet beheimateten Bären ist eine dunkle, fast bläulich schimmernde Färbung, es kommen jedoch auch dunkelbraune Exemplare vor. In der Regel haben sie in der Schulterpartie einen breiten weißen Streifen in der Form eines Ringes. Eine mittlere Größe haben die Bären aus den Waldgebieten des europäischen Russlands. Das Fell ist von mittlerer Haardichte und Weichheit, die Farbe ist braun, zumeist etwas heller als bei den sibirischen Bären. Nordkaukasische Arten sind etwas kleiner als nordeuropäische, die Farbe variiert von braungelb bis hellbraun. Fahl isabellfarben sind die Felle der Isabell-Braunbären aus dem Himalaya und den Syrischen Braunbären. Silbergrau in verschiedensten Färbungen ist der nordamerikanische Grizzlybär (deshalb auch Graubär).
Ähnlich unterschiedlich sind die Nordamerikanischen Braunbären, eine Auflistung nennt acht verschiedene Formen.Anthony: Field Book. Zitiert von Fritz Schmidt (Sekundärquelle): Das Buch von den Pelzen und Pelztieren. Darunter ist der größte aller heutigen Bären, der Kodiakbär.
Die beste amerikanische Qualität (Ones) sind die kurz vor oder während der Winterruhe erbeuteten Felle. Sie sind gutfarbig braun und das Haar ist ziemlich gerade. Die 2. Qualität (Twos) stammt aus der Zeit danach, diese Felle sind rostfarben oder schlecht in der Farbe. Das Haar hat zu der Zeit die Tendenz sich korkenzieherartig zu verdrehen, was das Fell verfilzt und matt aussehen lässt.Max Bachrach: Fur. A Practical Treatise. Verlag Prentice-Hall, Inc., New York 1936. S. 302–304 (englisch)
Der russische Handelsstandard unterscheidet nach Herkommen: Sibirier, Nördliche, Russische, Kaukasische Sorten: I = vollhaarig, II = weniger vollhaarig, III = halbhaarig, IV = dünn Farben: a) dunkel b) braun Größen: größte = 177 cm und länger, mittelgroße = 142 bis 177 cm, kleine = 106 bis 142 cm, Jungtiere = 71 bis 106 cm, Bärenjunge = bis 71 cm.
Die älteste vergleichende Haltbarkeitstabelle für Pelze mit einer Wertung von 1 bis 100 nennt Braunbär- und Schwarzbärfelle fast ganz oben in der Liste mit 94 Punkten.Kurt Nestler: Rauchwaren- und Pelzhandel. Max Jänecke Verlagsbuchhandlung, Leipzig 1929, S. 102. Nach der Tabelle des amerikanischen Pelzveredlungsfachmanns William E. Austin. Wobei der Versuch des Vergleichs mit anderen, mehr als Bekleidung genutzten Pelzarten wohl eher problematisch ist.
1851 wird als die derzeitige Verwendung des Braun- oder Isabellabären für Kleidung amerikanischer Damen genannt. Auch in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts wurden kleine amerikanische Braunbärfelle noch im Land selbst verarbeitet. Insbesondere die dort nicht gefragten braunen Qualitäten wurden über London weiter nach Europa und Asien exportiert. Der heutige Fellanfall ist unerheblich und für den Handel ohne Bedeutung. Die Felle werden offen, das heißt nicht rund abgezogen, angeliefert.
Die einzelnen Unterarten und Herkommen sind unterschiedlich stark geschützt (Washingtoner Artenschutzübereinkommen Anhang I (3 Unterarten) beziehungsweise II (Populationen Nordamerikas und Europas außer Russland). Andere Populationen werden zwar nicht vom W. A., aber durch die Bundesartenschutzverordnung erfasst. Die europäische Population ist zusätzlich nach der BArtSchV strengstens geschützt).
Grizzlybär (Grislybär) oder Graubär mini|Berg-Grizzlyfell (Alaska) Das Vorkommen des Grizzlybärs beschränkt sich auf Nordamerika, von Alaska, Kanada und den Rocky Mountains bis im Süden zu den mexikanischen Hochländern. Innerhalb des Gebietes leben zahlreiche geographische Rassen, die sich neben anderen Merkmalen auch in der Fellfarbe unterscheiden. Das Haarbild zeigt mitunter mehr helle, licht- bis eisengraue Schattierungen. In seiner Gesamtwirkung erscheint es etwas meliert, manchmal aber auch dunkelgraubraun bis dunkelbraun. Die Behaarung ist dicht und lang, gelegentlich etwas grob, im Nacken befindet sich häufig ein Ansatz zur Mähnenbildung. Grizzlys erreichen eine Gesamtlänge von 2,50 Meter.
Die wenigen anfallenden Felle werden zu Decken und Vorlegern genutzt, Jungtiere mit etwas weicherem Haar eignen sich auch für Kragen und Besätze.
Baribal oder Schwarzer Bär
mini|links|Königin Elisabeth in offener Kutsche mit ihrem Mann Prinz Philip als Grenadier Guard mit Bärenfellmütze (2007)
Der Baribal, auch Schwarzer Bär oder Amerikanischer Bär, mit mehreren Unterarten, lebt in den Waldgebieten des nördlichen Kanadas bis hinunter nach Mittel-Mexiko. Wegen der gewissen Ähnlichkeit des Haarkleids mit dem Skunkfell wurde er in der Pelzbranche auch Skunkbär genannt. Er wird 1,5 bis 2 Meter lang. Das Fell ist meist schwarz, häufig auch zimtfarben, selten rotgrau bis blaugrau und silbergrau. Das Haar ist relativ kurz bis länger, rauch, feinhaariger als bei anderen Bärenarten, glänzend und dicht. Die bräunliche bis schwarzbraune Unterwolle ist fein und dicht. Das etwa 4 bis 5 Zentimeter lange Unterhaar wird durch die etwa 10 Zentimeter langen, glänzend schwarzen Grannenhaare übergedeckt. Ein Teil der Felle hat eine Nackenmähne. Das Leder ist feiner als das anderer Bärenarten.
Für Pelzbekleidung und Besätze (früher besonders zu Kutscherkragen) wurden die besonders feinhaarigen und geschmeidigen Felle von bis zu einem Jahr alten Tieren bevorzugt („Cubbären“). Allgemein für Pelzzwecke geeignete Felle wurden auch Pelzbären („Furriers“) genannt. Die Felle älterer Tiere wurden zu Decken verarbeitet („Deckenbären“). In England fanden Bärenfelle auch für die „Hammercloth“ genannte Kutscherdecke der traditionellen Kutschen Verwendung, die sonst eher aus dekorativem, prachtvoll verzierten Stoff gearbeitet war. Ferner wurde 1851 die Verwendung der Felle amerikanischer Schwarzbären, neben der militärischen Nutzung, für Mützen, bei Pistolenhalftern, Vorlegern, Schlittendecken und anderem genannt. Farbvarianten sind der Silber oder Gletscherbär (Ursus americanus emmonsii dall). Seine Heimat sind die Gletscherregionen des südöstlichen Alaskas. Die Körperseiten sind meist silbergrau, manchmal hell, fast silberfarben, auch tiefschwarz. Weiterhin der Zimtbär (Ursus americanus cinnamomum Audubon & Bachmann) aus dem Nördlichen Felsengebirge, der mehr rötlichbraun gefärbt ist.
Traditionell unterscheidet der Fellhandel nach Verwendbarkeit: Pelzbären: mittelgroße Felle mit langem, dichtem und feinem Haar, für Kragen, Mützen und Garnituren. Cubbären, 1852 werden sie auch als „in der Kürschnersprache“ als Kopfbären bezeichnet erwähntAlexander Lachmann: Die Pelzthiere. Ein Handbuch für Kürschner und Rauchwaarenhändler. Baumgärtner’s Buchhandlung, Leipzig 1852, S. 105–106.: kleine, feinhaarige, dünnledrige Felle von einjährigen Baribals, die ebenso zu Pelzwerk verarbeitet werden. Bei einer Einteilung der Pelztiere in die Haar-Feinheitsklassen seidig, fein, mittelfein, gröber und hart wird das Haar des Cubbären als gröber bis hart eingestuft.Paul Schöps, Kurt Häse: Die Feinheit der Behaarung – Die Feinheits-Klassen. In: Das Pelzgewerbe Jg. VI / Neue Folge, 1955 Nr. 2, Hermelin-Verlag Dr. Paul Schöps, Leipzig, Berlin, Frankfurt am Main, S. 39–40 (Anmerkung: fein (teils seidig); mittelfein (teils fein); gröber (mittelfein bis grob)).