mini|Anders Zorn, Selbstporträt mit Polarwolf-Pelz (1915)

Allgemein mini|hochkant|Zwei Männer in Wolfsmänteln (Schweden 1897) Wölfe wurden als Schädlinge verfolgt. Ihr Vorkommen ist heute nur noch in den asiatischen Teilen der ehemaligen Sowjetunion, in der Mongolei, in Alaska, Kanada und Mexiko, vereinzelt in den Gebirgen Südwesteuropas, in Skandinavien, Finnland und Osteuropa. Einige kleinere Populationen bauen sich in Deutschland wieder auf.

Infolge des weiten Verbreitungsgebiets zeigen die Felle in der Färbung und Haarbeschaffenheit große Unterschiede. Meist sind sie mehr oder weniger gelbbraun, doch gibt es auch dunklere bis fast schwarze, wie auch ganz helle Exemplare. Der Rücken zeigt oft eine durch die schwarzen Grannenspitzen hervorgerufene sattelartige Zeichnung. Bis auf einige amerikanische Rassen sind die Haare grob und steif, teils unterschiedlich lang. Das Fell ist 1,00 bis 1,40 Meter lang, der Schweif 30 bis 48 Zentimeter.

Der Haltbarkeitskoeffizient für Wolfsfelle wird mit 60 bis 70 Prozent angegeben.Die angegebenen vergleichenden Werte (Koeffizienten) sind das Ergebnis vergleichender Prüfung durch Kürschner und Rauchwarenhändler in Bezug auf den Grad der offenbaren Abnutzung. Die Zahlen sind nicht eindeutig, zu den subjektiven Beobachtungen der Haltbarkeit in der Praxis kommen in jedem Einzelfall Beeinflussungen durch Pelzzurichtung und Pelzveredlung sowie zahlreiche weitere Faktoren hinzu. Eine genauere Angabe könnte nur auf wissenschaftlicher Grundlage ermittelt werden. Die nach praktischer Erfahrung haltbarsten Fellarten wurden auf 100 Prozent gesetzt.Paul Schöps; H. Brauckhoff, Stuttgart; K. Häse, Leipzig, Richard König, Frankfurt/Main; W. Straube-Daiber, Stuttgart: Die Haltbarkeitskoeffizienten der Pelzfelle in Das Pelzgewerbe, Jahrgang XV, Neue Folge, 1964, Nr. 2, Hermelin Verlag Dr. Paul Schöps, Berlin, Frankfurt/Main, Leipzig, Wien, S. 56–58 Bei einer Einteilung der Pelztiere in die Haar-Feinheitsklassen seidig, fein, mittelfein, gröber und hart wird das Wolfshaar als gröber eingestuft, das des Polarwolfs als fein.Paul Schöps, Kurt Häse: Die Feinheit der Behaarung - Die Feinheits-Klassen. In: Das Pelzgewerbe Jg. VI / Neue Folge, 1955 Nr. 2, Hermelin-Verlag Dr. Paul Schöps, Leipzig, Berlin, Frankfurt am Main, S. 39–40 (Anmerkung: fein (teils seidig); mittelfein (teils fein); gröber (mittelfein bis grob)).

Als wertvollste Felle gelten die des Polarwolfs, als die besten der Übrigen die des sibirischen Wolfs. Geringer bewertet werden die zentralen und kasachischen Wölfe, noch geringer die mittelasiatischen, die schlechteste Sorte ist die der kaukasischen Wölfe. Nach Ansicht der Polarforscher Nansen und Sverdrup geben die Felle von kanadischen und sibirischen Wölfen den besten Kälteschutz ab.

Einige amerikanische und asiatische Wolfspopulationen wurden in Anhang I des Washingtoner Artenschutzübereinkommens aufgenommen, alle übrigen in Anhang II. Die europäischen Populationen waren streng geschützt nach BNatSchG seit 31. August 1980, Höchstschutz seit 1. Juni 1997. Im Jahr 2024 beschloss der Ausschuss der ständigen Vertreter der Mitgliedstaaten der Europäischen Union den Schutzstatus von „streng geschützt“ auf „geschützt“ in der Berner Konvention herabzustufen. Nach dem neuen Status „geschützt“, ist der Wolf zwar nach wie vor „schutzbedürftig“, kann aber unter bestimmten Umständen bejagt werden. Bei Annahme des Vorschlags in der Berner Konvention im Dezember 2024 kann die Fauna-Flora-Habitat (FFH)-Richtlinie entsprechend angepasst werden, wofür allerdings erneute Abstimmungen innerhalb der EU-Gremien erforderlich sind.Schutzstatus des Wolfs soll abgesenkt werden. BMEL/DBV/WWF/LBV/Red, Verlag Eugen Ulmer, Stuttgart, 7. Oktober 2024. Abgerufen am 10. Oktober 2024.

Geschichte, Verarbeitung mini|links|Jäger mit Wolfsfellen (Fries am Institut de Paléontologie Humaine, Paris) hochkant|mini|Polarforscher Roald Amundsen (1872–1928) mit Wolfsfell-Parka und -Hose

Die in Herodots (* 490/480 v. Chr.; † um 424 v. Chr.) Berichten der Skythen über die Neuren, deren nördliches Nachbarvolk, erwähnten Verwandlungen der Neurer in Wölfe werden zumeist dahin gedeutet, dass sich die Neurer klimabedingt in Wolfspelze kleideten.

Auch von anderen nordeuropäischen Männern wurde berichtet, dass sie sich, insbesondere während des Kampfes, in Wolfsfell kleideten. In der Vatnsdœla Saga wird beispielsweise überliefert:

Als in Mitteleuropa noch reichlicher Wölfe lebten, wurden die Felle als Unterlagen in Betten und als Pelzinnenfutter benutzt. „Die Wolfshaut wird insgeheim zu den Beltz- und Futterzweck unter die Kleider gebrauchet / und kommen nicht so leichtlich Maden / Flöh oder Läuse darein“ (Fürstlich-Adlige neuersonnene Jagdlust, 1711).

Über den grauen Wolf heißt es 1762, dass man ihn nur zu den Dekken für die Stubenthüren, um die Schue daran vom Kote zu reinigen, oder zum Schwarzfärben gebrauchen kann.

Insbesondere in Russland, Polen, Ungarn und der Türkei wurden die dünnledrigeren Wolfsfelle zu Reisepelzen verarbeitet. Eine weitere Verwendung waren bis in die zweite Hälfte des 20. Jahrhunderts in großer Anzahl Zimmer-, Schlitten- und Wagendecken sowie Fußsäcke aus Fell, ebenso arbeitete man Kutschergarnituren, „wenn auch etwas auffälliger Natur“,Heinrich Hanicke: Handbuch für Kürschner. Verlag von Alexander Duncker, Leipzig 1895, S. 88. Die opulenten Herrenmäntel, vorwiegend aus russischen Polarwölfen gearbeitet, trugen die Bezeichnung Wildschur, um 1300 bereits als „Wintschur“ erwähnt. Das im Deutschen fälschlich an Wild und Schur angelehnte Wort stammt aus dem Polnischen, wo es wilczura heißt, abgeleitet von „wilk“ (Plural von Wolf).Adelung: Grammatisch-kritisches Wörterbuch der Hochdeutschen Mundart, Band 4. Leipzig 1801, S. 1547 hier online. Durch überall beheizte Räume und vor allem durch geschlossene, klimatisierte Fahrzeuge wurde die Wildschur überflüssig.

Die Verwendung der Wolfsfelle war jedoch schon immer recht beschränkt. Felle, bei denen Ohren, Nase, Lippen und Augenlöcher unverletzt waren, wurden später vielfach naturalisiert, das heißt, der Kopf wurde ausgestopft, meist mit einem künstlichen Gebiss versehen, um dann als Schmuck für Herren- und Jagdzimmer zu dienen. Um 1900, als Feder- und Pelzboas sehr in Mode waren, wurden vereinzelt schöne Wolfsfelle auch für diese Art der rundum behaarten Fellschals verwendet. Dafür wurde die Fellmitte (der Grotzen) mindestens drei bis vier Zentimeter breit herausgeschnitten, da sie sonst kammartig und oft borstig hervorsteht. Auch aus diesen Grotzenstreifen wurden, allerdings geringwertigere, Boas gearbeitet, indem man sie in schmalen Streifen um eine Schnur drehte (siehe dazu den Artikel Schweifdrehen). Auch wurden die Haare der abfallenden Grotzen zum Spitzen benutzt, dem Veredeln billigerer Fellsorten als Silberfuchs-Imitation.Paul Larisch, Josef Schmid: Das Kürschner-Handwerk. 1. Jg. Nr. 2, III. Teil, Selbstverlag, Paris November 1902, S. 51.

Ein Leipziger Rauchwarenhändler erinnerte sich, wie im ersten Viertel des 20. Jahrhunderts die Mode der wenig haltbaren Besätze aus Ziegenfell von strapazierfähigeren Schakalfellkragen und Wolfsfellen abgelöst wurde: „Die Schakale, die früher selten in der Branche gehandelt wurden, stammten aus vielen Ländern, die Wölfe waren geringe Sorten aus nordamerikanischen Gebieten. Erstere wurden auf schwarz, braun und skunksartig gefärbt, während die Wölfe blaugrau gefärbt wurden. Beides blieb längere Zeit ein großer Artikel, sie hatten jedoch den Nachteil, äußerst haltbar zu sein.“Friedrich Jäkel: Der Brühl von 1900 bis zum 2. Weltkrieg (4. Fortsetzung). In: Rund um den Pelz Nr. 6, Juni 1966, S. 53.

Bis in die 1940er Jahre wurde Wolf ansonsten als Kleidung nur zur Verbrämung oder für Fellschals verwendet. Meist blieb das Fell naturfarben, es wurde aber auch in verschiedene Schattierungen eingefärbt: beige und silber auf die helleren Felle, braun, braunschwarz und blauschwarz auf die dunkleren Typen.

Die derzeit anfallenden Felle werden für Länder mit mitteleuropäischem Klima hauptsächlich zu Besätzen für Kragen und Kapuzen verarbeitet, manchmal zu Felldecken und fast kaum noch zu den auffälligen, weil voluminösen (Herren-)Jacken und Mänteln. Noch um die 1960/1970er Jahre waren Männermäntel aus Wolfsfell in Wintersportorten und Eisstadien häufiger zu sehen, der „Gentleman-Playboy“ Gunter Sachs war prominenter Träger eines Wolfsmantels – nach heutigem Handelsbrauch war es wohl eher ein Coyotenmantel.Thomas Hoepker: Gunter Sachs in Fur Coat, 1966. In The Red List - War Reporting and Photojournalism, zuletzt abgerufen am 15. Dezember 2013. Felle kanadischer und sibirischer Wölfe sind für die Verarbeitung zu Kleidung für unsere Breitengrade eigentlich zu schwer und auch zu gewaltig, die unter der damals üblichen Bezeichnung Wolf gehandelten Mäntel und Jacken stammten deshalb fast ausnahmslos vom Coyoten, die nach heutiger zoologischer Einordnung tatsächlichen nördlichen Wolfspelze blieben als Vollpelzbekleidung weitgehend den Polarforschern, Eskimos und anderen Nordlandbewohnern vorbehalten.

Lediglich gelegentlich wurden beispielsweise sogar Timberwölfe zu beeindruckenden Pelzen für den mutigen Mann gearbeitet. Um das Gewicht zu vermindern und das stark verfilzte Fell duftiger zu machen, wurden manchmal schmale Lederstreifen (Galons) in das Fellleder genäht, das so genannte Galonieren. Mit der kürschnerischen Arbeitstechnik des Auslassens können die Felle auf Kosten der Breite in die benötigten Längen verändert werden. Die Felle eignen sich besonders als Kapuzenverbrämungen in extrem kalten Gegenden (Alaska), weil bei Frost der Atem die Haare weniger bereift als bei den meisten anderen Pelzarten. Da Timberwolffelle jedoch ganz überwiegend für dekorative Vorleger oder Wandschmuck in Jagdhütten, Sommercamps und manchmal in Hobbykellern Verwendung finden, ist es wichtig, dass die Köpfe mit den Nasen und die Pfoten einschließlich der Krallen beim Abziehen und Gerben erhalten bleiben.Terence Ruttle: How to Grade Furs. Canada Department of Agriculture, publication 1362, Ottawa 1968, S. 41 (englisch).

Wie bei allen Pelzarten werden auch vom Wolfsfell die abfallenden Pelzstücke verwendet. Pfoten, Köpfe und Rumpfstücken werden bei ausreichendem Aufkommen zu so genannten Bodys zusammengesetzt. Der Hauptort für die Bodyarbeit in Europa ist seit alters her das griechische Kastoria und der kleinere, in der Nähe gelegene Ort Siatista. Als Pelzhalbfabrikat werden die Felltafeln zur Endverarbeitung wieder exportiert, meist zur Verwendung als Futter für winterliche Textilbekleidung und für kleinere Teile, wie zum Beispiel Fellwesten.

Handelssorten

mini|hochkant=0.6|Timberwolf-Herrenjacke (ca. 2003) mini|hochkant=0.6|Wolf als Uniformbesatz höherer Militärdienstgrade (Sankt Petersburg, Leutnant Mordvinova, 1842) Zoologisch werden folgende Unterarten anerkannt:

Arabischer Wolf, Ägyptischer Wolf, Buffalo Wolf, Eurasischer Wolf, Hokkaidō-Wolf (ausgestorben), Honshū-Wolf (ausgestorben), Iberischer Wolf, Indischer Wolf, Italienischer Wolf, Kanadischer Wolf, Kaspischer Wolf, Mackenzie-Wolf, Mexikanischer Wolf, Polarwolf, Russischer Wolf, Tibetischer Wolf, Timberwolf und der Tundrawolf.

In der Rauchwarenbranche sind unter anderem folgende Begriffe üblich:

Grauwolf Der Rücken, der Schweif und die Flanken des nordamerikanischen Grauwolfs sind grau (eine Mischung aus schwarzen, weißen und braunen Grannenhaaren), die Wamme und die Kehle sind heller, gelegentlich fast weiß. Die Pfoten, die Schnauze und die Ohren sind hellbraun bis zimtfarbig.