mini|Winterlandschaft in Ramenskoje in der Oblast Moskau mini|Schneebedeckung im Jahresverlauf der Erde mini|Blick auf St. Michael im Lungau im Winter

Der Winter (von althochdeutsch wintar, zurückführbar wie gotisch wintrus auf eine germanische Wurzel; etymologisch unklar (s. u.), vermutet wurden früher unter anderem eine Herkunft von indogermanisch ṷi- „glänzen“, ṷed- „befeuchten, fließen“ und Verwandtschaft mit „Wasser“ als „das Fließende“Alois Walde: Lateinisches etymologisches Wörterbuch. 3. Auflage, besorgt von Johann Baptist Hofmann, 3 Bände. Heidelberg 1938–1965, Band 2, S. 806 (s. v. vitrum) und 817 (s. v. unda). sowie ein Zusammenhang mit einer Wurzel mit der Bedeutung „weiß“Friedrich Kluge, Alfred Götze: Etymologisches Wörterbuch der deutschen Sprache. 20. Auflage. Hrsg. von Walther Mitzka. De Gruyter, Berlin / New York 1967; Neudruck („21. unveränderte Auflage“) ebenda 1975, ISBN 3-11-005709-3, S. 862.) ist die kälteste der vier Jahreszeiten in den subtropischen, gemäßigten und polaren Klimazonen der Erde. Je nachdem, ob er gerade auf der Nord- oder der Südhalbkugel herrscht, spricht man vom Nordwinter oder Südwinter. Der Nordwinter findet gleichzeitig mit dem Südsommer statt.

Entstehung

Die Jahreszeiten entstehen, weil die Erdrotation nicht in der Ebene der Umlaufbahn um die Sonne erfolgt, sondern um 23,4° geneigt (siehe Ekliptikschiefe). Dadurch liegen Süd- und Nordpol abwechselnd ein halbes Jahr im streifenden Sonnenlicht, und der Zenitstand der Sonne wechselt im Jahreszyklus zwischen südlichem und nördlichem Wendekreis.

Winteranfang und Dauer Astronomie 500px|rechts|Jahresverlauf der Jahreszeiten

Astronomisch bzw. kalendarisch beginnt der Winter mit der Wintersonnenwende – dem Zeitpunkt, zu dem die Sonne senkrecht über dem Wendekreis der anderen Erdhälfte steht und die Tage am kürzesten sind: auf der Nordhemisphäre am 21. oder 22. Dezember und auf der Südhemisphäre am 21. Juni. Danach werden die Tage wieder länger und die Nächte kürzer. Der Winter endet mit der Frühlings-Tag-und-Nacht-Gleiche am 20. März oder in der Nacht zum 21. März auf der Nordhalbkugel und 22. oder 23. September für die Südhalbkugel.

Der Winter dauert somit 89 Tage auf der Nordhalbkugel und 93 Tage auf der Südhalbkugel.

Im ostasiatischen Kulturkreis, der vom chinesischen Kalender geprägt ist, beginnt der Winter bereits, wenn die Sonne 45° vor dem Sonnenwendpunkt steht (7. oder 8. November), und endet, wenn die Sonne 45° dahinter steht (3., 4. oder 5. Februar). Die Sonnenwende liegt in der Mitte des Winters.

Da die Umlaufbahn der Erde um die Sonne leicht elliptisch ist, d. h. von einer exakten Kreisbahn um 1,7 % abweicht, sind die vier Jahreszeiten nicht genau gleich lang. Die Nordwinter sind wegen der Sonnennähe (Perihel am 3. Januar) etwas kürzer und milder als die Südwinter.

Meteorologie mini|Erster Schnee in Mecklenburg am 3. Dezember 2021 In der Meteorologie wird der Beginn des Nordwinters am 1. Dezember angesetzt. Er umfasst somit die Monate Dezember, Januar und Februar.

Phänologisch kann der Winterbeginn vom astronomischen erheblich abweichen und wird neben der Land-Meer-Verteilung (maritimes vs. kontinentales Klima) oft durch den Beginn einer dauerhaften Schneedecke markiert. Die Zu- oder Abnahme von Gletschern hängt aber weniger von der winterlichen Schneelage als vom ersten Neuschnee im Herbst ab, der die Ablation hemmt.

In den Alpen ist das Fest „Darstellung des Herrn“ (volkstümlich „Mariä Lichtmess“) am 2. Februar ein statistischer „Lostag“ für das Wetter des Spätwinters. Bekannt ist der Spruch „Wenn’s zu Lichtmess stürmt und schneit, ist das Frühjahr nimmer weit“. Mit gleicher Bedeutung, nur andersherum formuliert, existiert auch die Bauernregel: „Sonnt der Dachs sich in der Lichtmesswoch’, bleibt er noch 4 Wochen in sei’m Loch!“

Genähert teilt man dem Winter auf der Nordhalbkugel die Monate Dezember, Januar und Februar zu und in der Südhemisphäre den Juni, Juli und August. An den geografischen Polen herrscht ein halbes Jahr die „Polarnacht“; nahe den Polarkreisen dauert sie einige Tage bis Wochen.

Energiewirtschaft In der Energiewirtschaft wird der Winter wegen des dann höheren Energiebedarfes abweichend von den jahreszeitlichen Definitionen als Winterhalbjahr vom 1. Oktober bis zum 31. März festgelegt.Energiewirtschaftsgesetz (EnWG) § 3 Nr. 40.

Wetterlagen und ihr Einfluss auf das Winterwetter mini|Typische Wetterlagen im Winter

Das Winterwetter in Mitteleuropa wird von verschiedenen Wetterlagen bestimmt, die sich aus der Wechselwirkung von Hoch- und Tiefdruckgebieten ergeben. Die Wetterlagen können einen Tag bis mehrere Wochen andauern. Ihr Fortbestehen oder Wechsel lässt sich nur wenige Tage im Voraus bestimmen. Eine Westwetterlage mit Tiefdruck über Nordeuropa und Hochdruck über Südeuropa bringt feuchte und eher milde Luft vom Atlantik nach Mitteleuropa. Je nach Höhenlage kann es schneien oder regnen. Von Westen herkommende Stürme sind möglich. Bei der Südwestwetterlage mit Hochdruck über Südosteuropa und Tiefdruck bei den Britischen Inseln strömt milde Luft herbei. Mögliche Niederschläge fallen auch in den Hochlagen als Regen. Diese Wetterlage ist mitverantwortlich für das Weihnachtstauwetter. Im Wirkungsbereich einer Nordwetterlage mit Hochdruck über West- und Tiefdruck über Osteuropa bringen Nordwestwinde feucht-milde und Nordostwinde trockenere und kältere Luft. Die Ost- oder Nordostwetterlage mit Hochdruck über Nord- und Tiefdruck über Südeuropa bewirkt den Zustrom trockener kalter Kontinentalluft.Wetterlagen im Winter und warum ihn niemand vorhersagen kann. In: wetterkanal.kachelmannwetter.com, abgerufen am 28. Dezember 2015.

Winter im Klimawandel Die Winter werden insbesondere in Deutschland seit über zwei Jahrzehnten feuchter und milder.bildungsserver.hamburg.de. Abgerufen am 28. Dezember 2015. (offline) Nach früheren Klimaprognosen wird dieser Trend fortgesetzt.Im Sommer Starkregen, im Winter nass und mild. In: focus.de, abgerufen am 28. Dezember 2015. (offline) Neueren Studien zufolge begünstigt jedoch paradoxerweise die durch die Erderwärmung bedingte Eisschmelze am Nordpol die Bildung von Hochdruckgebieten über Eurasien, sodass hier in Zukunft vermehrt strenge Winter erwartet werden,Das Paradox der Klimaerwärmung: Deutsche müssen sich dauerhaft auf extreme Winter einstellen. In: focus.de, abgerufen am 28. Dezember 2015. (offline)Erderwärmung könnte Winter kälter werden lassen. In: pik-potsdam.de, abgerufen am 28. Dezember 2015. (offline) wie etwa bei den Schneefällen in Mitteleuropa im Januar 2019. Im Winter 2019/20 konnte in Deutschland erstmals kein Eiswein hergestellt werden.

Im Winter 2020/21 betrug die Durchschnittstemperatur 1,8 Grad Celsius. Die durchschnittliche Niederschlagsmenge betrug 180 Liter pro Quadratmeter.

Rekorde Weltweit

Die weltweit niedrigste Temperatur wurden mit −93 °C, an einem Gebirgskamm in der östlichen Antarktis, vom Erdbeobachtungssatelliten Landsat 8 gemessen.Helmholtz extrem. Minus 93° – Die niedrigste Temperatur auf Erden Helmholtz-Gemeinschaft Deutscher Forschungszentren, abgerufen am 17. September 2024.

Europa

In Europa gab es den wärmsten Winter 2019/20 mit 3,4 °C über der durchschnittlich gemessenen Temperatur aus den Jahren 1981 bis 2010.

Deutschland

In Deutschland gab es den kältesten Winter 1962/1963 mit einer mittleren Temperatur von −5,5 °C und den wärmsten Winter 2006/07 mit einer Temperatur von 4,4 °C.dwd.de. Abgerufen am 28. Dezember 2015. (offline) Die tiefste Temperatur lag bei −37,8 °C am 12. Februar 1929 in Hüll (Oberbayern). Die höchste Schneemenge betrug am 2. April 1944 auf dem Zugspitzplatt 8,30 Meter. Hier ereignete sich am 24. März 2004 auch der stärkste Schneefall binnen 24 Stunden, der 1,50 Meter hohen Neuschnee brachte.Wetterrekorde in Deutschland und weltweit. In: wetterprognose-wettervorhersage.de, abgerufen am 28. Dezember 2015.

Schweiz Das landesweite Mittel des Winters 2023/24 (Dezember 2023 bis Februar 2024) lag bei 0,9 °C und somit 2,8 °C über der Norm 1991–2020. Es war der bisher wärmste Winter seit Messbeginn 1864. Zuvor war der Winter 2019/20 der bisher mildeste Winter, damals mit einem landesweiten Mittel von 0,7 °C. Der kälteste Ort, gemessen an der mittleren Jahrestemperatur 1981-2010, war mit −7,2 °C das Jungfraujoch. Der Kältepol befindet sich in La Brévine, wo am 12. Januar 1987 −41,8 °C gemessen wurden, was unter den heutigen Messbedingungen −42,5 °C entspricht. Die größte Schneehöhe wurde im April 1999 mit 816 cm auf dem Säntis gemessen. Am meisten innerhalb eines Tages schneite es mit je 130 cm am 15. April 1999 auf dem Berninapass und am 30. März 2018 auf dem Grimselpass.

Australien Während des Südwinters 2024 wurden in Australien neue Temperaturhöchstrekorde verzeichnet. So wurde gegen Ende August 2024 in der Region Kimberley 41,5 °C gemessen, womit der bisherige australische Winterhöchstrekord aus dem Jahr 2020 um rund 0,3 °C übertroffen wurde.

Kultur Wie im Sommer gibt es auch im Winter alte Bräuche, die teilweise überlebt haben oder wiederbelebt wurden: zum Beispiel die Sonnenwende als Weihnachten, Alban Arthuan (keltisch), Julfest (nordisch/germanisch), Yalda-Nacht (iranisch), Karneval/Fastnacht/Fasching, Maskenball, Winterverbrennung und Perchtenlauf. Zahlreiche Schriftsteller und Poeten thematisierten Eigenheiten des Winters und durch ihn ausgelöste Gefühle und Empfindungen.Wintergedichte/ausgew. von Evelyne Polt-Heinzl und Christine Schmidjell, Hrsg. Evelyne Polt-Heinzl, Christine Schmidjell, Reclam Stuttgart 2012, ISBN 978-3-15-018938-2.Anne Marie Fröhlich (Hrsg.): Winter – Texte aus der Weltliteratur, Manesse Verlag, Zürich 1989, ISBN 3-7175-1780-5.

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Etymologie Germanische Sprachen Das Wort Winter ist ein germanisches „Sonderwort“: es findet sich ähnlich in allen germanischen Sprachen, aber nirgendwo sonst:Zu den ältesten germanischen Belegen siehe Maria Tallen: Wortgeographie der Jahreszeitennamen in den germanischen Sprachen. Schmitz, Gießen 1963, S. 169 f.

Westgermanisch: althochdeutsch wintar > mittelhochdeutsch winter, gelegentlich winder > neuhochdeutsch Winter, jiddisch ווינטער ‚vinter‘, luxemburgisch Wanter altsächsisch wintar > mittel- und neuniederdeutsch winter altenglisch uinter, winter, wintær > mittelenglisch winter, daneben winnterr, wyntra, vinter, vyntyr, wenter, wintir, wintur, wyntre, wintre, wunter > neuenglisch winter alt-, mittel- und neufriesisch winter altniederländisch wintar > neuniederländisch und afrikaans winter Nordgermanisch: auf dem Runenstein von Rök (um 800) uintur oder uintura (Akk. Pl.) altostnordisch vintr > dänisch, norwegisch und schwedisch vinter altwestnordisch vintr, daneben vetr, älter auch vettr (mit regelmäßiger Assimilation von -nt- zu -tt-), später vetur (mit Sprossvokal) > isländisch und färingisch vetur, neunorwegisch vetter Ostgermanisch: gotisch wintrus Ferner wählte L. L. Zamenhof für das Esperanto vintro als Bezeichnung für den Winter aus; neben somero ist dies eine von zwei Jahreszeitenbezeichnungen in dieser Plansprache, die nicht romanischen, sondern germanischen Ursprungs ist.